Der Handel mit Optionen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

In der Geldwirtschaft bezeichnet der Begriff „Option“ ein Recht, eine bestimmte Menge eines Basiswerts zu einem festgelegten Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt oder Zeitraum in der Zukunft zu verkaufen oder zu kaufen. Für dieses Recht zahlt ein Käufer dem Verkäufer der Option eine Prämie. Optionen gehören heute zu den Termingeschäften.

Das Geschäft mit Optionen wird zwischen Verkäufer und Optionsinhaber über Terminbörsen ausgeübt. Der Verkäufer von Optionen wird auch Stillhalter genannt. Für den Handel mit Optionen stehen als Basiswerte zum Beispiel Aktien, Währungen oder Rohstoffe zur Verfügung.

Arten von Optionen

Es gibt verschiedene Arten von Optionen, die Anleger nutzen können:

  • Call-Option: Mit einer Call-Option erwerben Sie Optionen, wenn Sie auf steigende Kurse setzen. Der künftige Kurs muss dann über dem Ausübungspreis liegen.
  • Put-Option: Die Put-Option wird genutzt, wenn Sie auf fallende Kurse setzen. Der künftige Kurs muss dann unter dem Ausübungspreis liegen.
  • Long-Option: Mit einer Long-Option entscheiden Sie sich für den Kauf einer Option.
  • Short-Option: Mit einer Short-Option erwerben Sie das Recht, die Option zu einem bestimmten Zeitpunkt für einen festgelegten Wert zu verkaufen.
  • Binäre Optionen: Mit einer Binären Option setzen Anleger auf fallende oder steigende Kurse oder Preise. Liegt der Anleger mit seiner Option richtig, erhält er den festgelegten Betrag. Liegt er falsch, verfällt seine Option.

Amerikanische und europäische Optionen

Auf dem Finanzmarkt werden amerikanische und europäische Optionen unterschieden. Während eine europäische Option nur am Tag der Fälligkeit ausgeübt werden kann, werden für amerikanische Optionen verschiedene Zeitpunkte festgelegt, an welchen die Option ausgeübt werden kann.

Option vs. Optionsschein

Optionen und Optionsscheine werden häufig synonym verwendet, bezeichnen jedoch unterschiedliche Dinge.

  1. Optionsscheine: Optionsscheine werden von Banken herausgegeben und an Parkettbörsen sowie direkt bei Emittenten gekauft oder verkauft.
  2. Optionen: Der Handel mit Optionen ist ausschließlich auf spezielle Terminbörsen beschränkt, wie die EUREX in Europa.

Was ist ein Basiswert?

Ein Basiswert oder Underlying ist ein Wert, auf welchen sich Optionen oder Optionsscheine beziehen. Als Basiswerte im Optionshandel dienen:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Währungen
  • Rohstoffe
  • Indizes
  • Energie
  • Nahrungsmittel

Beispiel: Anleger können zum Beispiel eine Option auf Rohöl erwerben, bei der sie mit dem Verkäufer vereinbaren, dass sie eine bestimmte Menge Rohöl zu einem festen Termin zum vorher festgelegten Preis erwerben können.

Rechte und Pflichten des Verkäufers

Der Stillhalter (Verkäufer) der Option erhält eine Prämie vom Käufer der Option, die Optionsprämie genannt wird. Er hat eine sogenannte „Short-Postition“. Dafür geht er die Verpflichtung ein, dass er dem Käufer entweder den Basiswert der Option abnimmt, den Basiswert liefert oder einen Barausgleich leistet, wenn der Optionsinhaber die Option zum festgelegten Zeitpunkt ausübt.

Rechte und Pflichten des Käufers

Ein Käufer hält die Long-Position. Er hat das Recht, einen Basiswert zu den vereinbarten Bedingungen zu kaufen oder zu verkaufen. Im Gegenzug ist er zur Zahlung einer Prämie verpflichtet. Er kann bei Fälligkeit der Option diese entweder verfallen lassen, glattstellen oder ausüben. Glattstellen bedeutet, dass der Käufer seine Long-Position in eine Short-Position umwandelt und so zum Verkäufer wird.

Die Rechte und Pflichten von Shorts und Longs in einer Übersicht:

Optionen Long-Call Short-Call Long-Put Short-Put
Plichten Auszahlung der Prämie Lieferung des Basiswerts oder Barausgleich Zahlung der Prämie Abnahme des Basiswerts oder Barausgleich
Rechte Kauf des Basiswerts zu den festgelegten Bedingungen Erhalt der Optionsprämie Verkauf des Basiswerts zu den festgelegten Konditionen Erhalt der Optionsprämie

Verfallstag und Verfallsfrist

Als Verfallstag wird der Tag bezeichnet, an dem Optionsscheine verfallen und nicht mehr gültig sind. „Hexensabbat“ wird der Tag genannt, an dem an den Finanzmärkten sehr wichtige Optionen oder Futures verfallen. Dieser besondere Tag findet jeden dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember statt. Dann müssen Anleger mit besonders hohen Kursschwankungen an den Börsen rechnen.

Der Verfallstag ist nicht mit dem Ausübungstag zu verwechseln. Der Ausübungstag kann zum Beispiel bei amerikanischen Optionen weit vor dem Verfallstag liegen.

Sonderfall Leerverkäufe

Leerverkäufe sind Optionen, die ohne vorherigen Kauf ausgeübt werden können. Diese Möglichkeit des Optionenhandels ist jedoch nur bei Optionen und nicht bei Optionsscheinen möglich.

Das Ziel von Leerverkäufen besteht darin, die Optionen später günstiger erwerben zu können.An der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis können Anleger dann verdienen. Jeder Leerverkauf entwickelt sich später zu einer Short-Position.

Leerverkäufe können zu großen Verschiebungen an den Aktienmärkten führen und sind hochspekulativ. Durch Leerverkäufe setzen Spekulanten auf fallende Preise. Börsenhändler erzielen damit zwar häufig sehr hohe Gewinne, steigen die Preise aber stattdessen, sind die Händler durch die Short-Position dazu verpflichtet, zu zahlen.

Werden viele Optionen auf diese Art erworben, können durch Leerverkäufe sehr hohe Verluste entstehen.

Der Hebeleffekt bei Optionen und Optionsscheinen

Der Hebel bei einem Optionsschein legt das Verhältnis zwischen Bezugswert und dem Basiswert fest. Steigt der Basiswert, kann der Wert der Option prozentual deutlich steigen. In diesem Fall spricht man auch vom Hebeleffekt oder Leverage Effekt.

Wer eine Option zum Kauf oder Verkauf von Basiswerten erwirbt und einen hohen Hebel nutzt, muss nur wenig Kapital einsetzen, um große Gewinne zu erzielen. Der Hebel kann ganz einfach berechnet werden. Hierzu wird der Kurs des Basiswerts mit dem Optionsverhältnis multipliziert und durch den Preis für den Optionsschein geteilt.

Ein Hebel von 3 würde demnach bedeuten, dass sich der Wert der Option um drei Prozent steigert, wenn der Basiswert um ein Prozent steigt. Allerdings gibt es nicht nur den positiven Hebeleffekt. Sinkt der Kurs des Basiswerts unvorhergesehen, wird der Verlust beim Preis der Option umso höher.

Bewertung von Optionen

Der Preis einer Option wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Hierzu zählen:

  • Restlaufzeit: Kürzer laufende Optionen werden voraussichtlich im Preis steigen, da leichter absehbar ist, wie sich die Preise entwickeln.
  • Entwicklung des Basiswerts: An dieser Stelle wird berücksichtigt, wie sich Basiswerte über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. Optionen für stabile Werte werden teurer sein als Optionen für Werte, die stark gesunken sind.
  • Dividenden: Welche Dividenden für Aktien gezahlt werden, beeinflusst den Optionspreis.
  • Zinsen: Zinsen, die für Basiswerte gezahlt werden, haben ebenfalls Einfluss auf den Optionspreis.
  • Angebot und Nachfrage: Eine hohe Nachfrage nach Optionen kann deren Wert steigern.
  • Volatilität des Marktes: Hier ist entscheidend, wie stark der Basiswert Schwankungen unterworfen ist.

Der innere Wert einer Option

Eine Option kann anhand ihres inneren Werts bestimmt werden. Hierbei wird die Differenz zwischen Basispreis und dem Kurs des Basiswerts bestimmt. Anhand dieses Verhältnisses ergeben sich verschiedene Arten von Optionen:

  1. Optionen im Geld (engl. in the money): Dies ist der Fall, wenn der aktuelle Kurs des Basiswerts bei einem Call über dem Basispreis liegt. „Im Geld“ ist die Option auch bei einem Put, wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes unter dem Basispreis liegt.

    Beispiel: Basispreis einer Aktie: 200 Euro, aktueller Aktienkurs: 250 Euro. Der innere Wert berechnet sich bei einem Kauf (Call) aus der Differenz zwischen aktuellem Aktienkurs und Basispreis. Mit 50 Euro im Plus ist die Option also im Geld.

  2. Optionen am Geld (engl. at the money): In diesem Fall sind Basispreis und aktueller Kurs identisch. Es gibt keinen spezifischen inneren Wert.

  3. Optionen aus dem Geld (engl. out of the money): Liegt der aktuelle Kurs des Basiswerts unter dem Basispreis des Calls oder über dem Basispreis des Puts, gibt es keinen inneren Wert. Die Option ist „aus dem Geld“.

Vor- und Nachteile von Optionen

Optionen werden bei der Geldanlage meist Aktien gegenübergestellt. Auf dieser Basis werden hier die Vor- und Nachteile von Optionen aufgelistet:

Vorteile von Optionen Nachteile von Optionen
  • Reduzierter Kapitalbedarf: Optionen können mit relativ geringem Kapitalaufwand erworben werden.
  • Hohes Verlustrisiko: Gibt es eine schlechte Kursentwicklung des Basiswerts, können Anleger einen Totalverlust erleiden.
  • Hebeleffekt für hohe Gewinne: Mit Hilfe des Hebeleffekts lassen sich die Gewinne potenzieren.
  • Bündelung des Basiswerts: Optionen bündeln mehrere Aktien. Es kann nicht nur auf eine Aktie eine Option gekauft werden.
  • Weltweiter Handel möglich: Optionen können weltweit gehandelt werden.
  • Profundes Wissen und Erfahrung gefragt: Der Handel mit Optionen erfordert Markt- und Fachwissen sowie Erfahrung.
  • Käufer haben nur Rechte: Käufer erwerben ein Recht, beim Ausüben der Option zu kaufen oder zu verkaufen. Sie sind aber nicht dazu verpflichtet.
  • Sehr spekulativ: Häufig sind Optionsgeschäfte sehr spekulativ und ähneln einem Glücksspiel.
  • Käufer können auch zu Verkäufern werden: Beim Handel mit Optionen gibt es die Möglichkeit, von der Call- zur Put-Position zu wechseln.
 
  • Kein Emittentenrisiko: Es gibt für Optionen keine Emittenten, die Bankrott gehen können. In diesem Fall wird das Verlustrisiko minimiert.
 

Kurze Geschichte der Optionen

Die Optionen entstanden im 17. Jahrhundert in Holland. Dort war damals die Tulpe eingeführt worden und fand bei Gärtnern und wohlhabenden Bürgern großen Anklang. Die Folge war eine sehr große Nachfrage zunächst nach Tulpen, später nach Blumenzwiebeln. Viele Handwerker schulten schnell um und widmeten sich der Tulpenzucht.

Die konstant hohe Nachfrage sorgte dafür, dass eine Handelsmethode benötigt wurde, um Waren zu handeln, die erst in der Zukunft erhältlich waren. In diesem Fall waren dies Blumenzwiebeln, die es zum Handelszeitpunkt noch gar nicht gab. Mit einer solchen „Option“ sagte der Käufer dem Verkäufer zu, dass er eine bestimmte Menge an Blumenzwiebeln zu einem festgelegten Zeitpunkt kaufen würde.

Damit war der Handel mit Optionen eingeführt worden. Diese ersten Optionen unterschieden sich aber vom heutigen Optionenhandel. Der Käufer war damals zur Ausübung des Kaufs verpflichtet. Heute kann der Käufer entscheiden, ob er die Option in Anspruch nehmen möchte oder nicht.

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