Macht die Kreditaufnahme im Pfandleihhaus Sinn?

Zuletzt aktualisiert am 27.06.2019

In einem Pfandleihhaus können Kreditnehmer in Notsituationen vergleichsweise unbürokratisch einen Kredit erhalten, wenn sie im Gegenzug hierfür eine materielle Sicherheit hinterlegen. Dabei kann es sich etwa um Schmuck, ein Auto oder auch Elektronikgegenstände handeln. Sie werden vom Pfandhaus bewertet und anschließend mit einem bestimmten Prozentsatz beliehen.

Inhaltsverzeichnis

    Bringen Sie Wertgegenstände zum Leihhaus, benötigen Sie keine weiteren Kreditsicherheiten. Allerdings darf der Geldleiher das gepfändete Objekt verkaufen, wenn Sie den gewährten Kredit nicht pünktlich wieder zurückzahlen. Daher sollten Sie sich im Vorfeld der Kreditaufnahme genau über die generellen Richtlinien und Merkmale der Pfandleihe informieren.

    Wie funktioniert ein Pfandleihhaus?

    Unabhängig davon, wo Sie zum Pfandhaus gehen, der Ablauf der Kreditgewährung und anschließenden Rückzahlung ist fast immer gleich:

    1. Beim Pfandleihhaus können Sie Wertgegenstände wie beispielsweise Schmuck, Fahrzeuge oder Uhren beleihen.
    2. Mitarbeiter des Leihhauses bewerten den aktuellen Verkaufswert der Gegenstände. Je nachdem, um welche Art von Produkt es sich handelt, wird dann ein prozentualer Pfandwert ermittelt. Schmuck und Uhren werden oft mit rund 50 Prozent des Verkaufspreises beliehen, bei Fahrzeugen sind es bis zu 80 Prozent.
    3. Das Geld erhalten Sie direkt in bar ausgezahlt, ohne dass Sie hierfür weitere Sicherheiten hinterlegen müssten. Dafür behält die Leihe den gepfändeten Gegenstand zunächst ein.
    4. Gesetzlich festgelegt ist, dass Sie mindestens drei Monate Zeit haben, um den Darlehensbetrag inklusive Gebühren und Zinsen wieder an das Pfandleihhaus zu überweisen oder in bar vorbeizubringen.
    5. Erfolgt die Auslösung des Pfands, geht der Wertgegenstand wieder vollständig in Ihren Besitz über.

    Typische Laufzeiten solcher Pfandkredite liegen bei drei bis sechs Monaten, wobei die untere Grenze so vom Gesetzgeber festgelegt ist. Wann genau Sie die Schuld tilgen, ist meist jedoch nicht vertraglich geregelt. Kreditnehmer zahlen die Kreditsumme inklusive Pfandgebühr und Zinsen in einer einzigen Rate zurück und haben bei den meisten Pfandhäusern die Möglichkeit, die Schuld (werk-)täglich zu begleichen.

    Wer nicht innerhalb der Kreditlaufzeit in der Lage ist, die Kreditsumme zurückzuzahlen, kann bei vielen Anbietern um eine Fristverlängerung von 30 Tagen bitten. Läuft auch diese aus, darf das Pfandleihhaus den Wertgegenstand veräußern. Dies geschieht in der Regel im Rahmen einer öffentlichen Auktion, sodass der Schuldner hier theoretisch zu einem späteren Zeitpunkt nochmal die Möglichkeit hätte, den Gegenstand zu ersteigern.

    Kreditsumme und Kosten

    Wie hoch die Kreditsumme ausfällt, die Ihnen das Pfandleihhaus gewährt, hängt stark vom Pfändungsgegenstand ab. Als Faustregel gilt: Etwa 50 Prozent des möglichen Verkaufserlöses werden als Kredit ausbezahlt. So kann der Pfandleiher mit dem möglichen Verkauf sowohl die Restschuld als auch die fehlenden Zinseinnahmen und die Verkaufskosten decken.

    Zu Geld gemacht werden kann dabei in der Regel fast jedes Produkt, das sich irgendwie verkaufen lässt. Besonders beliebt bei den Pfandleihern sind:

    • Schmuck
    • Uhren
    • Autos
    • Musikinstrumente
    • Unterhaltungselektronik

    Je besser gerade Gebrauchsgegenstände wie Unterhaltungselektronik noch in Schuss sind, desto höher sind der Schätzpreis und damit auch der Kreditrahmen. Gerade Schmuck und Uhren, die aus Gold oder Silber bestehen, lassen sich schon aufgrund der Wertigkeit des Materials gut bewerten und bringen entsprechend viel finanziellen Freiraum für Kreditnehmer.

    Tipp: Nicht die volle Kreditsumme auszahlen lassen

    Schätzt der Pfandleiher Ihre Uhr beispielsweise auf 500 Euro, so müssen Sie sich nicht die vollen 250 Euro als Darlehen auszahlen lassen. Nutzen Sie nur so viel Kreditspielraum, wie Sie aktuell wirklich benötigen. Das erleichtert die Rückzahlung ungemein.

    Wie teuer ist ein Pfandkredit?

    So unbürokratisch die Pfändung von Wertgegenständen abläuft, so teuer ist sie oft auch für Betroffene. Denn die Kosten setzen sich aus zwei verschiedenen Faktoren zusammen, die allerdings gesetzlich gedeckelt sind:

    1. Zinsen: Der Gesetzgeber sieht vor, dass die Pfandkreditkosten pro Monat maximal ein Prozent des Darlehensbetrags betragen dürfen.
    2. Gebühren: Zusätzlich dazu darf das Pfandhaus gesonderte Gebühren in Rechnung stellen, die unter anderem für die Schätzung und sichere Verwahrung des Pfands erhoben werden. Abhängig ist die monatliche Vergütung vom Wert des Pfandgegenstands, sie liegt zwischen einem Euro (Pfandwert 15 Euro) und 6,50 Euro (Pfandwert 300 Euro).

    Sofern das gewährte Darlehen einen Betrag von 300 Euro übersteigt, verhandeln Leihhaus und Kunde die monatliche Vergütung frei. Zusatzkosten können immer dann entstehen, wenn die Verwahrung, Versicherung oder Pflege der Pfandgegenstände besondere Aufwendungen erfordert. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Kraftfahrzeuge oder auch Fahrräder mit einem Hilfsmotor beliehen werden. Weil der Pfandleiher die Motoren regelmäßig überprüfen und warten muss, können die monatlichen Verwahrungskosten ansteigen.

    Enorm hoher Jahreszins

    Der effektive Jahreszins ist beim Pfandkredit so hoch wie bei keiner anderen Kreditart. Je nach Wert des Pfandgegenstands und des ausbezahlten Kreditbetrags schwanken die Zinssätze zwischen 30 und 50 Prozent. Dabei handelt es sich aber keineswegs um Wucher, denn der für den Kreditnehmer effektive Jahreszins setzt sich aus den reinen Zinszahlungen (max. ein Prozent pro Monat) und den zusätzlichen Kosten für die Verwahrung des Pfands zusammen.

    Rückzahlung des Kredits

    Selbstverständlich sind Sie als Kreditnehmer dazu verpflichtet, das geliehene Geld in vollständiger Höhe und inklusive der Gebühren wieder abzubezahlen. Geschieht dies nicht, so darf der Pfandleiher einen Monat nach Ablauf der Frist einen Verkauf der Ware durchführen. Spätestens fünf Monate hiernach ist er sogar zur Veräußerung verpflichtet.

    Anders als bei einem herkömmlichen Kreditvertrag drohen Ihnen aber keine direkten Konsequenzen durch die nicht erfolgte Rückzahlung. Das Pfand dient als vollständige Kreditsicherheit, das Leihhaus wird Sie nicht im herkömmlichen Sinne anmahnen, sondern nur darauf aufmerksam machen, dass die Frist für die Kredittilgung in Kürze ausläuft.

    Tipp: Verlängerung nutzen

    Wie schon kurz angeklungen ist, können Sie bei vielen Pfandleihen eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist erwirken. Achten Sie vor dem Vertragsschluss darauf, dass Ihnen dieses Recht eingeräumt wird. So können Sie den gepfändeten Gegenstand oft doch noch vor der Auktion retten.

    Tagesgenaue Abrechnung

    Vereinbaren Sie mit der Pfandleihe beispielsweise eine Kreditlaufzeit von vier Monaten, so können Sie den Kredit in aller Regel auch schon früher wieder abbezahlen. Das hat den Vorteil, dass Sie dann nicht für die volle Laufzeit, sondern nur die wirklich genutzte Kreditlaufzeit Pfandkosten bezahlen müssen.

    Tipps zum Pfandleihaus

    Wenn Sie dringend Geld benötigen, um beispielsweise Ihr Auto oder den lebensnotwendigen Kühlschrank zu reparieren, ist die Pfandleihe keine schlechte Adresse. Schon Minuten nach der Schätzung erhalten Sie den Kreditbetrag in bar ausbezahlt, bei Banken warten Sie selbst bei einer Sofortauszahlung zwischen zwei und drei Tagen. Dabei gilt erstmal: Pfandhäuser pfänden wirklich fast alle Produkte, auch wenn diese vielleicht schon über Jahre benutzt worden sind. Auch eine alte Playstation kann noch einen kleinen Kreditrahmen bringen.

    Um für den notwendigen, finanziellen Spielraum zu sorgen, können Sie auch mehrere Gegenstände separat verpfänden. Reicht das Geld hinterher nicht aus, um alle Artikel wieder auszupfänden, entscheiden Sie dann, von welchem Pfändungsstück Sie sich am einfachsten trennen können.

    Pfandleihhäuser miteinander vergleichen

    In der Praxis zeigt sich, dass Ihnen die Pfandhäuser oftmals die gleichen Preise anbieten. Auch kostentechnisch rechnen die Unternehmen fast immer am oberen Rand der gesetzlichen Grenze ab. Aber: Passt die Bewertung eines Pfandleihers so gar nicht zu Ihren Vorstellungen, sollten Sie ein Vergleichsangebot bei einem Konkurrenten einholen.

    Kein Anreiz für falsche Schätzung

    Für den Pfandhändler ergibt es wenig Sinn, Ihnen eine falsche Schätzung zu präsentieren. Fällt der Preis zu gering aus, könnte Ihnen der Händler bei korrekter Schätzung mehr Geld verleihen und damit auch mehr Zinsen verlangen. Ist die Schätzung zu hoch angesetzt, könnte der Pfandleiher bei einem möglichen Verkauf einen nur unzureichend hohen Erlös erzielen.

    Online-Pfandhaus als Alternative

    Mittlerweile gibt es das klassische Pfandleihhaus auch online. Prinzipiell unterscheiden sich weder die gesetzlichen Vorgaben noch die vertraglichen Ausgestaltungen von denen der stationären Pfandleiher. Teilweise erhalten Kreditnehmer etwas günstigere Konditionen für Ihr Darlehen, müssen dafür aber auch länger auf die Auszahlung des Kreditbetrags warten.

    1. Beim Pfandhaus wird online eine unverbindliche Anfrage gestellt. Oft kann aus einer Liste von Produkten dasjenige ausgesucht werden, das beliehen werden soll. Automatisiert gibt die Software jetzt an, wie hoch das Darlehen ausfallen würde.
    2. Anschließend akzeptieren Sie das (unverbindliche) Angebot der Online-Pfandleihe und warten darauf, dass der Pfändungsgegenstand bei Ihnen abgeholt wird.
    3. Der Pfandleiher prüft binnen kurzer Zeit, ob der Wertgegenstand wirklich den Angaben entspricht, die Sie im ersten Schritt gemacht haben. Ist das der Fall, wird das Geld auf ein Girokonto ausbezahlt.

    Pfandleihhaus nimmt die Angst

    Online-Pfandleihen sind auch deshalb eine beliebte Anlaufstelle, weil sie die Anfragen ihrer Kunden absolut vertraulich und anonym behandeln. So ersparen sich die finanziell angeschlagenen Kunden die Scham, ein stationäres Pfandleihhaus aufsuchen zu müssen.

    Weitere Fragen und Antworten

    Sind Pfandleihhäuser ein beliebtes Mittel zur Geldbeschaffung?

    In Deutschland werden pro Jahr etwa 2,1 Millionen Kreditverträge über Pfandhäuser abgeschlossen, wobei der Umsatz der Unternehmen rund 500 Millionen Euro beträgt. Damit kann das Leihhaus durchaus als beliebtes Mittel zur kurzfristigen Beschaffung kleinerer Geldbeträge bezeichnet werden.

    Wann lohnt sich der Gang zum Pfandhaus und wann nicht?

    Empfehlenswert ist der Gang zum Pfandhaus immer dann, wenn alle anderen Geldquellen erschöpft sind und das geliehene Geld wirklich dringend benötigt wird. Sprich: Die Bank vergibt keinen Ratenkredit, es kann kein Dispositionskredit genutzt werden und auch der eigene Freundeskreis kann nicht aushelfen. Trotzdem muss beispielsweise eine dringende Reparatur am Auto finanziert werden.

    Sollte das Pfandleihhaus immer die letzte Option bleiben?

    Ja, grundsätzlich ist das Leihhaus nur als Notlösung anzusehen. Der Grund: Die Kreditkosten liegen auf das Jahr gerechnet schnell bei 30 bis 50 Prozent. Denn neben dem reinen Zins darf die Pfandleihe noch Gebühren für die Verwahrung und Pflege der Pfandgegenstände erheben. Zum Vergleich: Selbst der in den Augen vieler Verbraucherschützer teure Dispositionskredit kostet maximal zwischen elf und 13 Prozent pro Jahr.

    Nach welchen Kriterien soll ich mich bei der Entscheidung „Pfandleihhaus vs. Kredit“ richten?

    Pfandleihe und Kredit sind nicht als Alternativen zu sehen, vielmehr gibt es eine – aus Sicht des Kreditnehmers – klare Rangfolge:

    1. Kredit

    2. Pfandleihe

    „Schuld“ hieran sind die hohen Kosten der Pfandleihe. An ein Pfandleihhaus sollte sich daher nur wenden, wer:

    - akut Geld benötigt

    - aufgrund fehlenden Einkommens oder fehlender Kreditsicherheiten kein reguläres Darlehen erhält

    - überhaupt Gegenstände hat, die er verpfänden kann

    und im Notfall auf den gepfändeten Wertgegenstand verzichten kann.

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