Zinsen verboten: Islambank eröffnet in Deutschland

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.07.2015

Mit „Kuveyt Türk“ eröffnet Anfang Juli erstmals eine sogenannte Islambank drei Filialen in Deutschland. In Frankfurt am Main, Berlin und Mannheim können Kunden demnächst Geldgeschäfte im Einklang mit dem Koran betreiben. Da Zinsen verboten sind, muss das Geldinstitut auf ein alternatives Geschäftsmodell zurückgreifen.

4,5 Millionen Muslime mit einem geschätzten Vermögen im zweistelligen Milliardenbereich leben in Deutschland. Von dieser Finanzkraft können Geldinstituten hierzulande jedoch nur zu einem geringen Teil profitieren. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, wollen viele Gläubige ihr Geld nach den Regeln des Islams anlegen. Da dies bei deutschen Banken nicht möglich ist, mussten Muslime dafür bisher ins Ausland ausweichen. Etwa 500 Banken in rund 70 Ländern betreiben das sogenannte „Islamic Banking“.

Islambank verzichtet auf Zinsen und Investitionen in bestimmten Bereichen

Zinsen und Spekulationen sind für die Islambank verboten. Zudem darf sie aus religiösen Gründen nicht in Unternehmen investieren, die Geld mit Waffen, Tabak, Alkohol, Erotik oder Glücksspiel verdienen. Das Geschäftsmodell klassischer Banken, die für Kredite höhere Zinsen nehmen als sie Sparern für ihre Einlagen beispielsweise auf Festgeldkonten gewähren, funktioniert in der Islambank nicht. Institute wie die „Kuveyt Türk“ fungieren vielmehr als Zwischenhändler. Wenn ein Kunde eine Immobilie kaufen will, gewährt ihm die Islambank keinen Kredit, sondern erwirbt das Objekt selbst, um es dem Kunden mit einem Aufschlag wieder zu verkaufen. Wenn ein Unternehmen einen Kredit für Rohstoffe benötigt, kauft die Islambank die Rohstoffe. Hinter jedem Kredit steht also ein reales Gut. Spekulationsblasen sind in der islamischen Finanzwelt somit ausgeschlossen.

Da Zinsen nicht mit dem muslimischen Glauben vereinbar sind, erhalten Kunden für ihre Einlagen bei Islambanken keinen festen Zinssatz. Sie zahlen ihr Geld stattdessen in ein sogenanntes Beteiligungskonto ein. Die Einlagen aller Kunden fließen in einen Topf, mit dem die Islambank wirtschaftet. Die Kontoinhaber werden an den Gewinnen beteiligt, müssen aber auch Verluste gemeinsam schultern.

 

Verbraucherschützer: Geschäftsmodell muss transparent sein

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Kuveyt Türk von der deutschen Finanzaufsicht eine Banklizenz erhalten hat. Dadurch profitieren die Kunden der Islambank auch von der Einlagensicherung. Sollte das Institut in Schieflage geraten, sind die Einlagen pro Kunde bis zu einem Wert von 100.000 Euro geschützt. Verbraucherschützer stehen dem Islamic Banking grundsätzlich positiv gegenüber. Die Verbraucherzentrale Berlin kündigte bereits an, dass sie sich in den nächsten Monaten intensiver mit diesem das Geschäftsmodell auseinandersetzen werde. Kunden müssten über Vorteile und Risiken aufgeklärt werden, fordern die Verbraucherschützer. Zudem soll der Unterschied zwischen in Deutschland betriebenen türkischen Banken ohne islamkonformes Geschäftsmodell transparent sein. Insgesamt plant die Kuveyt Türk in absehbarer Zeit bundesweit zehn Zweigstellen. 

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