Rückstau: Ist Ihr Gebäude ausreichend versichert?

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Der Keller steht unter Wasser oder Wohnräume werden mit Abwasser geflutet. Hausbesitzer fürchten sich vor einem solchen Rückstau-Szenario. Denn auch wenn es sich erst einmal nur um Wasser handelt, können dadurch starke Beschädigungen an Inventar oder der Immobilie selbst verursacht werden. Ob diese Schäden allerdings von einer Versicherung übernommen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Inhaltsverzeichnis

    Bei Rückstau handelt es sich um Wasser, das über die Kanalisation nicht mehr abgeführt werden kann und deshalb über die Abwasserrohre wieder in das Haus drückt.

    So entsteht Rückstau

    Wenn sich starke Regenfälle über das Land ergießen, bedeutet das Schwerstarbeit für die Kanalisation. Innerhalb sehr kurzer Zeit müssen die Abwasserrohre auf den Straßen den Niederschlag abführen. Wenn jedoch der Regen oder kurzfristige Überschwemmungen so stark und wasserreich sind, dass die Kanalisation das Wasser nicht mehr abführt, kann es über die Straßenoberkante steigen. In diesem Fall wird auch von „Rückstauebene“ gesprochen.

    Liegt ein Gebäude an dieser Rückstauebene, drückt das aufgestaute Wasser nun nach unten und sucht sich durch den Druck Wege zu offenen Abwasserstellen. In Häusern können das zum Beispiel Waschbecken im Keller, Bodenablaufstellen in der Waschküche, Toiletten, Duschen oder andere Abwasseranschlüsse sein.

    Besonders gefährdet von Rückstau sind somit alle Räume, die unterhalb der Rückstauebene liegen. In der Regel sind das Räume im Souterrain oder im Keller.

    Risiken sind nicht genau kalkulierbar

    Auch wenn in Industrieländern moderne Abwasserkanäle nahezu flächendeckend eingesetzt werden, ist die Gefahr eines Rückstaus theoretisch immer bei starken Niederschlägen gegeben. Denn öffentliche Abwasserkanäle haben immer nur einen bestimmten Durchmesser.

    Für Gemeinden und Städte wäre es unwirtschaftlich und meist aufgrund der benötigten Fläche nicht durchführbar, Leitungen zu schaffen, die für jede Starkregenphase ausreichende Kapazitäten bereithält. Darüber hinaus sorgen Schäden an Abwasserkanälen sowie Verstopfungen durch Laub, Müll oder Schlamm für eine Verengung der Querschnitte und erhöhen die Gefahr von Rückstaus.

    Öffentliche Kanäle

    Öffentliche Kanäle müssen nach DIN EN 12056-4 nur bis zu einem gewissen Grad Schutz vor Rückstau bieten.

    Aus technischen Gründen sowie aus Kostengründen wird die reibungslose Funktion der Kanäle nur bis zu einer bestimmten Stärke der Niederschläge zugesichert.

    Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2004 können Städte und Gemeinden sich bei „ungewöhnlichem und seltenen Starkregen“ auf höhere Gewalt berufen, wenn dieser zu einem Rückstau führt:

    „Führt ein ganz ungewöhnlicher und seltener Starkregen (hier: Wiederkehrzeit von mehr als hundert Jahren) zu einem Rückstau in der Abwasserkanalisation und zu einem Wiederaustritt des Niederschlagswassers, kann sich die Gemeinde gegenüber der Anlagenhaftung aus § 2 HPflG auf höhere Gewalt berufen.“

    Hausbesitzer sind demnach selbst dafür verantwortlich, einen geeigneten Schutz gegen Rückstau einzubauen.

    Kellerräume besonders gefährdet

    Grundsätzlich sind immer alle Räume unterhalb der Rückstauebene vom Rückstau gefährdet. In der Regel handelt es sich dabei um Kellerräume. Doch werden diese Räume auch als Büros, Lagerräume, Hobbyräume oder anderweitig genutzt. Aus diesem Grund gilt es, diese Räumlichkeiten gegen Rückstau zu schützen.

    Ist das Gebäude jedoch an einem Hang gebaut oder es wurde unterhalb einer Straße errichtet, kann auch das Erdgeschoss bei Starkregen von Rückstau betroffen sein.

    In diesem Fall liegt nämlich das Erdgeschoss auch unterhalb der Rückstauebene. Somit sind theoretisch auch Wohnräume, die Küche und andere Räume von der Rückstau-Problematik betroffen.

    Rechtsgrundlage für Rückstau

    Jede Gemeinde in Deutschland hat eine eigene, sogenannte „Entwässerungssatzung“.

    Darin werden alle Belange rund um das Abführen von Abwasser reguliert. Auch der Rückstau wird in diesen Satzungen geregelt. Die gängige Formulierung lautet:

    "Gegen Rückstau aus den öffentlichen Abwasseranlagen hat sich jeder Anschlussnehmer selbst nach den jeweils anerkannten Regeln der Technik zu schützen."

    Quelle: Muster-Entwässerungssatzung Bayerischer Gemeindetag

    Versicherungen zur Abdeckung von Rückstauschäden

    Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2004 haften Gemeinden und Kommunen nicht für Rückstau bei ungewöhnlich starkem Regen. Darüber hinaus sehen die Entwässerungssatzungen der Gemeinden vor, dass sich Hausbesitzer selbst vor Rückstau schützen müssen.

    Aus diesem Grund haften Hausbesitzer in der Regel selbst für Rückstauschäden. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Sie als Eigentümer zum einen für eine ausreichende Rückstausicherung sorgen und zum anderen über einen entsprechenden Versicherungsschutz verfügen.

    Grundsätzlich können die Wohngebäudeversicherung und die Hausratversicherung die Kosten für Schäden durch Rückstau decken.

    Während die Hausratversicherung für Schäden am Inventar aufkommt, übernimmt die Wohngebäudeversicherung die Kosten für Schäden am Gebäude.

    Wohngebäude- und Hausratversicherung

    Durch einen Rückstau wird der Keller eines Einfamilienhauses überflutet. Dadurch werden die Wände durchfeuchtet und beschädigt.

    Die Wohngebäudeversicherung übernimmt anschließend die Kosten für die Entfeuchtung und Reparatur der Wände. Die Kosten für die beschädigten Vorräte und Regale im Keller sowie die defekte Heizung übernimmt die Hausratversicherung.

    In der Praxis enthält eine Hausrat- und Wohngebäudeversicherungspolice keinen Schutz bei Rückstau. Hierfür muss eine separate Rückstau-Klausel oder eine Elementarschadenoption genutzt werden.

    Greift der Versicherungsschutz in beiden Fällen nicht bei Elementarschäden wie einem Rückstauschaden, besteht kein Versicherungsschutz.

    Absicherung überprüfen

    Prüfen Sie in Ihren aktuellen Versicherungspolicen, ob eine Absicherung bei Rückstauschäden besteht. Denn die Gefahr eines Rückstaus ist immer gegeben. Kontrollieren Sie zugleich, ob bestehende Rückstausicherungen ausreichend sind.

    So können Sie einem Rückstau vorbeugen

    Um Rückstau im eigenen Haus zu vermeiden, können Hausbesitzer je nach Lage der Abwasserzugänge entweder Rückstauklappen oder eine Hebeanlage einbauen. In beiden Fällen wird sichergestellt, dass von der Kanalisation rückströmendes Mischwasser nicht durch hauseigene Abflüsse eindringt.

    Manche Versicherungsunternehmen schreiben in den Versicherungsbedingungen fest, dass entsprechende Vorrichtungen installiert werden müssen. Für Versicherungsnehmer ist es deshalb wichtig, die Police genau durchzulesen, um sich vor einem Deckungsausfall zu schützen.

    Was sie bei einem akuten Rückstau tun können

    Stellen Sie fest, dass Abwasser durch die Abflüsse in Ihrem Haus drückt, können Sie in der Akutphase Schadensbegrenzung betreiben und Inventar vor dem Wasser in Sicherheit bringen.

    Eventuell ist es auch möglich, eindringendes Wasser sofort mit Eimern zu entfernen. Auf diese Weise können Sie die Schadenshöhe zumindest beim Hausrat deutlich senken. Oftmals lagern im Keller auch persönliche Gegenstände, die nicht mit einem materiellen Wert verbunden sind. Deshalb sollten Sie diese Gegenstände natürlich auch aus persönlichem Interesse schützen.

    Rückstau vs. Überschwemmung

    Grundsätzlich gilt als Rückstau, wenn Wasser aus den Abflussrohren in das Gebäudeinnere eindringt. Der Rückstau wird dabei von der Überschwemmung abgegrenzt.

    Eine solche kann zum Beispiel vorliegen, wenn Starkregen fällt und ein Gewässer deshalb über die Ufer tritt. Das Wasser dringt dann nicht über Abwasserrohre oder andere Leitungen in das Haus ein.

    Die genaue Definition der Überschwemmung hängt jedoch von den sogenannten „Überschwemmungsklauseln“ der Versicherer ab.

    Die jeweiligen Begriffsbestimmungen und somit Haftungsfälle können dabei deutlich variieren.

    Elementarschadenversicherung hilfreich

    Ein Rückstau gehört für Versicherungen wie Schäden durch Hagel, Sturm oder Überschwemmungen zu den sogenannten „Elementarschäden“. Verbraucher haben die Möglichkeit, eine eigene Elementarschadenversicherung abzuschließen.

    Doch es ist auch möglich, dass die herkömmliche Wohngebäudeversicherung um eine Erweiterung für Elementarschäden ergänzt wird. Dabei können Sie als Versicherungsnehmer in der Regel auswählen, welchen Deckungsumfang die Police bei Elementarschäden haben soll.

    Versicherungskosten

    Der Schaden eines Rückstaus lässt sich nicht pauschal beziffern. Die Schadenshöhe hängt immer von den individuellen Gegebenheiten ab. Lagern Sie teure Weine im Keller oder eine Sammlung seltener Modelleisenbahnen, wird der Schaden bei einem Rückstau deutlich teurer ausfallen als bei einem fast leeren Keller.

    Wird das Gebäude beschädigt, können die Kosten nochmals deutlich ansteigen. Wenn Sie sich gegen Rückstau absichern wollen, sollten Sie auf jeden Fall auf die Deckungshöhe bei einem solchen Schaden achten. Dies ist insbesondere bei der Hausratversicherung wichtig, da sich deren Tarife nach dem Wert des versicherten Hausrats richten. 

    Bei der Rückstauversicherung handelt es sich um eine Elementarschadendeckung. Deshalb spielt es für die Kosten der Police auch eine wichtige Rolle, an welchem Standort sich Ihr Haus befindet. Ist die Gefahr eines Rückstaus durch Hanglage zum Beispiel höher, müssen Sie auch mit höheren Versicherungskosten rechnen.

    In der Regel lassen sich Versicherungskosten einsparen, wenn Sie selbst Vorrichtungen gegen Rückstau installieren. Zugleich sollten Sie die Konditionen einzelner Versicherungen beim Einschluss von Elementarschäden in Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung vergleichen.

    Leitungswasserversicherung

    Eine Leitungswasserversicherung schützt Versicherte vor den finanziellen Folgen von Leitungswasserschäden.

    Solche können sehr schnell durch Rohrbrüche, defekte Armaturen in Bad und Küche sowie durch Beschädigungen an Heizungsanlagen, Boilern, Bad- und Sanitäreinrichtungen entstehen.

    Auch berstende Anschlüsse von Waschmaschinen oder Spülmaschinen oder undichte Boiler können Leitungswasserschäden herbeiführen.

    In den meisten Fällen ist dieser Versicherungsschutz ein Bestandteil anderer Policen, wie von Wohngebäudeversicherungen oder auch Hausratversicherungen. Allerdings gibt es auch Einzelversicherungen, welche einen bestehenden Versicherungsschutz ergänzen können.

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