Mitfahrgelegenheit: Günstig ans Ziel

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Günstiger, schneller und oftmals unterhaltsamer – Mitfahrgelegenheiten mit dem Auto stellen eine attraktive Alternative zu Bahn und Bus dar, um von A nach B zu kommen. Ob regelmäßige Fahrgemeinschaften zur Arbeit und zurück oder einzelne Strecken zwischen größeren Städten, Mitfahrer sowie Fahrer können von diesem System profitieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten, damit sich auch wirklich eine Win-Win-Situation für alle Parteien einstellt.

Eine Mitfahrgelegenheit stellt eine organisierte Mitnahme von Reisenden im eigenen Auto dar. Der Fahrer verlangt für die Mitnahme Geld, um die Fahrtkosten zu mindern, Mitreisende bezahlen in den meisten Fällen weniger als für eine Reise mit der Bahn oder anderen Verkehrsmitteln. Auf diese Weise können alle Reisenden von der Mitfahrgelegenheit profitieren.

Fahrgemeinschaften können privat organisiert werden, wenn es sich beispielsweise um Mitarbeiter desselben Betriebs handelt, die nach persönlicher Absprache regelmäßig gemeinsam pendeln. Mit der Verbreitung des Internets werden Mitfahrgelegenheiten jedoch zunehmend über entsprechende Portale gebührenfrei oder gebührenpflichtig überregional und mitunter länderübergreifend vermittelt. Suchenden und Anbietern gelingt es damit, schnell und unkompliziert Vereinbarungen zu treffen und ihre Reise zu organisieren.

Vorteile von Mitfahrgelegenheiten

Neben dem finanziellen Aspekt für Fahrer und Mitfahrer bringen Mitfahrgelegenheiten noch weitere Vorteile mit sich. Die Autofahrer können im Gegensatz zu Bus und Bahn auf die individuellen Reisepläne der Mitfahrer flexibel eingehen. So haben letztere unter Umständen die Möglichkeit, nur eine gewünschte Teilstrecke mitzufahren oder an individuellen Wunschorten innerhalb einer Stadt abgesetzt zu werden. Unter Umständen sind auch eine alternative Abfahrtszeit sowie ein alternativer Treffpunkt vereinbar.

Außerdem gestaltet sich das Reisen in einer Fahrgemeinschaft als umweltschonender. Schließlich wird der CO2-Ausstoß merklich reduziert, wenn fünf Personen in einem Fahrzeug fahren, anstatt sich jeweils in einem Auto fortzubewegen.

Gut zu wissen:Faustformel für die Einsparung der CO2-Emission

Als Faustformel für den CO2-Ausstoß gilt: 30 kg CO2 pro 100 Kilometer.

Reisen also fünf Personen gemeinsam in einem Auto von Köln nach Hamburg (ca. 425 Kilometer) werden etwa 127,5 kg CO2 ausgestoßen. Bei einer individuellen Anreise eines jeden Einzelnen mit dem Auto wäre der CO2-Ausstoß fünf Mal so hoch und läge bei 637,5 kg. Daraus folgt eine Einsparung von 510 kg.

Für eine detaillierte Ermittlung des Ausstoßes muss zwischen Dieselmotoren und Benzinern unterschieden werden. Ein Dieselmotor erzeugt etwa rund zwölf Prozent mehr CO2 als ein Benzinmotor.

Beliebte Portale im Internet

Zu den beliebtesten Portalen im Internet zählen folgende gebührenfreie* Vermittlungsplattformen:

Anbieter Blablacar.de Fahrgemeinschaft.de BesserMitfahren.de Mitfahren.de
Mitglieder Über 25 Millionen weltweit Etwa 700.000 Nicht bekannt, da ohne Anmeldung Über 2 Millionen
Bewertungssystem Ja, nach Anmeldung; anonym Nein Nein Ja, nach Anmeldung
Angebote exklusiv für Frauen Ja Ja Ja Nein
Besonderheiten Portal bietet Preisvorschlag Kooperation mit dem ADAC keine Registrierung Angebote für Bus und Bahn werden  ebenso angezeigt

*BlaBlaCar will im laufenden Jahr 2016 ein Online-Bezahlsystem und Gebühren einführen.

Metasuchmaschinen können genutzt werden, um portalübergreifend nach Fahrten zu suchen. Auch können sich Reisende in sozialen Netzwerken, zum Beispiel in entsprechenden Facebook-Gruppen, für Mitfahrgelegenheiten verabreden.

Gut zu wissen:Registrierung auf Portalen erhöht Transparenz

Zwar gestaltet sich eine Registrierung auf einem Portal für Mitfahrgelegenheiten als zweitaufwendig. Allerdings profitieren alle Mitglieder dadurch von erhöhter Transparenz und Sicherheit, wenn Kontaktdaten und gegebenenfalls Bewertungen der einzelnen Mitglieder einsehbar sind.

Organisation von Fahrten

Damit es zu keinen Missverständnissen kommt, sollten Fahrer und Interessent zunächst klären, inwiefern noch freie Plätze zur Verfügung stehen. Insbesondere bei Online-Inseraten zu beliebten Strecken zwischen zwei Großstädten kann sich die Anzahl schnell ändern, die Angabe im Inserat ist möglicherweise nicht aktuell. Daneben sollten Treffpunkt vereinbart und Kontaktdaten ausgetauscht werden, um Rückfragen zu ermöglichen, kurzfristige Änderungen und gegebenenfalls Verspätungen zu kommunizieren.

Wichtig sind auch die Angabe der Autogröße und eine Vorgabe für die zulässige Gepäckgröße pro Mitfahrer durch den Fahrer, sodass ausreichend Platz für alle Mitreisenden sichergestellt ist.  

Von zentraler Bedeutung ist jedoch schließlich der zu zahlende Preis für die Fahrt. Diesen hat der Fahrer mit Erstellung des Inserats festzulegen.

Fahrer: Angemessenen Preis kalkulieren

Ein angemessenes und faires Angebot soll für alle Beteiligten ein günstiges Reisen ermöglichen. Sie können als Fahrer in den meisten Fällen den Preis pro Mitfahrer selbst festlegen. Einige Portale sprechen eine Preisempfehlung aus, teilweise mit entsprechendem Toleranzbereich. In manchen Fällen verzichten Fahrer auf eine Festlegung des Preises und geben ihn als Verhandlungssache aus. Darauf deutet die Abkürzung VHS im Inserat hin.

In jedem Fall sollten Sie als Fahrer jedoch den Preis stets abhängig von den anfallenden Fahrtkosten machen, damit Sie später weder einen Verlust erleiden noch zu viel Geld von Ihren Mitfahrern verlangen.

Wie Sie die anfallenden Fahrkosten ermitteln

Dem Konzept einer Mitfahrgelegenheit nach geht der Fahrer bei einer Mitfahrgelegenheit nicht mit großem Gewinn aus dem Arrangement. Ansonsten droht Privatpersonen ein Bruch des Personenbeförderungsgesetzes. Die Gesamtkosten für die Fahrt sollen jedoch möglichst gedeckt werden. Als ordentlicher Richtwert dienen 5 bis 7 Euro pro Person und 100 Kilometer.

Tipp:Fahrtkosten-Rechner nutzen

Portale für Mitfahrgelegenheiten bieten in der Regel einen eigenen Rechner an, um einen angemessenen Fahrpreis zu berechnen. Nutzen Sie diese Möglichkeit für eine schnelle und faire Festsetzung des Preises. In den meisten Fällen lässt sich gleichzeitig auch die CO2-Ersparnis errechnen.

Neben dem Kraftstoff fallen für Sie als Fahrer noch weitere Kosten an, die ebenso in die Preisberechnung mit einbezogen werden können:

Der Einfluss der einzelnen Aspekte auf den festzulegenden Preis ist abhängig von Ihrem Fahrzeug sowie der Beschaffenheit der Strecke. Bei kurzen Fahrten etwa fallen genannte Kostenquellen kaum ins Gewicht und sind deshalb zu vernachlässigen. Bei längeren und regelmäßigen Touren können hingegen kleinere Aufschläge verlangt werden.

Tipp:Verschleiß mit der AfA-Formel berechnen

Die AfA-Formel (Absetzung für Abnutzung) dient als hilfreiches Instrument für einen angemessenen Aufpreis hinsichtlich des Verschleißes. Dabei gehen Sie rechnerisch in vier Schritten wie folgt vor:

Neupreis ÷ voraussichtliche Nutzung = Kosten pro Jahr
Kosten pro Jahr ÷ jährliche Fahrstrecke = Kosten pro Kilometer
Kosten pro Kilometer × Länge der Strecke = Kosten der Fahrt
Kosten der Fahrt ÷ Mitfahrer = Kosten pro Mitfahrer

Fahrer eines Fahrzeugs, das älter als sechs Jahre ist, sollten keinen Aufschlag für den Verschleiß erheben. Die Wertminderung hält sich ab dieser Zeit in Grenzen.

Mitfahrer: Jedes Angebot kritisch prüfen

Als Mitfahrer sollten Sie das Fahrzeug mit einem guten Gefühl betreten und dem Fahrer ausreichend vertrauen. Ein persönliches Gespräch am Telefon zur Klärung aller offenen Fragen ist daher in jedem Fall empfehlenswert.

Wenn Sie auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit sind, sollten Sie jedoch bereits das Inserat auf dem jeweiligen Portal aufmerksam prüfen. Dubiose Angebote lassen sich so bereits vorab erkennen, beispielsweise wenn:

  • Eine lange Strecke von einem Fahrer täglich angeboten wird,
  • Eine längere Fahrt mehrmals täglich hin- und zurückgefahren wird oder
  • Mehr als vier Sitzplätze zur Verfügung gestellt werden.

Sollten ein oder mehrere Punkte zutreffen, deutet dies darauf hin, dass der Fahrer das System der Mitfahrgelegenheit als kommerzielles Geschäft betreibt, um hiermit Geld zu verdienen. In diesem Fall entfällt der Versicherungsschutz des Fahrers für Sie als Mitfahrer!

Des Weiteren gestaltet sich auch der Fahrstil möglicherweise als zügig und gefährlich, eventuell werden auch keine Pausen eingelegt, weil der Fahrer möglichst viele Fahrten am Tag absolvieren will. Der Sitzkomfort könnte ebenso eingeschränkt sein, wenn der Fahrer möglichst viele zahlende Fahrgäste mitnehmen will. Somit ist bei derlei Angeboten in jedem Fall Vorsicht geboten.

Auch die Fragen, ob etwa eine Klimaanlage vorhanden ist, der Fahrer raucht, Tiere mitnimmt sowie sein Alter können Einfluss auf Ihre Entscheidung haben. Klären Sie vorab alle für Sie wichtigen Fragen und räumen Sie sämtliche Zweifel beiseite, damit Sie guten Gewissens eine Fahrt vereinbaren können.

Versicherung und Haftung

Als Mitfahrer greift bei Unfällen während der Fahrt grundsätzlich die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrers oder des Unfallgegners. Dies gilt allerdings nicht für Sachgegenstände, sodass der Fahrer hier keine Haftung übernimmt. Wenn Ihre technischen Geräte oder sonstige Wertgegenstände bei einem Unfall in Mitleidenschaft gezogen werden, müssen Sie deshalb selbst für den Schaden aufkommen.

Gut zu wissen:Haftungsbeschränkung überdenken

Einige Fahrer legen Mitfahrern eine Haftungsbeschränkung zur Unterschrift vor, um im Schadenfall nur soweit haften zu müssen, wie die Versicherung zahlt. Ein solches Formular sollten Sie als Mitfahrer nach Möglichkeit nicht unterzeichnen. In der Regel reicht schließlich die für viele Kfz-Versicherungen übliche Deckungssumme von 100 Millionen Euro aus, sodass beide Parteien auf eine Haftungsbeschränkung verzichten können.

Achtung:Versicherungsschutz nur bei Privatfahrten

Der Versicherungsschutz ist nur bei einer privaten Fahrt gewahrt. Demnach dürfen die Fahrer keinen Gewinn erzielen, ihre Einnahmen dürfen folglich nicht die tatsächlichen Fahrtkosten übersteigen. Andernfalls besteht ein Bruch des Personenbeförderungsgesetzes und die Beifahrer sind nicht durch die Versicherung des Fahrers geschützt.

Juristische Fragen zur Verbindlichkeit einer Mitfahrvereinbarung

Die Mitfahrgelegenheit ist vereinbart, doch der Mitfahrer sagt erst kurzfristig ab oder erscheint ohne Absage nicht am Treffpunkt? Juristen sind uneins über die rechtliche Verbindlichkeit einer solchen Vereinbarung sowie über die Möglichkeit einer Schadensersatzforderung.

Schließlich müssten für eine gerichtliche Klage Name und Anschrift der Person bekannt sein, die die Vereinbarung bricht. Andere Stimmen verorten eine Mitfahrgelegenheit deshalb als Gefälligkeitsverhältnis. Weder sind Urteile zu solchen Fällen bekannt, noch besteht eine derartige Rechtsprechung.

Letztlich basiert das System der verschiedenen Internetportale deshalb im Wesentlichen auf Vertrauen. Die Zuverlässigkeit von Fahrern und Beifahrern lässt sich zudem beispielsweise über die Bewertungen anderer Nutzer ermitteln, schwarze Schafe können in vielen Fällen durch unseriös anmutende Inserate und detaillierte Nachfragen via Telefon ausgemacht werden.

Ein gewisses Restrisiko bleibt jedoch bestehen. Maximale Verbindlichkeit bei Reisen per Bahn, Bus oder Flugzeug haben hingegen ihren Preis. So gilt es die Fahrt mit der Mitfahrgelegenheit aus Mitfahrersicht gründlich abzuwägen. Für Autofahrer stellt Sie in jedem Fall eine sinnvolle Möglichkeit dar, um Fahrtkosten auf längeren Strecken zu reduzieren.

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