Geringfügige Beschäftigung

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

Wer nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient, gilt als geringfügig beschäftigt oder als sogenannter Mini-Jobber. Viele Arbeitnehmer wollen sich mit einem Minijob etwas hinzuverdienen. Aber auch für Arbeitssuchende ist eine geringfügige Beschäftigung eine Möglichkeit, einen Fuß im Arbeitsleben zu behalten. Wer gleich mehrere Minijobs hat, muss einiges beachten. Gleiches gilt für Minijobber mit einem Hauptberuf, Werkstudenten, Arbeitssuchende und weitere.

Von geringfügiger Beschäftigung spricht man dann, wenn eine Person nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient oder das pro Jahr zu erwartende Entgelt 5.400 Euro nicht übersteigt. Steuern und Krankenkassenbeiträge zahlt ausschließlich der Arbeitnehmer.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Möglich ist geringfügige Beschäftigung für Rentner, Studenten, Arbeitslose, Ferienjobber oder Arbeitnehmer, die sich neben ihrem Hauptberuf etwas dazuverdienen wollen. Seit 1. Januar 2013 wird geringfügige Beschäftigung nur über die Verdienstgrenze definiert. Es gibt also keine feste Arbeitszeitregelung mehr. Früher war die Arbeitszeit auf maximal 15 Wochenstunden begrenzt.

Auch für geringfügig Beschäftigte, auch Minijobber genannt, gilt eine flexible Arbeitszeitregelung. Sie erlaubt es Arbeitgebern, die Verdienstgrenze für geringfügig Beschäftigte einzuhalten und dennoch flexibel auf Personalengpässe, Produktionsspitzen, Nachfrageschwankungen und saisonale Gegebenheiten zu reagieren. Die Arbeitszeit darf so verteilt werden, dass der Minijobber die 450-Euro-Grenze nicht mehr als drei Monate überschreitet und im gesamten Jahr maximal 5.400 Euro verdient.

Urlaubsanspruch und Kündigungsschutz

Geringfügig Beschäftigte werden als Arbeitnehmer in Teilzeit behandelt. Sie haben die gleichen Ansprüche wie Vollzeitbeschäftigte, also auch auf bezahlten Urlaub.

Auch bei geringfügiger Beschäftigung gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Diese betragen einen Monat, wenn das Arbeitsverhältnis bis zu zwei Jahren bestanden hat, zwei Monate bei fünf Jahren, drei Monate bei acht Jahren, vier Monate bei zehn Jahren, fünf Monate bei zwölf Jahren, sechs Monate bei 15 Jahren und sieben Monate ab 20 Jahren. Zeiten, die die vor der Vollendung des 25. Lebensjahres des Arbeitnehmers liegen, werden dabei nicht berücksichtigt. Eine Ausnahme sind vorübergehende Aushilfskräfte. Hier kann der Arbeitgeber für die ersten drei Monate eine kürzere Kündigungsfrist festlegen.

Verdienstgrenze bei geringfügiger Beschäftigung

Die Verdienstgrenze liegt bei 450 Euro im Monat beziehungsweise 5.400 Euro im Jahr, wobei von den Brutto-Einnahmen ausgegangen wird. Bei Minijobbern, die sich von Rentenversicherungspflicht befreien lassen, entspricht das Bruttogehalt ohnehin dem Nettogehalt, da es keine weiteren Abzüge gibt. Ohne Befreiung zahlen geringfügig Beschäftigte 3,7 Prozent ihres Arbeitsentgelts in die Rentenversicherung ein.

Nicht angerechnete zusätzliche Einnahmen

  • Steuerfreie Aufwandsentschädigungen (max. 2.400 Euro / Jahr)
  • Entgelte aus Bundesfreiwilligendienst

Bei der Verdienstgrenze werden steuerfreie Aufwandsentschädigungen von bis zu 2.400 Euro im Jahr nicht berücksichtigt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer. Minijobber können also insgesamt bis zu 650 Euro im Monat verdienen, ohne sozialversicherungspflichtig zu werden.

Wer mit einem 450-Euro-Job sein Gehalt aufbessern will, deckt mit seinem Hauptjob alle Sozialversicherungsleistungen ab. Von den 450 Euro werden maximal 2,5 Prozent Pauschalsteuer abgezogen. Kommt ein dritter Nebenjob hinzu, wird dieser in Steuerklasse VI voll versicherungspflichtig.

Nicht angerechnet werden die Entgelte aus dem Bundesfreiwilligendienst (früher Wehr- und Zivildienst) beziehungsweise eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres. Abgabenfrei bleiben die 450 Euro auch, wenn Sie zusätzlich Elterngeld beziehen. Allerdings wird der Verdienst auf das Elterngeld angerechnet.

Als Empfänger von Arbeitslosengeld I oder II

Auch Bezieher von Arbeitslosengeld I dürfen sich mit einem Minijob etwas hinzuverdienen. Allerdings nur, wenn die wöchentliche Arbeitszeit nicht mehr als 14 Stunden und 59 Minuten beträgt. Ab 15 Arbeitswochenstunden gelten Sie nicht mehr als arbeitslos und verlieren ihren Arbeitslosengeldanspruch. Sie dürfen im Monat maximal 165 Euro abschlagsfrei dazuverdienen. Alles, was darüber hinausgeht, wird mit den Bezügen vom Arbeitsamt verrechnet.

Für Hartz-IV-Empfänger (Arbeitslosengeld II) sind die ersten 100 Euro anrechnungsfrei. Von jedem weiteren Euro werden zusätzlich 20 Prozent nicht angerechnet. Bei einem Einkommen von 450 Euro können Sie also maximal 170 Euro hinzuverdienen.

Gut zu wissen:Überschreitung der Verdienstgrenze teils möglich

Ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Verdienstgrenze ist möglich, beispielsweise wenn Sie vorübergehend mehr arbeiten müssen, weil ein Kollege krankheitsbedingt ausfällt. Sie dürfen die Monatsgrenze von 450 Euro maximal dreimal im Jahr überschreiten. Überschreitungen in vier Monaten oder mehr sind nur möglich, wenn Sie die Jahresverdienstgrenze von 5.400 Euro dennoch einhalten.

Abgaben für den Arbeitnehmer

Was die Sozialversicherung betrifft, müssen Arbeitnehmer lediglich einen Beitrag zur Rentenversicherung leisten. Dieser liegt in der Regel bei 3,7 Prozent. Als Minijobber können Sie sich jedoch auch problemlos von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Das Arbeitsentgelt bei geringfügiger Beschäftigung unterliegt der Steuerpflicht. Diese betrifft in den meisten Fällen nur den Arbeitgeber. In der Regel zahlt dieser eine einheitliche Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent. Bei einem Verdienst von 450 Euro entspricht dies neun Euro im Monat. In dieser Pauschale sind Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer enthalten. Es steht dem Arbeitgeber allerdings frei, diesen Steuersatz vom Entgelt des Minijobbers abzuziehen. Dabei handelt es sich dann nicht mehr um einen steuerlichen, sondern einen arbeitsrechtlichen Vorgang.

Statt des Pauschbetrags können Minijobber ihr Einkommen allerdings auch ganz normal versteuern. Sie profitieren in diesem Fall vom Werbungskostenfreibetrag in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr. Für Minijobber der Lohnsteuerklassen V und VI fällt Lohnsteuer an. Sie beträgt bei einem 450-Euro-Job monatlich 39,75 Euro in Steuerklasse V und 51,83 Euro in Steuerklasse VI. In der Regel wird sie nach der nächsten Steuererklärung rückerstattet.

Geringfügige Beschäftigung und Steuererklärung

Wenn der Arbeitgeber Ihren Minijob pauschal versteuert und Sie keine weiteren Einkommensquellen haben, müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. Fall dies nicht der Fall ist, müssen Sie die Einnahmen in der Steuererklärung in der Anlage N („Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit“) angeben.

Versicherungsverhältnis

Arbeitgeber müssen die in der untenstehenden Tabelle aufgeführten Abgaben an die Minijob-Zentrale entrichten. Die bisher beschriebene Art der geringfügigen Beschäftigung fällt in den gewerblichen Bereich. Daneben gibt es geringfügige Beschäftigung auch in Privathaushalten, beispielsweise wenn Sie als Privatperson eine Haushaltshilfe anstellen, sowie die geringfügig kurzfristige Beschäftigung.

 Geringfügige Beschäftigung (gewerblich)Geringfügige Beschäftigung in PrivathaushaltenGeringfügig kurzfristige Beschäftigung
Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung 13 Prozent 5 Prozent Entfällt
Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung
Wenn Arbeitnehmer nicht rentenversicherungspflichtig ist
15 Prozent 5 Prozent Entfällt
Beitragsanteil des Arbeitgebers zur Rentenversicherung
Bei Rentenversicherungspflicht des Arbeitnehmers
3,7 Prozent 13,7 Prozent Entfällt

Krankenversicherung

Beachten Sie, dass Sie sich selbst um eine Krankenversicherung kümmern müssen, falls ansonsten kein Versicherungsverhältnis besteht. Bei einem Verdienst von bis zu 450 Euro führt der Arbeitgeber lediglich einen pauschalen Betrag zur Sozialversicherung ab. Wenn Sie Arbeitslosengeld beziehen, sind Sie durch das Arbeitsamt beziehungsweise das Jobcenter versichert. Sollten Sie unter die Familienversicherung Ihres Ehepartners fallen, bleibt dies durch den Minijob unangetastet.

Rentenversicherung

Wenn Sie ab dem 1. Januar 2013 eine geringfügige Beschäftigung aufgenommen haben, sind Sie mit einem Anteil von 3,7 Prozent rentenversicherungspflichtig. Davon können Sie sich allerdings jederzeit befreien lassen. Dazu müssen einfach nur Sie ein Formular der Minijobzentrale ausfüllen und bei Ihrem Arbeitgeber einreichen. Lassen Sie sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien, genießen Sie den vollen Versicherungsschutz mit allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung. Dazu gehören auch Reha-Maßnahmen, Erwerbsminderungsrenten und eine staatliche Förderung zur Riester-Rente.

Minijobber, die den Rentenversicherungsbeitrag nicht zahlen, erwerben aufgrund des geringeren Pauschalbeitrags nur anteilige Beitragsmonate für die Beschäftigungszeiten, die Voraussetzung für einen Rentenanspruch sind. Sie können Ihre Beiträge zur Rentenversicherung freiwillig aufstocken und dadurch vollwertige Beschäftigungszeiten erwerben. Wenn Sie Ihre geringfügige Beschäftigung vor 2013 begonnen haben, müssen Sie lediglich die Differenz zwischen dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers und dem vollen Rentenversicherungsbeitrag von derzeit 19,9 Prozent begleichen. Diese entspricht derzeit 4,9 Prozent (Stand August 2015).

Versicherungspflicht bei mehreren geringfügig entlohnten Beschäftigungen

Wenn Sie mehreren geringfügigen Beschäftigungen nebeneinander nachgehen, werden die Entgelte zusammengerechnet. Wenn die Grenze von 450 Euro im Monat beziehungsweise 5.400 Euro im Jahr nicht überschritten wird, besteht keine Versicherungspflicht.

Sobald Sie zusammengerechnet mehr als 450 Euro verdienen, gilt die Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Wenn Sie mehr als 450 Euro aber nicht mehr 850 Euro verdienen, befinden Sie sich in der sogenannten Gleitzone, in der Sie geringere Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen, als regulär beschäftigte Arbeitnehmer. Die Abgaben betragen in der Regel zwischen 15 und 20 Prozent des Arbeitsentgelts. Der Arbeitgeber zahlt den vollen Beitragsanteil.

Geringfügige Beschäftigung bei Werkstudenten und Praktikanten

Werkstudenten bleiben in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung auch dann versicherungsfrei, wenn sie mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Dies gilt aber nur, wenn die Beschäftigung eine dem Studium untergeordnete Rolle spielt. Ein Werkstudent darf während der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten. Ausnahmen gelten, wenn die Beschäftigung überwiegend am Abend, nachts oder an den Wochenenden erfolgt oder die Beschäftigungszeit mit mehr als 20 Wochenstunden von vornherein auf drei Monate beschränkt ist. In den Semesterferien dürfen Werkstudenten so viel arbeiten, wie sie wollen.

Für Praktika, die im Unterrichtsplan oder in der Studienordnung vorgeschrieben sind, besteht keine Versicherungspflicht. Dies gilt auch dann, wenn bei einem Pflichtpraktikum mehr als 450 Euro monatlich gezahlt werden. Bei einem freiwilligen Praktikum gelten hingegen die gleichen Regelungen wie für andere Minijobber. Wer sein Praktikum im Rahmen einer betrieblichen Berufsausbildung absolviert, muss auch dann Sozialversicherungsbeiträge zahlen, wenn er weniger als 450 Euro verdient.

Geringfügig entlohnte vs. kurzfristige Beschäftigung

Bisher war von geringfügig entlohnt Beschäftigten die Rede. Die Geringfügigkeit ihres Arbeitsverhältnisses ergibt sich allein durch die Verdienstgrenzen, nicht durch die Arbeitszeit. Dies ist der Unterschied zur geringfügig kurzfristigen Beschäftigung. Eine solche liegt dann vor, wenn die Beschäftigung von vornherein auf zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Kalenderjahr beschränkt wird. Bis 31. Dezember 2014 lag die Grenze bei drei Monaten und 70 Arbeitstagen.

Eine kurzfristige Beschäftigung ist nur dann versicherungsfrei, wenn sie auch die Voraussetzung einer geringfügigen Beschäftigung erfüllt, Sie also nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen oder die Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

Der Arbeitnehmer ist bei einer kurzfristigen Beschäftigung steuer- und sozialversicherungsfrei. Der Arbeitgeber muss 25 Prozent Steuern an das Betriebsstättenfinanzamt sowie 0,7 Prozent Umlagebeitrag bei Krankheit und 0,24 Prozent Umlagebeitrag bei Schwangerschaft / Mutterschaft entrichten. Diese Umlagebeiträge gelten auch für andere geringfügig Beschäftigte.

Gut zu wissen:Zwei-Monats-Zeitraum oder 50 Arbeitstage?

Von einem Zwei-Monats-Zeitraum ist auszugehen, wenn die Beschäftigung an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird. Anderenfalls gilt die 50-Arbeitstage-Regel.

Berufsmäßigkeit bei kurzfristiger Beschäftigung

Berufsmäßigkeit liegt dann vor, wenn die kurzfristige Beschäftigung für Sie von wirtschaftlicher Bedeutung ist und Sie alleine daraus Ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dies trifft auch auf kurzfristig Beschäftigte zu, die bei der Bundesagentur für Arbeit oder beim Jobcenter als beschäftigungslos oder arbeitssuchend gemeldet sind.

Achtung:Versicherungspflicht bei längerer Beschäftigung beachten

Direkt ab dem Tag der Zeitüberschreitung tritt die Versicherungspflicht ein. Wenn der Verdienst die Grenzen für eine geringfügige Beschäftigung nicht übersteigt, bleiben Sie aber weiterhin (mit Ausnahme der Rentenversicherung bei Nichtbefreiung) versicherungsfrei.

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