Policendarlehen: Kredit über die Lebensversicherung

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

Mit einem Policendarlehen haben Verbraucher die Möglichkeit, die eigene Lebensversicherung zu beleihen. Auf den ersten Blick scheint diese Kreditform sehr unkompliziert zu sein. Eine gute Bonität wird in der Regel nicht benötigt und das Geld steht schnell zur Verfügung. Allerdings sollten Verbraucher unbedingt prüfen, ob sich so ein Darlehen langfristig lohnt. In diesem Ratgeber erhalten Sie alle wichtigen Tipps und Informationen rund um das Policendarlehen.

Wer seine Lebensversicherung beleihen möchte, kann sich hierfür in der Regel an die Versicherung selbst wenden. Viele Versicherungen bieten ihren Kunden an, die eigene Lebens- oder Rentenversicherung zu beleihen.

Die zweite Variante ist es, die Lebensversicherung über eine Bank zu beleihen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich einen Finanzierungspartner auf dem Zweitmarkt zu suchen. In diesem Fall sind dies spezialisierte Finanzdienstleister, die Policendarlehen anbieten. Diese Anbieter führen die Lebensversicherung für den Kreditnehmer weiter, bis er sein Darlehen abgelöst hat. Kreditnehmer sollten hier jedoch besonders aufmerksam sein, bevor sie einen Vertrag abschließen.

Mögliche Laufzeiten und Konditionen

Policendarlehen werden in der Regel für Laufzeiten zwischen drei Monaten und zehn Jahren vergeben. Empfehlenswert sind jedoch meist kürzere Laufzeiten.

Da beim Policendarlehen der Rückkaufswert der Lebensversicherung als Sicherheit dient, benötigen Versicherungsnehmer in der Regel keine weiteren Sicherheiten. Somit entfällt zum Beispiel eine SCHUFA-Abfrage. Aus diesem Grund wird das Policendarlehen häufig von Verbrauchern mit schlechter Bonität in Anspruch genommen.

Alternativen zum Beleihen

Die Lebensversicherungspolice muss nicht zwangsläufig beliehen werden. Verbraucher haben auch die Möglichkeit, ihre Police komplett zu verkaufen oder einen herkömmlichen Kredit aufzunehmen, bei welchem die Lebensversicherung aber ebenfalls als Sicherheit dienen kann.

Policendarlehen als ein endfälliges Darlehen

Das Policendarlehen unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von anderen Darlehensformen. Seine Merkmale sind:

  • Während der Laufzeit des Darlehens läuft die Lebensversicherung weiter.
  • Neben Banken bieten auch Versicherer oder Anbieter auf dem Zweitmarkt Policendarlehen an.
  • Verbraucher erhalten auch bei schlechter Bonität einen Kredit.
  • Weitere Sicherheiten werden in der Regel nicht benötigt.
  • Meist sind kostenlose Sondertilgungen möglich.
  • Während der Laufzeit wird nicht getilgt, da es sich um ein endfälliges Darlehen handelt.
  • Die Beleihung von beitragsfrei gestellten Policen ist möglich.

Was ist ein endfälliges Darlehen?

Bei einem endfälligen Darlehen bezahlt der Kreditnehmer während der Laufzeit nur die Zinsen. Die Darlehenssumme wird erst am Ende der Laufzeit fällig. Damit unterscheidet sich das endfällige Darlehen vom herkömmlichen Ratenkredit, dessen Raten immer einen Zins- und Tilgungsanteil enthalten.

Ein endfälliges Darlehen ist in der Regel nicht ratsam, da für viele Kreditnehmer nicht absehbar ist, ob sie die hohe Darlehenssumme am Ende komplett tilgen können.

Der Zinssatz beim endfälligen Darlehen ist zwar meist niedriger als beim Ratenkredit. Im Gegensatz zum letztgenannten müssen die Zinsen jedoch jährlich immer auf die komplette Kreditsumme gezahlt werden. Da beim Ratenkredit auch getilgt wird, sinkt der Zinsanteil mit zunehmender Laufzeit.

Gut zu wissen:Rechenbeispiel

Ein Kreditnehmer nimmt 10.000 Euro mit einem Policendarlehen auf. Die Kreditsumme ist mit vier Prozent verzinst. Pro Jahr wären in diesem Fall 400 Euro an Zinsen fällig.

Bei einer Laufzeit von fünf Jahren würden mit einem Policendarlehen somit 2.000 Euro Zinsen anfallen.

Ein herkömmlicher Ratenkredit mit einer Verzinsung von vier Prozent für 10.000 Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren würde insgesamt 11.040 Euro kosten.

Die Zinsen würden demnach nur 1.040 Euro betragen.

Rückkaufwert und Darlehenssumme

Die Darlehenssumme eines Policendarlehens wird über den Rückkaufwert bestimmt. Dieser Wert ist wichtig, wenn Verbraucher eine Lebensversicherung kündigen oder verkaufen wollen. Der Rückkaufswert bestimmt somit, wie viel eine Lebensversicherung aktuell wert ist. Diese Summe würde ein Versicherer bezahlen, wenn er diese Police wieder zurückkaufen würde.

Der Rückkaufswert setzt sich aus dem eingezahlten Kapital der jeweiligen Police zusammen.

Je nach Anbieter können Verbraucher bis zu 100 Prozent des Rückkaufswerts ihrer Lebensversicherung beleihen. Allerdings kann dieser Prozentsatz deutlich variieren. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Lebensversicherung beleihen wollen und deren Rückkaufswert 10.000 Euro beträgt, können Sie bei einer Beleihungsquote von 90 Prozent nur 9.000 Euro aufnehmen.

Gut zu wissen:Policendarlehen ist rechtlich gesehen kein Darlehen

Ein Policendarlehen ist theoretisch kein echtes Darlehen. Denn letztlich „beleiht“ sich der Kreditnehmer selbst, da der Rückkaufswert seiner Versicherung als Kreditsicherheit dient.

Dennoch wird dieses Finanzprodukt als „Darlehen“ bezeichnet.

Darlehenssumme bei fondsgebundenen und kapitalgebundenen Lebensversicherungen

Wie viel Geld über ein Policendarlehen aufgenommen werden kann, hängt nicht nur vom Rückaufswert, sondern auch von der Art der Versicherungspolice ab.

Für Kapitallebensversicherungen bieten Banken in der Regel Beleihungsquoten von bis zu 100 Prozent auf den Rückkaufswert an. Im Gegensatz dazu erhalten Kreditnehmer für fondsgebundene Lebensversicherungen ein geringeres Darlehen, weil im Vorfeld nicht genau abzusehen ist, welche Versicherungssumme am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird.

Denn im Gegensatz zur kapitalgebundenen Lebensversicherung kann die Auszahlungshöhe am Ende variieren, da der Versicherer mit dem eingezahlten Kapital in Fonds investiert. Deren Entwicklung ist mit einem gewissen Risiko verbunden.

Auf dem Zweitmarkt werden für fondsgebundene Lebensversicherungen deshalb häufig keine Policendarlehen angeboten.

So profitieren Sie: Ratenkredit und Policendarlehen kombinieren

Verbraucher können das Policendarlehen besonders günstig machen, indem sie das Darlehen selbst in einen Ratenkredit umwandeln. Die Voraussetzung dafür sind kostenlose Sondertilgungen sowie ein realistischer Tilgungsplan.

So geht’s:

  1. Prüfen Sie, ob kostenlose Sondertilgungen möglich sind oder ob eine Vorfälligkeitsentschädigung anfallen kann.
  2. Erstellen Sie einen realistischen Tilgungsplan für die gesamte Laufzeit des Darlehens. Gehen Sie dabei so vor, als ob das Darlehen ein herkömmlicher Kredit wäre. Verwenden Sie jedoch die Verzinsung des Policendarlehens.
  3. Zahlen Sie im Anschluss immer die errechnete Rate an den Anbieter zurück, inklusive Tilgung und Zinsen.
  4. Viele Anbieter akzeptieren diese Form der Rückzahlung und passen die Zinszahlung an den noch offenen Kreditbetrag an.
  5. Auf diese Weise zahlen Sie für einen herkömmlichen Ratenkredit die günstigen Zinsen eines Policendarlehens.

So erstellen Sie einen realistischen Tilgungsplan

Berechnen Sie zunächst, wie viel Geld Sie monatlich zurückzahlen können. Hierfür ist eine Haushaltsrechnung nötig. Berechnen Sie die möglichen Monatsraten anhand des genutzten Kreditbetrags und der dafür fälligen Zinsen.

Bedenken Sie, dass beim endfälligen Darlehen jedes Jahr die gleiche Zinshöhe bezahlt werden muss, unabhängig von der Restschuld

Achtung:Wenn Sie das Darlehen nicht abbezahlen können

Sollten Sie das Darlehen nicht mehr zurückzahlen können, ist immer noch ein Verkauf der Versicherungspolice denkbar.

Checkliste: So gehen Sie vor

Um zu prüfen, ob ein Policendarlehen für Sie in Frage kommt, sollten Sie folgende Checkliste nutzen:

  1. Wie lange brauche ich das Geld?
    Ein Policendarlehen empfiehlt sich grundsätzlich nur für kurze Laufzeiten, denn bei längeren Laufzeiten würden Kreditnehmer hohe Verluste machen.
  2. Wäre ein Verkauf der LV ratsamer?
    Wenn Sie länger finanzieren wollen, kann ein Verkauf der Police deutlich vorteilhafter sein.
  3. Wo komme ich an Angebote?
    Vergleichen Sie unbedingt verschiedene Anbieter. Ein möglicher Anbieter ist die SWK Bank. Fragen Sie auch bei Ihrer Hausbank nach.
  4. Lohnt sich eher ein herkömmlicher Ratenkredit?
    Um zu vergleichen, welche Kreditform sich eher lohnt, müssen Sie die Gesamtkreditsumme berechnen. Da das Policendarlehen ein endfälliges Darlehen ist, zahlen Sie monatlich oder jährlich die gleichen Zinsen. Im Gegensatz dazu reduziert sich durch die Tilgung beim Ratenkredit die Zinszahlung. Berechnen Sie die Gesamtkreditsumme am besten mit einem Kreditrechner in Bezug auf die gewünschte Laufzeit.
  5. Gibt es ein Sondertilgungsrecht?
    In den meisten Fällen gibt es bei Policendarlehen ein Sondertilgungsrecht. Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob kostenlose Sondertilgungen möglich sind. Ansonsten können Sie diese mit der Bank oder dem Finanzdienstleister vertraglich vereinbaren.

Ist ein Policendarlehen nun ratsam?

Ob sich ein Policendarlehen für Verbraucher lohnt, muss jeder individuell für sich entscheiden. Als Entscheidungshilfe finden Sie hier alle Vor- und Nachteile dieser Darlehensform.

Vorteile Nachteile

Für das Darlehen werden in der Regel keine weiteren Sicherheiten benötigt

Kreditzinsen sind in der Regel höher als die laufende Verzinsung
Kreditnehmer erhalten auch mit schlechter Bonität einen Kredit Mögliche Steuernachteile für vor 2005 abgeschlossene Versicherungspolicen
Das Darlehen ist jederzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündbar Beleihen von fondsgebundenen Lebensversicherungen nicht problemlos möglich
Das Darlehen ist jederzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündbar Nicht für langfristige Finanzierungen geeignet
Oftmals besserer Zinssatz als bei herkömmlichen Ratenkrediten Rürup- oder Riesterrenten können nicht beliehen werden
Versicherungsschutz wird nicht aufgehoben Verbraucher leihen sich Geld, das sie selbst einbezahlt haben
Beitragsfrei gestellte Versicherungen können beliehen werden  
Bis zu 100 Prozent des Rückkaufswerts der Versicherung als Darlehen möglich  

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