Hagelschaden: Was im Schadensfall zu tun ist

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Die Zahl der durch Unwetter verursachten Schäden nimmt in Deutschland immer größere Ausmaße an. So wurden laut Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) allein im Jahr 2013 durch Hagel und Stürme Schäden an mehr als 630.000 PKW in Deutschland verursacht.

Inhaltsverzeichnis

    Für die Schadensregulierung brachten Versicherer im gleichen Jahr fast 1,5 Milliarden Euro auf. Somit war mehr als jedes hundertste in Deutschland zugelassene Fahrzeug von einem Sturm- oder Hagelschaden betroffen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Versicherung Hagelschäden übernimmt und was bei einem Schadensfall zu tun ist.

    Wer zahlt bei Hagelschaden?

    Wer einen Hagelschaden an seinem Auto bemerkt, sollte sich umgehend an seine Versicherung wenden. Diese stellt dann einen Gutachter, der den Schaden am Fahrzeug überprüft, um die tatsächliche Schadenhöhe zu bestimmen. Fahrzeughalter sind im Vorteil, wenn sie über eine entsprechende Versicherung verfügen, denn Reparaturen in Folge von Hagelschäden können sehr teuer werden.

    Wann ein Totalschaden vorliegt

    Bei einem Totalschaden handelt es sich um eine Beschädigung eines Fahrzeugs, bei der sich eine Reparatur oder Instandsetzung wirtschaftlich nicht mehr lohnt.

    Haftpflichtversicherung allein reicht nicht aus

    Wenn ein Auto nur mit einer Haftpflichtversicherung geschützt ist, werden Hagelschäden nicht vom Versicherer übernommen. Schäden durch Unwetter wie auch durch Hagel übernimmt nur die Teilkaskoversicherung. Selbst bei einer Vollkasko-Versicherung werden die Schäden am Auto durch Hagelschlag nach den Konditionen der Teilkasko abgerechnet.

    Keine Herabstufung im SF-Rabatt

    Wenn eine Versicherung die Schäden für die Reparatur eines Fahrzeugs nach einem Hagelschlag übernimmt, behalten Versicherungsnehmer weiterhin ihren Schadensfreiheitsrabatt. Der Leistungsfall führt nicht zu einer Herabstufung.

    Diese Leistungen werden übernommen

    Nach einem Hagelschaden übernimmt die Teilkaskoversicherung die Schäden, die der Hagel an der Karosserie des Fahrzeugs verursacht hat. Außerdem trägt der Versicherer die Kosten für Glasschäden in Folge von Hagel.

    Kosten für die Versicherung

    Die Kosten für die Versicherung hängen davon ab, ob Versicherungsnehmer sich für eine Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung entscheiden. Wer die Kosten für Teilkasko und Vollkasko vergleichen möchte, kann den Kfz-Versicherungsvergleich nutzen.

    Üblicherweise ist die Teilkaskoversicherung günstiger. Wer eine höhere Selbstbeteiligung wählt, kann die Tarife deutlich senken. Empfehlenswert ist eine Selbstbeteiligung von 150 Euro. Bei einer höheren Selbstbeteiligung ist die Ersparnis bei der Police im Verhältnis zu den Beiträgen zu gering und macht sich nur in geringem Maße bemerkbar.

    Wer einen hohen Schadensfreiheitsrabatt nutzen kann, kann die Vollkasko meist günstiger erhalten als die Teilkasko. Dort sind nämlich keine Schadensfreiheitsrabatte möglich.

    Ein Beispiel: Für einen gebrauchten BMW aus dem Jahr 2004, dessen Fahrer das Fahrzeug im freien abstellt, wäre eine jährliche Versicherungsprämie von knapp 900 Euro bei 150 Euro Selbstbeteiligung in der Teilkasko zu zahlen. Eine Vollkaskoversicherung mit den gleichen Teilkaskokonditionen wäre beim günstigsten Anbieter jährlich rund 400 Euro teurer.

    Achtung Leasingnehmer: Wichtig bei einem Hagelschaden

    Wenn Ihr Leasingfahrzeug von einem Hagelschaden betroffen ist, sollten Sie die Beschädigung direkt dem jeweiligen Leasinggeber melden. In der Regel sind Leasingfahrzeuge für solche Schäden abgesichert. Der Leasinggeber reguliert in diesem Fall den Schaden über die Versicherung.

    Auf Versicherungsschutz achten

    Je nach Region können Hagelschauer ganzjährig auftreten. Gut beraten ist also derjenige, der über eine entsprechende Absicherung verfügt.

    Kosten und Reparatur

    Ein Hagelschaden kann je nach Intensität des Hagels Kosten von mehreren tausend Euro verursachen. Kostenintensiv ist vor allem die Reparatur von Lack- und Blechschäden.

    Gängige Reparaturmethoden

    Lackieren Nach starken Lackschäden muss der Lack meist neu aufgetragen werden. Allerdings ist es in der Regel unmöglich, beim Lackieren den exakten Farbton wieder zu treffen, sodass die lackierten Stellen als solche sichtbar bleiben. In diesem Fall müssen Fahrzeughalter mit einem deutlichen Wertverlust ihres Fahrzeugs rechnen.
    Austauschen Bei schweren Lack- oder Blechschäden können auch einzelne Teile wie Kotflügel oder Motorhauben komplett getauscht werden. Hier können eventuell auch gebrauchte Teile verwendet werden, um Kosten zu senken. Allerdings wird das Auto dadurch ebenfalls an Wert verlieren.
    Ausbeulen Auf dem Markt sind viele Dienstleister als sogenannte „Beulendoktoren“ aktiv. Sie beulen die Karosserie lediglich aus. Diese Methode stammt aus der Automobilindustrie und wird dort häufig nach Transportschäden eingesetzt. Der Vorteil des „Beulendoktors“ besteht darin, dass die Methode deutlich kostengünstiger ist. Zudem ist sie umweltschonender, da keine neuen Lacke verwendet werden müssen.

    Gründe, die für eine Reparatur sprechen

    • Gutachter-Schätzung oft niedriger als realer Schaden
      Häufig sind die Schadensschätzungen von Gutachtern geringer als der reale Schaden. Die Versicherung übernimmt aber den realen Schaden. Somit lohnt sich eine Reparatur!
    • Keine Wertminderung
      Durch eine fachgerechte Reparatur können Sie eine Wertminderung vermeiden.
    • Besserer Wiederverkaufspreis
      Wird der Hagelschaden behoben, erzielen Sie später einen höheren Preis beim Wiederverkauf.

    Versicherungsnehmer sollten nach einem Hagelschaden auf jeden Fall ihren Versicherungsvertrag kontrollieren. Manche Policen übernehmen die Kosten für einen Leihwagen für die Dauer der Reparatur.

    Beispielhafte Kostentabelle

    Bei einem Hagelschaden eines durchschnittlichen fünftürigen PKWs können folgende Kosten entstehen:

    Bauteile Dellengröße in mm Menge Preis in Euro
    Dach <20 11-15 120
    20-30 7-10 146
    30-45 7-10 198
    Motorhaube <20 6-10 120
    20-30 11-20 130
    Kofferraumdeckel <20 6-10 112
    20-33 11-20 216
    Kotflügel links <20 6-10 112
    20-33 6-10 128
    Kotflügel rechts <20 11-20 136
    20-33 6-10 128
    Tür hinten rechts <20 11-20 136
    20-33 6-10 128
    Tür vorne rechts <20 6-10 96
    20-33 11-20 208
    Tür hinten links <20 6-10 96
    20-33 1-5 88
    Tür vorne links <20 1-5 64
    20-33 1-5 88
    Seitenwand links <20 6-10 96
    20-33 1-5 88
    Seitenwand rechts <20 11-20 136
    20-33 1-5 88
    Gesamtsumme 2.858

    Quelle: Berechnung basierend auf Zahlen von hagelrechner.de

    Schadenregulierung: So melden Sie den Hagelschaden bei Ihrer Versicherung

    Ein Hagelschaden sollte sehr zeitnah bei der zuständigen Autoversicherung gemeldet werden. Für die Meldung des Schadens gibt es keine spezifische Frist. Allerdings verlangen Versicherer, dass zwischen dem Hagelschaden und dem Wetter ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang besteht. Je näher die Meldung am Schaden liegt, desto besser ist es für den Versicherungsnehmer.

    Darüber hinaus sollten die Schäden am Auto sofort dokumentiert werden. Hierfür können Sie in der Regel auch Ihr Smartphone verwenden. Je mehr und je genauere Bilder Sie machen, desto besser können Sie Hagelschäden nachweisen.

    So können Sie den Schaden melden

    1. Post oder Fax: Die Schadensmeldung in schriftlicher Form ist per Fax oder Post möglich. Entsprechende Formulare zur Schadensmeldung gibt es auf den Internetseiten Ihres Versicherers.
    2. Telefon: In der Regel reicht ein Anruf für die Schadensmeldung aus. Ein Mitarbeiter der Versicherung nimmt die Meldung entgegen und leitet sie an die Regulierungsstelle weiter.
    3. Internet: Die meisten Versicherer bieten ihren Kunden die Möglichkeit, einen Schaden direkt online zu melden.

    Bestätigung aufheben

    Die Versicherungsunternehmen bestätigen Ihre Schadensmeldung per Post oder per Mail.

    Gutachten durch Sachverständigen

    Damit die Versicherung den Schaden für die Regulierung einschätzen kann, schickt sie in der Regel einen Sachverständigen. Dieser Gutachter wird von der Versicherung gestellt. Sie übernimmt seine Kosten, auch wenn er keinen Schaden feststellen sollte. Versicherungsnehmer sollten am besten möglichst zeitnah einen Termin vereinbaren, damit der Hagelschaden zügig bearbeitet werden kann.

    Hat der Gutachter einen Hagelschaden bestätigt, leitet er sein Gutachten an die Versicherung weiter. Nach einer Prüfung des Dokuments startet die Versicherung die Regulierung.

    Wichtiges zum Versicherungsschutz

    Versicherungsnehmer können mit bis zu zwei Wochen rechnen, bis ein Hagelschaden von der Versicherung bezahlt ist. Diese Zeitspanne vergeht vom Erhalt des Gutachtens bis zur Auszahlung des Betrags.

    Ein Hagelschaden kann theoretisch mehrfach pro Jahr reguliert werden. Hier gibt es keine direkte Begrenzung. Allerdings sollten Versicherungsnehmer nachweisen können, welche Beschädigungen aus dem vorangegangenen Schaden resultieren und welche neueren Datums sind.

    Versicherung zahlt nicht - was tun?

    Wenn sich Ihre Versicherung weigert, den Hagelschaden zu übernehmen, sollten Sie zunächst den Vertrag auf Selbstbeteiligung im Schadensfall kontrollieren. Üblicherweise werten Versicherer auch lokale Wetterdaten aus, um sicherzustellen, dass die Schäden tatsächlich durch einen Hagelsturm verursacht wurden. Weichen diese Daten zum Beispiel ab, kann es ebenfalls zur Zahlungsverweigerung kommen.

    Sind Sie gemäß Ihres Versicherungsvertrags nicht zur Zahlung einer Selbstbeteiligung verpflichtet und es steht fest, dass ein Unwetter für den Schaden an Ihrem Fahrzeug gesorgt hat, sollten Sie bei Zahlungsverweigerung der Versicherung rechtlichen Beistand nutzen.

    Rechtliche Beratung beim Hagelschaden

    Oftmals gibt es bei der Regulierung von Hagelschäden Streitigkeiten mit den Versicherern. Wer der Auffassung ist, dass die Ablehnung der Schadensregulierung falsch ist oder die Versicherung einen zu geringen Anteil des Schadens übernimmt, kann das Unternehmen um eine nochmalige Prüfung bitten. In diesem Fall sollten Sie unbedingt eine Frist setzen, damit die Versicherung angehalten ist, den Schaden erneut zu prüfen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Versicherung den Vorgang im negativen Fall bewusst verzögert.

    Mitglieder in Automobilclubs können häufig Rechtsberatung nutzen

    Wer Mitglied in einem Automobilclub ist, kann in der Regel auf eine Rechtsberatung zurückgreifen. So bietet der Verkehrsclub Deutschland (VCD e.V.) seinen Mitgliedern eine kostenlose Rechtsberatung an. Ähnliches gilt auch für den ADAC. Prüfen Sie im Vorfeld, ob auch Ihr Automobilclub einen solchen Service anbietet.

    Weitere Anlaufstellen sind die Verbraucherzentralen. Dort fallen für eine Rechtsberatung zwar Gebühren an, doch sind diese in der Regel geringer als übliche Anwaltskosten. Bei Rechtsstreitigkeiten mit der Versicherung können Sie sich außerdem an den Ombudsmann der Versicherungswirtschaft wenden.

    So können Sie Ihr Auto gegen Hagel schützen

    Bei Unwetter gilt immer der Grundsatz: Die Vermeidung eines Schadens ist besser als eine Schadensregulierung. Dies bedeutet, je besser Sie Ihr Auto vor Hagel schützen, desto besser für Sie. Dann dadurch vermeiden Sie im Schadensfall eine Regulierung durch die Versicherung, die mit hohem zeitlichen und meist auch mit finanziellem Aufwand verbunden ist.

    Präventiv vorsorgen

    • Auf aktuellen Wetterbericht achten: Achten Sie auf aktuelle Meldungen im Radio oder nutzen Sie eine Smartphone-App mit Unwetterwarnungen.
    • Nutzen Sie Parkmöglichkeiten mit Dach: Es ist lohnenswert, eine Garage zu nutzen. Die Anschaffung eines Carports ist ebenfalls sinnvoll. Sollten Sie in der Stadt leben und Ihr Auto sonst auf der Straße abstellen, nutzen Sie am besten ein Parkhaus bei einer Hagelwarnung. Dort ist Ihr Auto sicher vor Hagelschäden.

    Grundsätzlich gibt es kein wirksames Patentrezept, um gegen Hagelschäden bei im Freien parkenden Autos zu intervenieren. So bieten auch Planen oder ähnliche Abdeckungen in der Regel keinen wirksamen Schutz gegen starken Hagel oder sehr große Hagelkörner.

    Unterstellmöglichkeit bei Hagelankündigung

    Eine Unterstellmöglichkeit für Ihr Auto kann bei angekündigtem Hagel für die einzig mögliche Sicherheit sorgen. So vermeiden Sie im schlimmsten Fall einen Totalschaden an Ihrem Fahrzeug.

    So erkennen Sie einen Hagelschaden

    Hagelschäden können Sie zum einen an vielen kleinen Dellen auf dem Lack erkennen, wenn ein leichterer Hagelschauer erfolgt ist. Bei größeren Hagelkörnern und starkem Hagel können aber auch sehr tiefe Dellen auf dem Lack zu finden sein. Gab es einen sehr heftigen Hagelniederschlag sind geborstene Fensterscheiben möglich.

    Diese Faktoren beeinflussen das Ausmaß des Schadens

    • Umfang und Gewicht des Hagelkorns
    • Aufprallgeschwindigkeit
    • Aufprallrichtung
    • Aufprallort an der Autokarosserie
    • Beschaffenheit der Karosserie

    Abschleppdienst bei starken Schäden

    Ist die Windschutzscheibe durch einen Hagelschaden so stark beschädigt, dass ein sicheres Weiterfahren nicht mehr möglich ist, sollten Sie unbedingt einen Abschleppdienst holen und das Auto nicht nutzen.

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