Ausbildungsversicherung: Sinnvoll oder überflüssig?

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Die Ausbildung des eigenen Kindes kann später viel Geld kosten. So wird für ein Studium pro Semester mit Kosten von rund 10.000 Euro gerechnet. Schließlich müssen Unterkunft, Verpflegung sowie Studiengebühren finanziert werden. Auch bei einer herkömmlichen Ausbildung reicht das Geld meist nicht aus, um die kompletten Lebenshaltungskosten zu tragen. Um ihren Kindern später einen guten Ausbildungsstart zu ermöglichen, schließen viele Eltern eine Ausbildungsversicherung ab.

Inhaltsverzeichnis

    Eine Ausbildungsversicherung ist, ähnlich wie eine Aussteuerversicherung, eine Form der Kapitallebensversicherung. Im Gegensatz zur herkömmlichen Lebensversicherung wird die Ausbildungsversicherung deutlich früher ausgezahlt, und zwar zu Beginn der Ausbildung oder des Studiums des Begünstigten. Möglich ist auch eine Auszahlung zu einem bestimmten Alter.

    Bei der Ausbildungsversicherung zahlen in der Regel die Eltern in den Versicherungsvertrag ein. Nach Ablauf der Laufzeit sind nicht sie selbst die Begünstigten, sondern ihr Kind. Eine Ausbildungsversicherung kann auch von Verwandten, zum Beispiel den Großeltern, aber auch von Patentanten oder Patenonkeln für Enkel beziehungsweise Patenkinder abgeschlossen werden.

    Gründe für den Abschluss einer Ausbildungsversicherung

    Viele Eltern ächzen häufig unter der finanziellen Belastung, wenn sie ihre Kinder während des Studiums oder der Ausbildung unterstützen. So können monatlich schnell Kosten zwischen 600 und 1.000 Euro entstehen, die für Unterkunft oder Ausbildungsgebühren fällig werden. Wer nicht zu den Besserverdienenden gehört, kann sich eine solche Unterstützung in der Regel nicht leisten. Besonders schwierig wird es für Kinder, deren Eltern „zu viel“ verdienen, als dass die BAfÖG-Leistungen ausreichend für den Lebensunterhalt wären.

    Eine Ausbildungsversicherung kann somit Kindern helfen, deren Eltern monatlich nicht so viel Geld für Ausbildung oder Studium berappen können. Zugleich kann die Versicherung den Kindern helfen, unabhängig von BAfÖG sowie Nebenjobs einem Studium oder einer Ausbildung nachgehen zu können.

    Vor- und Nachteile

    Vorteile Nachteile
    • Größere Unabhängigkeit von BAfÖG oder den Eltern
    • Geringerer Bedarf einen Nebenjob auszuüben, bessere Konzentration auf Studium oder Ausbildung möglich
    • Niedrige monatliche Beiträge über einen längeren Zeitraum
    • Zahlung der monatlichen Beiträge wird im Todesfall der Einzahler von der Versicherung übernommen
    • In der Regel garantierte Auszahlungssumme
    • Versicherung muss am besten schon nach der Geburt abgeschlossen werden
    • Kündigung nur mit hohen Verlusten möglich
    • Hohe Abschlussgebühren reduzieren die Rendite oder den Auszahlungsbetrag
    • Keine Flexibilität bei der Geldanlage
    • Beiträge für kombinierte Risikolebensversicherung vor allem bei älteren Einzahlern sehr hoch

    Alternativen zur Ausbildungsversicherung

    Die niedrigen Zinsen bei Kapitallebensversicherungen sowie die mangelnde Flexibilität dieser Geldanlage und die manchmal hohen Gebühren sorgen dafür, dass Verbraucher häufig nach Alternativen zur Ausbildungsversicherung suchen.

    Auch die Verbraucherzentrale rät davon ab, Kombinationen aus Ausbildungsversicherung und Risikoabsicherung zu nutzen. Sie ist der Auffassung, dass diese Verträge nur einen unzureichenden Schutz bei zu hohen Kosten bieten. 

    • Fondssparpläne: Mit einem Fondssparplan können Sie Geld für Ihre Kinder anlegen, für das es noch eine ansprechende Rendite gibt. Je nach Anlagerisiko können die Zinsen höher ausfallen. Im Vergleich zur Ausbildungsversicherung fehlt der entsprechende Schutz im Todesfall der Eltern. Vor allem Sparkassen und Volksbanken-Raiffeisenbanken bieten eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Fondssparplänen an. Es lohnt sich, vor dem Antrag verschiedene Angebote zu vergleichen.
    • Festgeld: Festgeldkonten bieten die Möglichkeit, Geldbeträge zu einem festen Zeitraum zu festen Zinsen anzulegen. Für diese Form der Ausbildungsabsicherung benötigen Eltern allerdings ein gewisses Grundkapital, damit sich die Geldanlage lohnt. Wird jedoch ein Zeitraum von knapp 20 Jahren berücksichtigt, ist auch ein kontinuierliches Steigern der Festgelder möglich, ohne dass ein hoher Einmalbetrag eingezahlt werden muss. Das Festgeld hat darüber hinaus den Vorteil, dass es für das Kind angelegt werden kann und die Zinserträge mit einem eigenen Freibetrag verrechnet werden können. Nutzen Sie einen kostenlosen Festgeld-Vergleich im Internet, um das beste Angebot zu finden.
    • Tagesgeld- oder Sparkonto: Diese beiden Varianten bieten zwar nicht so viele Zinsen, für das Kind sind diese Konten später jedoch sehr einfach weiterzuführen. Sie lassen sich direkt auf das Kind übertragen. Es kann dabei selbst weitersparen oder nur Teilbeträge entnehmen, die es zum jeweiligen Zeitpunkt benötigt.

    Trennen Sie Versicherung und Geldanlage

    Es empfiehlt sich grundsätzlich, Versicherungen und Geldanlage zu trennen. Wenn sich Eltern für eine der Alternativen zur Ausbildungsversicherung entscheiden, sollten sie am besten eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Risikolebensversicherung separat abschließen.

    Kosten und Tipps

    Worauf muss ich beim Abschluss einer Ausbildungsversicherung achten? Wie viel muss ich monatlich investieren? In diesem Abschnitt erhalten Sie Antworten auf diese und andere Fragen.

    Die Kosten einer Ausbildungsversicherung

    Wie teuer eine Ausbildungsversicherung wird, hängt zunächst davon ab, wie viel Geld Sie monatlich in den Vertrag einzahlen. Möglich sind Verträge mit monatlichen Einzahlungssummen von 20 Euro. Wer seinem Kind später jedoch einen größeren finanziellen Spielraum bieten möchte, sollte mindestens 50 Euro einzahlen.

    Wie hoch die Rendite der Ausbildungsversicherung ausfällt, wird außerdem durch die Guthabenverzinsung sowie die fälligen Gebühren bestimmt.

    Ein wichtiger Faktor für die Kosten der Ausbildungsversicherung ist außerdem das Alter der Einzahler. Da die Ausbildungsversicherung in der Regel mit einer Risikolebensversicherung verknüpft wird, lässt sich der Anbieter das Risiko bezahlen. Je älter die Einzahler beim Abschluss einer Ausbildungsversicherung sind, desto teurer werden die Beiträge für die Risikoabsicherung und desto weniger Geld fließt von den monatlichen Raten in die Kapitallebensversicherung.

    Abschlussgebühren sparen

    Um Abschlussgebühren zu senken, kann es bei manchen Anbietern günstiger sein, gleich zwei oder mehr Kinder abzusichern.

    So finden Sie den passenden Anbieter

    Wenn Sie eine Ausbildungsversicherung für Ihr Kind oder Enkelkind suchen, sollten Sie vor allem die Gebühren im Blick behalten. Sie können die Rendite der Versicherung deutlich schmälern. Achten Sie außerdem darauf, ob der Anbieter eine Versicherungssumme garantiert. Denn wenn die Versicherung in Fonds investiert, ist es möglich, dass aus der versprochenen Rendite sogar ein Verlust wird.

    Um die bestmögliche Ausbildungsversicherung zu finden, empfiehlt es sich, auf eine professionelle Beratung zurückzugreifen. Weiterhelfen können Bankberater Ihrer Hausbank oder ein unabhängiger Versicherungsmakler.

    Teurer Ausstieg

    Wer eine Ausbildungsversicherung frühzeitig kündigen möchte, muss mit Gebühren rechnen, die vom jeweiligen Anbieter erhoben werden. Diese Gebühren können dazu führen, dass die vorzeitige Kündigung nur mit Verlust möglich ist. So verlangen manche Anbieter bis zu 150 Euro pro bestehendes Versicherungsjahr an Kündigungsgebühren.

    Wollen Sie die Ausbildungsversicherung dennoch kündigen, empfiehlt es sich, dies möglichst frühzeitig zu tun.

    Fragen und Antworten

    Wie schließe ich eine Ausbildungsversicherung genau ab?

    Eine Ausbildungsversicherung können Sie bei vielen deutschen Versicherungsgesellschaften abschließen. Aufgrund des komplexen Produkts ist der Abschluss in der Regel nur vor Ort in einer Filiale oder über einen Versicherungsberater sowie über Versicherungsmakler möglich.

    Was sind die Leistungen der Ausbildungsversicherung?

    Die Ausbildungsversicherung zahlt eine vereinbarte Versicherungssumme aus, wenn ein Kind eine Ausbildung oder ein Studium beginnt. Alternativ kann auch ein bestimmtes Alter für die Auszahlung angegeben werden.

    Was passiert, wenn ich tödlich verunglücke? Wer übernimmt die Beitragszahlung?

    Durch die Kombination der Ausbildungsversicherung mit einer Risikolebensversicherung übernimmt der Versicherer im Todesfall der Einzahler deren Beiträge bis zum vereinbarten Fälligkeitstermin. Für diese Dienstleistung fließt ein Teil der monatlichen Beiträge in diese Zusatzversicherung.

    Sind Beitragspausen möglich? Hängt dies vom Anbieter ab? Bleibt der Versicherungsschutz dann bestehen?

    Manche Anbieter bieten Beitragspausen oder eine Freistellung an. In dieser Zeit besteht üblicherweise auch Ihr Versicherungsschutz. Wie lange und ob diese Pausen möglich sind, hängt vom jeweiligen Anbieter ab.

    Sind Teilauszahlungen möglich?

    Bei manchen Anbietern sind Teilauszahlungen der eingezahlten Beträge möglich. Dabei können jedoch Gebühren entstehen.

    Was bedeutet dynamische Anpassung?

    Wählen Sie eine dynamische Anpassung für Ihre Ausbildungsversicherung, erhöht sich der eingezahlte Betrag jährlich um einen fest vereinbarten Prozentsatz oder Betrag. Dementsprechend kann sich auch die gewünschte Versicherungssumme dynamisch erhöhen.

    Was muss ich bei Abschluss der Ausbildungsversicherung alles an Informationen angeben?

    Wenn Sie eine Ausbildungsversicherung für Ihr Kind oder Ihr Enkelkind abschließen wollen, müssen Sie neben Ihren Adressdaten auch Ihr Alter, Ihr Geschlecht sowie Ihren Beruf angeben. Darüber hinaus wählen Sie entweder den gewünschten monatlichen Betrag oder die gewünschte Versicherungssumme aus. Außerdem müssen Sie Angaben zur beabsichtigten Laufzeit machen.

    Sind die Beiträge zur Ausbildungsversicherung steuerlich absetzbar?

    Die Beiträge in diese Versicherung können Sie in der Regel nicht absetzen.

    Werden bei der Auszahlung Steuern fällig?

    Üblicherweise müssen 50 Prozent der erwirtschafteten Erträge als Kapitalerträge über die Einkommensteuer versteuert werden.

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