Energetische Sanierung: Kosten sparen und Unabhängigkeit gewinnen

Zuletzt aktualisiert am 24.10.2017

Heute wird nicht mehr nur aufgrund von Optik oder alten Geräten saniert, sondern auch um die Energiekosten zu senken und den energetischen Wert des Hauses zu steigern. Über 70 Prozent der Gebäude in Deutschland wurden vor 1977 – und somit vor der ersten Wärmeschutzverordnung – errichtet. Besonders in Verbindung mit der Installation von nachhaltigen Strom- und Heizsystemen ist eine energetische Sanierung unabdingbar.

Inhaltsverzeichnis

    Übersicht der Sanierungsmaßnahmen als PDF herunterladen

    Die Bundesregierung weiß: Um die selbst festgelegten Klimaziele zu erreichen, müssen 50 Prozent aller Gebäude in Deutschland in den nächsten 20 Jahren saniert werden. Die Verantwortung wird dabei auch an die Eigenheimbesitzer übergeben. Um diese zu unterstützen, wurde ein umfangreiches Angebot an Beratung und Fördermaßnahmen aufgestellt.

    Mit einer energetischen Sanierung Ihres Eigenheims können Sie sich langfristig und größtenteils unabhängig von Energielieferanten machen und zudem in die private und gesellschaftliche Zukunft investieren. Die Modernisierungen steigern den Wert Ihres Hauses und schonen Umwelt und Klima.

    Zur energetischen Sanierung zählen einige Maßnahmen, zum Beispiel:

    • Modernisierung der Fenster
    • Verbesserung der Dämmung an Außenwand, Dach und Keller
    • Erneuerung des Heizungssystems
    • Die Installation von Lüftungsanlagen
    • Die Installation von Selbstversorger-Technik wie Solar- und Geothermie

    All diese Sanierungsmaßnahmen haben das Ziel, bestehende Energie in Form von Wärme bestmöglich zu nutzen und die Kosten der Energiegewinnung zu reduzieren.

    Die Maßnahmen können zwar einzeln erfolgen, wirken aber stark aufeinander ein. Sind mehrere Maßnahmen innerhalb der nächsten Jahre vorgesehen, so sollte das gesamte Energiekonzept durchgeplant und dann Schritt für Schritt (oder gleichzeitig) angegangen werden.

    Neue Fenster halten die Wärme im Haus

    Sollten Sie in Ihrem Haus nur 1-fach verglaste Fenster haben, so lohnt sich bereits der Austausch gegen 2-fach verglaste Fenster. Die Kosten für neue Fenster variieren stark von 300 bis 1.500 Euro pro Stück, je nach Größe und Bauart.

    Eine Dreifachverglasung der Fenster ist 10 bis 15 Prozent teurer und lohnt sich nur, wenn Sie gleichzeitig bzw. in naher Zukunft auch Dämmungsmaßnahmen an Ihrem Haus vornehmen.

    Mit der Modernisierung der Fenster können Sie bereits 10 bis 20 Prozent der jährlichen Heizkosten einsparen.

    Dämmung stärkt das Raumklima

    Neben der Kostenersparnis, bringt eine Verbesserung der Dämmung auch Behaglichkeit und Gesundheit ins Haus. Die Heizkörper können glühen, gegen kalte und feuchte Wände kommen sie nicht an. An den kalten Oberflächen von Wand und Decke sammelt sich dann die Feuchtigkeit und es kann zu Schimmelbildung kommen.

    Modernisieren Sie die Dämmung Ihrer Außenwände, des Dachs oder des Kellers, so sind die Wände nicht mehr so kalt im Vergleich zur Raumtemperatur. Die Feuchtigkeit sammelt sich nun nicht mehr an den Wänden, sondern verteilt sich gleichmäßig im Raum und kann beim nächsten Lüften besser entweichen. Die Heizkosten sinken, da nicht mehr so viel Wärme über die Wände An die Umgebung abgegeben wird.

    Sie können Ihre Außenwände, das Dach, die Kellerdecke und sogar die Kelleraußenwände dämmen. Für eine Verbesserung der Fassadendämmung zahlen Sie üblich zwischen 6.000 bis 15.000 Euro. Noch investitionsintensiver ist die Dachdämmung mit 5.000 bis 20.000 Euro. Allerdings schlagen sich die Maßnahmen jeweils in einer Heizkosten-Einsparung von 15 bis 20 Prozent jährlich nieder. Nach ca. 8 bis 14 Jahren hat sich diese Sanierung amortisiert.

    Ein neues Heizungssystem spart Betriebskosten

    Die Planung einer Heizungssanierung sollte mit Fachpersonal durchgeführt werden. Denn die Art und Dimensionierung der Heizungsanlage hängt stark vom Grad der Dämmung, den Fenstern, den Bedürfnissen der Bewohner und dem Investitionspotential des Hausbesitzers ab. Die Heizungsanlage sollte von der Art der Wärmeerzeugung, über das Verteilungssystem bis hin zu den Heizkörpern betrachtet werden.

    Allein die Auswahl an Wärmeerzeugern ist heute enorm: Solarthermie Geothermie, Luftwärmepumpen, Mikro-KWK (Kraft-Wärme-Kopplung), Brennwertkessel und Niedertemperaturkessel. Zunächst sollten Sie entscheiden, wie hoch der Selbstversorgungsgrad sein soll. Mit den 3 ersten Anlagen können Sie sich nahezu unabhängig von externen Energielieferanten machen, lediglich Strom wird von extern benötigt. In den Artikeln Solarthermie und Erdwärmepumpe haben wir bereits alle wichtigen Informationen zu diesen fast autarken Heizsystemen zusammengestellt. Die anderen 3 Technologien sind von fossilen Brennstoffen, also Öl und Gas oder Holz, abhängig. Auch mit diesen Sanierungen können Sie durch erhöhte Effizienz enorme Einsparungen erzielen, aber Sie sind an den jeweiligen Rohstoffmarkt und seine Entwicklung gebunden.

    Abhängig vom gewählten oder bestehenden Wärmeerzeuger, ist das eigentliche Heizungssystem anzupassen. Erzeuger, die mit niedrigen Temperaturen arbeiten, benötigen Niedrigheizsysteme, also Fußboden- bzw. Flächenheizung. Diese strahlen schon bei niedrigen Temperaturen eine wohlige Wärme an die Räume und seine Bewohner.

    Durch die Modernisierung Ihrer Heizungsanlagen können Sie jährlich 10 bis 15 Prozent Ihrer Heizkosten sparen und so die Investitionskosten in nur 7 bis 10 Jahren zurückgewinnen.

    Lüftungsanlagen für Klima und Gesundheit

    Mit dem eigenen Lüftungs- und Heizverhalten nehmen wir bereits erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch. Unzählige Ratgeber erklären das richtige Lüftungsverhalten und dennoch machen es viele Menschen im Alltag falsch bzw. ineffizient. Hinzu kommt, dass durch die neuen Fenster und Dämmungen im Zuge der Sanierungen und Neubauten weniger Luftaustausch zwischen Innen und Außen stattfindet wodurch sich in Innenräumen mehr Feuchtigkeit ansammelt. Auch diese Probleme können Sie im Zuge einer Sanierung beheben - mit kontrollierter Wohnraumlüftung.

    Lüftungssysteme unterscheiden sich zwischen Einzel- oder Zentralgeräten, sowie ihre Funktionsweisen. Generell wird Luft aus der Umwelt entnommen, über einen Wärmetauscher (mit oder ohne Wärmerückgewinnung im System) erwärmt und durch ein Lüftungssystem im Haus verteilt. Gleichzeitig wird Luft in einem Parallelsystem den Räumen entnommen, ihre Wärme abgenommen und neuer Frischluft zugeführt (Wärmerückgewinnung). Die kalte, unbrauchbare Abluft wird wieder in die Umwelt abgelassen. Sie haben also ganz automatisch immer saubere, wohl temperierte und angemessen feucht bzw. trockene Luft in Ihren Wohnräumen.

    Finanzierung und Förderung der Sanierungsmaßnahmen

    Zur Finanzierung Ihres Energiespar-Projektes können Sie Renovierungs- und Modernisierungskredite in Anspruch nehmen. Viele Kreditunternehmen bieten diese Kreditarten an. Durch die Gebundenheit des Geldes an den Zweck der Sanierung, werden die Kredite mit niedrigen Festzinssätzen vergeben. Ein Modernisierungskredit ist an bauliche Maßnahmen, die das Wohnen in der Immobilie nachhaltig verbessern, gebunden. Der Renovierungskredit ist für Schönheits-Neuerungen gedacht, kann aber parallel genutzt werden. Der jeweilige Zweck wird bei Vertragsabschluss festgesetzt. Welches Kreditangebot für Ihr Projekt das Beste ist, können Sie mit einem Kreditvergleich schnell und einfach herausfinden.

    Der Bund fördert energetische Sanierungen im privaten Bereich über das BAFA und die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW).

    Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) fördert Sanierungen in Form von „Heizen mit Erneuerbaren Energien“ mit einem Zuschuss von 500 bis 4.500 Euro.
    Einen günstigen Kredit bekommen Sie bei der KfW für jegliche energetische Sanierungen. Je nach Umfang erhalten Sie bis zu 50.000 Euro für Einzelmaßnahmen und 100.000 Euro für ein ganzheitliches Konzept zum KfW-Effizienzhaus, bei einem aktuellen effektiven Jahreszins von 0,75 Prozent (Oktober 2017). Die KfW hat ein Vergleichshaus-Konzept mit den technischen Standards entworfen, an dem sie misst, wie hoch Ihre Sanierung gefördert wird.

    Die Sanierung an Häusern, die innerhalb der letzten 3 Jahre gekauft wurden, können Sie auch steuerlich geltend machen. Renovierungen und kleine Modernisierungen, die nicht mehr als 15 Prozent des Kaufpreises kosten, können Sie zu 100 Prozent steuerlich anrechnen.

    Nicht nur im privaten Ein- und Mehrfamilienhaus lohnt sich die Investition. Laut BGB § 559 können Vermieter 11 Prozent der entstandenen Modernisierungskosten auf die jährliche Miete umschlagen. Dabei muss die Modernisierung jedoch energetische Einsparungen, reduzierten Wasserverbrauch oder verbesserte Wohnverhältnisse zur Folge haben (BGB § 555b 1,3-6).

    Energetische Unabhängigkeit

    Autarkie ist Unabhängigkeit. Unabhängigkeit von Heizkosten und Energiepreismärkten. Sie können sich Wärme-Autark machen, Strom-Autark oder ganzheitlich. Dabei muss gesagt werden, dass in Deutschland aufgrund von Gesetzlichkeiten und Technik, die Autarkie bisher nur als Energie-Bilanz auf dem Papier besteht. Das heißt, ein autarkes Haus produziert zwar eigens genauso viel Strom bzw. thermische Energie, wie es verbraucht, ist aber dennoch an das Wasser- und Stromnetz angeschlossen. Die unabhängige Wasseraufbereitung ist nur für Brauchwasser, also Toilettenspülung und Waschmaschinen, erlaubt. Das Trinkwasser muss über das öffentliche Netz bezogen werden. Um sowohl das Stromnetz stabil zu halten, als auch die Sicherheit der Versorgung des Einzelnen zu jeder Tages- und Nachtzeit zu gewährleisten, sind alle Verbraucher an das Stromnetz angeschlossen.

    Ein neues autarkes Haus mit rund 160 m2 Wohnfläche kostet schlüsselfertig – je nach Lage und Ausfertigung – ca. 400.000 Euro. Da der jährliche Neubau hierzulande nur 1 Prozent des Gebäudebestandes beträgt, ist die Sanierung von Altbauten hin zu Autarkie essentiell. Die Energieeffizienz wird bei Neubauten durch gesetzliche Pflichten erreicht, beim Altbestand wird sie durch Sanierungszuschüsse gefördert. Der wachsende Bedarf fördert die Märkte und Technologieentwicklung. In die Zukunft zu investieren ist sowohl Trend im Privaten, als auch in Gesellschaft und Wirtschaft. Japan produziert Solar-Fenster, die USA Solar-Dachziegel und Forscher aus Kassel entwickelten sogar Solarstrom erzeugenden Beton. Es stehen täglich neue, energiesparende Innovationen in den Startlöchern.

    Investieren Sie also in Ihre private Zukunft mit der Verkaufswert-Steigerung Ihres Hauses durch verbesserte Energiebilanzen und damit auch in das Klima von morgen!

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