Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2018

Im August 2002 erreichte Deutschland eine Jahrhundertflut, die Schäden in Höhe von 15 Milliarden Euro verursachte. 45 Menschen kamen ums Leben, als die Elbe und die Donau flutartig über die Ufer traten. Einsatzkräfte und Helfer versuchten über Wochen hinweg die katastrophalen Auswirkungen des Hochwassers einzudämmen – mit mäßigem Erfolg. Statistiken zufolge steigt die Anzahl solcher extremen Hochwasser in Deutschland immer weiter an. In dem Betrachtungszeitraum 1978 bis 2002 sind doppelt so viele Fälle von Hochwasser gelistet, wie in dem vorhergehenden Betrachtungszeitraum.

Inhaltsverzeichnis

    Zusammenfassung: Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln bei Hochwasser (PDF)

    Zahlreiche Maßnahmen der Behörden sollen die Menschen in der Stadt und auf dem Land vor Hochwasser schützen. Doch auch Privathaushalte können mit hilfreichen Praxistipps die eigene Wohnung oder das eigene Haus vor den Gefahren eines Hochwassers schützen.

    Informationen zur Finanzierung privater Hochwasserschutzmaßnahmen sowie der Absicherung des finanziellen Risikos sollen dabei unterstützen. Hochwasserschutz lässt sich in folgende Kategorien gliedern:

    Kategorien des Hochwasserschutzes

    • Vorsorge
      Die Vorsorge dient dazu, sich möglichst gut auf die Gefahr eines potentiellen Hochwassers vorzubereiten. Dazu gehört unter anderem das vorausschauende Bauen sowie das Abschließen von nötigen Hochwasserversicherungen für Haus und Auto.
    • Abwehr
      Die Abwehr beinhaltet den technischen Hochwasserschutz, die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen sowie die Betreuung durch Rettungskräfte und Helfer während einer Überschwemmung.
    • Nachsorge
      Bei der Nachsorge werden die Ereignisse dokumentiert. Mit Hilfe dieser Berichte, können Schutzmaßnahmen laufend geprüft und Lücken im Sicherheitskonzept aufgedeckt werden.

    Hochwasserschutzmaßnahmen der Städte und Gemeinden

    Da die Anzahl der Hochwasser in den letzten Jahren kontinuierlich ansteigt, machen sich die Städte und Gemeinden immer mehr Gedanken zum Thema Schutzmaßnahmen. Früher haben die Städte und Gemeinden mit dem Bau von Dämmen die Gefahr von Hochwasser einschränken wollen, heute reicht dieser Schutz lange nicht mehr aus. Um den Einwohnern einen größeren Schutz bieten zu können, integrieren die Städte mittlerweile unsichtbare mobile Schutzelemente am Ufer.

    So lassen sich bewegliche Dammwände und Stützbalken aus Aluminium in einer Gefahrensituation schnell aufstellen, daneben sind immer genug Sandsäcke griffbereit gelagert. Außerdem beschäftigen sich die Hochwasserschutzzentralen der einzelnen Städte mit der Vorsorge und der Bewältigung von Hochwasser sowie der akuten Gefahrenabwehr im Ernstfall. Sie sind permanent auf dem aktuellen Stand, was den Wasserpegel betrifft. So können die notwendigen Hilfskräfte bei einer drohenden Gefahr rechtzeitig alarmiert und koordiniert werden.

    Leben Sie in einer hochwassergefährdeten Region, können Sie sich jederzeit auf den Internetseiten der Städte oder per Telefon über den aktuellen Wasserstand erkundigen. Außerdem informieren viele hochwassergefährdete Städte ihre Einwohner immer wieder mit Ausstellungen zum Thema Hochwasser, um diese für die Gefahren einer solchen Naturgewalt zu sensibilisieren.

    Hochwasserschutzmaßnahmen von Häusern

    Überschwemmung eines Hauses

    Foto: Mitja Mladkovic / iStock

    Hausbesitzer in hochwassergefährdeten Gebieten sind verpflichtet bestimmte Vorkehrungen zu treffen, um das eigene Heim so gut es geht vor einer Flut zu schützen. Doch auch wer in keinem Hochwassergebiet lebt, sollte Maßnahmen befolgen, um eine Überschwemmung des Kellers bei starkem, langanhaltenden Regen zu vermeiden.

    Leben Sie in einer hochwassergefährdeten Region, ist es hilfreich, wichtige Dokumente, wie Urkunden und Pässe sowie Wertgegenstände, die vom Wasser beschädigt werden können, in den oberen Stockwerken aufzubewahren. Außerdem ist es ratsam, gefährdete Räume zu fliesen. So lässt sich der Schaden am Fußboden stärker eingrenzen als beispielsweise bei teurem Parkett.

    Bedenken Sie beim Bauen, dass Sie in diesen Gebieten auch die elektrischen Versorgungseinrichtungen sowie die Heizung, wenn möglich, in den höheren Etagen installieren. Da Ölheizungen bei einem Hochwasser den Großteil an Schäden verursachen, soll eine Anbringung dieser in Zukunft verboten werden.  Besitzen Haushalte bereits Ölheizungen, so sind sie dazu verpflichtet diese in den nächsten Jahren hochwassersicher nachzurüsten. Dazu gehört unter anderem die Ölheizungen an den Wänden zu befestigen, damit der Öltank nicht umkippen und so Öl ins Wasser gelangen kann.

    Hochwasserschutzmaßnahmen finanzieren

    Zum Teil können spezielle Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser schnell teuer werden. Einen passenden Kredit für eine Finanzierung der Hochwasserschutzmaßnahmen finden Sie über den Kreditvergleich .

    Rückstauventile sind bei Hochwasser wichtig. Werden diese in die Hauptwasserleitung eingebaut, kann eine Überflutung des Kellers vermieden werden. Manche Unternehmen bieten spezielle Rückstaumembranen an, die sich auch nachträglich verbauen lassen. Dafür werden Gummimembrane in die Wasserrohre eingesetzt, die beim normalen Betrieb geöffnet sind und das Wasser in die Kanalisation abfließen lassen.

    Versucht jedoch das überschüssige Wasser aus der Kanalisation durch die Rohre zu fließen, so wird die Gummimembran gegen die Wand der Leitung gedrückt, wodurch das Eindringen des Wassers ins Innere verhindert wird. Diese arbeiten stromunabhängig und funktionieren somit auch, falls die Stromversorgung unterbrochen ist. Wasserdichte Fenster und Türen auf hochwassergefährdeten Etagen helfen ebenfalls dabei, das unerwünschte Wasser fern zu halten.

    Versicherungen gegen Schäden durch Hochwasser

    Sollte Ihr Haus in einem besonders gefährdeten Hochwassergebiet stehen, ist es hilfreich, sich rechtzeitig über eine Elementarschadenversicherung zu informieren. Denn Schäden durch Naturgewalten sind durch keine andere Versicherung abgedeckt. Die Elementarschadenversicherung können Sie als Zusatz zu Ihrer Wohngebäudeversicherung und Ihrer Hausratversicherung abschließen.

    Gefährdungszonen bei Überschwemmungen

    Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entwickelte ein Zonierungssystem für ein Überschwemmungsrisiko sowie für Rückstau und Starkregen - das sogenannte ZÜRS. Dieses beinhaltet vier Klassen*:

    • Gefährdungsklasse 1: Sehr geringe Wahrscheinlichkeit - Hochwasser statistisch seltener als einmal alle 200 Jahre
    • Gefährdungsklasse 2: Niedrige Wahrscheinlichkeit - Hochwasser statistisch einmal alle 100 bis 200 Jahre
    • Gefährdungsklasse 3: Mittlere Wahrscheinlichkeit – Hochwasser statistisch einmal alle 10 bis 100 Jahre
    • Gefährdungsklasse 4: Hohe Wahrscheinlichkeit – Hochwasser alle 10 Jahre oder öfter

    *ohne Nord- und Ostseeinseln

    Generell gilt, dass die Beiträge mit zunehmender Gefährdungsklasse steigen. Je höher Ihre Gefährdungsklasse ist, umso schwieriger kann es werden eine Hochwasserversicherung zu finden, die Ihnen einen Vertrag anbietet. Laut GDV werden in Deutschland jedoch gut 90 Prozent aller Haushalte in der Gefährdungsklasse 1 eingestuft und können somit ohne Weiteres gegen Naturkatastrophen versichert werden.

    Auto fährt durch Wassermassen

    Foto: pawopa3336 / iStock

    In der Regel übernimmt die Kfz-Versicherung die Hochwasserschäden an Ihrem Fahrzeug. Hier muss jedoch unterschieden werden, ob das Auto zum Zeitpunkt des Hochwassers parkte und somit überflutet wurde oder ob der Wagen während einer Überschwemmung in Gebrauch war.

    Schäden, die entstanden sind, während das Fahrzeug geparkt war, werden von der Teilkaskoversicherung übernommen. Sollen Schäden abgedeckt werden, die durch einen Unfall während des Hochwassers entstanden sind, muss vorher eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen werden. Auch das fahrlässige Parken in gefährdeten Gebieten kann bereits zu Einschränkungen in der Übernahme der Kosten führen.

    Sicheres Verhalten im Ernstfall

    Ist der Ernstfall eingetreten und der Wasserpegel steigt gefährlich an, versuchen Sie ruhig zu bleiben und halten Sie sich an die Anweisungen des Hochwasserdienstes sowie der Hilfskräfte vor Ort. Mitarbeiter der Hochwasserschutzzentrale beantworten Ihnen Ihre Fragen telefonisch. Kinder, Pflegebedürftige sowie Tiere lassen sich in der Regel schwer transportieren. Machen Sie sich im Vorhinein Gedanken darüber, an welchem Ort sie im Ernstfall untergebracht werden können und wie sie dort am schnellsten hinkommen. Sollten Sie einen Gasgeruch feststellen oder Chemikalien austreten sehen, informieren Sie unverzüglich die Feuerwehr.

    Bringen Sie Ihre Fahrzeuge rechtzeitig in Sicherheit. Die Schutzvorkehrungen, die Sie im Vorfeld getroffen haben, sollten bei einem gefährlich steigenden Wasserpegel zum Einsatz kommen.

    Betreten Sie während einer Gefahrensituation niemals Keller oder Tiefgaragen, da sich hier das Wasser bereits gefährlich stauen kann. Aufgrund einer starken Gefahr vor Stromschlägen, sollten Sie während eines Hochwasser die Nähe zu Stromleitungen und Kabeln meiden.

    Halten Sie sich während eines Unwetters draußen auf, suchen Sie niemals Schutz vor Hochwasser in Garagen, Tunneln oder Unterführungen. Es ist wichtig, sich an die Anweisungen der Rettungs- und Hilfskräfte zu halten, diese bei deren Arbeit nicht zu behindern und sich an die Absperrungen zu halten.

    Nach einem Hochwasser

    Ist die Gefahr der Überschwemmung vorüber, warten Sie auf Anweisungen der Feuerwehr und der Rettungskräfte. Geben diese Entwarnung, können Sie das Wasser aus Ihrem Haus abpumpen. Dabei sollten Sie jederzeit zu Ihrer Sicherheit geeignete Schutzkleidung tragen. Anschließend sollten Sie Ihr Haus schnellstmöglich sichten und die Schäden schätzen lassen. In Absprache mit Ihrer Versicherung können Sie im Anschluss mit der Beseitigung der Hochwasserschäden beginnen. Dokumentieren Sie vorher alle entstandenen Schäden mit Fotonachweisen. Achten Sie allerdings vor dem Betreten des Hauses auf Zeichen möglicher Einsturzgefahren. Sind Sie sich nicht sicher, ob eine solche Gefahr besteht, klären Sie die Frage mit den Behörden.    

    Um Folgeschäden durch Schimmel- und Geruchsbildung zu vermeiden, sollten Sie die betroffenen Räume gut lüften. Geben Sie den Wänden genug Zeit richtig zu trocknen.

    Überschwemmung Fluss

    Foto: Omm-on-tour / iStock

    Nehmen Sie Hochwasser- sowie Unwetterwarnungen immer ernst. Steht Ihr Haus in einem hochwassergefährdeten Gebiet, denken Sie daran, immer genügend Lichtquellen wie Taschenlampen griffbereit zu haben.

    Vergewissern Sie sich, dass sie, falls nötig, dass Sie genügend Sandsäcke griffbereit zur Verfügung haben. Lagern Sie für den Notfall auch immer ausreichend haltbare Lebensmittelreserven sowie Trinkwasser griffbereit.

    Informieren Sie sich rechtzeitig über eine Elementarschadenversicherung, da ansonsten keine Schäden durch Hochwasser abgedeckt sind. Das wichtigste ist, während einer Gefahrensituation Ruhe zu bewahren und sich und seine Angehörigen vor dem Hochwasser in Schutz zu bringen. Sollten Sie sich in größerer Not befinden, so nutzen Sie eine der folgenden Nummern:

    Notfall Rufnummern

    • Notruf: 112
    • Feuerwehr: 112
    • Polizei: 110
    • Bundespolizei: 0800-6888000
    • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117
    • Apothekennotruf: 0800–0022833
    • DGzRS-Seenotrettung: 0421-536870

    Außerdem haben die einzelnen Gemeinden eigene Nummer für den Fall eines Hochwassers. Schreiben Sie sich diese rechtzeitig raus. Nähere Informationen dazu erhalten Sie in der Regel auf den Gemeindeseiten im Internet.

    Mit dem Beachten einiger hilfreicher Hinweise, können Sie bereits Schäden einer Überschwemmung an Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung eingrenzen:

    Hinweise bei Überschwemmungen

    • Geflieste Böden in hochwassergefährdeten Regionen reduzieren die Kosten von Wasserschäden
    • Wasserdichte Türen und Fenster halten das Wasser draußen
    • Rückstauventile und -membranen verhindern das Eindringen von Kanalisationswasser ins Hausinnere
    • Leben Sie in einem hochwassergefährdeten Gebiet, sollten Sie auf die Installation von Ölheizungen verzichten. Besitzen Sie bereits eine, ist es wichtig diese hochwassersicher umzurüsten.

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