eCall: Automatischer Notruf bei Verkehrsunfällen

eCall ist die Kurzform für „emergency call“, auf Deutsch Notruf. Dabei handelt es sich um ein Notrufsystem für PKW und andere Kraftfahrzeuge, das von der EU geplant wurde. Im Falle eines Unfalls alarmiert das System automatisch die nächstgelegene Notrufstation und übermittelt wichtige Daten zu Standort und Fahrzeug. eCall ist seit März 2018 verpflichtend für alle Neuwagen sowie leichte Nutzfahrzeuge innerhalb der Europäischen Union.

Inhaltsverzeichnis

    Jährlich sterben viele Menschen auf den Straßen Europas. Allein im Jahr 2014 starben fast 26.000 Verkehrsteilnehmer in der EU. Deshalb suchen die Gesetzgeber immer wieder nach neuen Methoden, durch welche diese Zahl reduziert werden kann. Bis zum Jahr 2020 möchte die Europäische Union die Zahl der Verkehrstoten auf unter 20.000 bringen.

    Die EU geht davon aus, dass dank eines einheitlichen Notfallsystems wie eCall allein mehr als 2.500 Menschenleben pro Jahr gerettet werden. Die geringeren Todesfälle sollen dadurch erzielt werden, dass Notärzte und andere Rettungskräfte viel schneller vor Ort sein können, da der Notruf automatisch unmittelbar nach einem schweren Autounfall ausgelöst wird und sofort Fahrzeug- und Standortdaten an die Einsatzkräfte übermittelt werden.

    EU-weiter Einsatz seit 2018

    Das eCall-System wurde zum 31. März 2018 in der gesamten EU aktiviert und betrifft alle Fahrzeuge, deren EU-Typgenehmigung nach diesem Datum erfolgte. Ziel dieser Maßnahme ist es, dass das Notrufsystem vereinheitlicht wird und es EU-weit auf der Notrufnummer 112 basiert. Die Abläufe bei eCall-Notrufen sollten darüber hinaus standardisiert sein, damit die Hilfe reibungslos und für alle Autofahrer verfügbar ist. Bisherige Systeme mancher Autohersteller funktionieren nur in manchen Ländern und nur bei bestimmten Fahrzeugen.

    Woher weiß ich, ob mein Auto mit eCall ausgestattet ist?

    Grundsätzlich muss jeder Neuwagen ab 2018 mit der eCall-Technik ausgestattet sein. Ob Ihr schon länger im Einsatz befindliches Auto die Voraussetzung für das System mit sich bringt, können Sie in Ihrer Werkstatt oder beim Autohersteller direkt erfragen. Allerdings sind Sie als Fahrer eines Gebrauchtwagens mit Zulassung vor März 2018 nicht dazu verpflichtet, auf eCall umzurüsten. Zwar gibt es Systeme wie den Unfallmeldedienst, die mit Hilfe eines Mobiltelefons mit Bluetooth aktiviert werden können – eine umfängliche Nachrüstung auf eCall ist aber noch nicht verfügbar.

    Hintergrund zum eCall-System

    Erste Versuche mit einem Notrufsystem für PKW gab es in den 1980er-Jahren in Deutschland. Damals startete die Bundesanstalt für Straßenwesen verschiedene Tests mit dem sogenannten „Auto-Notruf-System“. Im Vergleich zum heutigen eCall-System war die Technik deutlich einfacher. Sie basierte auf einem Funkgerät, das im Auto eingebaut war.

    Nach einem Unfall konnten damit Rettungskräfte alarmiert werden. Zugleich diente das Funksignal dazu, den Standort über Funkmasten anzupeilen. Geplant war, dass das Auto-Notruf-System zum Preis von knapp 500 D-Mark Mitte der 1980er-Jahre eingeführt werden sollte. Allerdings fand das System keine große Lobby.

    Viele Regierungen in Europa waren mittlerweile daran interessiert, die Unfallrettung dank in PKW installierten Notrufsystemen zu verbessern. Jedoch gab es keine einheitlichen Bemühungen. Stattdessen wurden verschiedene technische Lösungen von Automobilherstellern wie Volvo oder BMW vorgeschlagen. Schließlich erfolgte auch 2016 die Einführung des Unfallmeldediensts (UMD), einer Initiative von Versicherern sowie den Technikpartnern IBM und Bosch. Das System basiert auf einem Sensor, der über den Zigarettenanzünder mit Strom versorgt wird und oder dem Mobiltelefon mit Bluetooth und einer App, welche Unfälle direkt an die Leitstellen meldet. Ähnliches gibt es auch in Österreich.

    Das heutige eCall-System wurde bereits 2011 von der EU gestartet. Ursprünglich war geplant, eCall im Jahr 2015 einzuführen. Jedoch verzögerte sich die Einführung auf den 31. März 2018.

    Automatischer Notruf: So funktioniert's

    Die eCall-Technik basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Komponenten, die im Auto installiert werden müssen. Sensoren erkennen einen schweren Unfall, bei dem zum Beispiel die Airbags ausgelöst werden. Danach alarmiert das System über die zentrale Rufnummer 112 den nächstgelegenen Rettungsdienst, den sogenannten PSAP (Public Safety Answering Point). Dabei werden Standortdaten sowie wichtige Eckdaten zum Fahrzeug übertragen.

    Es ist darüber hinaus auch möglich, dass Unfallopfer direkt per Sprachverbindung Kontakt zu Rettungsstellen aufnehmen können. Möglich ist außerdem, dass Autoinsassen den Notruf manuell auslösen; beispielsweise kann bei einem Herzinfarkt oder ähnlichen, medizinischen Notfällen ein dafür vorgesehener SOS-Knopf gedrückt werden.

    Diese Elemente umfasst das eCall-System

    • GSM-Antenne: Darüber wird der Notruf an den PSAP gesendet.
    • GPS-Empfänger: Mit seiner Hilfe kann der exakte Standort ermittelt und übergeben werden.
    • Steuergerät mit fest verbauter SimkarteEs meldet die Standortdaten an die Notrufstelle.
    • Crash-Sensor (Verbindung zum Airbag): Dieser Sensor prüft die Stärke des Unfalls und löst nur bei schweren Unfällen Alarm aus.
    • Lautsprecher und Mikrofon: Auf diese Weise kann die Leitstelle mit den Fahrzeuginsassen kommunizieren.
    • Manueller Auslöser: Hiermit ist in der Regel eine Taste gemeint, über die der Notruf direkt von einem Insassen ausgelöst werden kann.
    • Notstromversorgung: Im Falle eines Kurzschlusses muss das eCall-System weiter funktionieren können.
    • Kontrollleuchte: Sie zeigt an, ob das System einsatzbereit und funktionstüchtig ist.
    • Rettungskarte: Diese spezielle Karte enthält alle wichtigen Informationen über das betroffene Fahrzeug. Sie wird mit Hilfe der übermittelten Fahrzeugdaten mit einer Datenbank abgeglichen.

    Weniger als 100 Euro einmalige, aber keine laufenden Kosten

    Bis zur kompletten Umsetzung von eCall lagen die genauen Kosten noch im Dunkeln; für den Einbau wurde aber durch die Initiatoren auf wahrscheinlich weniger als 100 Euro getippt. So ist es nun auch gekommen. Die Autohersteller müssen also mit einem höheren, zweistelligen Betrag für den Einbau rechnen.

    Laufende Kosten entstehen hingegen nicht. Nur, wenn ein Unfall passiert, wählt sich das System in das Mobilfunknetz ein. Da es sich aber gleich mit dem Notruf 112 verbindet, dessen Anruf stets kostenfrei ist, kommen auf den Verbraucher keine Telefongebühren hinzu.

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    Ist das eCall-System Pflicht?

    Seit dem 31. März 2018 ist das eCall-Notrufsystem für alle Neuwagen und leichten Nutzfahrzeuge Pflicht, wenn sie innerhalb der EU in Betrieb genommen werden sollen. Vorgeschrieben wird der Einbau von der Europäischen Union.

    Für Fahrzeuge, die bereits zugelassen sind, besteht keine Nachrüstungspflicht. Allerdings wird empfohlen, das System nachträglich einzubauen. Schließlich soll das System europaweit für eine schnellere Unfallhilfe und somit für weniger Verkehrstote sorgen. Aktuell ist es aber noch nicht möglich, eCall mitsamt aller Funktionen in Gebrauchtwagen nachzurüsten.

    Keine Entbindung von Erste Hilfe Pflicht

    Das eCall-System entbindet Autofahrer natürlich nicht davon, anderen Unfallopfern Erste Hilfe zu leisten. Es wird zwar automatisch ein Notruf abgesetzt; jedoch sollten Sie anderen Menschen nach einem Unfall helfen, sofern es Ihr Gesundheitszustand zulässt. Außerdem ist es lebenswichtig, die Unfallstelle abzusichern.

    Datenschutz bei Notruf

    Im Falle eines Notrufs werden vom eCall-System folgende Daten an die Rettungsstelle übermittelt:

    1. Fahrzeugklasse und 17-stellige Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN)
    2. Art des Treibstoffs (Benzin, Diesel, Elektro, Gas)Falls Brände ausbrechen oder es ein Leck im Tank gibt, wissen die Rettungskräfte sofort, worauf sie achten müssen.
    3. Zeit: Hier wird die exakte Zeit des Unfalls übermittelt.
    4. Ort: Über die GPS-Koordinaten wissen die Unfallhelfer sofort, wohin sie kommen müssen.
    5. Fahrtrichtung des Autos und letzten beiden Positionen
    6. Anzahl der Insassen (gemessen an der Zahl der angelegten Sicherheitsgurte)
    7. Auslöseart: Es wird übermittelt, ob der Alarm automatisch anhand des Sensors oder manuell durch einen Fahrzeuginsassen ausgelöst wurde.

    Die Daten werden ausschließlich an den Rettungsdienst übergeben, weil die Einsatzkräfte mit Hilfe der Eckdaten den Einsatz schon auf dem Weg zum Unfallort genau planen können.

    Kritik von Datenschützern

    Datenschützer kritisieren an eCall, dass das System auch von anderen Einrichtungen genutzt werden kann, zum Beispiel von Kfz-Versicherungen. Dies gilt jedoch besonders für eCall-Systeme, die von Autoherstellern angeboten werden und nicht für das „offiziell“ verpflichtende System.

    Was ist eine Rettungskarte?

    Bei der Rettungskarte handelt es sich um ein Dokument, auf dem alle wichtigen fahrzeugspezifischen Informationen hinterlegt werden. Diese Karte hilft Rettungskräften bei einem Unfall, Fehler zu vermeiden und Insassen besser bergen zu können. Die Rettungskarte wird mittlerweile von vielen Herstellern angeboten. Automobilclubs wie der ADAC empfehlen, die Rettungskarte auszudrucken und hinter der Sonnenblende zu platzieren. Im Notfall haben Rettungskräfte dann schnell Zugriff darauf. Mit dem eCall-System sollen die Einsatzkräfte die Daten für die Karte direkt nach dem Notruf abrufen können.

    Bei Nachrüstung: Richtige eCall-Lösung wählen

    Wenn Sie Ihr Fahrzeug mit einer eCall-Lösung nachrüsten wollen, sollten Sie auf verschiedene Aspekte achten:

    • Im besten Fall wird die Technik fest im Fahrzeug verbaut, damit sie jederzeit einsatzbereit ist.
    • Die verwendete technische Lösung sollte sicherstellen, dass die Identifikation des Fahrzeugs eindeutig möglich ist.
    • Es sollte sichergestellt sein, dass der Pannenruf nicht mit dem Notruf verwechselt werden kann.
    • Der Datenschutz sollte den europäischen und deutschen Bestimmungen entsprechen.
    • Positionsdaten des Systems sollten nur im Notfall übermittelt werden.
    • Die Daten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.
    • Es muss ein Formular zur Datenübermittlung vorhanden sein, bei dem Sie mit Ihrer Unterschrift der Übermittlung zustimmen.

    Nachrüstung durch Versicherer

    Viele Versicherungsunternehmen bieten vergleichsweise Systeme zum Nachrüsten an. Die Kosten sollen sich dabei im mittleren zweistelligen Euro-Bereich bewegen, zum Beispiel bei knapp 30 oder 40 Euro. Die Systeme werden jedoch in der Regel nicht fest verbaut, sondern basieren auf einem Stecker, der in den Zigarettenanzünder gedrückt wird, und einer Smartphone-App.

    Die Kosten belaufen sich auf eine einmalige Gebühr, die je nach Anbieter zwischen 20 und 80 Euro liegt. Hinzu kommen, wenn es sich um Systeme von externen Anbietern handelt, monatliche Gebühren für den Service.

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