Psychische Auswirkungen eines Einbruchs

Zuletzt aktualisiert am 26.11.2018

Aufgebrochene Schlösser, durchwühlte Schubladen, eine verwüstete Wohnung. Während der materielle Schaden eines Einbruchs greifbar ist, bleiben die psychischen Folgen meist unsichtbar. Betroffene fühlen sich in ihrer Wohnung nicht mehr sicher, durchleiden Ängste. Die psychische Belastung wiegt schwer – und hält oft eine lange Zeit an. Professionelle Hilfe kann nötig sein, um das Trauma zu überwinden.

Inhaltsverzeichnis

    Zusammenfassung: Checkliste mit Schutzmaßnahmen zur Einbruchsicherung (PDF)

    Psychische Belastung nach einem Einbruch

    Psychische Belastung nach einem Einbruch – Betroffene leiden oft langfristig an Angst und Stress Agenturfoto, mit Model gestellt

    Foto: Antonioguillem / Fotolia

    Einbrecher dringen gewaltsam in die Privatsphäre ihrer Opfer ein. Damit verursachen sie nicht nur einen messbaren Sachschaden, sondern zerstören auch das Sicherheitsgefühl der Betroffenen. Einbruchsopfer haben nach der Tat oft monate- oder sogar jahrelang mit den psychischen Auswirkungen der Tat zu kämpfen. Zunächst bedeutet ein Einbruch einen Schock für die Betroffenen. Die eigene Wohnung verwüstet vorzufinden, ist eine erschütternde Erfahrung für die Opfer. Das Heim steht für einen Rückzugsort, einen eigentlich unverletzlichen Schutzraum. Die Schäden innerhalb der Wohnung werden daher wie eine Verletzung der eigenen Person empfunden. Nach einem Einbruch verlieren Betroffene oft dieses grundlegende Gefühl der Sicherheit.

    Auch Wut und Scham zählen zu den ersten psychischen Reaktionen. Viele Opfer werden von dem Wissen belastet, dass der Täter die intimsten Bereiche ihrer Wohnung durchwühlt hat. In Reaktion darauf empfinden sie oft Ekel. Viele Betroffene fühlen zudem Schuld und machen sich Vorwürfe, dass sie bei der Sicherung der Wohnung versagt hätten. Diese Belastungen können anhaltende psychische Auswirkungen nach sich ziehen, wie zum Beispiel:

    • Schlafstörungen und Albträume
    • Angstzustände
    • Unsicherheit
    • Stress
    • Depressionen

    Auswirkungen eines Einbruchs auf die Psyche der Opfer

    Psychische Belastung nach einem Einbruch – Frau leidet unter Schlafstörungen Agenturfoto, mit Model gestellt

    Foto: Antonioguillem / Fotolia

    Im Jahr 2014 führte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN) eine Studie zu den Folgen eines Wohnungseinbruchs durch. Dabei wurden Fragebögen von 1329 Einbruchsopfern ausgewertet. In den Ergebnissen wird deutlich, welche Gedanken und Sorgen viele Betroffene noch eine lange Zeit nach der Tat beschäftigen.

    • 75 % der Befragten sagten aus, dass sie sich in ihrer gewohnten Umgebung unsicher fühlten. Bei 47 % hielt diese Unsicherheit sogar langfristig an.
    • Nach der Tat fühlten sich 61 % der Befragten gestresst oder angespannt.
    • 41 % der Einbruchsopfer wurden nach der Tat von starken Angstgefühlen geplagt. Beinahe die Hälfte der Betroffenen gaben an, dass diese Angst sie langfristig plagte.
    • 39 % der Betroffenen litten nach dem Einbruch unter Schlafstörungen. 24 % bekamen Albträume.
    • Auch Machtlosigkeit und Hilflosigkeit (71 %) sowie Ekel (32 %) und Erniedrigung (32 %) zählten zu den stärksten Gefühlen, mit denen Einbruchsopfer zu kämpfen hatten.

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die psychischen Auswirkungen eines Einbruchs auf die Opfer vielfältig sind. Zudem ist erkennbar, dass die emotionale Belastung bei etwa der Hälfte der Einbruchsopfer nicht nur einige Wochen anhält.

    Nach einem Einbruch reagiert nicht jeder Betroffene gleich. Die Stärke der Reaktion ist abhängig von der Persönlichkeit des Einbruchsopfers und hängt zudem mit den Tatumständen zusammen. Je tiefer der Einbrecher in die Intimsphäre eingedrungen ist und je größer das Ausmaß der Schäden ist, desto intensiver erleben Betroffene Scham und Verunsicherung. Auch ältere Menschen und Kinder spüren die Hilflosigkeit im Anschluss der Tat meist stärker. Werden die Betroffenen längere Zeit durch Albträume und Schlafstörungen belastet, wird es für sie noch schwieriger, das Trauma zu verarbeiten.

    In besonders schlimmen Fällen entwickeln Einbruchsopfer durch die Erlebnisse sogar eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Betroffenen leiden unter starkem Stress, fühlen sich ängstlich und schutzlos. Die traumatischen Erinnerungen durchleben sie in Albträumen oder Rückblenden erneut. Neben Schlafstörungen kann das Krankheitsbild ebenso Teilnahmslosigkeit und Schreckhaftigkeit einschließen. Eine solch ernstzunehmende Erkrankung sollte frühzeitig von einem Psychiater behandelt werden.

    Ferner kann die psychische Belastung körperliche Auswirkungen nach sich ziehen. In Verbindung mit Angstgefühlen, Nervosität und Schlafmangel leiden die Opfer oft unter Kopf- und Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Störungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Langfristige psychische Probleme und deren körperliche Auswirkungen können Betroffene meist nicht allein bewältigen. Oft ist professionelle Hilfe nötig, um die Tat angemessen zu verarbeiten.

    Traumabewältigung für Einbruchsopfer

    Psychische Belastung nach einem Einbruch – Opfer fühlen sich in ihrer Wohnung nicht mehr sicher

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    Angst und Unsicherheit isolieren. Trotzdem müssen Sie mit der psychischen Belastung nicht dauerhaft leben. Nach einem Einbruch ist es ratsam, über Sorgen und Ängste zu sprechen, um das Geschehene zu überwinden. Dazu können Sie sich zunächst an Vertraute wenden. Folgende Tipps können zudem dabei helfen, mit dem ersten Schock fertigzuwerden:

    • Gewinnen Sie vorübergehend Abstand zu Ihrer Wohnung. Übernachten Sie bei Freunden oder im Hotel.
    • Bleiben Sie nicht allein. Treffen Sie sich mit Vertrauten und sprechen Sie über das Geschehene.
    • Gestalten Sie Ihre Wohnung um. Eine Veränderung der Umgebung kann helfen, nicht ständig an die Tat erinnert zu werden.

    Nach dem Einbruch fühlen sich viele Betroffene in der eigenen Wohnung derart unwohl, dass sie sich am liebsten ausschließlich an anderen Orten aufhalten. Sie sehen den Wohnraum als Tatort an und spüren überall den Einfluss des Einbrechers. Laut der Umfrage des KFN ist ein Viertel aller Einbruchsopfer nach der Tat sogar aus der eigenen Wohnung ausgezogen oder wollte gern umziehen. Unmittelbar nach der Tat kann es Einbruchsopfern helfen, die eigene Wohnung zu verlassen und beispielsweise bei Freunden oder der Familie unterzukommen. Jedoch darf dieses Ausweichverhalten nicht von Dauer sein.  

    Professionelle Opferhilfe

    Auch wenn die Unterstützung von Freunden und Verwandten sehr wertvoll ist, reicht diese auf lange Sicht eventuell nicht aus. Bemerken Sie anhaltende psychische Belastungen durch den Einbruch, kann professionelle Hilfe zur Traumabewältigung nötig sein. Oftmals sind Angehörige und Vertraute ratlos, wie sie der betroffenen Person helfen können. Fragen zu den Tatumständen und gutgemeinte Ratschläge können Selbstvorwürfe der Einbruchsopfer bekräftigen. Statt Schuldgefühle zu verstärken, sollten die Gedanken der Betroffenen auf zukünftige Vorsichtsmaßnahmen gelenkt werden. Konkrete Pläne zur Einbruchsprävention können einem Gefühl der Hilflosigkeit entgegenwirken:

    • Identifizieren Sie mögliche Einstiegswege (Fenster, Terrassentüren) in Ihre Wohnung.
    • Ziehen Sie technische Mittel und bauliche Maßnahmen zur Einbruchsicherung in Erwägung (Alarmanlage, Türsicherungen, etc.)

    Mechanische und elektronische Sicherungsmaßnahmen können Betroffenen helfen, das Gefühl der Unsicherheit in der eigenen Wohnung zu bekämpfen. Allerdings sollten Einbruchsopfer davon absehen, sich völlig in ihrem Haus zu verbarrikadieren. Die Pflege von sozialen Kontakten ist für den Heilungsprozess ebenso wichtig, wie die Absicherung der eigenen Wohnung.

    Leiden Sie in Folge der Tat wochenlang unter dauerhaftem Stress und bemerken eine starke nervliche Belastung, ist ärztliche Hilfe nötig. Um den Schock und das Einbruch-Trauma zu verarbeiten, sollten Sie einen professionellen Therapeuten aufsuchen. Nur so können psychische Folgen eines Einbruchs wirksam behandelt werden. Zudem können Sie sich an Vereine und Initiativen für Opferhilfe wenden. Sprechen Sie mit anderen Einbruchsopfern und tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus.

    Hilfe finden Sie unter anderem bei folgenden Beratungsstellen:

    WEISSER RING e.V.
    Tel.: 06131/8303 0
    Mail: info@weisser-ring.de
    Web: https://weisser-ring.de/

    Deutsche Opferhilfe e.V.
    Tel.: 069/65 300 399
    ado - Arbeitskreis der Opferhilfen in Deutschland e.V.
    Tel.: 0176/60357576
    Mail: info@opferhilfen.de
    Web: https://www.opferhilfen.de/

    Polizeiliche Kriminalprävention
    Tel.: 0711/5401 2062
    Mail: info@polizei-beratung.de
    Web: https://www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/

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