Ein Unternehmen gemeinsam gründen

Zuletzt aktualisiert am 19.06.2018

Eine Partnergründung bedeutet genau das: eine Partnerschaft. Der Rahmen ist zwar geschäftlich, dennoch sind die Wahl des Gründungspartners, die Einhaltung von Regeln und das Anstreben gleicher Ziele in der Unternehmensführung genauso wichtig wie in einer privaten Partnerschaft. Um das neue Unternehmen sicher durch unvorhersehbare Krisen zu bringen, sollten einige wichtige Entscheidungen bereits früh festgeschrieben werden.

Inhaltsverzeichnis

    Zu zweit oder als Team zu gründen, bündelt Kompetenzen, Arbeitskraft und Ressourcen. Fähigkeiten und Talente können sich ergänzen und so eine erfolgreiche Unternehmensführung entstehen lassen. Wie in jeder Partnerschaft gibt es Höhen und Tiefen, stressige Zeiten und Erfolge. Wenn Sie Ihren passenden Gründungspartner bereits gefunden haben und mitten in der Gründung stecken, wissen Sie wahrscheinlich bereits, wie viele Absprachen und Regelungen getroffen werden müssen. Viele Fragen werden erst während der Gründung bewusst und der Überblick geht schnell verloren.

    Neben den Meilensteinen wie Namens- und Logofindung gehören auch weniger angenehme Themen zu einer gemeinsamen Gründung. Schieben Sie diese nicht auf. Durch die Konfrontation mit diesen schwierigen Themen lernen Sie sich und Ihre Partner besser kennen. Damit Sie nicht gemeinsam im Unterlagen-Dschungel verschwinden und alle wichtigen Fragen sachlich und erfolgreich klären können, finden Sie nachfolgend die wichtigsten Punkte zur Klärung.

    Klären Sie diese Punkte so früh wie möglich:

    • Wer hat Entscheidungsbefugnisse im Krankheits- oder Sterbefall eines Gesellschafters?
    • Wo sind die entsprechenden Passwörter und Dokumente hinterlegt?
    • Wie sind Erbschaften und Versicherungen geregelt?
    • Wie läuft eine Gesellschaftsauflösung ab? Wie tritt ein Partner aus?
    • Wer übernimmt welche Kernbereiche und arbeitet wieviel?

    Zusätzlich finden Sie hier ein Gründer-Handbuch, in das Sie alle wichtigen Entscheidungen und Daten eintragen können: Arbeitsheft: Gemeinsam Gründen (PDF)

    Aufgaben und Verantwortungen verteilen

    Am Anfang einer Gründung übernimmt jeder mal eine Aufgabe, die nicht seinem Kerngebiet entspricht. Wird das Arbeitspensum dann zunehmend höher und auch dringlicher, kann ohne klare Absprachen Chaos oder gar Streit entstehen. Regeln Sie vorab Ihre Hauptaufgaben. Weiß jeder Partner um seine Verantwortungsbereiche, ist er motivierter und auch zielgerichteter. Nur so können Sie sich gegenseitig den Rücken freihalten. Das bedeutet aber auch, dass Sie sich vertrauen müssen. Zu delegieren und Verantwortungen abzugeben, gehört zu den Kernkompetenzen eines Unternehmers.

    Nicht immer kann jede kleine Alltagsentscheidung als Team besprochen werden. Mit der Einteilung der Kernbereiche sollten auch gewisse Entscheidungsbefugnisse geregelt werden. Besonders größere Teams scheitern öfters, wenn zuvor kein Chef festgelegt wurde. Denn viele Meinungen führen zu langen Diskussionen, die Zeit und Ressourcen verschwenden. Hat einer im Team das letzte Wort, können Streitereien leichter vermieden werden.

    Lohn und Arbeitszeit im Gründervertrag festlegen

    Hat ein Geschäftspartner kleine Kinder, befindet sich noch im Studium oder steigt in das Unternehmen neben einer Anstellung ein, wird sich das Arbeitspensum der Partner unterscheiden. Sprechen Sie über die Bedürfnisse und Arbeitszeiten des anderen. Seien Sie bei der Einschätzung Ihres möglichen Pensums auch ehrlich zu sich selbst. Zwei vollkommen erschöpfte Unternehmensführer sind sich und dem Unternehmen besonders in stressigen Phasen keine Stütze.

    Parallel zur Arbeitszeit muss über Geld gesprochen werden. Es können nicht alle Gesellschafter die gleiche Leistung erbringen. Wie wollen Sie den jeweiligen Beitrag zum Erfolg messen und wie wird er vergütet? Wer bekommt welche Firmenanteile? Dieses Thema kann heikel werden. Überstürzen Sie diese Entscheidungen nicht, denn sie sind essentiell für den gemeinsamen Erfolg. Es kann helfen, das Gespräch über mehrere Tage zu führen. Somit hat jeder von Ihnen Zeit, die damit verbundenen Fragen und Probleme für sich zu reflektieren.

    Es ist sowohl entscheidend, was für Sie aus dem Unternehmen fließt, als auch, was Sie einbringen. Patente, Technik und Sachgüter, Equipment, Geschäftskontakte und Know-how können von den Gesellschaftern eingebracht werden. Diese steigern den Wert der Firma und sollten nicht als selbstverständlich angesehen werden. Nicht jeder bringt die gleichen Anteile ein, berücksichtigen Sie das in Ihren Regelungen bezüglich Gehalt oder Unternehmensanteilen.

    In diesem Teil der Gespräche werden Sie viel über Kompetenzen und Erfahrungen sprechen. Selbst zu zweit werden Sie nicht alle wichtigen Bereiche der Unternehmensstruktur abdecken können. Klären Sie hier, welche Geschäftsbereiche wie Marketing, Buchhaltung, Personalmanagement, etc. Sie an externe Fachleute auslagern können oder ob Sie einen weiteren Partner für Ihre Gründung benötigen.

    Nachfolge, Erbe und Auflösung des Unternehmens

    Lebenspläne ändern sich, Krankheiten unterbrechen das Leben, junge Persönlichkeiten entwickeln sich oder Streit entsteht. Das und viele andere Szenarien können auf Sie als junges Unternehmen zukommen. In Phasen großer Veränderungen ist der Kopf oft nicht klar. Spielen Sie gemeinsam mit Ihren Partnergründern mögliche Szenarien gedanklich durch und notieren Sie Ihre Bedenken und Entscheidungen. Es ist meist sehr unangenehm über Sterbefälle oder Streit zu sprechen. Ist das Wichtigste für den Fall der Fälle jedoch einmal geklärt, können Sie vorbereitet und guten Gewissens in die Zukunft starten.

    Bei den Fragen um Nachfolge oder Erbe spielt auch der private Bereich der Gesellschafter eine erhebliche Rolle. Als funktionierende Unternehmenspartner müssen Sie ehrlich und vertraulich miteinander umgehen können. Soll die Familie im Fall von Krankheit oder Tod eingebunden werden? Wer erhält das Vermächtnis in Form von Geldern, Lizenzen, Patenten oder Immobilien? Wer hat Vollmachten oder gar Patientenverfügungen? Wie ist jeder Partner versichert?

    Auch Familienverhältnisse, Vermögenslagen und Zukunftspläne gehören als Vertrauens- und Informationsbasis zu klärenden Gesprächen dazu. Sie müssen sich vertrauen können, um gemeinsam eine Existenz aufbauen zu können. Sie teilen mit der Gründung Erfolge, Verantwortung und Lasten mit Ihren Partnern.

    Moderation und Dokumentation der Gründungsgespräche

    Ihre wichtigen Gründergespräche werden bei allen Beteiligten Emotionen hervorrufen: Freude, Trauer, Ängste, Neid, Wut, Zweifel. Damit Sie sicher durch diese Gründungsphase gelangen, kann es helfen, einen neutralen Moderator zu den Gesprächen hinzuzuziehen. Das kann eine außenstehende Vertrauensperson sein oder ein Gründungs- oder Unternehmensberater. Eine objektive Sichtweise hilft bei der Klärung und verhindert Streit. Dafür müssen alle Gründer den Moderator akzeptieren.

    Die wichtigsten Entscheidungen oder noch offene Fragen sollten Sie unbedingt schriftlich festhalten. So können Sie gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt fortfahren oder sich auf wichtige Argumente besinnen. Gehen Sie abschließend noch einmal kurz alle Entscheidungen durch, um nichts zu vergessen oder fehlerhaft niederzuschreiben. Im Gesellschaftsvertrag werden dann alle Regelungen und Vorkehrungen verankert.

    Gesellschaftsverträge & andere wichtige Dokumente

    Jeder Gründungspartner muss in Notfällen wissen, wo und wie die wichtigsten Unterlagen und Befugnisse zu finden sind. Lagern Sie am besten alle essentiellen Dokumente an einem Ort. Dieser sollte genauso wie Passwörter stets aktuell gehalten und gesichert werden. Zu den wichtigsten Dokumenten gehören:

    • Gesellschaftsverträge, Grundbuch- und Handelsregisterauszüge
    • Partnerverträge
    • Versicherungspolicen, Immobilienverträge, Vermögens- und Kreditverträge
    • Lizenzen, Patente, Software
    • Vollmachten, Patientenverfügungen, Kontodaten
    • Wichtige geschäftliche und private Kontakte
    • Urkunden und Wertpapiere
    • Schritte und Maßnahmen zur Erhaltung des Betriebsablaufs in Notfällen (inklusive Aufgaben, verantwortliche und zu informierende Personen)

    Das PDF mit Checklisten zur Absicherung des Unternehmens können Sie hier downloaden, ausfüllen und gemeinsam mit den entsprechenden Dokumenten verwahren. Die Angaben sind ohne Gewähr und dienen als Leitfaden durch die wichtigsten Themen der Gründungsgespräche: Arbeitsheft: Gemeinsam Gründen (PDF)

    *Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, jedoch beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

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