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Vermieter umgehen Mietpreisbremse mit Möblierung

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 09.09.2016

Eigentlich sollte die Mietpreisbremse die vor allem in Metropolen rasant steigenden Mietpreise im Zaum halten. In vielen Städten passiert derzeit allerdings genau das Gegenteil. Wohnraum wird immer teurer, weil vielerorts in der Mehrzahl möblierte Wohnungen angeboten werden. Dabei verlangen Vermieter teils kräftige Aufschläge.

Vermieter wenden offenbar zunehmend einen simplen Trick an, um die Mietpreisbremse zu umgehen. Wie das Forschungsunternehmen Empirica im Auftrag der „Süddeutschen Zeitung“ ermittelte, werden immer mehr Wohnungen in begehrten Großstädten möbliert angeboten. Und bei der Vermietung möblierter Wohnungen darf über die ortsübliche Vergleichsmiete hinaus ein entsprechender Zuschlag verlangt werden.

Möblierte Wohnungen bis zu 80 Prozent teurer

Bezüglich der Höhe dieses Möblierungszuschlags gelten keine gesetzlichen Bestimmungen. Diesen Umstand scheinen Vermieter in Metropolen mit großer Nachfrage nach Wohnraum zu ihrem Vorteil zu nutzten. Die Analysen von Empirica zeigen, dass für möblierte Wohnungen in den Großstädten Monat für Monat 60 bis 80 Prozent mehr an Miete vom Girokonto des Mieters fällig werden als für eine entsprechende Wohnung ohne Einrichtung. In München liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine möblierte Wohnung den Berechnungen zufolge bei 26 Euro, für herkömmliche Wohnungen beträgt er durchschnittlich 16 Euro.

Trend zur möblierten Vermietung in zahlreichen Metropolen

Die Analyse macht deutlich, dass es sich bei diesem Vorgehen zum Umgehen der Mietpreisbremse nicht um Einzelfälle, sondern vielmehr um einen Trend handelt. So würden sich in München inzwischen 60 Prozent aller inserierten Angebote auf möblierte Wohnungen beziehen. Vier Jahre zuvor, also bevor die Mietpreisbremse spruchreif wurde, lag ihr Anteil nur bei 35 Prozent. In Stuttgart hat sich der Anteil der möblierten Wohnungen von 34 auf 61 Prozent erhöht, in Frankfurt am Main von 31 Prozent auf immerhin 40 Prozent. Das Beratungsunternehmen F+B hatte zuvor bereits eine ähnliche Entwicklung in Hamburg feststellen können.

Mietervereine vermuten gezieltes Umgehen der Mietpreisbremse

Durch den rechtlich nicht eindeutig geregelten Möblierungszuschlag würde es für Mieter schwieriger, die eigentliche Kaltmiete zu ermitteln – der Wert, auf den sich die Mietpreisbremse bezieht. Mietervereine kritisieren dementsprechend, dass Mieter möblierter Wohnungen oft nur schwer erkennen können, ob sich Vermieter an die Bestimmungen der Mietpreisbremse halten oder einen ungerechtfertigt hohen Mietpreis aufrufen würden. Sie vermuten daher, dass einige Vermieter gezielt auf möblierte Vermietungen setzen, um die Mietpreisbremse zu umgehen. „Zumindest verschleiert der Möblierungszuschlag, wie hoch die eigentliche Kaltmiete ist“, so Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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