Geschäftsbericht: Das steht drin

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Bei einem Geschäftsbericht handelt es sich um einen Report, der den Geschäftsverlauf sowie die aktuelle Lage des jeweiligen Unternehmens darstellt. Auch soll mithilfe dieses Berichts die Jahresabschlussbilanz erläutert werden. Der Report ist besonders wichtig für die Finanzkommunikation der Firma – nur so können Finanzanalysten den Wert eines Unternehmens richtig schätzen.

Der Geschäftsbericht als jährliche Bekanntmachung ist bei zahlreichen Unternehmen erforderlich und auch vom Gesetz vorgeschrieben. Wir erklären, was genau in dem Report enthalten ist, an wen sich das Ganze richtet und welche Auswirkungen dieser Bericht hat.

Inhalt eines Geschäftsberichts

Der Inhalt des Berichts soll unter anderem diese Fragen beantworten:

  • Wie gestalten sich Umsätze und Gewinne des Unternehmens?
  • Wie setzt sich derzeit das Kapital zusammen?
  • Welche Ziele und Maßnahmen sind für die künftige Entwicklung geplant?
  • Welche Verbindlichkeiten hat die Gesellschaft?
  • Welche Forderungen stellt die Gesellschaft?
  • Wie gestaltet sich die Belegschaft?

Um die entsprechenden Antworten zu liefern, sind einige Bestandteile Pflicht für den Geschäftsbericht, andere freiwillige Inhalte können ergänzt werden.

Verpflichtende Inhalte

  • Jahresabschluss
    Der Jahresabschluss gehört zu den wichtigsten Bestandteilen, denn er setzt sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz zusammen. Dadurch erhalten Sie eine Übersicht über den Erfolg des gesamten Geschäftsjahres – sowohl alle Gewinne als auch alle Verluste müssen hierbei offen gelegt werden. Auch zeigt der Jahresabschluss auf, welche Schulden die Firma verzeichnet und wie sich Eigen- sowie Fremdkapital zusammensetzen. Zahlreiche Gesellschaften müssen außerdem einen Anhang hinzufügen, der als Rechnungslegung dient.
  • Lagebericht
    Der Lagebericht zeigt auf, in welcher Situation sich das entsprechende Unternehmen zum Ende des Geschäftsjahres befindet. Auch dieser Aspekt zählt deshalb zu den wichtigsten des gesamten Berichts. Er zeigt auf, wo die jeweilige Firma aktuell steht (Vermögen und Finanzen) und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung. Zusätzlich gibt er einen Einblick in die Ziele und zukünftigen Maßnahmen.
  • Corporate Governance Erklärung
    Seit 2002 gibt es einen Verhaltenskodex für den Aufsichtsrat sowie den Vorstand: Den „Deutschen Corporate Governance Kodex“. Zwar ist diese Richtlinie nur für börsennotierte Unternehmen vorgesehen, doch auch anderen Firmen wird empfohlen, sich daran zu halten. Bei jedem Jahresabschluss muss angegeben werden, dass dem Verhaltenskodex entsprochen wurde.
  • Bericht des Aufsichtsrates
    Für Aktiengesellschaften ist dieser Bericht verpflichtend. Der Aufsichtsrat gibt hierbei an, wie der Jahresabschluss sowie der Lagebericht geprüft wurden und zeigt das entsprechende Ergebnis auf. Auch muss der Aufsichtsrat erklären, wie er im gesamten Geschäftsjahr die laufenden Geschäfte überprüft hat.
  • Bestätigungsvermerk / Testat
    Dieser Bestätigungsvermerk wird vom Wirtschaftsprüfer des Unternehmens ausgestellt. Das Testat soll bestätigen, ob der Lagebericht den aktuellen Zustand und die zukünftigen Entwicklungen richtig darstellt.

Freiwillige Inhalte

  • Aktionärsbrief
    Den Aktionärsbrief erhalten die Aktionäre vom Vorstand. In diesem erklärt der Vorstand, welche Ziele er für die kommenden Jahre hat und wie sich anhand dieser das Unternehmen weiter entwickeln soll.
  • Umweltbericht
    In diesem Bericht gibt das Unternehmen an, wie umweltverträglich die Produkte sind und wie umweltverträglich die Produktion ist. Auch wird oftmals kurz auf Umweltrisiken und Schutzmaßnahmen eingegangen.
  • Sozialbericht
    Der Sozialbericht zeigt auf, wie viele Mitarbeiter in der Firma arbeiten, welche Qualifikationen diese besitzen und wie produktiv sie sind. Darüber hinaus enthält der Report oft Angaben zu Weiterbildungen und Sozialleistungen.
  • Segmentberichterstattung
    Der Report gibt Informationen zu den verschiedenen Teilbereichen der Firma. Besonders bei großen Unterschieden hinsichtlich Gewinn und Risiko können so differenzierte Aussagen über die einzelnen Abteilungen getroffen werden.
  • Finanzielle Kennzahlen
    Die finanziellen Kennzahlen sind dem gesamten Geschäftsbericht oftmals vorangestellt. In der Regel geben sie einen allgemeinen Überblick über den Umsatz, die Mitarbeiter, die Aktien und die Bilanz.

Schreibstil und Anforderungen

Sind Sie dafür zuständig, den Geschäftsbericht zu schreiben, reicht nicht nur das Wissen über den Inhalt – der gesamte Report muss auch richtig aufgesetzt werden. Haben Sie die Möglichkeit, dann nutzen Sie einfach den Geschäftsbericht aus dem Vorjahr als Vorlage.

Achtung:Auf die Vorbereitung kommt es an

Die Vorbereitung ist mitunter das Wichtigste. Beginnen Sie also nicht erst kurz vor Jahresende mit dem Sammeln aller Informationen, sondern tragen Sie schon während des gesamten Jahres die wichtigsten Zahlen und Fakten zusammen. So müssen Sie sich abschließend nur noch darum kümmern, den Bericht zu schreiben.

Arbeiten Sie mit mehreren Kollegen an dem Bericht, ist es außerdem sinnvoll, eine Konferenz einzuberufen: In dieser können Sie klären, worauf jeder zu achten hat und welche Aufgaben zu verteilen sind.

Wichtige Aspekte vom Konzept bis zur Story

Achten Sie beim anschließenden Schreiben auf folgende Aspekte:

  • Das Konzept
    Erarbeiten Sie sich vorab ein Konzept, anhand dessen Sie den gesamten Bericht strukturieren können. Die Struktur sollte dabei sinnvoll und für jeden Leser nachvollziehbar sein.
  • Die Gestaltung
    Zwar darf der Geschäftsbericht keinesfalls rein werblich dargestellt werden. Doch sollten Sie ihn dennoch ansprechend gestalten. Zahlreiche Unternehmen geben deshalb Werbeagenturen den Auftrag, sich um die Grafik des Reports zu kümmern. Wichtig ist hierbei, dass die positiven Eigenschaften des Unternehmens gut zur Geltung kommen – denn der Geschäftsbericht dient nicht nur zur Informationsvermittlung, sondern auch zur Imagepflege.
  • Die Verständlichkeit
    Unbedingt erforderlich ist, dass diese Dokumentation leicht verständlich geschrieben wird. Das bedeutet auch, dass alle Teilbereiche des Berichts einheitlich geschrieben sind. Sollten also einzelne Kapitel von anderen Personen geschrieben worden sein, überarbeiten Sie diese, um einen einheitlichen Report zu erhalten. Nutzen Sie außerdem ein Inhaltsverzeichnis zur besseren Übersicht – zur Darstellung von Zahlen sind zudem Tabellen die oftmals richtige Wahl.
  • Die Korrektheit
    Geben Sie alle Zahlen und Fakten richtig an. Sollten Sie bei einigen Angaben unsicher ein, sprechen Sie mit dem zuständigen Mitarbeiter. Denken Sie stets daran: Der Geschäftsbericht ist wichtig für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Verschönerte oder aufgerundete Zahlen sind hierbei keinesfalls ratsam. Schreiben Sie den Report also gewissenhaft.
  • Die Story
    Natürlich sollten Sie den Geschäftsbericht unbedingt objektiv schreiben und sowohl Gewinne als auch Verluste richtig darstellen. Allerdings haben Sie die Möglichkeit, dies anhand eines roten Fadens zu gestalten. Nutzen Sie das Storytelling, um interessant und authentisch zu schreiben. Wichtig ist hierbei, dass Sie dennoch objektiv und transparent bleiben. Verschleiern Sie nichts und bleiben Sie sachlich, erzählen Sie aber dennoch die Geschichte Ihres Unternehmens.

Verantwortlichkeit für den Geschäftsbericht

Der Geschäftsbericht stammt üblicherweise vom Vorstand – umgesetzt wird er in der Regel aber von der Abteilung Investor Relations. Hierbei handelt es sich um die Abteilung, die sich um die Unternehmenskommunikation in Bezug auf Aktionäre und Investoren kümmert.

Bevor der Report veröffentlicht wird, muss er dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Dieser prüft den Jahresabschluss sowie den Lagebericht auf seine Richtigkeit. Anschließend wird eine Hauptversammlung einberufen, bei welcher die Ergebnisse der Prüfung und die Art der Prüfung vorgelegt werden.

Zudem muss der Aufsichtsrat seinen Bericht dem Vorstand zukommen lassen, damit der Jahresabschluss als gebilligt gilt.

Wie wird der Bericht geprüft?

Da diese Dokumentation besonders wichtig für die Zukunft des Unternehmens und aller beteiligten Personen ist, muss er vor Veröffentlichung unbedingt ausführlich geprüft werden. Bei mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften ist hierfür ein Wirtschaftsprüfer erforderlich.

Hierbei achtet der Abschlussprüfer auf folgende Gesichtspunkte:

  • Stimmt der Lagebericht mit dem Jahresabschluss überein?
  • Übermittelt der Lagebericht die richtige Vorstellung vom aktuellen Zustand des Unternehmens?
  • Wurden im Jahresabschluss und in der Buchführung alle gesetzlichen Bestimmungen beachtet?
  • Werden alle Chancen und Risiken für die Zukunft richtig aufgezeigt?

Um sich einen Überblick zu verschaffen, überprüft der Wirtschaftsprüfer deshalb die Bilanz, die Buchführung, die Gewinn- und Verlustrechnung, den Lagebericht sowie den Anhang. Anschließend erstellt der Prüfer einen Prüfungsbericht.

Gut zu wissen:Warum die Prüfung so wichtig ist

Die Prüfung ist wichtig, denn ab und an schleichen sich beim Schreiben des Geschäftsberichts Fehler ein. Fehler können beispielsweise entstehen, wenn Gewinn oder Verlust durch fehlende Angaben zu hoch oder zu niedrig aufgelistet werden.

Durch solche Mängel kann es passieren, dass die Bilanzen falsch errechnet werden – dadurch wiederum können Prognosen und Ziele für die kommenden Jahre falsch eingeschätzt werden. Darüber hinaus gelten Bilanzierungsfehler als Verstöße gegen die Rechnungsvorschriften und können demnach sogar strafrechtlich verfolgt werden.

Eine Überprüfung des gesamten Geschäftsberichtes ist also nicht nur eine Pflicht, sondern schützt das Unternehmen auch vor falschen Prognosen und weiteren Konsequenzen. Diese Folgen können jedoch umgangen werden, indem sofort nach Entdeckung der Fehler ein neuer Jahresabschluss aufgesetzt wird.

Veröffentlichungsrhythmus

Der Report muss einmal jährlich veröffentlicht werden, dabei gilt eine Frist von 12 Monaten ab dem Abschlussstichtag. Börsennotierte Unternehmen müssen den Geschäftsbericht allerdings spätestens vier Monate nach Abschlussstichtag publizieren.

In der Regel müssen alle Unternehmen, die der Publizitätspflicht unterliegen, einen Geschäftsbericht veröffentlichen – dazu zählen in jedem Fall die Aktiengesellschaften und große Personengesellschaften. Auch große Kapitalgesellschaften sind verpflichtet, diesen Report zu erstellen und beim Bundesanzeiger zu hinterlegen. Diese Gesellschaften müssen mindestens zwei der folgenden Merkmale erfüllen:

  • Mehr als 250 Arbeitnehmer im Jahr
  • Eine Bilanz von über 19.250.000 Euro
  • Umsatzerlöse von über 38.500.000 Euro

In welchem Umfang die Dokumentation abgeliefert wird, hängt stets vom jeweiligen Unternehmen ab. Kleine und Kleinstkapitalgesellschaften müssen üblicherweise keinen kompletten Geschäftsbericht abliefern – hier reichen die Angabe der Bilanz und der Anhang. Mittelgroße Unternehmen müssen üblicherweise den Jahresabschluss, den Lagebericht, den Bericht des Aufsichtsrats und die Corporate Governance Erklärung offenlegen. Auch der Anhang wird veröffentlich, allerdings in verkürzter Form.

Analyse von Geschäftsberichten

Der Geschäftsbericht richtet sich schließlich an alle, die Geld in das Unternehmen investieren – das sind unter anderem Banken, Analysten und Investoren. Auch Personen, die vom Gewinn des Unternehmens profitieren, beschäftigen sich mit dem Report: Hierbei handelt es sich um Aktionäre, die Aktien der jeweiligen Firma besitzen oder kaufen wollen.

Zudem informieren sich Mitarbeiter ebenso wie Lieferanten, aber auch Kunden über den Erfolg des Unternehmens. Darüber hinaus interessieren sich die Medien für die Reporte kleiner wie großer Firmen.

Welche Auswirkungen hat der Bericht?

Der Geschäftsbericht zählt zu den wichtigsten Dokumenten einer großen Kapitalgesellschaft:

  1. Er bildet die Grundlage für zukünftige Entscheidungen hinsichtlich Kapital und Aktien
    Investoren und Banken entscheiden, ob sie weiter in das Unternehmen investieren. Aktionäre wägen ab, ob sie auch künftig Gewinn aus den Aktien und Fonds schlagen können.
  2. Er gibt Informationen über die zukünftigen Erfolgsaussichten
  3. Er dient als Grundlage für Verhandlungen mit Kunden, Lieferanten und anderen Interessenten
  4. Er dient als Imagepflege und gilt als wichtige „Visitenkarte“ für das jeweilige Unternehmen

Vom Aufbau und Inhalt des Reports hängt also die weitere Entwicklung des jeweiligen Unternehmens ab: Kann die Gesellschaft mit dem Bericht überzeugen, hat sie große Chancen auf weitere Kredite, Aktienkäufer und Kunden. Auch bietet sich so die Möglichkeit, der Öffentlichkeit ein positives Ansehen zu bieten.

Wie erhalte ich Zugang zum Geschäftsbericht?

Aktionäre sowie Investoren werden üblicherweise zur Hauptversammlung eingeladen und erhalten dort den kompletten Bericht. Möchten Personen außerhalb dieses Kreises Geschäftsberichte einsehen, können Sie diese im Handelsregister oder auf der jeweiligen Seite des Unternehmens finden – dort stehen sie als Download zur Verfügung. Da die meisten Unternehmen ihre Geschäftsberichte online veröffentlichen müssen, sind diese auf den genannten Webseiten für die Öffentlichkeit zugänglich.

Auch der elektronische Bundesanzeiger bietet einen Einblick, jedoch nur in den jeweiligen Jahresabschluss. Allerdings gibt es einige Unternehmen, die den Bericht nur über eine Anforderung freigeben: Hierfür müssen Sie üblicherweise Ihre Kontaktdaten angeben und halten ein meist kostenloses Dokument via Mail.

Worauf Sie bei der Analyse achten sollten

  1. Beschäftigen Sie sich vorab eingehend mit dem Thema
    Basiswissen gilt als Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Analyse. Sammeln Sie also wichtige Kenntnisse, um den Geschäftsbericht überhaupt verstehen zu können.
  2. Lesen Sie den gesamten Lagebericht
    In diesem erhalten Sie alle wichtigen Fakten zur derzeitigen Situation des Unternehmens. Das umfasst die Unternehmensstruktur, die wirtschaftliche und finanzielle Lage sowie die allgemeine Situation in der Branche.
  3. Überprüfen Sie in jedem Fall den Jahresabschluss
    Bilanz sowie Gewinn und Verlust werden hier ausführlich aufgelistet und in Zahlen angegeben. Auch hält dieser Teil Informationen zum Kapital der Firma bereit.
  4. Beachten Sie unbedingt den Anhang
    Dieser ergänzt sowohl die Bilanz als auch die Gewinn- und Verlustrechnung. Durch die zusätzlichen Informationen erhalten Sie einen besseren Überblick über die Kennzahlen.
  5. Erkennen Sie Zusammenhänge und achten Sie auf die Zeiträume
    Wichtig ist, sich einen gesamten Überblick zu verschaffen – finden Sie deshalb heraus, welche Aspekte zusammenhängen.
  6. Ziehen Sie bei Möglichkeit Quartalsberichte heran
    Das bietet Ihnen die Möglichkeit, einen besseren Einblick in Änderungen und Geldfluss zu erreichen.

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