Devisen: Das Geschäft mit der Fremdwährung

Zuletzt aktualisiert am 27.06.2017

An keinem anderen Finanzmarkt ist so viel los wie am Devisenmarkt. Rund um die Uhr wird hier mit Fremdwährungen gehandelt. Die dadurch hohen Kursschwankungen machen große Gewinne möglich, bergen aber auch die Gefahr von erheblichen Verlusten. Wer als Privatanleger in Devisen investieren will, muss sich zuerst in das komplexe Thema rund um das Devisengeschäft einarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

    Devisen

    Devisen sind Guthaben oder Forderungen in einer ausländischen Währung. Beispiele sind Guthaben auf Auslandsbanken, ausländische Wertpapiere oder Geldersatzmittel wie Schecks.

    Devisen sind etwas, mit dem alle schon einmal zu tun hatten, sofern sie jemals Urlaub außerhalb des Euro-Raums verbracht hat. Für den Welthandel und die Politik ist die Entwicklung der Devisenkurse von zentraler Bedeutung. Wir erklären Ihnen deshalb, wie Devisen funktionieren und wie sie sich auf die Weltwirtschaft auswirken.

    Was sind Devisen?

    Eine sehr einfache Devisen-Definition lesen Sie oben. Von Guthaben, Wertpapieren oder Schecks zu unterscheiden sind Banknoten und Münzen der ausländischen Währung. Sie bezeichnet man als Sorten. Bargeld gilt nur dann als Devise, wenn es auf ein Fremdwährungs- oder Devisenkonto eingezahlt wurde.

    Devisen als Geldanlage

    Devisen dienen einerseits dem Zahlungsverkehr im Ausland. Wenn internationale Unternehmen miteinander Geschäfte abschließen, fließen bargeldlose Zahlungsmittel in Fremdwährung. Andererseits bieten Devisen eine Form der Geldanlage.

    Devisen werden interessant wenn:

    1. Zu befürchten ist, dass die eigene Währung an Wert verlieren wird: Indem man sein Vermögen in einer fremden Währung anlegt, kann man es vor der Inflation in Sicherheit bringen.
    2. Davon auszugehen ist, dass eine andere Währung an Wert gewinnt: In diesem Fall werden Devisen gekauft, um Sie nach einem Kursanstieg der Fremdwährung mit Gewinn wieder zu verkaufen.

    Wird jedoch stark in eine Währung spekuliert – wollen also sehr viele Anleger ihr Geld in dieser Währung anlegen – steigt auch das Inflationsrisiko. Spekulationen im Devisengeschäft versprechen hohe Gewinne, bergen aber auch die Gefahr großer Verluste. Sie sind also eher für Anleger mit einer gewissen Risikobereitschaft geeignet, die auch Verluste verkraften können.

    Gehandelt werden Devisen auf dem Devisenmarkt, auch Forex (kurz für Foreign Exchange) genannt. Dort betreiben Händler Devisenhandel, aus dem wiederum die aktuellen Devisenkurse hervorgehen. Der Devisenkurs gibt an, wie viel eine Währung, beispielsweise US-Dollar in einer anderen Währung, zum Beispiel dem Euro, wert ist.

    Wann kommt der Otto-Normalverbraucher in Kontakt mit Devisen?

    Geläufiger als der Begriff Devisenkurs ist für den Durchschnittsverbraucher der Wechselkurs.

    Wenn Sie Urlaub außerhalb des Euroraums machen, tauschen Sie Bargeld in der Wechselstube oder heben es vom Geldautomaten ab. Der Tausch in eine andere Währung erfolgt in einem bestimmten Verhältnis, dem Wechselkurs, der sich ständig ändert. Ist zum Beispiel der Wert des Dollars im Verlauf Ihres vierwöchigen USA-Urlaub gestiegen und Sie tauschen nicht ausgegebene US-Dollar am Ende des Urlaubs in Euro zurück, fliegen Sie mit Gewinn nach Hause. So haben Sie als Urlauber Devisenhandel betrieben.

    Im Alltag haben Menschen regelmäßig mit Sorten und Devisen zu tun, ohne sich dessen bewusst zu sein: So beispielsweise auch beim Online-Shopping bei Händlern außerhalb der Eurozone.

    Währungsreserven und Desiven hängen zusammen

    Zur Sicherung ihrer internationalen Zahlungsfähigkeit legen Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die amerikanische Fed Reserven an. Ein Teil davon sind Devisenreserven. Mit ihnen werden auch Defizite im internationalen Zahlungsverkehr ausgeglichen.

    Währungsreserven ermöglichen es einem Land zudem, den Wechselkurs durch Kauf oder Verkauf von inländischer Währung und Devisen zu beeinflussen.

    In Deutschland verwaltet die Deutsche Bundesbank die Währungsreserven, im Euro-Währungsraum die Europäische Zentralbank.

    Aktuelles Beispiel Russland

    Im Juni 2015 wurden die Devisenreserven in Russland erhöht, um die Kapitalabflüsse zu decken und den stark gefallenen Rubelkurs zu stützen. Dies zeigt das Zusammenspiel von Währungsreserven und Devisen.

    Der Devisenmarkt

    Der Devisenmarkt (Forex) lässt sich nicht örtlich lokalisieren. Der Handel verläuft nicht zentral über einen Börsenstandort, sondern über Computersysteme. Dies geschieht rund um die Uhr – außer in der Regel an Wochenenden – und weltweit.

    Der Vorteil dieses dezentralen und selbstregulierenden Markts ist, dass keine Transaktionskosten anfallen. Auch gibt es im Gegensatz zur Börse keine Aufsichtsstelle, die den Devisenmarkt beobachtet. Mit einem Tagesumsatz von rund fünf Billionen US-Dollar ist der Devisenmarkt der größte der drei Finanzmärkte, zu denen neben dem Devisenmarkt der Geldmarkt sowie der Kredit- und Kapitalmarkt gehören.

    Devisenhandel

    Der internationale Devisenhandel begann 1880, als es erstmals möglich war, ein Konto im Ausland in einer anderen Währung zu eröffnen. Dies schuf die Voraussetzung für die ersten Währungsgeschäfte. 1944 wurden der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank gegründet.

    Es bestanden zunächst feste Wechselkurse, bis die USA gegen Ende der 1960er Jahre eine inflationäre Geldpolitik betrieben, um ihr wachsendes Außenhandelsdefizit auszugleichen und die anderen Staaten nicht mehr bereit waren, die Entwertung des US-Dollars aufzufangen. 1973 begann das sogenannte „Free Floating“ also frei schwankende Wechselkurse von Währungen der Europäischen Gemeinschaft gegen den US-Dollar, die in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden.

    VorteileNachteile
    Bereits mit relativ geringem Kapiteleinsatz möglich Hoch spekulativ
    Handel nahezu jederzeit möglich Extreme Kursschwankungen rund um die Uhr
    Hohe Gewinne in kurzer Zeit möglich Risiko großer Verluste innerhalb kurzer Zeit
    Ortsunabhängig, benötigt werden nur ein Rechner, ein Forex-Account und eine verlässliche Internetverbindung Unübersichtlicher Markt, daher solides Fachwissen und viel Erfahrung erforderlich
    Durch die verschiedenen Arten des Devisenhandels (z.B. Swapgeschäfte) kann sowohl bei positiver als auch bei negativer Marktentwicklung Profit geschlagen werden  

    Arten des Devisenhandels

    Je nach Zeitpunkt der Erfüllung des Währungsgeschäfts unterscheidet man verschiedene Devisengeschäfte.

    Devisenkassageschäfte Kassageschäfte bieten wenig Raum für Spekulationen. Zwischen Geschäftsabschluss und Erfüllung liegen nicht mehr als zwei Werktage. In der Regel handelt es sich also um einen reinen Währungstausch. Klassisches Beispiel ist der Umtausch von Bargeld im Urlaubsland.
    Devisentermingeschäfte Beim Termingeschäft legen die Vertragspartner am Tag des Abschlusses fest, wann und zu welchem Kurs der Währungstausch stattfindet. Wenn jemand zum Beispiel in einem Jahr in die USA reisen will, kann er darauf spekulieren, dass der Dollar am Tag der Auszahlung weniger wert wird als der Kurs, den er sich gesichert hat.
    Devisenarbitragegeschäfte Bei Arbitragegeschäften wird nicht auf die Kursänderung zwischen den Zeitpunkten von Kauf und Verkauf spekuliert, sondern auf die aktuelle Spanne zwischen Geld- und Briefkurs, also dem Ankauf- und dem Verkaufspreis. Händler nutzen die Kursunterschiede an mehreren Devisenmärkten aus.
    Devisenswapgeschäfte Als Devisenswap bezeichnet man die Differenz, die zwischen Termin- und Kassakurs einer Währung entsteht. Bei einem Swapgeschäft stellt ein Partner dem anderen sofort Devisen zur Verfügung (Kassageschäft) und vereinbart gleichzeitig einen festen Termin und Kurs für den Rückkauf (Termingeschäft).

    Handel mit Devisen

    Devisen können nicht erworben, sondern nur durch eine andere Währung getauscht werden. Wenn man eine Währung erwirbt, verkauft man automatisch die andere. Der Handel findet immer in festen Währungspaaren statt. Der Euro kann zum Beispiel gegen US-Dollar, Schweizer Franken, Britische Pfund, Kanadische Dollar, Australische Dollar und Neuseelanddollar getauscht werden.

    Der Handel läuft oft in Form von Derivaten ab. Darunter fallen zum Beispiel Währungszertifikate. Dabei entstehen jedoch Kosten. Wer dies vermeiden will, handelt Devisen online direkt am Forex-Markt. Um in den elektronischen Markt einzusteigen, gibt es spezielle Forex-Handelssoftware. Wer sich dies alleine nicht zutraut, kann auch die Dienste eines Brokers oder Devisenhändlers in Anspruch nehmen.

    Devisenbörsen gibt es, sie sind aber nicht der übliche Handelsplatz

    Devisen werden teilweise an eigens dafür spezialisierten Börsen gehandelt. In Deutschland ist die Hauptbörse die Frankfurter Wertpapierbörse. Der größte Teil des Devisenhandels findet hierzulande jedoch außerbörslich statt.

    In einigen Ländern wie den USA oder der Schweiz gibt es keine Devisenbörsen. Der größte Teil des weltweiten Devisenhandels läuft im Interbankenhandel, also dem Handel der Kreditinstitute untereinander, ab.

    So handeln Sie als Privatanleger mit Devisen

    Wer als Privatanleger mit Devisen handeln will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es sich dabei um ein hochspekulatives Geschäft handelt. Selbst wer im Aktienhandel erfahren ist, betritt mit dem Forex-Markt ein zunächst kaum überschaubares, neues Pflaster mit sehr hohem Risiko.

    Investieren Sie nur Geld in den Devisenmarkt, das Sie entbehren können. Dies gilt insbesondere, wenn Sie auf eigene Faust ins Devisengeschäft einsteigen. Der Handel kann nämlich komplett online abgewickelt werden. Eine Filialbank wird nicht benötigt. Viele Broker bieten Seminare und Lehrgänge zum Thema Devisenhandel für Anfänger.

    Desivenhandel ist hochspekulativ

    Überlegen Sie sich als Privatanleger genau, ob Sie in den Devisenhandel einsteigen möchten. Dieser ist nämlich hochspekulativ und selbst für erfahrene Aktienhändler zunächst schwer überschaubar. Regel: Investieren Sie nur so viel Geld in den Devisenhandel, wie Sie selbst bei einem Totalverlust verkraften können.

    Die Kosten, die im Forex anfallen, betragen nur einen Bruchteil der Gebühren beim Aktienhandel. Durchschnittlich werden pro Order etwa 0,006 Prozent für den Dienstleister fällig. An der Börse sind es pro Transaktion 0,1 bis 0,6 Prozent. Auch gibt es im Forex in der Regel keine Grundkosten.

    Was den Devisenhandel darüber hinaus attraktiv macht, ist der relativ niedrige Kapitaleinsatz. Dieser ist der Hebelwirkung im Devisengeschäft zu verdanken. Das eingesetzte Kapital kann wesentlich geringer sein als der tatsächlich gehandelte Wert.

    Beispiel zur Hebel-Wirkung

    Wenn Sie mit einem Hebel von 1:100 handeln und eine Transaktion in Höhe von 10.000 Euro abschließen wollen, reicht es, wenn Sie ein Prozent der Summe, also 100 Euro, zum Zeitpunkt des Handels auf Ihrem Forex-Account haben. Je größer der Hebel, desto mehr können Sie gewinnen, desto höher ist jedoch auch das Verlustrisiko.

    Der Kapitaleinsatz bei Hebelgeschäften wird Margin genannt. Die Differenz zum tatsächlich gehandelten Kapital bringt der Broker auf. Die Margin kann als Sicherheitsleistung oder Mindesteinlage verstanden werden. Anders als im Handel mit Derivaten besteht im Devisengeschäft keine Nachschusspflicht, wenn es zum Totalverlust kommt. Anleger sind also nicht verpflichtet, einen negativen Kontostand auszugleichen.

    Die wichtigsten Devisen im Überblick

    Der Großteil der weltweiten Währungen ist konvertierbar und kann am Devisenmarkt gehandelt werden. Dennoch beschränken sich die meisten Broker auf die acht wichtigsten Währungen. Diese sind:

    WährungAbkürzungBrancheninterne Bezeichnung
    US-Dollar USD Greenback
    Euro EUR Gemeinschaftswährung
    Japanischer Yen JPY Japanischer Yen
    Australischer Dollar AUD Aussie
    Neuseeländischer Dollar NZD Kiwi
    Schweizer Franken CHF Swissi
    Britisches Pfund GBP Sterling
    Kanadischer Dollar CAD Loonie

    Konvertierbarkeit beim Devisenhandel

    Von Konvertierbarkeit spricht man dann, wenn eine Währung ohne Einschränkungen in eine andere Währung getauscht werden kann. Darüber entscheidet die Zentralbank des jeweiligen Landes. Die Konvertierbarkeit erleichtert den Welthandel. Ein Beispiel für eine nicht konvertible Währung war die Mark der DDR. Der Rubel wurde 2006 bei der Währungsliberalisierung in Russland frei konvertierbar.

    Wichtige Fachbegriffe

    Ask

    Wechselkurs, zu dem eine Währung zum Kauf angeboten wird (entspricht dem Briefkurs).

    Basiswährung

    Die Währung, in der der Wert der anderen Währung angegeben wird. Meist ist dies der US-Dollar.

    Call

    Recht zu kaufen / Kaufoption.

    Crossrate

    Wechselkurs, in den der US-Dollar nicht involviert ist.

    Exchange Rate

    Englisch für Wechselkurs.

    Hedging

    Absicherung gegen Kursschwankungen, zum Beispiel durch eine entgegengesetzte Option.

    Lot

    Standard-Handelsgröße, ein Lot entspricht 100.000 Einheiten der Basiswährung.

    Pip

    Die vierte Nachkommastelle eines Devisenkurses, an ihr wird die Wertänderung gemessen.

    Put

    Recht zu verkaufen / Verkaufsoption.

    Spread

    Differenz zwischen Geldkurs (Preis beim Kauf) und Briefkurs (Preis beim Verkauf).

    Devisenkurse und Weltwirtschaft

    Devisenkurse werden aus dem Durchschnitt zwischen dem Einkaufspreis einer Währung (Geldkurs) und ihrem Verkaufspreis (Briefkurs) berechnet. Dieser Durchschnitt wird oft auch als Devisenkassamittelkurs bezeichnet. In ihnen spiegelt sich also das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage einer Währung wider. Der Wechselkurs hat große Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, denn er beeinflusst die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Währungsraums.

    So wirken sich Devisenkurse auf die Wirtschaft aus

    Wenn der Wechselkurs steigt, erfährt die gehandelte Währung im Vergleich zur Basiswährung eine Abwertung. Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen:

    • Die Erzeugnisse des Währungsraums werden im Ausland billiger, wodurch die internationale Nachfrage steigt und das Land mehr exportiert.
    • Im Gegenzug nehmen die Importe ab, da Produkte aus einem anderen Währungsraum teurer werden.
    • Der Kapitalimport nimmt zu, da Unternehmen in den abgewerteten Währungsraum investieren.
    • Die Gefahr für eine Inflation wächst, da die Geldmenge schneller steigt als die Gütermenge. Der Wert des Geldes nimmt ab, Preise steigen.

    Bei einem sinkenden Wechselkurs verhält es sich umgekehrt:

    • Der Währungsraum findet im Ausland weniger Abnehmer für seine in Fremdwährung teurer gewordenen Produkte. Exporte sinken.
    • Es können günstig Waren aus dem Ausland eingekauft werden, wodurch die Importe steigen.
    • Der Tourismus wird angekurbelt, da Reisen in ein Land mit schwacher Währung für ausländische Verbraucher günstig sind.
    • Arbeitsplätze können aufgrund sinkender Exporte gefährdet werden.
    • Die Inflation wird gestoppt. Preise sinken.

    Aktuelle Devisenkurse ermitteln

    Aktuelle Devisenkurse findet man auch bei Währungsrechnern im Internet. Dort können Sie verschiedene Ausgangs- und Zielwährungen sowie der Betrag, den Sie umtauschen möchten, eingeben. Angezeigt werden der Wechselkurs und welchen Betrag Sie in der Zielwährung erhalten.

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