Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Kraft getreten

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.03.2016

Trotz historisch niedriger Zinsen dürfte es für viele zukünftige Eigenheimbesitzer durch die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie ab sofort schwieriger werden, eine Baufinanzierung zu erhalten. Die Richtlinie verpflichtet Banken in der EU dazu, die Bonität ihrer Kunden vor der Kreditvergabe genauer zu prüfen. So sollen Bauherren von finanziellen Schieflagen geschützt werden.

Seit dem 21. März 2016 gilt für Banken bei der Vergabe von Baufinanzierungen die EU- Wohnimmobilienkreditrichtlinie, kurz WIKR. Wie der „Weser-Kurier“ berichtet, müssen die Banken bei der Kreditvergabe seit Beginn dieser Woche den gesamten Finanzierungszeitraum – der sich bei Immobilienfinanzierungen durchaus über Jahrzehnte erstrecken kann – betrachten und dafür eine Bonitätsbewertung vornehmen. Insbesondere die Umstände, die zu einer Verringerung des Einkommens führen könnten, sollen laut „Welt“ durch die WIKR stärker gewichtet werden.

Wohnimmobilienkreditrichtlinie zwingt Banken zu genauerem Hinsehen

Um dies leisten zu können, werden Baufinanzierer künftig genauer nachhaken müssen, wie es mit den Zukunftsplänen von Häuslebauern in spe aussieht. „Das können sehr private Fragen sein, etwa nach einem Kinderwunsch, der das Familieneinkommen reduzieren kann, wenn ein Partner nicht mehr arbeitet“, beschreibt ein Banker die neue Situation gegenüber dem „Weser-Kurier“.

Zudem schreibt die einheitliche Wohnimmobilienkreditrichtlinie vor, dass die zentralen Punkte aus Beratungsgesprächen in einem mehrseitigen Protokoll festgehalten werden müssen. Hierunter fallen unter anderem Finanzierungsbedarf, empfohlene Produkte und die letztendlich gewählte Finanzierung – in den Grundzügen ähnelt das WIKR-Protokoll also dem Beratungsprotokoll, das bei Wertpapieranlagen bereits seit einigen Jahren verpflichtend für Banken ist.

WIKR erschwert Kreditaufnahme, stärkt aber gleichzeitig Rechte von Bankkunden

Letztendlich wird es durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie für zukünftige Bauherren und Wohnungsbesitzer schwieriger, eine Finanzierung zu erhalten, weil die Banken genauer hinsehen. „Es läuft auf ein Abschlussverbot für die Bank hinaus, wenn sich abzeichnet, dass der Kredit nicht rückzahlbar ist", sagte Frank-Christian Pauli, Bankenreferent vom Verbraucherzentrale Bundesverband, der „Welt“. So sollen Verbraucher vor Finanzierungen geschützt werden, die sie später vor ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten stellen. „Das ist eine Folge der Finanzkrise, für die faule Immobilienkredite in den USA der Auslöser waren“, erklärt Verbraucherschützer Pauli die Hintergründe im „Weser-Kurier“.

Daher wird die Darlehenshöhe künftig auch nicht mehr primär durch den Wert der Immobilie bestimmt, sondern auch durch die Liquidität des Kreditnehmers. Auch wenn es für zukünftige Immobilienbesitzer durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie schwerer wird, die gewünschte Finanzierung zu erhalten, stärken die neuen Regelungen gleichzeitig die Rechte von Kreditnehmern. Sollte sich nämlich herausstellen, dass der Kreditgeber seinen Transparenz- und Prüfpflichten gemäß WIKR nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist, hat der Kreditnehmer ein Sonderkündigungsrecht und kann seinen Kreditvertrag jederzeit auflösen.

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