Sparen bei Versicherungen

Autor: Prof. Dr. Steffen Sebastian - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

In der Finanz-Kolumne äußert sich Prof. Dr. Steffen Sebastian objektiv und kritisch zu Finanzthemen. Anlass dieser Kolumne sind Sparpotenziale bei Versicherungen, die aus Sicht von Professor Sebastian nicht immer notwendig sind – vor allem aber zwei Versicherungen sollte jeder besitzen.

Finanz-Kolumne von Prof. Dr. Steffen Sebastian

Prof. Dr. Steffen Sebastian

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Im Laufe der Jahre sammeln sich häufig viele Versicherungen an, die nicht wirklich nötig sind. Wichtige Policen fehlen hingegen oft.

Private Haftpflicht: Nicht an der falschen Stelle sparen

Mit Versicherungen kauft man vor allem Sicherheit. Große Risiken sollten abgesichert sein, kleine trägt man besser selbst. Die wichtigste Versicherung ist dabei die private Haftpflicht. Zwar kommt es selten vor, dass jemand als Fahrradfahrer oder Fußgänger einen schweren Unfall verursacht oder mit einem heruntergefallenen Blumentopf einen Passanten tödlich verletzt. Wenn man aber dann nicht versichert ist, kommt zu der Katastrophe noch der finanzielle Ruin hinzu.

Deswegen sollte man hier auch nicht an der Deckungshöhe sparen. Sachschäden sollten bis 10 Millionen Euro versichert sein, Personenschäden sogar in unbegrenzter Höhe. Eine derartige Versicherung kostet trotzdem selten mehr als 50 Euro jährlich. Viele Gesellschaften versichern dabei Kinder und Lebenspartner im eigenen Haushalt kostenfrei mit - und zwar meist auch unverheiratete Paare. Wer also als Paar zusammen wohnt und noch zwei Haftpflichtversicherungen hat, sollte eine davon kündigen.

Tipp:Sparen bei der privaten Haftpflichtversicherung

Eine private Haftpflichtversicherung pro Haushalt reicht, Lebenspartner und Kinder sind oft kostenfrei mitversichert. Sparen Sie aber nicht an der Deckungssumme, diese sollte möglichst hoch sein: Bei Sachschäden empfehlen sich 10 Millionen Euro, bei Personenschäden eine Absicherung in unbegrenzter Höhe.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Früh abschließen

Fast ebenso wichtig ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), die das Risiko abdeckt, dass man nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann. Viele Bürger haben viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung investiert. Das Risiko, nach zehn Jahren im Beruf aufgrund einer Verletzung oder einem Unfall nochmals von vorne anfangen zu müssen, sollte immer abgesichert sein. Das Problem ist nur, dass diese Versicherung sehr teuer ist, wenn man in höherem Alter einsteigen möchte.

Der beste Zeitpunkt zum Versicherungsabschluss ist in der Regel direkt nach dem Studium oder der Ausbildung. Dann ist allerdings meistens das Geld knapp. Die BU bietet sich daher als Geschenk der Eltern oder Großeltern zum Ausbildungsabschluss an: Der Enkel oder die Enkelin wird das zwar wenig aufregend finden. Trotzdem ist eine BU deutlich sinnvoller als das übliche Sparbuch oder der Bausparvertrag. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die BU oft sehr teuer. Dann bleibt nur noch eine Versicherung gegen Unfall oder gegen Erwerbsunfähigkeit. Diese bieten zwar einen deutlich schlechteren Risikoschutz, können aber trotzdem für Alleinverdiener sehr wichtig sein.

Tipp:Sparen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeit sollten Sie möglichst versichern, solange Sie noch jung sind – dann profitieren Sie von niedrigeren Beiträgen. Geht das nicht mehr, prüfen Sie eine Unfall- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Sparpotenzial: Weitere Versicherungen prüfen

Grundsätzlich sollte jede Versicherung auf den Prüfstand. Die wichtigste Frage: Kann ich den Schaden selbst bezahlen oder bin ich dann (fast) pleite? Autoschutzbriefe inkl. der ADAC-Mitgliedschaft braucht man nicht unbedingt. Häufig kann man auch Zusatzversicherungen für Zahnersatz und Brille streichen. Privatversicherte könnten zudem überprüfen, ob sie mit einer Selbstbeteiligung nicht langfristig besser fahren.

Hausrat sollte man vor allem versichern, wenn man keine Rücklagen hat oder eine sehr wertvolle Einrichtung. Ansonsten investiert man die Prämie besser in einen erhöhten Einbruchschutz. Auch Rechtsschutzversicherungen braucht man häufig nicht. Gleiches gilt für Versicherungen gegen Glasbruch oder Handyverlust. Vielleicht muss man hinterher feststellen, dass die Prämie doch geringer gewesen wäre als der Schaden. Beim Versicherungsschutz sollte es aber nicht darauf ankommen, ein gutes Geschäft zu machen, sondern existenzielle Risiken abzusichern. Ansonsten investiert man die Prämien besser in eigene Rücklagen.

Gut zu wissen:Sparpotenziale bei Versicherungen erkennen

Viele Versicherungen sind nicht unbedingt notwendig. Ansparen ist dann besser als versichern. Grundsätzlich sollte bei weiteren Versicherungen hinterfragt werden, ob ein Schaden selbst gezahlt werden kann – oder existenzielle Risiken drohen.

Zur Person

Prof. Dr. Steffen Sebastian ist Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung (Real Estate Finance) an der IRE|BS International Real Estate Business School und Direktor am Center of Finance der Universität Regensburg. Außerdem ist Professor Sebastian Mitherausgeber des European Journal of Real Estate Research und des German Journal of Property Research.

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