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Mietpreisbremse wird von Vermietern oft ignoriert

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.01.2016

Der Aufwärtstrend der Preisentwicklung bei Mieten hält trotz Mietpreisbremse vor allem in Großstädten an. Viele Vermieter halten sich schlicht nicht an die gesetzlichen Regelungen bei Wiedervermietung. Die Chancen von Mietern, sich gegen überzogene Mieten zur Wehr zu setzen, stehen in der Praxis eher schlecht.

Die inzwischen in fast 300 Städten und Kommunen eingeführte Mietpreisbremse zeigt einem Bericht der „Welt“ zufolge vielerorts kaum Wirkung. Aktuelle Auswertungen der Preisentwicklung in Großstädten mit knappem Wohnungsangebot zeigen, dass die Mieten nach wie vor steigen.

Preisentwicklung der Mieten deutlich über der Inflation

So geht aus den Daten der auf dem Immobilienportal „ImmobilienScout24“ angebotenen Wohnungen hervor, dass die Mieten in Berlin, wo die Mietpreisbremse bereits seit dem 1. Juni 2015 gilt, bis November weiter um drei Prozent gestiegen sind. In München trat die Deckelung der Mieten zum 1. August in Kraft. Hier sind die Mieten in den drei Monaten bis November 2015 um 1,5 Prozent gestiegen. Nur in Hamburg verlangsamte sich der Aufwärtstrend bei der Preisentwicklung der Mieten den Daten zufolge ein wenig. Dieser Trend zeichnete sich in der Hansestadt allerdings bereits vor Einführung der Mietpreisbremse zum 1. Juli 2015 ab. Bundesweit stiegen die Mieten laut „Welt“ bis zum Jahresende um 1,6 Prozent. Damit liegt die Preisentwicklung für gemieteten Wohnraum deutlich über der Entwicklung der allgemeinen Verbraucherpreise. Die Inflation stieg nämlich auf das gesamte Jahr gesehen nur um 0,3 Prozent.

Vermieter halten sich häufig nicht an Mietpreisbremse

Als Grund für die weiterhin steigende Preisentwicklung der Mieten sieht der Deutsche Mieterbund (DMB), dass sich Vermieter ganz einfach nicht an die Mietpreisbremse halten. Die Regelung sieht vor, dass Mieten bei Wiedervermietungen maximal zehn Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete liegen dürfen. Dennoch können Vermieter offenbar häufig problemlos höhere Preise verlangen, als es nach der Mietpreisbremse möglich wäre: „Ich glaube, dass die meisten Vermieter die geforderten höheren Angebotspreise auch tatsächlich durchsetzen können“, sagte DMB-Direktor Lukas Siebenkotten der „Welt“.

Wohnungssuchenden sei oft gar nicht bewusst, dass für ihre Stadt eine Mietpreisbremse gelte. Siebenkottens Einschätzung nach hinterfragen zudem nur wenige Mieter den geforderten Mietpreis – angesichts hart umkämpfter Wohnungsmärkte in den Großstädten ist dieses Verhalten kaum verwunderlich.

Anfechtung von Mieten in der Praxis kaum umsetzbar

Dass Wohnungssuchende bei Besichtigungen die Vermieter auf die Rechtmäßigkeit der Miete ansprechen werden, ist unwahrscheinlich, wenn sie ihre Chance auf eine Zusage wahren wollen. Diesem Umstand trägt der Gesetzgeber Rechnung, indem er Mietern das Recht einräumt, auch nach Vertragsunterzeichnung den Vermieter zu rügen. Mit Verweis auf den örtlichen Mietspiegel und triftigen Gründen ist eine Anfechtung der Miete möglich.

Nach den Erfahrungen des DMB ist dies in der Praxis jedoch schwierig, da viele Mietspiegel als nicht belastbar gelten. Zudem muss der Mieter nachweisen, dass die Miete nicht schon zuvor mehr als zehn Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete lag. Hat auch der Vormieter bereits eine deutlich höhere Miete als ortsüblich gezahlt, greift die Mietpreisbremse nämlich nicht. „Unter dem Strich ist die Mietpreisbremse viel zu kompliziert“, resümiert DMB-Direktor Siebenkotten.

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