Zahlreiche Babyboomer erwartet die Altersarmut

Zuletzt aktualisiert am 27.06.2017

Düstere Aussichten für die Rentner der Zukunft: Bis 2036 könnten bis zu 20 Prozent der Ruheständler an der Armutsgrenze leben – vier Prozent mehr als noch 2015. Das fand jetzt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heraus, die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben worden war. Besonders gefährdet seien dabei Erwerbslose, Ungelernte und Frauen.

Wer jetzt noch mitten im Berufsleben steht, könnte in rund 20 Jahren vor einem großen finanziellen Problem stehen. Denn die Vertreter der geburtenstarken Babyboomer-Generation erwartet ein deutlich erhöhtes Risiko zur Altersarmut, als es bei Rentnern momentan der Fall ist. 

Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (IBW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausfanden, werden dann um die 20 Prozent der Pensionäre unter der Armutsgrenze leben. Das sind ganze vier Prozent mehr als noch 2015. Frauen, Arbeitslose und Menschen ohne Berufsausbildung haben dabei ein besonders hohes Armutsrisiko.

Unterbrochene Erwerbstätigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse

Neben der allgemeinen Überalterung der Gesellschaft und der damit einhergehenden Verschiebung des Verhältnisses von Rentnern und Erwerbstätigen, spielen auch die immer weniger kontinuierlichen Arbeitsverhältnisse eine Rolle. Das erhöhte Risiko für Frauen ergibt sich dabei aus der Elternzeit, in der Mütter für einige Jahre aus dem Berufsleben aussteigen. Besonders alleinstehende Frauen sind gefährdet: Unter ihnen wird der Anteil derer, die von zusätzlichen staatlichen Leistungen abhängig sind, von momentan 16,2 Prozent auf 27,8 Prozent im Jahr 2036 steigen. 

Befristete Arbeitsverträge, Ich-AGs und weitere prekäre Beschäftigungsformen im Niedriglohnsektor betreffen besonders Geringqualifizierte. So kommen viele Erwerbstätige nicht einmal mehr annähernd auf die angestrebten 35 oder 40 Jahre im Berufsleben. Gerade im Osten ist das ein Problem, weshalb hier das Armutsrisiko für Pensionäre zusätzlich erhöht ist.

Pläne der Bundesregierung reichen nicht aus

Seit 1984 befragt das DIW für das Sozioökonomische Panel um die 30.000 Personen in 15.000 Haushalten zu Bildung, Einkommen, Gesundheit und Erwerbssituation. Da nach Möglichkeit immer die gleichen Stichproben befragt werden, gilt die Langzeitstudie als besonders bedeutsam und zuverlässig. 

Schon 2016 hatte die Bundesregierung in ihrem Alterssicherungsbericht ähnlich besorgniserregende Visionen zur Zukunft des Rentenniveaus in Deutschland gezeichnet. Die bisher anvisierten Mittel zur Bekämpfung der Altersarmut – private Vorsorge, Solidarrente oder eine Stabilisierung des Rentenniveaus – scheinen aber nicht ausreichend. „Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Um das Alterssicherungssystem zukunftsfest zu gestalten, müssen wir es heute an die veränderten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt anpassen“, stellt der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung Aart De Geus fest.

Weitere Meldungen im Überblick

  • Investorendruck befeuert Nestlé-Aktie: Der Manager des Hedgefonds Third Point, der 1,25 Prozent der Nestlé-Aktien hält, übt Druck auf den weltweit größten Lebensmittelkonzern aus. Die Forderung zum Verkauf der von Nestlé gehaltenen L’Oréal-Aktien sorgte dabei für einen Anstieg der Nestlé-Aktie um vier Prozent.
  • Lufthansa plant keine Übernahme von Air Berlin: Seit Längerem unterstützt Lufthansa die schwächelnde Fluggesellschaft Air Berlin durch das Leasing von Flugzeugen. Weitergehende Kooperationsmaßnahmen fasst Lufthansa-Chef Carsten Spohr zwar ins Auge, eine vollständige Unternehmensübernahme schließt er aber aus.

Quellen: Handelsblatt, Zeit.de, Spiegel Online, SZ

Spartipps und News:

Newsletter abonnieren & gratis PDF erhalten

Durch die Nutzung von FinanceScout24 stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.