Negative Teuerungsrate schürt Angst vor Deflation

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 10.01.2015

Zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009 fallen die Preise im Euroraum. Was für Verbraucher zunächst nach einer guten Nachricht klingt, könnte sich zu einer gefährlichen Deflation entwickeln. Wirtschaftliche Stabilität ist nach Ansicht der EZB nämlich erst ab einer Teuerungsrate von knapp zwei Prozent möglich.

In der Eurozone sind die Preise für Waren und Dienstleistungen im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent gesunken. Damit herrscht erstmals seit 2009 eine Deflation im Euroraum. Während die niedrige Teuerungsrate bei vielen Verbrauchern zunächst Begeisterung auslöst, bereitet die negative Inflation Wirtschaftsexperten Sorgen. Als die Lebenshaltungskosten das letzte Mal im Herbst 2009 sanken, befand sich Europa in einer der größten Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahrzehnte.

Preissturz beim Rohöl Auslöser für Deflation

Hauptgrund für die niedrige Teuerungsrate ist der massive Preisverfall für Rohöl, der Anfang Januar einen neuen Tiefststand erreicht hat. Kritisch wird die niedrige Inflation, wenn Preise auf breiter Front dauerhaft fallen und nicht mehr nur den Ölpreis betreffen. Dies führt zu geringeren Einnahmen für die Wirtschaft, welche Unternehmen zu Lohnkürzungen und Entlassungen zwingen können. Von einer derartigen Deflationsspirale ist in Europa derzeit allerdings noch nichts zu spüren. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass Konsumenten den Kauf von Fernsehern oder Autos aufschieben, weil es für sie günstiger geworden ist zu tanken“, so Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, gegenüber „Spiegel Online“.

Gegenmaßnahmen der EZB bislang nicht zielführend

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte durch eine mehrfache Senkung des Leitzinses versucht, einer Deflation gegenzusteuern. Das Vorhaben die Wirtschaft durch niedrige Zinsen anzukurbeln, zeigt bislang allerdings kaum Wirkung. Experten gehen davon aus, dass EZB-Chef rongMario Draghi daher in Kürze den Verkauf von Staatsanleihen im großen Stil ankündigen wird. Dies ist das letzte Mittel der Notenbank, um die wirtschaftliche Stabilität wiederherzustellen, die für die EZB erst bei einer Teuerungsrate von knapp zwei Prozent gegeben ist.

Zinsen auf klassische Geldanlagen könnten noch weiter fallen

Diese Maßnahme der Notenbank hätte für Sparer unerfreuliche Auswirkungen: Trotz ohnehin schon dauerhaft niedrigen Zinsen auf klassische Anlageformen wie Festgeld und Tagesgeld könnte es zu weiteren Zinssenkungen kommen. Die bislang nur vereinzelt erhoben Strafzinsen auf Spareinlagen könnten infolgedessen häufiger werden. Da davon auszugehen ist, dass der Einlagezins in absehbarer Zeit nicht anziehen wird, sind für Kleinanleger börsennotierte Anlageformen wie ETFs derzeit empfehlenswerter.

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