VW muss Anlegerklagen in den USA verhandeln, Musterklage in Deutschland

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 06.01.2017

Der deutsche Autohersteller Volkswagen hatte gehofft, die Klagen von Anlegern an einem deutschen Gericht verhandeln zu dürfen. In Deutschland sind Strafzahlungen meist geringer als in den Vereinigten Staaten. Der zuständige Richter aus Kalifornien ließ den Autohersteller allerdings nicht damit durchgehen. Er begründete seine Entscheidung damit, dass die USA ein Interesse daran hätten, ihre heimischen Investoren zu schützen. Auch in Deutschland steht der Konzern vor Schwierigkeiten: Der Rechtsdienstleiter MyRight reichte eine Musterklage ein, die die Vorstände ins Schwitzen bringt.

MyRight wirft VW vor, dass die manipulierten Dieselmodelle nie hätten verkauft werden dürfen. Das würde bedeuten, dass VW alle betroffenen Fahrzeuge zurücknehmen müsste. Bisher wurden nur Autohändler der Mängel und Manipulation bezichtigt - die neue Anklagewelle wird vermutlich direkt an die Hersteller gerichtet werden.

Grundlage für diese Klage bietet ein Mahnverfahren der Europäischen Union. Eine rechtliche Behörde in Brüssel hatte festgestellt, dass VW mit dem Verkauf der Fahrzeuge gegen EU-Recht verstoßen hat: Jedes in der EU verkaufte Fahrzeug braucht eine Übereinstimmungsbescheinigung, durch die der Autohersteller bestätigt, dass seine Fahrzeuge dem EU-Recht entsprechen.

In den USA ist die Klage schon im Gange - in Deutschland fängt sie gerade erst an

Das Verfahren, welches der VW-Vorstand nach Deutschland verlegen wollte, ist nur ein Nebenverfahren der großen „Dieselgate“-Affäre. Kläger sind US-Pensionfonds, die in Hinterlegungsscheine, also sogenannte Schattenaktien, investiert hatten. Diese Aktien dienen der einfacheren Investition an ausländischen Unternehmen. Bisher musste das Unternehmen aus Wolfsburg schon 15 Milliarden Euro für die betroffenen Autos mit 2,0-Liter-Motor zahlen - eine vergleichbare Summe wird wohl auch für Autos mit größeren Motoren fällig werden.

In Deutschland lehnte der Konzern bisher jede Art von Kompensation ab. In Folge dessen kamen über 100.000 VW-Kunden auf MyRight zu, die jetzt eine Sammelklage planen. Deutschlandweit sind 2,6 Millionen Fahrer betroffen. Auch hier könnten wieder zweistellige Milliardenbeträge fällig werden. Allerdings hat VW in Deutschland keine Rücklagen.

Das bedeutet das Verfahren für Autofahrer

Alle von der Manipulation betroffenen Autos können umgerüstet werden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schadstoffe verringert werden - es wird nur die Software des manipulierten Steuergeräts (EA 189) korrigiert. Betroffen sind vor allem die Modelle Golf und Passat. Kfz-Finanzierung und Leasingraten laufen wie gewohnt weiter, denn eine wirkliche Wertminderung für die Autos entsteht nicht.

Quellen: Spiegel Online, Autobild

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