Kleingeld sparen: Investment in kleinen Schritten

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Jeder Mensch besitzt eine mehr oder minder große Anhäufung von Kleingeld. Oftmals versauern die kleinwertigen Münzen jedoch im Sparschwein oder bleiben als lästig empfundenes Zahlungsmittel unbeachtet im Portemonnaie zurück. Dabei kann das Sparen mit System durchaus lukrativ sein – sofern die richtige Methode angewandt wird.

Inhaltsverzeichnis

    Angesichts der schnelllebigen Zeit nimmt die Wertschätzung von Kleingeld heutzutage zunehmend ab. Ungerade Beträge an den Supermarktkassen werden tendenziell lieber mit Scheinen beglichen, um den Zahlungsvorgang zu beschleunigen. Das schnell angehäufte Kleingeld wiederum horten viele in ihren Brieftaschen oder zuhause, ohne einen Überblick über den tatsächlichen Wert zu haben. Denn das ehemals spannende Schlachten des Sparschweins aus Kindertagen verbinden viele Erwachsene mit einem zeitaufwendigen Mehraufwand – vermeintlich ohne lohnenden Mehrwert.

    Dabei gilt es, sich die kindliche Lust am Sparen zu bewahren – denn mit einem durchdachten System kann sich die Kleingeld-Lagerung durchaus bezahlt machen! Beispielsweise lässt sich so schnell der nächste Kinobesuch finanzieren oder aber das Geld kann regelmäßig auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt werden, um die Urlaubskasse für den Sommer aufzubessern.

    Kleingeld sparen mit System

    Für ein effektives Sparen können Sie mit speziellen Methoden vorgehen, die sich an Ihre individuelle Situation anpassen lassen. Wichtig ist in jedem Fall, die Anhäufung von Kleingeld in einen spielerischen Kontext einzubetten und es als sinnvolles Hobby zu betrachten, um ein erfolgsversprechendes System zu etablieren.

    Kleingeld richtig lagern

    Um das eigene Kleingeld zu lagern, empfiehlt sich das klassische Sparschwein oder andere geeignete Gefäße, wie etwa Gläser, Tupper- oder Keksdosen. Der Vorteil durchsichtiger Aufbewahrungsbehälter besteht darin, dass der Fortschritt des Sparens erkennbar wird und zum weiteren Sparen motivieren kann.

    Tragen Sie neues und ebenso das bereits vorhandene Kleingeld außerdem an einem zentralen Lagerort zusammen, um einen geordneten Überblick über das Ersparte zu erlangen – je nach Vorgabe der Bank empfiehlt sich beispielsweise auch die direkte Einordnung in Münzrollen.

    Für bestimmte Zwecke sparen

    Ebenfalls sinnvoll ist eine mit dem Sparen verbundene Zielsetzung. Unterschiedliche Töpfe können beispielsweise für unterschiedliche Zwecke beschriftet werden. Größere Münzwerte kommen in das Gefäß für dringendere Anschaffungen des täglichen Bedarfs, 1-, 2- oder 5-Cent-Münzen hingegen wandern in eine monatliche Kinokasse oder ähnliches.

    Sparen ritualisieren

    Empfehlenswert ist das Befüllen des Sparschweins regelmäßig an einem bestimmten Tag in der Woche. Leeren Sie Ihr Portemonnaie beispielsweise am Wochenende, um das angesammelte Wechselgeld der Wocheneinkäufe zu sammeln und die Geldbörse für die kommende Woche zu erleichtern. Ein solches Ritual verleiht dem Sparen im Nu eine Routine und macht es zu einem nachhaltigen Prozess, bei dem schnell das verloren geglaubte Gefühl für den Wert von Kleingeld wiederkehren kann.

    Spielerischen Aspekt berücksichtigen

    Durch spielerische Anreize im privaten Haushalt lässt sich das Sparschwein weiter füttern. Beispielsweise können verschiedene Regeln festgelegt werden, wann in einen gemeinschaftlichen Topf einbezahlt wird. So kann die Nicht-Einhaltung eines WG-Putzplans sanktioniert werden und der Betroffene muss einen bestimmten Geldbetrag in die gemeinschaftliche Haushaltskasse einzahlen. Oder aber Eltern und Kinder einigen sich auf eine geringfügige Strafzahlung im Falle von verwendeten Schimpfwörtern.

    Auch eine separate Lagerung der Münzen nach ihrem Wert geordnet (Gefäße mit nur 50-Cent-, 1-Euro- oder 2-Euro-Stücke) regt zum bewussten Sparen an und erleichtert die spätere Wertermittlung.

    Portemonnaie nicht vollständig leeren

    Bei Ihrer wöchentlichen Leerung der Geldbörse sollten Sie das ein oder andere 1-Euro- oder 50-Cent-Stück im Portemonnaie lassen, beispielsweise für den Einkaufswagen im Supermarkt oder den morgendlichen Gang zum Bäcker.

    Kleingeld einzahlen

    Sind die Sparschweine, Geldgläser und sonstige privaten Geldsammelgefäße gefüllt, sollte das Ersparte auf das eigene Girokonto eingezahlt werden. Grundsätzlich nehmen die meisten Banken das Kleingeld ihrer Kunden entgegen, um es dem Girokonto gutzuschreiben. Informieren Sie sich bestenfalls vorab darüber, in welcher Form Ihre Bank Kleingeld akzeptiert.

    Verschiedene Konditionen der Banken

    Hier gibt es von Geldinstitut zu Geldinstitut verschiedene Vorgaben: Einige Banken nehmen das Geld ungeordnet am Schalter entgegen oder stellen selbstbedienbare Einzahlautomaten zur Verfügung. Andere Finanzunternehmen akzeptieren lediglich Kleingeld in Papierrollen oder aber die Münzen müssen zunächst in ein Zählbrett einsortiert werden. Auch hinsichtlich der Gebühren gibt es Unterschiede.

    Hintergrund der Gebührenzahlung: EU-Richtlinie zur Annahme von Münzgeld

    Seit dem 01. Januar 2015 sind laut EU-Verordnung (Nr. 1210/2010) Banken dazu verpflichtet, die Münzen auf Echtheit und Beschädigung zu prüfen. Den resultierenden Mehraufwand wälzen die Banken zunehmend auf ihre Kunden ab, sodass immer mehr Geldinstitute Gebühren für eine Bargeldzahlung erheben oder beispielsweise den Kunden das Sortieren der Münzen in Geldrollen überlassen.

    Die Umsetzung dieser Richtlinie sieht bei jeder Bank anders aus. In der Regel liegt die Gebührengrenze bei etwa 50 Münzen und kann je nach Betrag und Münzanzahl fünf Euro und mehr betragen. Ausgenommen von zusätzlichen Entgelten sind allerdings Kinder, die ihr Sparschwein zur Bank bringen sowie Kirchen, die ihre Spendengelder einzahlen.

    Einzahlen in mehreren Chargen

    Anfallende Gebühren richten sich in der Regel nach der Anzahl der Münzen beziehungsweise dem einzuzahlenden Geldbetrag. Auch besteht bei einigen Banken eine Höchstmenge an Münzen pro Einzahlungsvorgang. Um Kosten zu reduzieren oder das Einzahlungslimit zu beachten, empfiehlt sich das Einzahlen in mehreren Chargen.

    Kunde vs. Nicht-Kunde

    Darüber hinaus unterscheiden Banken zwischen Kunden und Nicht-Kunden. Während erstere Einzahlungen auf ihr eigenes Konto gebührenfrei oder gegen ein vergleichsweise geringes Entgelt einzahlen können, kann es für Personen teuer werden, die ihr Erspartes beispielsweise als Nicht-Kunden auf das fremde Konto ihrer Angehörigen einzahlen wollen. Diese Kleingeldeinzahlungen „zugunsten Dritter“ gehen bei vielen Geldinstituten mit Gebühren zwischen zehn und 20 Euro einher.

    Besonderheiten bei Direktbankkunden

    Kunden von Direktbanken wickeln ihre finanziellen Transaktionen komplett online ab, dementsprechend verfügen diese Geldinstitute über kein Filialnetz. Kunden, die Kleingeld einzahlen wollen, sollten deshalb vorab prüfen, inwiefern ihre Banken Kooperationen mit anderen Partnerbanken pflegen, um dort eine Einzahlung vornehmen zu können. Auch in diesem Fall müssen die Einzahler mit Gebühren rechnen, weil sie das Geld über eine Drittbank einzahlen.

    Einige Direktbanken hingegen bieten diesen Service bei ihrem Kooperationspartner auch kostenlos an. Informieren Sie sich vor Eröffnung eines Kontos bei der Direktbank detailliert über die Möglichkeit der kostenlosen Einzahlung.

    Einzahlen vs. Umtauschen

    Tendenziell gelingt die Einzahlung von Kleingeld reibungsloser als der Umtausch von Münzen in Scheine. Im äußersten Fall wird diese Dienstleistung verweigert, andernfalls geht sie häufig mit Gebühren einher.

    Gespartes am Münzautomat einzahlen

    Die eigene Hausbank verfügt in ihren Filialen üblicherweise über Einzahlungsautomaten, die das Zählen und Einzahlen von Kleingeld erleichtern. Oftmals handelt es sich dabei um multifunktionale Automaten, die sowohl die Ein- als auch die Auszahlung ermöglichen. Der Ablauf gestaltet sich in der Regel wie folgt:

    1. Eingabe der Bankkarte
    2. Einzahlungsart wählen (Münzen; Scheine; Münzen und Scheine)
    3. Hartgeld in den Münztrichter beziehungsweise Banknoten in Einzahlfach legen
    4. Automat prüft und zählt das Kleingeld
    5. Einzahlung des angezeigten Gesamtbetrags bestätigen
    6. Münzrückgabefach prüfen, sofern beschädigtes Hartgeld oder Münzen einer fremden Währung nicht angenommen wurden
    7. Beendigung des Vorgangs bestätigen oder eine weitere Charge einzahlen
    8. Geldkarte nach dem Einzahlungsvorgang wieder entnehmen

    Anschließend wird der eingezahlte Betrag Ihrem Girokonto gutgeschrieben. Sie können es sich dementsprechend in Scheinen auszahlen lassen.

    Vorab Einzahlautomaten finden

    Inwiefern eine Filiale Ihrer Hausbank über einen Einzahlautomaten verfügt, lässt sich zumeist auf der Webseite des Geldinstituts ermitteln. Auch mit einem Anruf bei der gewünschten Filiale lässt sich die Verfügbarkeit dieses Service schnell in Erfahrung bringen.

    Münzen geordnet am Schalter einzahlen

    Verfügt Ihre Hausbank-Filiale in der Nähe nicht über einen Einzahlautomaten, können Sie bei der Einzahlung am Schalter mögliche Gebühren reduzieren, wenn Sie Ihr Geld vorab ordnen und in Münzrollen sortieren. Diese gibt es bei der Bank kostenlos oder zu einem geringen Preis.

    Alternative: Einzahlen bei der Deutschen Bundesbank

    Für Bankenkunden, die bei ihrer Hausbank für die Einzahlung von Kleingeld Gebühren zahlen sowie für Direktbankkunden stellt die Deutsche Bundesbank eine attraktive Alternative dar. Denn das Geldinstitut tauscht Hartgeld gebührenfrei um und besitzt deutschlandweit Filialen in insgesamt 47 Städten:

    Augsburg Dortmund Gießen Koblenz München Rostock
    Bayreuth Dresden Göttingen Köln Neubrandenburg Saarbrücken
    Berlin Düsseldorf Hagen Leipzig Nürnberg Stuttgart
    Bielefeld Erfurt Hamburg Lübeck Oldenburg Ulm
    Bochum Essen Hannover Ludwigshafen Osnabrück Villingen-Schwenningen
    Bremen Frankfurt a.M. Karlsruhe Magdeburg Regensburg Würzburg
    Chemnitz Freiburg Kiel Mainz Reutlingen  

    Quelle: Bundesbank

    Seit dem 01. Januar 2015 nimmt die Bundesbank Hartgeld ausschließlich in Normcontainern entgegen, die lediglich Geld in Münzrollenpackungen enthalten dürfen.

    Falsche beziehungsweise als falsch verdächtigte oder beschädigte Münzen sind ebenfalls bei der Deutschen Bundesbank abzugeben. Nach der Prüfung wird dann der Gegenwert der vorgelegten echten Münzen erstattet. Detaillierte Informationen zu den Einzahlungsregularien finden Sie auf der Webseite der Deutschen Bundesbank und in der entsprechenden Kundenbroschüre.

    Weitere Möglichkeiten zur Hartgeldabgabe

    Ihr Erspartes müssen Sie nicht zwangsläufig bei einer Bank einzahlen. So bieten sich folgende Alternativen an:

    Spenden für wohltätige Zwecke

    Dem wachsenden Kleingeld-Sammelsurium können Wohltäter dadurch entgegen wirken, indem sie es in etwaige Spendenboxen an Kassen oder öffentlichen Einrichtungen werfen und somit einem karitativen Zweck überlassen.

    Barzahlung und Automaten

    Sie können schließlich auch an jeder Kasse bar mit Kleingeld bezahlen. Gemäß dem Münzgesetz müssen Händler maximal 50 Münzen annehmen. Allerdings ist hierbei der hohe Zeitaufwand des Zählens insbesondere bei hochfrequentierten Supermarktkassen zu berücksichtigen. Deutlich stressfreier gestaltet sich dagegen der Umtausch des Kleingelds, zum Beispiel in Briefmarken an entsprechenden Automaten der Deutschen Post.

    Weltspartag

    In der letzten Oktoberwoche findet jährlich der Weltspartag statt. Geldinstitute eröffnen an diesem Tag mitunter einen eigenen Schalter, um – allen voran Kindern – den Umtausch von angespartem Kleingeld in Scheinen zu ermöglichen. Oftmals winken zudem Geschenke für die kleinen Sparfüchse.

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