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Tachojustierung – Ist das nicht illegal?

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 14.09.2016

In Deutschland wird häufig von „Tachojustierung“ gesprochen, wenn es sich um eine Manipulation des Kilometerstands handelt. In diesem Fall wird die tatsächliche Anzeige der bisher gefahrenen Gesamtkilometer eines Kfz bewusst verfälscht, damit ein niedrigerer Kilometerstand angezeigt wird.

Die eigentliche Tachojustierung hat mit dem Verändern des Kilometerstandes jedoch nichts gemein. Sie muss vorgenommen werden, wenn der Tacho durch eine andere Felgengröße angepasst werden muss. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige rund um die Tachojustierung.

Wenn eine illegale Tachomanipulation festgestellt wird

Stellen Verbraucher fest, dass der Tacho ihres Gebrauchtwagens manipuliert wurde, können sie sich an den Verkäufer wenden. Da jedoch die Manipulation von elektronisch angezeigten Kilometerständen mit den heutigen technischen Möglichkeiten kaum nachweisbar ist, haben die Autobesitzer meist schlechte Karten.

Verbraucher haben dennoch die Möglichkeit, einen Händler anzuzeigen, wenn sie der Auffassung sind, dass der Tacho manipuliert wurde. Denn die Tachomanipulation ist seit 2005 gesetzlich verboten.

So steht es im Gesetz:Rechtlicher Hintergrund zur Tachomanipulation

Seit August 2005 ist die Tachomanipulation gesetzlich verboten, auch wenn die dafür erforderlichen Geräte weiterhin frei im Handel erhältlich sind.

Wer gegen das Gesetz verstößt, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden. Der vollständige Gesetzestext lautet:

„Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  1. die Messung eines Wegstreckenzählers, mit dem ein Kraftfahrzeug ausgerüstet ist, dadurch ver-fälscht, dass er durch Einwirkung auf das Gerät oder den Messvorgang das Ergebnis der Messung beeinflusst,
  2. die bestimmungsgemäße Funktion eines Geschwindigkeitsbegrenzers, mit dem ein Kraftfahrzeug ausgerüstet ist, durch Einwirkung auf diese Einrichtung aufhebt oder beeinträchtigt oder
  3. eine Straftat nach Nummer 1 oder 2 vorbereitet, indem er Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt oder sich oder einem anderen verschafft, feilhält oder einem anderen überlässt.“

Untersagt ist nicht nur die eigentliche Manipulation am Tacho, sondern auch die Werbung, die für derartige Dienstleistungen gemacht wird.

Durchführung und Kosten der eigentlichen Tachojustierung

Die eigentliche Tachojustierung bedeutet nicht, dass der Kilometerstand des Tachos verändert wird. Vielmehr wird die Wegezahl des Tachos angepasst. Eine solche Justierung kann erforderlich sein, wenn ein Fahrzeug mit einer neuen Reifen- oder Felgengröße ausgestattet wird.

Diese Form der Tachojustierung ist legal und muss sogar durchgeführt werden, damit der Tacho den Anforderungen des Gesetzgebers entspricht. Die Geschwindigkeitsangabe des Tachometers darf maximal 10 Prozent von den tatsächlichen Werten abweichen und maximal 4 km/h zu viel anzeigen.

So funktioniert die Tachojustierung

Ältere Tachos werden über Wellen angetrieben. Bei einer Justierung werden die Zwischengetriebe eingesetzt, die für eine andere Übersetzung sorgen. Der Mechaniker muss dabei das passende Zwischengetriebe finden, das zum Beispiel größere oder kleinere Reifen ausgleicht. Neben der Anpassung der Wellengetriebe können auch die Federn der Tachos ausgetauscht werden.

Moderne Tachometer sind in der Regel Bestandteile der Bordelektronik. Sie sind als Kombiinstrumente angelegt, die zugleich mehrere Daten erfassen und anzeigen. Für die Messung der Geschwindigkeit werden dabei Nadeln mit Hilfe von Schrittmotoren bewegt.

Um moderne Tachos zu justieren, wird heute nicht mehr manuell eingegriffen. Vielmehr erfolgt die Anpassung über die Software des Kfz, welche die Ansteuerung der Messgeräte verändert. Da die Software von Automarke zu Automarke variiert, gibt es bei der Tachoanpassung herstellerbedingte Unterschiede.

Wer darf die Justierung durchführen?

Eine Tachojustierung zur Beseitigung von Messfehlern sollte nur von Fachwerkstätten durchgeführt werden.  Gerade bei Neufahrzeugen kann es außerdem sein, dass nur die Vertragswerkstatt über die entsprechende Software verfügt. Die Kosten für die Justierung mechanischer Tachos liegen in der Regel zwischen 150 und 200 Euro.

Wird die Software angepasst, hängt der Preis der Tachojustierung vom jeweiligen Hersteller ab. Hierfür verlangen die Vertragswerkstätten zwischen 100 und 500 Euro.

Weitere Gründe für eine Tachojustierung

Der häufigste Grund für eine Tachojustierung ist eine Änderung der Reifengröße. Sie wird in der Regel schon bei geringen Änderungen der Zollgröße vorgenommen.

Darüber hinaus ist eine Justierung in folgenden Fällen nötig:

  • Das Kombiinstrument ist defekt und muss ausgetauscht werden. In diesem Fall muss der neue Tacho mit dem alten Kilometerstand „nachjustiert“ werden.
  • Es gibt Defekte bei den Messinstrumenten.
  • Das Auto hatte einen Unfall und benötigt neue Instrumente.
  • Bei älteren Fahrzeugen wie Oldtimern kann es erforderlich sein, den Tacho von Zeit zu Zeit nachzujustieren.

Was gibt es bei einer Tachojustierung zu beachten?

Wird der Tacho bei modernen Fahrzeugen justiert, müssen die Mechaniker alle möglichen Stellen im Auto berücksichtigen, bei welchen der Kilometerstand gespeichert wird. So werden Kilometerstände zum Beispiel im Servicespeicher, im Fehlerspeicher sowie im Getriebespeicher gesichert. Ebenso kann das Modul der Klimaanlage Kilometerstände speichern.

Wichtig ist, dass bei der Tachojustierung alle Kilometerstände angepasst werden, damit die Bordelektronik keine Fehler anzeigt.

Theoretisch kann es auch passieren, dass die Bordelektronik durch eine fehlerhafte Tachojustierung beschädigt wird. Deshalb ist es zum einen wichtig, dass Sie zu einer Fachwerkstatt gehen, um den Tacho nachjustieren zu lassen. Zum anderen bietet der Gang zum Fachmann den Vorteil, dass Sie im Schadensfall eine Garantie nutzen können.

Gut zu wissen:Nicht strafbar in den Niederlanden

In unserem Nachbarland, den Niederlanden, ist die Tachomanipulation bis dato noch nicht strafbar. Viele Deutsche nutzen deshalb die Gelegenheit und lassen dort die Kilometerstände verändern.

Allerdings bedeutet das nicht, dass die bewusste Manipulation der Laufleistung deshalb in Deutschland legal ist. Wer in Deutschland mit einem manipulierten Kilometerstand fährt, macht sich strafbar.

Tachojustierung beim Motorrad

Durch die Verwendung moderner Bordelektronik können auch die Tachos von Motorrädern bei der Umstellung auf eine andere Reifengröße oder nach Beschädigungen an der Elektrik mit einer Softwareanpassung justiert werden.

Hierfür können Verbraucher in der Regel auch eine Werkstatt für Kfz aufsuchen. Diese bieten einen solchen Service häufig auch für Motorräder an. Unter Umständen erhalten Sie einen Rabatt, wenn Sie auch den Tacho Ihres PKW nachjustieren lassen.

Tachomanipulation: Betrug erkennen

Laut Daten der Polizei wurde der Tacho von jedem dritten Gebrauchtwagen manipuliert. Für Kriminelle, die Kilometerstände bewusst verfälschen, ist dies ein leichtes Spiel. Denn mit technischen Mitteln kann eine Manipulation kaum nachgewiesen werden. Vielmehr müssen Verbraucher viele kleine Details überprüfen, um eine Manipulation zu erkennen und zu dokumentieren.

So kann eine Tachomanipulation belegt werden

  • Kontrolle von Belegen und Rechnungen: Liegen für ein Fahrzeug alte Werkstattrechnungen vor, können Sie darauf nachsehen, ob ein Kilometerstand notiert wurde.
  • Kontrolle von Speicherstellen: Da der Kilometerstand bei modernen Fahrzeugen an mehreren Stellen gespeichert wird, kann eine Tachomanipulation festgestellt werden, wenn es Abweichungen zwischen diesen Werten gibt.
  • Inspektionsheft prüfen: Wenn dem PKW noch ein Inspektionsheft beiliegt und Inspektionen für einen gewissen Zeitraum regelmäßig vorgenommen wurden, können Sie anhand dieser Daten erschließen, ob der aktuelle Kilometerstand plausibel ist.
  • TÜV-Berichte lesen: Im TÜV-Bericht lassen sich die Gesamtkilometer eines Fahrzeugs leicht ablesen.
  • Tankkarten-Belege: Wurde für das gebrauchte Auto eine Tankkarte verwendet, können über die Belege auch Kilometerstände ermittelt werden.
  • Vorbesitzer fragen: Wenn Sie die Zulassungsbescheinigung Teil II oder einen Fahrzeugbrief erhalten, sind darin die Vorbesitzer hinterlegt. Sie können Kontakt zu diesen aufnehmen und erfragen, mit welchem Kilometerstand sie das Auto jeweils verkauft haben.
  • Gesamtzustand prüfen: Vergleichen Sie den Gesamtzustand und das Alter des Autos mit dem Kilometerstand. Scheint es hier eine große Diskrepanz zu geben, kann eine Tachomanipulation vorliegen.

Gut zu wissen:Schäden in Milliardenhöhe

Die Tachomanipulation ist für Kriminelle ein lohnendes Geschäft. Pro Fahrzeug können allein durch die Änderung der Gesamtkilometerzahl mehrere tausend Euro zusätzlich beim Verkauf erzielt werden. So entstehen jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe.

Darauf sollten Sie beim Gebrauchtwagenkauf achten

Lassen sich Sie zunächst vom Vorbesitzer die tatsächliche Laufleistung des Fahrzeugs schriftlich bestätigen. Auf diese Weise vermeiden Sie schwammige Formulierungen, die zu Unklarheiten führen können.

Seien Sie misstrauisch, wenn der PKW ganz ohne Serviceheft oder möglicherweise mit neuer Zulassungsbescheinigung ohne eingetragene Vorbesitzer verkauft wird. 

Zögern Sie außerdem, wenn ein älterer Gebrauchtwagen eine sehr niedrige Fahrleistung auf dem Tacho aufweist, der Verkäufer aber die Entwicklung der Kilometerstände nicht lückenlos und nachvollziehbar dokumentieren kann.

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Gegenmaßnahmen

In den USA existieren bereits seit einigen Jahren Websites, auf welchen Verbraucher nachprüfen können, welchen Kilometerstand das gewünschte Fahrzeug hatte. Hierfür wird lediglich die Fahrzeug- Identifizierungsnummer benötigt. Neben den Kilometerständen werden in dieser Datei auch Schäden sowie Angaben zu erfolgten Services hinterlegt.

In Deutschland gibt es Bemühungen seitens des Finanzdienstleisters Arvato, einer Tochter des Bertelsmann-Konzerns, eine zentrale Datenbank für Fahrzeuge einzurichten. Die Initiative soll bereits mit dem TÜV, der DEKRA sowie dem Reparaturdienstleister Carglass Unterstützer haben. Eine Einführung soll 2016 erfolgen.

Allerdings gibt es Kritiker von Datenbanken, die befürchten, dass deren Existenz die Kriminalität sogar fördert. Darüber hinaus sehen sie hohe Kosten mit den Datenbanken auf Autobesitzer sowie Werkstätten zukommen. Denn der Abruf von Informationen aus der jeweiligen Datenbank soll kostenpflichtig werden, ebenso soll das Einstellen von Daten etwas kosten.

Automobilclubs wie der ADAC propagieren eine andere Lösung. Sie wünschen, dass die Autohersteller höhere Hürden schaffen, damit Kilometerstände nicht einfach manipuliert werden können.

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