Girogo: Kontaktloses Bezahlen mit der EC-Karte

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Über die Girogo-Funktion können Sie mit Ihrer Bankkarte Beträge bis 20 Euro beim Einkaufen kontaktlos bezahlen. Sie müssen also nur Ihre Karte vor das Lesegerät halten und es erfolgt eine Abbuchung von Ihrem Prepaid-Guthaben. Die Zahlungsweise funktioniert schnell und einfach, allerdings haben einige Verbraucher auch Sicherheitsbedenken.

Bei Girogo handelt es sich um eine Funktion zum bargeldlosen Bezahlen mit der Bankkarte zum Girokonto, auch Girocard genannt. Die Deutsche Kreditwirtschaft als Interessenvertretung der Kreditinstitute in Deutschland hat das System 2012 eingeführt. Mit Girogo wird kontaktlos bezahlt, das heißt die Karte wird an ein Bezahlterminal gehalten und der zu zahlende Betrag wird abgebucht. Das erfolgt nicht direkt vom Girokonto, wie es bei einer herkömmlichen Kartenzahlung der Fall ist.

Verbreitung und Merkmale

Stattdessen funktioniert der Girogo-Chip über ein Prepaid-Modell, es muss also zuerst Guthaben aufgeladen werden. Es besteht damit eine Ähnlichkeit zur Geldkarte, allerdings unterscheidet sich Girogo durch das kontaktlose Bezahlen über NFC-Technologie davon. Da die NFC-Technologie (kurz für: Near Field Communication, deutsch Nahfeldkommunikation) in vielen aktuellen Smartphones integriert ist, wird Girogo häufig auch als Brückentechnologie zur Bezahlung per Smartphone angesehen. Es ist für geringe Beträge bis 20 Euro verfügbar und soll Zahlvorgänge schneller und einfacher machen.

Anbieter von Girogo

Die Funktion ist bei vielen Girokarten (bis 2003 als EC-Karte bezeichnet) von Banken und Sparkassen verfügbar. Ob Ihre Karte auch dazugehört, erkennen Sie entweder am Girogo-Logo, dem Kontaktlos-Logo oder dem Geldkarten-Symbol. Wenn Sie sich nicht sicher sind, können Sie aber auch bei Ihrer Bank nachfragen. Ältere Karten können nicht für Girogo aktiviert werden, weil dafür ein spezieller Chip erforderlich ist, der darauf nicht noch enthalten ist. Sie können sich aber auch in diesem Fall bei Ihrer Bank erkundigen, welche Möglichkeiten sich bieten, wenn Sie Girogo nutzen wollen.

Neben der Bankkarte mit integrierter Girogo-Funktion gibt es aber auch Karten, die nicht an ein Konto gebunden sind. Diese werden als White Cards bezeichnet und können gegen Bargeld, online oder an einem Ladeterminal aufgeladen werden. Sie sind eine Alternative für Menschen, deren Bank Girogo nicht anbietet oder die Sicherheitsbedenken bei einer Girogo-Karte haben, die gleichzeitig auch die Karte für das Girokonto ist.

Mit Girogo bezahlen

Es gibt aktuell rund 13.000 Girogo-Akzeptanzstellen in Deutschland (Stand Januar 2016). Dazu gehören zum Beispiel dm-Drogeriemärkte, Esso-Tankstellen, die Lebensmittelmärkte Edeka, Netto, HIT, Norma und Tengelmann, Douglas Parfümerien, sowie Filialen der Ketten Thalia, Christ, AppelrathCüpper und Hussel. Ob ein Händler die Zahlung mit Girogo anbietet, erkennen Sie an dem Girogo-Logo im Kassenbereich. Außerdem können Sie auf der Girogo-Website nach Akzeptanzstellen in Ihrer Umgebung suchen.

Funktionsweise

Das kontaktlose Bezahlen erfolgt über NFC-Technologie. Dabei handelt es sich um eine Drahtlostechnologie, die sich dadurch auszeichnet, dass die beiden Seiten sich für den Datenaustausch sehr nah beieinander befinden müssen, also wenige Zentimeter. Der Verbindungsaufbau erfolgt dabei sehr schnell und muss nicht eigens aktiviert werden, wie es zum Beispiel bei der Verbindung mit einem WLAN-Netzwerk der Fall ist.

Der Bezahlvorgang mit Girogo erfolgt sehr schnell und einfach. Immer wenn die Summe Ihres Einkaufs 20 Euro oder weniger beträgt, können Sie die Funktion nutzen. Geben Sie dann einfach an, dass Sie mit Karte bezahlen möchten, und halten Sie Ihre Karte vor das Kartenlesegerät. Der Abstand sollte dabei circa zwei Zentimeter betragen. Die Abbuchung des Betrags erfolgt in weniger als einer Sekunde, ohne dass Sie Ihre PIN eingeben oder die Zahlung durch Unterschrift autorisieren müssen. Der erfolgreiche Bezahlvorgang wird Ihnen durch ein optisches oder akustisches Signal angezeigt.

Gut zu wissen:Versehentliche Mehrfachabbuchungen unwahrscheinlich

Wenn Sie Ihre Karte versehentlich mehrfach vor das Kartenlesegerät halten, müssen Sie nicht befürchten, dass der Betrag mehrmals von Ihrem Guthaben abgezogen wird. Der Händler muss für jede Transaktion das Terminal neu aktivieren.

Girogo-Karte aufladen

Die Girogo-Karte ist für das Bezahlen von kleineren Beträgen bis 20 Euro gedacht. Dementsprechend können auch nur maximal 200 Euro als Guthaben auf die Karte geladen werden. Da es sich um ein Prepaid-Modell handelt, kann nur das Guthaben auf der Karte ausgegeben werden, ein Überziehen ist nicht möglich. Eine Ausnahme stellt die Funktion Abo-Laden dar, durch die das Guthaben automatisch nachgeladen wird. Diese Möglichkeiten haben Sie, wenn Sie Girogo aufladen wollen:

Am Geldautomaten Das Aufladen ist an rund 58.000 Geldautomaten deutschlandweit möglich, indem Sie Geld von Ihrem Konto auf den Girogo-Chip transferieren. Sie müssen dafür nur Ihre Karte in den Automaten stecken und den Menüpunkt „Geldkarte/girogo“ wählen. Dann geben Sie Ihre PIN ein und wählen den gewünschten Betrag, der auf den Chip übertragen werden soll.
Am Ladeterminal Es gibt spezielle Ladeterminals, die Sie zum Beispiel in Kantinen und in einigen Fußballstadien finden. Dort ist ein Aufladen auch gegen Bargeld möglich.
Beim Bezahlen an der Kasse Falls das Guthaben beim Bezahlen nicht ausreicht, können Sie es auch direkt an der Kasse aufladen. Wenn Sie die Funktion Abo-Laden aktiviert haben, geschieht das automatisch um den von Ihnen festgelegten Betrag, der zwischen 20 und 50 Euro liegt. Andernfalls können Sie aber auch durch die Eingabe Ihrer PIN Ihr Guthaben aufladen. Dabei ist der Betrag auf 35 Euro festgelegt. Das Laden an einem Kartenlesegerät ist generell nur in Verbindung mit einem Einkauf möglich.
Am PC Wenn Sie Ihren Girogo-Chip von zu Hause aus aufladen wollen, benötigen Sie dafür einen passenden Chipkartenleser, den Sie mit Ihrem PC verbinden. Dann können Sie die Karte online aufladen.
Über das Smartphone Wenn Sie über ein NFC-fähiges Smartphone verfügen, können Sie möglicherweise auch damit über eine App Ihres Kreditinstituts Ihr Guthaben aufladen. Informieren Sie sich darüber bei Ihrer Bank oder Sparkasse.

Guthaben prüfen

Um festzustellen, wie hoch Ihr Girogo-Guthaben noch ist, haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Bei jedem Lade- oder Bezahlvorgang wird Ihnen der Betrag angezeigt, der noch verfügbar ist. Außerdem können Sie einen TAN-Generator oder Chipkartenleser zur Überprüfung verwenden.

Alternativ ist es auch mit einem NFC-fähigen Smartphone und einer entsprechenden App möglich, den aktuellen Girogo-Stand abzulesen.

Sicherheit und Datenschutz

Das kontaktlose Bezahlen löst bei vielen Verbrauchern Bedenken aus: Sind meine Daten sicher? Können aus Versehen Zahlungen erfolgen? Kann die Karte von Dritten missbräuchlich ausgelesen oder verwendet werden? Die Deutsche Kreditwirtschaft zumindest verspricht höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards.

Bei Girogo wird die Sicherheit immer wieder in Frage gestellt. Dabei geht es einerseits um die Frage, ob die Karte missbräuchlich für Zahlungen verwendet werden kann. Andererseits befürchten Datenschützer aber auch, dass es durch die unverschlüsselte Datenübertragung per NFC Unbefugten möglich sein könnte, Daten auszulesen und so zum Beispiel Bewegungsprofile der Nutzer zu erstellen.

Nach Angaben der Banken ist ein unbefugtes Abbuchen von der Girogo-Karte nicht möglich, da der geringe Abstand, der für die Übertragung nötig ist, schwer zu erreichen wäre. Außerdem kann ausgeschlossen werden, dass es aus Versehen zu mehreren Zahlungen am selben Terminal kommt, weil diese nicht automatisch ausgelöst werden. Ein Bezahlvorgang kann außerdem nur von einem Terminal mit einer registrierten Händlerkarte ausgelöst werden. Da die Abbuchung über den Girogo-Chip erfolgt, wird bei der Bezahlung keine Verbindung zum Konto des Kunden hergestellt. Das passiert nur beim Ladevorgang.

Grundsätzlich ist es möglich, die Kaufdaten der Kunden auszulesen und so auch ein Bewegungsprofil zu erstellen. Inwieweit das aber in der Praxis realistisch ist, lässt sich schwer sagen. Ohnehin handelt es sich bei den gespeicherten Daten nicht um Informationen wie Name, Geburtsdatum oder Adresse, dementsprechend sind keine Rückschlüsse auf Ihre Person oder Ihre finanziellen Verhältnisse möglich. Die Identifikation der Karte erfolgt über eine Kennnummer, aus der sich keine Informationen über Ihren Namen oder Ihre Kontoverbindung ableiten lassen.

Tipp:Aluminium-Hülle schützt vor Auslesen

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie eine Schutzhülle, zum Beispiel aus Aluminium, verwenden. Dadurch verhindern Sie alle Kommunikation über die NFC-Schnittstelle und Ihre Daten können nicht ausgelesen werden.

Was tun bei Verlust der Karte?

Da es sich bei der Girogo-Karte in der Regel auch um die Karte zu Ihrem Girokonto handelt (sofern Sie keine White Card nutzen), haben Sie ohnehin ein Interesse daran, möglichst schnell die Karte sperren zu lassen. Das ist über die zentrale Sperrnummer 116 116 möglich.

Durch die Sperrung wird auch der Abo-Ladeauftrag gelöscht, wenn Sie einen erteilt haben. Das ist wichtig, da es einem Dieb oder Finder sonst möglich wäre, quasi unbegrenzt auf Ihre Kosten einzukaufen, weil das Guthaben automatisch wieder aufgeladen wird. Der Restbetrag, der sich noch auf dem Chip befindet, kann allerdings weder gesperrt noch erstattet werden.

Vor- und Nachteile von Girogo

  • Der Bezahlvorgang wird schneller und einfacher
  • Keine PIN-Eingabe oder Unterschrift nötig
  • Suche nach Kleingeld entfällt
  • Bei der Kartenzahlung ist kein Ausspähen der PIN mehr möglich
  • Die Karte muss vor dem Einkauf aufgeladen werden
  • Bei Verlust der Karte ist auch das Guthaben verloren
  • Durch das Abo-Laden wird die Karte anfällig für Missbrauch, wenn sie nicht schnell gesperrt wird
  • Die Sicherheit des Zahlsystems kann in Frage gestellt werden
  • Das aktuelle Guthaben ist nicht direkt ersichtlich

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