Selbstständige Frauen und Gründerinnen auf dem Vormarsch

Zuletzt aktualisiert am 19.06.2018

Noch 1977 mussten Frauen eine Arbeitserlaubnis ihres Ehemanns haben, um selbst erwerbstätig sein zu können. In den letzten 40 Jahren hat sich viel verändert: Frauenquoten, Gehaltsangleichungen und Girl-Boss-Bewegungen. Frauen gehören mit rund 40 Prozent heute zum festen Bestandteil von Existenzgründern - Tendenz steigend.

Inhaltsverzeichnis

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    Frauen gründen anders als Männer, soviel ist bekannt. Viele Studien befassen sich mit den Unterschieden von Frauen und Männern in Hinblick auf den Umgang mit Familie, Karriere und den Alltagsproblemen.

    Frauen überdenken ihre Handlungen länger, wägen mehr Risiken ab. Bei Existenzgründungen investieren sie durchschnittlich mehr Eigenkapital und starten eine Selbstständigkeit aus anderen Beweggründen als Männer. Sie wollen vor allem flexible Arbeitszeiten rund um das Familienleben und die Möglichkeit, eigene Ideen zu verwirklichen.

    Die meisten von Frauen entwickelten Produkte sind aus Problemen des Alltags entstanden, für die sie eine passende Lösung suchten. Häufige Themenbereiche sind die Kinderbetreuung, Mode, Ernährung, Beauty und Gesundheit.

    #Girlboss - Wie Frauen gründen

    Während Männer durchschnittlich 8 Monate von der Idee bis zur Gründung benötigen, bereiten Frauen ihre Gründung im Schnitt 11 Monate vor.1 Sie sind weniger auf den schnellen Erfolg und großen Gewinn aus, sondern legen Wert auf Stabilität und Nachhaltigkeit. Nicht nur deswegen sind Gründerinnen auf lange Sicht tatsächlich erfolgreicher.

    Die meisten Gründerinnen starten allein in die Selbstständigkeit. Das liegt zum einen an den Themenbereichen der weiblichen Gründungen, aber vor allem auch daran, dass Frauen überwiegend im Nebenerwerb gründen. Sie probieren die Geschäftsidee erst einmal aus, bevor sie aufs Ganze gehen.

    Laut einer aktuellen Studie würden rund 90 Prozent der Befragten ihr Familien- und Privatleben nicht dem Geschäft hinten anstellen2Gründungen während der Elternzeit oder als traditionelle Hausfrau geschehen dadurch selten direkt in Vollzeit.

    Neben der Flexibilität ist die „gläserne Decke“ ein häufiger Beweggrund zur Gründung für Frauen. Rund ein Drittel aller Frauen, die in Unternehmen nicht mehr weiter aufsteigen können, steigen aus und machen sich selbstständig. Trotz Frauenquoten sind Deutschlands Führungspositionen nur zu 29,4 Prozent von Frauen besetzt. Damit liegt die Bundesrepublik noch weit unter dem europäischen Durchschnitt von 33,1 Prozent (BMWi, 2016).

    Nicht zuletzt identifizieren Frauen sich mehr mit ihrem Unternehmen, als viele Männer. Sie gründen meist im Bereich ihrer eigenen Branche.

    Besonders in den technologischen Branchen der Start-Ups ist einiges aufzuholen: nur 14 Prozent aller Start-Ups haben eine Frau als Gründerin im Team. Bevor Frauen also nicht verstärkt die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) studieren und erlernen, werden sich auch die Gründerinnenzahlen in Start-Ups nicht signifikant verstärken.

    Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Frauen mit der Gründung sowie mit der Unternehmensführung stärker auf ethische und ökologische Werte bauen. Soziales Engagement, Umwelt, gerechte Bezahlung und Herstellungsbedingungen stehen in der Rangfolge der Prioritäten vor Wachstum und Gewinn.

    Förderungen und Finanzierung für Gründerinnen

    Die geringere Risikobereitschaft und das langsamere Wachstum der weiblichen Gründungen ist leider auch eine Hürde, wenn es um die Finanzierung geht. 60 Prozent der Gründerinnen starten ihre Idee im Nebenerwerb. Die meisten Investoren wollen jedoch große Wachstumsraten sehen, besonders Risikokapitalgeber.

    Diese Venture Capital Firmen investieren in junge Gründungen oder Start-Ups und wollen nach circa 3 Jahren mit Gewinn wieder aussteigen. Die überwiegenden Gründungen im Nebenerwerb benötigen wenig Startkapital. Die kleinen Beträge empfinden Banken und private Kapitalinvestoren häufig als nicht lohnenswert. Somit entstehen auch hier für Frauen Hürden.

    Es gibt leider nur sehr wenige finanzielle Förderungen explizit für Frauen in der Existenzgründung. Ihre regionalen Verbände oder Handwerks- und Handelskammern haben aber zum Teil extra Förderprogramme. Diese sind leider oftmals zeitlich und in ihrer Förderhöhe begrenzt. Erkundigen Sie sich bei Ihren Ansprechpartnern vor Ort, um Ihr volles Förderpotential ausschöpfen zu können.

    Recherchieren Sie alle Fördermöglichkeiten

    Erkundigen Sie sich vor der Gründung über alle Fördermöglichkeiten, denn viele Anträge müssen vorab gestellt werden!

    Im Artikel Gründungsfinanzierung finden Sie alle wichtigen Informationen zu Finanzierung und Förderung von Existenzgründungen.

    Beratung für Gründerinnen

    Anders als die Wirtschaft und die männliche Riege der Kapitalgeber, hat die Politik das Potential der Gründerinnen erkannt. Mit dem Gründerinnenportal Existenzgründerinnen.de stellt das Bundesamt für Wirtschaft und Energie (kurz BMWi) umfassende Informationen zu den Themen Beratung, Finanzierung, Netzwerken und Erfolgsgeschichten speziell für weibliche Gründungen bereit.

    Die Gründerinnenberatung hält dort eine Liste offizieller Beratungsstellen inne sowie ein Expertenforum und die Gründerinnenhotline. Hier können Sie direkt mit speziellen Beratern für Frauen in Kontakt treten. Die bundesweiten Beratungsstellen bieten häufig eine kostenfreie Erstberatung um Fragen bezüglich Finanzierung, Wettbewerb und Erfolgschancen zu beantworten. Im Verzeichnis finden Sie außerdem viele Vereine und Initiativen, die Gründerinnen und Selbstständigen intensiv zur Seite stehen. Dort sprechen Sie häufig mit erfahrenen Unternehmerinnen, die ihre Erfahrungen teilen und sich so für Frauen in Existenzgründungen und Wirtschaft stark machen.

    Natürlich stehen Ihnen als Gründerin mindestens die gleichen Zuschüsse für Unternehmensberatungen zu, wie Ihren männlichen Gründerkollegen. Die Bundesländer sowie der Bund helfen mit der „Förderung unternehmerischen Know-hows“ Gründern vor, während und nach dem Start in die Selbstständigkeit. Einige Industrie- und Handelskammern gewähren Gründerinnen sogar doppelte Zuschüsse für Beratungsangebote. Weitere Informationen zur Beratungsförderung finden Sie dazu im Artikel Beratungsangebote für Existenzgründer.

    Mit „FRAUEN unternehmen“ hat das BMWi 2014 eine Initiative gegründet, bei der erfolgreiche Unternehmerinnen Frauen zur Selbstständigkeit ermutigen. Zusätzlich soll der Erfolg von Frauen in Politik und Wirtschaft damit sichtbarer werden. Die Unternehmerinnen halten Treffen und Vorträge an Schulen, Hochschulen und Kammern ab, um Mädchen und Frauen sowohl für Gründungen als auch für den Beruf der Unternehmerin stark zu machen.

    Netzwerke für Gründerinnen

    Ob Start-Up oder Freiberufler: Netzwerken ist Alles! Durch das Netzwerk gelangen Sie zu neuen Aufträgen und Geschäftspartnern. Sie bilden sich weiter und bleiben mit Trends der Branche in Kontakt. Als Frau netzwerken Sie anders als Männer, denn aufgrund der verschiedenen Arbeits- und Gründungsweisen haben Sie zum Teil andere Fragen und Bedürfnisse als Ihr männlicher Kollege. Besonders mit kleinen Kindern zuhause oder als Gründerin in Elternzeit ist ein Netzwerk wichtig. Aus den Erfahrungen der anderen Unternehmerinnen können Sie lernen und sich lokal gegenseitig unterstützen.

    Das bestehende Netzwerk von männlichen Unternehmern wird oft „boys club“ genannt. Dieses Netzwerk hat sich über die letzten Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, gebildet und es ist zum Teil nicht leicht als Frau darin Fuß zu fassen. Dadurch haben sich viele Frauen zu eigenen Netzwerken zusammengefunden. Wichtige Kontakte und Plattformen für den Erfahrungsaustausch finden Sie in der Liste der Netzwerke des BMWi. Dieses Verzeichnis können Sie regional sowie nach Branchen und Themen filtern, um Ihr passendes Netzwerk zu finden.

    Fast jede Branche hat eigene Initiative für Frauen

    • Sind Sie daran interessiert, Gründerin im Bereich Digital, Medien und Technik zu werden, ist das Netzwerk women-in-digital.de ein guter Anlaufpunkt.
    • Als Frau aus dem Gesundheitswesen finden Sie auf womensnetworkinglounge.de Ihre Plattform für Austausch, Seminare und Beratung.
    • Immofrauen.de setzt sich für Frauen der Immobilienbranche mit gemeinsamen Treffen und speziellen Förderprogrammen ein.
    • Der Verband deutscher Unternehmerinnen ist einer der ältesten Wirtschaftsverbände seiner Art und macht sich für Frauen in allen Branchen stark.
    • Gastronomie und Ernährung ist der Schwerpunkt des Frauennetzwerk-FOODSERVICE.de, das Frauen unterstützt, Management- und Führungspositionen zu erlangen.

    Über soziale Netzwerke sind Sie heute mit Frauen auf der ganzen Welt verbunden. Unter dem Hashtag #girlboss finden sich allein auf Instagram 10,5 Millionen Beiträge von Frauen, die ihre Selbstständigkeit in den sozialen Medien teilen und damit feiern. Vom Foto einer Medizinstudentin aus der Bibliothek, über motivierende Sprüche bis hin zu ganzen Bewegungen und Treffen vereinen sich Millionen Frauen weltweit mit dem kleinen #-Symbol. Besonders in der digitalen und kreativen Branche können Sie so gleichgesinnte Geschäftspartnerinnen und Kundinnen auf Twitter, Facebook, Instagram und Co. finden.

    Als Frau gründen Sie anders. Sie haben Stärken und Kompetenzen, in denen Sie Ihren männlichen Kollegen überlegen sind. Sie sind teamfähig, organisiert und bedacht. Als Frau bekommen Sie heute noch häufig Fragen gestellt, mit denen ein Mann nicht konfrontiert wird.

    Seien Sie mutig und bilden Sie sich ein Netzwerk mit Gründerinnen und anderen Frauen die Karriere, Privatleben und die Familie verbinden können. Unterstützen Sie sich und lernen Sie von erfahrenen Frauen weltweit. Die Bundesregierung und viele deutschlandweite Initiativen begleiten Sie auf dem Weg in Ihre Selbstständigkeit.

    Als Überblick aller Finanzierungs- und Beratungsangebote für Ihre Existenzgründung bieten wir Ihnen das kompakte PDF als Download: 

    Informationen und Beratungsstellen für Gründerinnen (PDF)

    1https://www.zeit.de/karriere/beruf/2013-09/frauen-unternehmensgruendung-erfolg
    2http://about.hypovereinsbank.de/export/shared/de/assets/functional/ueber-uns/downloads/gruenderinnen-mentoring/Studie_Gruenderinnen-2015.pdf

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