Wertpapiere

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

Wertpapiere können eine renditestarke Investition sein. Doch einige Anleger haben zu viel Respekt vor ihnen, um sie für sich in Betracht zu ziehen. Das ist schade, denn sie vergeben damit eine gute Chance. Lesen Sie hier, was Sie beachten müssen, wenn Sie Wertpapiere kaufen, mit ihnen handeln oder sie für die Vorsorge im Alter nutzen wollen.

Vor dem Handel mit Wertpapieren sollten Sie sich zunächst informieren, worum es sich bei Wertpapieren überhaupt handelt. Deshalb erläutern wir Ihnen die rechtlichen Grundlagen und zeigen Ihnen die verschiedenen Arten von Wertpapieren auf: So können Sie im nächsten Schritt die Chancen und Risiken für sich als Anleger erkennen, die diese Anlageform mit sich bringt.

Rechtliche Grundlagen

Für viele Anleger sind Wertpapiere das gleiche wie Aktien. Aber auch Anleihen, Sparbücher und Schuldverschreibungen beispielsweise gehören zu den Wertpapieren. Unter einem Wertpapier ist eine Urkunde zu verstehen, die bestimmte Rechte verbrieft. Dies können Forderungsrechte, wie der Anspruch auf Auszahlung einer Bausparsumme, oder auch Mitgliedschaftsrechte sein. Dabei können Sie die unterschiedlichen Arten je nach dem Begünstigten oder Berechtigten unterscheiden:

  • Inhaberpapiere: Sie berechtigten den Vorleger, ein Recht geltend zu machen. Durch Vorlage Ihres Sparbuches sind Sie beispielsweise zur Abhebung des Geldes berechtigt. Neben Inhaberaktien zählen auch Inhaberschecks oder Inhaberschuldverschreibungen zu diesen Papieren.
  • Orderpapiere: Berechtigt wird die Person, die vom ursprünglich Berechtigten auf dem Papier genannt wird. Zu den Orderpapieren zählen Namensaktien, Wechsel und Orderschecks.
  • Rektapapiere: Wertpapiere, die durch Einigung, Abtretung oder durch Übergabe übertragen werden. Rektapapiere, wie Sparbücher oder Hypothekenbrief, berechtigen den auf ihnen Genannten.

Allen Arten von Wertpapieren ist gemein, dass sie dem Gesetz nach verkehrsfähig und handelbar sind. Als Inhaber ist es Ihnen also erlaubt, Wertpapiere zu verkaufen und an andere Personen weiterzugeben. Je nach Art des Papiers sind aber besondere Voraussetzungen erforderlich. So müssen Sie etwa bei Namensaktien, also Aktien, die speziell auf Sie ausgestellt sind, den neuen Besitzer gesondert auf der Rückseite eintragen.

Darüber hinaus gilt für alle Wertpapiere, dass sie dem Berechtigten ein bestimmtes Recht einräumen. Das können neben einem Auszahlungsanspruch gegen eine Bank auch Ansprüche eines Aktionärs auf Auszahlung von Gewinnbeteiligungen sein. Die Ausgabe tatsächlicher Wertpapiere ist zwar eher unüblich, grundsätzlich bestehen Wertpapiere aber aus zwei Teilen: Einem Mantel, dem eigentlichen Wertpapier, und einem Bogen, in dem sich mehrere Kupons befinden. Gegen Abgabe eines Kupons können Sie Ihre Rechte ausüben.

Tipp:Vor dem Urlaub das Depot prüfen

Vor Antritt einer längeren Reise empfiehlt sich ein Depotcheck. Durchforsten Sie Ihren Aktienbestand und nehmen Sie mögliche Wackelkandidaten ins Visier. Welche Papiere haben in letzter Zeit vermehrt Verluste eingefahren? Wo gibt es starke Kursschwankungen, die Sie nicht aus den Augen verlieren sollten?

Viele Firmenskandale oder akute Krisen lassen sich jedoch nicht voraussehen und brechen im Urlaub buchstäblich aus heiterem Himmel herein. Sie können vor Antritt Ihrer Reise für einzelne Wertpapiere oder Ihren gesamten Aktienbestand ein Stop-Loss-Limit festlegen. Fällt der Kurs der Aktie unter einen zuvor festgelegten Wert, erhält Ihre Bank automatisch den Auftrag, das Papier zu verkaufen. Sie können so Verluste begrenzen, ohne im Fall der Fälle selbst eingreifen zu müssen.

Verschiedene Wertpapiere im Überblick

Für Sie als Anleger sind vor allem die festverzinslichen und die variabel verzinslichen Wertpapiere von Bedeutung. Zu den wichtigsten festverzinslichen Papieren gehören neben Renten, Genussscheinen und Pfandbriefen auch Anleihen. Alle haben gemeinsam, dass die Verzinsung über die gesamte Laufzeit konstant bleibt. Bei dieser Investition können Sie also verlässlich planen.

Im Unterschied dazu gehören Aktien und Fonds, bei denen das Geld mehrerer Anleger zu Investitionszwecken gebündelt wird, zu den variabel verzinslichen Papieren. Sie profitieren hier von der Unternehmenssituation oder den Marktbedingungen und erwirtschaften so unterschiedlich hohe Renditen. Dabei besteht neben der Chance auf hohe Dividendenzahlungen jedoch auch das Risiko von Marktschwankungen und Konjunkturproblemen, die sich auf das Unternehmen auswirken.

Aktien stellen eine besondere Form der Wertpapiere dar und verbriefen einen Anteil an einer Kapitalgesellschaft. Durch die Investition in eine Aktie entstehen für den Inhaber besondere Rechte und Pflichten.

Rechte des Aktieninhabers

  • Recht auf Dividendenausschüttung: Gewinne werden Ihnen anteilig ausgezahlt.
  • Stimmrecht: Sie dürfen auf der Hauptversammlung des Unternehmens Ihre Stimme abgeben.
  • Bezugsrecht: Ihnen wird ein Vorkaufsrecht im Falle von Kapitalerhöhungen eingeräumt.

Etwas anderes gilt nur bei Vorzugsaktien. Im Gegensatz zu einfachen Stammaktien gewähren diese kein Stimmrecht bei den Gesellschafterversammlungen, Sie erhalten stattdessen aber eine höhere Rendite.

Pflichten des Aktieninhabers

  • Leistung einer Einlage: Sie müssen die Aktie bezahlen.
  • Treuepflichten: Sie dürfen als Aktionär dem Unternehmen nicht schaden.
  • Lock-up-Fristen: Falls explizit vereinbart, dürfen Sie als Anleger Ihre Wertpapiere nicht verkaufen, bevor eine bestimmte Frist abgelaufen ist.

Chancen und Risiken für Anleger

Aus der variablen Verzinsung von einigen Wertpapieren ergibt sich ein erhöhtes Risiko. Neben einem bloßen Einbußeverlust durch starke Marktschwankungen besteht auch die Gefahr eines Totalverlustes. Der Wert von Aktien und Fondsanteilen unterliegt stetigen Kursänderungen an der Börse und reagiert auch auf Konjunkturschwankungen. Wenn Sie Wertpapiere kaufen, sollten Sie sich der Tatsache bewusst sein, dass gerade aufstrebende und junge Unternehmen meist ein hohes Ausfallrisiko aufweisen.

Die Möglichkeit durch eine Baisse, also anhaltende Kursrückgänge, Verluste zu erleiden, besteht aber bei allen Unternehmen gleichermaßen. Politische Risiken, wie ein Embargo oder Bürgerkriege, und das Wechselkursrisiko bestimmter Anleihen sollten Sie besonders dann bedenken, wenn Sie von ausländischen Unternehmen Wertpapiere kaufen.

Im Vergleich dazu zeichnen sich festverzinsliche Wertpapiere durch ein geringeres Risiko und eine feste Laufzeit aus. Dafür sind aber die Renditen in den meisten Fällen niedriger als bei den spekulativeren Aktien oder Fonds. Die Besonderheit der festverzinslichen Wertpapiere besteht darin, dass sie, anders als Sparbücher oder Festgelder, gehandelt werden können. Während der Handelsphase kann der Kurs der Papiere steigen oder fallen. Ein möglicher Grund dafür ist beispielsweise eine Leitzinsänderung durch die Europäische Zentralbank.

Doch das größte Risiko ist auch hier das Ausfallrisiko. Wird der Schuldner insolvent, fällt das Wertpapier aus und ist wertlos. Doch von dem gesteigerten Risiko können Sie auch profitieren, da Emittenten mit einem hohen Ausfallrisiko auch einen höheren Zinssatz bieten müssen.

Gut zu wissen:Vor Turbulenzen rechtzeitig verkaufen mit Stop-Loss-Auftrag

Mit einem Stop-Loss-Auftrag legen Sie fest, dass eine Aktie bei einem zuvor festgelegten Kursverlust automatisch verkauft wird. Zum Beispiel können Sie bestimmen, dass der Verkauf bei einem Verlust von über 10 Prozent erfolgt. Fällt der Kurs dieses Wertpapiers also beispielsweise von 100 auf 90 Euro, wird es automatisch abgestoßen, ohne dass Sie sich selbst um Ihr Depot kümmern müssen.

Es besteht auch die Möglichkeit, einen sogenannten Trailing-Stop-Loss-Auftrag zu erteilen. Dabei wird der Auftrag an die Kursentwicklung angepasst: Steigt der Kurs zunächst auf 200 Euro, wird nicht erst bei 90 Euro verkauft, sondern schon bei 180 Euro. Der Vorteil bei Stop-Loss-Aufträgen ist, dass Sie die Kurse nicht im Blick behalten müssen und trotzdem vor Verlusten geschützt sind. Andererseits erfolgt der Verkauf aber automatisch und der Ärger bei kurz darauf wieder deutlich ansteigenden Kursen kann groß sein.

Vergleich mit anderen Anlageformen

Neben einer Investition in Wertpapiere besteht für Sie aber auch die Möglichkeit, in klassische Anlageformen zu investieren. Für ein ausgewogenes Depot empfiehlt es sich, auf verschiedene Anlageprodukte zu setzen, um so spezifische Risiken einzelner Produkte zu minimieren:

AnlageformWas zeichnet sie aus?
Bausparverträge In Zeiten niedriger Zinsen ist eine Investition in Bausparverträge besonders lohnenswert, da Sie sich günstige Kreditzinsen sichern können. Anders als bei Wertpapieren sind aber die Renditen niedrig und als Anleger sind Sie unflexibel. Dafür zeichnen sich Bausparverträge durch eine hohe Sicherheit aus.
Tages- und Festgeldkonten Bei Tages- und Festgeldkonten sind Sie dank Einlagesicherungen vor einem Ausfall der Bank geschützt. In Krisenzeiten ist es empfehlenswert, das Geld anteilig auf sicheren Konten zu deponieren. Doch während hier das Verlustrisiko minimal ist, sind die Zinsen, die Sie auf diesen Konten erzielen, eher gering
Rohstoffe Heute erfolgt der Handel mit Rohstoffen oder Seltenen Erden kaum noch in physischer Form. Einzig Edelmetalle und -steine werden noch als alternative Geldanlage genutzt. Als Anleger profitieren Sie zwar von steigenden Rohstoffpreisen, unterliegen aber den gleichen Risiken wie Anleger, die Wertpapiere kaufen.
Futures und Optionen Futures und Optionen gehören zu den sogenannten Terminkontrakten. Hier setzen Sie als Anleger auf die Entwicklung eines Kurses oder eines Indizes. Ein physisches Gut wird nicht gehandelt. Aufgrund der sehr hohen Risiken eignen sich diese Geschäfte nicht für Privatanleger und sollten nur von Experten durchgeführt werden.

Eine Besonderheit stellen Investmentfonds und Indexfonds dar. Durch sie können Privatanleger nicht nur einzelne Wertpapiere kaufen, sondern gleich in eine Vielzahl von Unternehmen oder auch in ganze Indizes wie den DAX investieren. Durch Diversifikation, also die Streuung der Anlagen, wird das Risiko vermindert. Einzelne negative Kursverläufe sollen durch andere, sich positiv entwickelnde Beteiligungen ausgeglichen werden.

Dabei reicht die Auswahl an Fonds je nach Risikobereitschaft des Anlegers von vergleichsweise sicheren Renten- und Geldmarktfonds bis zu den risikoträchtigen Emerging-Market-Fonds, die ausschließlich in Schwellenländer investieren. Fonds eignen sich zudem besonders für die rechtzeitige Vorsorge im Alter: Mit ihnen können Sie bereits mit geringen Beträgen die Möglichkeiten der Kapitalmärkte nutzen und so langfristig ein Vermögen aufbauen.

Vorsorge im Alter

Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf drei Säulen: Der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Rentenversicherung. Immer häufiger überschätzen Bürger ihre Ansprüche aus der staatlichen Rente. Da diese oft viel geringer ausfällt als vermutet, sollten Sie sich frühzeitig einen Überblick verschaffen und auch mit der privaten Vorsorge im Alter beginnen. Um auf Gesetzesänderungen und erkannte Versorgungslücken angemessen reagieren zu können, sollten Sie sich gezielt von einem Experten beraten lassen und gemeinsam mit ihm einen individuellen Plan für die Vorsorge im Alter erstellen.

Dabei sind private Vorsorgemodelle von großer Bedeutung. Als Zusatz zu den gesetzlichen Renten können Sie mit Riester- und Rürup-Renten auf staatliche Förderung setzen. Besonders geeignet sind zudem Investitionen in Wertpapiere wie Investment- oder Rentenfonds, denn schon durch geringe monatliche Beiträge können Sie so Renditen erwirtschaften, die Sie mit anderen Rentenprodukten nicht erzielen. Dabei muss es sich als Vorsorge im Alter nicht ausschließen, Wertpapiere zu kaufen und staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen: Auch für Fondsverträge gibt es eine Riesterförderung.

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