Zinsen für Steuernachzahlung zu hoch?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 31.08.2016

Der Bund der Steuerzahler (BdST) kritisiert den Zinssatz, der bei einer Steuernachzahlung anfällt, als zu hoch. In der Niedrigzinsphase sind die Zinsen für Kredite und Spareinlagen deutlich gesunken, der Zinssatz für Erstattungen und Nachzahlungen bei der Steuer ist dagegen seit 50 Jahren unverändert.

Bei einer Steuernachzahlung müssen die säumigen Zahler einen Zinssatz von sechs Prozent pro Jahr an das Finanzamt zahlen. Bei einem Ratenkredit fallen mittlerweile allerdings deutlich niedrigere Zinsen an und auch Sparer erhalten aktuell nur noch minimale Renditen. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) kritisiert deshalb die große Abweichung.

Zinssatz für Steuernachzahlung seit Jahrzehnten konstant

Sowohl für Steuernachzahlungen als auch für Steuererstattungen liegt der Zinssatz bei 0,5 Prozent im Monat – das entspricht sechs Prozent pro Jahr. Die Zinsen für einen Ratenkredit sind in den vergangenen Jahren allerdings deutlich gefallen und liegen mittlerweile bei durchschnittlich 4,8 Prozent. Die Zinsen, die Sparer auf ihre Einlagen erhalten, betragen inzwischen sogar nur noch einen Bruchteil: 0,29 Prozent gibt es im Durchschnitt für Festgeld und 0,26 Prozent für Tagesgeld. Das Bundesfinanzministerium sieht nach Informationen der „Welt“ allerdings keinen Handlungsbedarf angesichts dieser Diskrepanz und kommentiert: „Der Zinssatz ist kein Marktzins. Er ist seit über 50 Jahren unverändert und nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesfinanzhofs verfassungskonform.“

Bund der Steuerzahler empfiehlt Einspruch

Dieser Zinssatz fällt zwar erst nach 15 Monaten an, wenn die Steuernachzahlung in diesem Zeitraum nicht stattgefunden hat, wird aber trotzdem vom Bund der Steuerzahler als zu hoch kritisiert. Das gilt auch für die Zinsen, die bei einer Steuererstattung gezahlt werden. BdST-Präsident Reiner Holznagel erklärt: „Der Fiskus muss sich fragen, warum er bei Steuererstattungen bessere Konditionen anbieten kann als Banken und Sparkassen. Schließlich werden die hohen Erstattungszinsen wieder aus Steuermitteln gezahlt.“

Aktuell unterstützt die Interessenvertretung ein Verfahren vor dem Finanzgericht Münster, in dem gegen die Steuerbescheide eines Ehepaars für die Jahre 2010 und 2011 geklagt wird. Da die endgültige Steuer erst Anfang 2016 festgesetzt wurde, geht es erstmals um einen aktuellen Zinszeitraum. Es kann also überprüft werden, ob der geltende Zinssatz noch zeitgemäß ist. Der Bund der Steuerzahler empfiehlt, bei einer Steuernachzahlung Einspruch gegen den Bescheid einzulegen und auf das Verfahren in Münster zu verweisen. Sollte dieses Erfolg haben, könnten Steuerzahler später ihre zu viel gezahlten Zinsen zurückerhalten.

Quelle: Welt

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