Steuerberater: Kosten, Nutzen und Alternativen

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Einmal pro Jahr steht für viele Deutsche die Steuererklärung an. Während angestellte Arbeitnehmer in der Regel freiwillig entscheiden können, ob sie eine Steuererklärung abgeben möchten, sind Selbstständige dazu verpflichtet. Beiden Gruppen bietet die Steuererklärung in vielen Fällen die Möglichkeit, Steuern zu sparen, denn Ausgaben wie zum Beispiel Werbungskosten lassen sich von der Steuer absetzen.

Inhaltsverzeichnis

    Wie das genau funktioniert, welche Vorteile es zu sichern und welche Nachteile es zu vermeiden gilt, erscheint recht kompliziert. Hier kann ein Steuerberater weiterhelfen und die Steuererklärung professionell ausfertigen. Allerdings ist eine Steuerberatung mit gewissen Kosten verbunden. Damit sich die professionelle Hilfe auch finanziell auszahlt, sollte daher abgewägt werden, ob die Steuerberaterkosten unter der Summe der Steuereinsparungen liegen. Hier erfahren Sie, welche Kosten Steuerberater berechnen und welche alternativen Hilfsangebote es gibt.

    Hochqualifizierte Hilfe hat ihren Preis

    Wann es sich finanziell auszahlt, einen Steuerberater mit der Erstellung der Steuererklärung zu beauftragen, muss in jedem Fall individuell entschieden werden. Auch die Antwort auf die Frage „Was kostet ein Steuerberater?“ hängt von Details ab. Die Steuerberatergebührenordnung (StBVV) regelt die Höhe und Angemessenheit der Honorare für Steuerberater. Das Honorar macht in der Regel den größten Teil der Steuerberaterkosten aus und eignet sich daher als Grundlage zum Einschätzen der zu erwartenden Kosten.

    Die Verordnung setzt die minimalen und maximalen Gebühren fest, welche Steuerberater für angebotene Leistungen berechnen müssen und dürfen. Die Gebührenspanne wird dabei in den sogenannten Zehnten angegeben. Eine Zehnte entspricht zehn Prozent oder einem Zehntel der Maximalgebühr.

    Die folgende Tabelle führt einige Leistungen im Bereich Steuererklärungen und die dafür gesetzlich vorgesehene Honorarspannen in Zehntel.

    Der Steuerberater erhält für die AnfertigungZehntel
    der Einkommensteuererklärung ohne Ermittlung der einzelnen Einkünfte 1 bis 6/10
    der Erklärung zur Gewerbesteuer 1 bis 6/10
    der Umsatzsteuererklärung für das Kalenderjahr einschließlich ergänzender Anträge und Meldungen 1 bis 8/10
    der Schenkungsteuererklärung 2 bis 10/10
    der Erbschaftsteuererklärung ohne Ermittlung der Zugewinnausgleichsforderung nach § 5 des Erbschaftsteuergesetzes 2 bis 10/10

    Quelle: Steuerberatervergütungsverordnung – StBVV

    Während die Steuerberatervergütungsverordnung einen Preisbereich angibt, entscheidet der Steuerberater beziehungsweise das Steuerberatungsunternehmen, welche Gebühr genau verlangt wird. Die Minimalgebühren werden in Fällen berechnet, wenn der Arbeitsaufwand für die Steuerberatung sehr klein ist.

    Zusätzlich wirken sich jedoch auch das Marktumfeld sowie Angebot und Nachfrage auf die Gebührengestaltung aus. So berechnen Steuerberatungen in größeren Städten, wo Mieten und Kosten im Allgemeinen teurer sind, seltener Minimalgebühren als Steuerberater in ländlichen Regionen. Vergleichsweise teure Anbieter verlangen in der Regel eine Gebühr knapp unterhalb der Mitte zwischen Minimal- und Maximalgebühr – die Mittelgebühr.

    Beispiel: Für eine Einkommensteuererklärung ohne Ermittlung der einzelnen Einkünfte darf ein Steuerberater ein bis zu sechs Zehntel verlangen. Der Mittelwert, die sogenannte Mittelgebühr, beträgt hier folglich 3,5 Zehntel.

    Steuerberater muss höhere Kosten begründen

    Verlangt Ihr Steuerberater mehr als die Mittelgebühr, muss dies besonders begründet werden. Dies wurde in mehreren Gerichtsurteilen bestätigt. Aus diesem Grund berechnen Steuerberatungen nur in seltenen Fällen mehr als die Mittelgebühr, nämlich wenn besondere Umstände gegeben oder Komplikationen zu erwarten sind.

    Um die Kosten für die letztliche Steuerberatung tatsächlich einschätzen zu können, muss die Maximalgebühr bekannt sein. Diese ergibt sich aus dem Gegenstandswert. Bei einer Einkommenssteuererklärung beträgt der Gegenstandswert die Summe der positiven Einkünfte, sobald diese insgesamt mindestens 8.000 Euro betragen. Für eine jährliche Steuererklärung wäre dies folglich das Jahreseinkommen beziehungsweise der Umsatz für Selbstständige. Je höher der Gegenstandswert ist, desto höher ist die Maximalgebühr.

    Die Staffelungen von Maximalgebühren und Gegenstandswerten findet sich als „Anhang Tabelle A“ zur Steuerberatervergütungsverordnung, aus welcher hier ein Auszug dargestellt ist:

    Gegenstandswert bisVolle Gebühr (10/10)
    8.000 Euro 433 Euro
    9.000 Euro 471 Euro
    10.000 Euro 510 Euro
    13.000 Euro 552 Euro
    16.000 Euro 594 Euro
    19.000 Euro 636 Euro
    22.000 Euro 678 Euro
    25.000 Euro 720 Euro
    30.000 Euro 796 Euro
    35.000 Euro 872 Euro
    40.000 Euro 947 Euro
    45.000 Euro 1.023 Euro
    50.000 Euro 1.098 Euro
    65.000 Euro 1.179 Euro
    80.000 Euro 1.260 Euro
    95.000 Euro 1.341 Euro
    110.000 Euro 1.422 Euro

    Quelle: Steuerberatervergütungsverordnung - StBVV 

    Beispiel: Liegen die positiven Einkünfte und damit der Gegenstandswert einer Einkommensteuererklärung bei 30.000 Euro, beträgt die zugeordnete volle Gebühr 796 Euro. Für eine Einkommensteuererklärung ohne Ermittlung der einzelnen Einkünfte darf eine Gebühr zwischen einem und sechs Zehntel erhoben werden. Die Mittelgebühr beträgt somit 3,5 Zehntel von 796, was 278,60 Euro ergeben würde - zuzüglich Mehrwert- beziehungsweise Umsatzsteuer.

    Wie viel ein Steuerberater für das Anfertigen einer Steuererklärung tatsächlich berechnet, steht in der Regel nicht im Voraus fest. In den meisten Fällen erhalten Kunden eine Preisspanne mitgeteilt, in welcher sich die Steuerberaterkosten bewegen. Dabei kommen schnell 700 Euro an Kosten für eine Standarderklärung bei mittleren Einkünften zusammen.

    Wer versuchen möchte, die Kosten zu senken, kann dies in Form von Mithilfe tun. Hier gilt der Grundsatz Zeit ist Geld, denn wenn die Steuerberatung zahlreiche Unterlagen und Zahlen erst bei Banken und Behörden einholen muss, steigen die Kosten.

    Folgende Dokumente und Belege könnten bei einer Einkommenssteuererklärung durch einen Steuerberater benötigt werden:

    • Lohnsteuerbescheinigung
    • Belege über Werbungskosten
    • Spendenbescheinigungen
    • Riester- oder Rürup-Bescheinigung
    • Steuerbescheinigungen (Banken)
    • Nebenkostenabrechnung
    • Bescheinigung über erhaltenes Elterngeld/Krankengeld
    • Haftpflichtbeiträge
    • Bezahlte Handwerkerrechnungen
    • Bescheinigungen über außergewöhnliche Belastungen (z.B. Arztrechnungen)
    • Leistungsnachweis vom Arbeitsamt
    • Beiträge zu Risikolebensversicherungen
    • Beiträge zur Unfallversicherung/Berufsunfähigkeitsversicherung
    • Letzter Steuerbescheid

    Schweigepflicht

    Steuerberater sind gemäß § 203 StGB an eine Schweigepflicht gebunden und dürfen keine Tatsachen, welche ihnen in ihrer Tätigkeit als Steuerberater anvertraut wurden, verbreiten. Sie können und sollten daher stets ehrlich zu Ihrem Steuerberater sein und keine eventuell unangenehmen Einzelheiten zurückhalten, falls diese für eine Steuererklärung relevant sein könnten.

    Teilweise bieten Steuerberatungen auch Pauschalpreise an. Solche Komplettangebote fallen häufig etwas höher aus als eine Abrechnung nach der Steuerberatervergütungsverordnung, wenn der Anbieter einen Risikoaufschlag verlangt. Allerdings lassen sich der Vorteil der Preissicherheit und die damit verbundene Planbarkeit nicht von der Hand weisen, solange der Gesamtbetrag die Steuerersparnis noch unterschreitet.

    Wann lohnt sich ein Steuerberater?

    Das Statistische Bundesamt hat 2012 ermittelt, wie hoch die durchschnittlichen Steuerrückerstattungen bei Angestellten waren, die freiwillig eine Steuererklärung abgegeben haben. Die Statistik zeigte, dass über 88 Prozent der steuerpflichtigen Angestellten nach einer Steuererklärung eine Rückzahlung erhalten. Durchschnittlich gibt es dabei 875 Euro zurück. Diese Summe wird in der Regel schnell von den Kosten für die Steuerberatung egalisiert.

    Der Steuerpflichtige hat dann zwar eine Steuererklärung abgegeben, profitiert aber wenn nur in geringem Maße finanziell davon. Sollten die Posten in Ihrer Steuererklärung jedoch auf absehbare Zeit gleich bleiben, ist es auch überlegenswert, einen Steuerberater einmalig für eine Art Muster-Steuererklärung einzuspannen, an der Sie sich in den Folgejahren orientieren können. Bedenken Sie aber, dass es immer wieder Änderungen in der Gesetzgebung gibt, über die Sie sich dann eigenständig auf dem Laufenden halten müssten.

    Prüfung zu hoher Rechnungen

    Bei Unstimmigkeiten über eine eventuell zu hohe Rechnung können Sie diese von der Steuerberaterkammer prüfen lassen.

    Alternativen zum Steuerberater

    Wenn Ihnen die Kosten für einen Steuerberater zu hoch sind und Sie auch nicht den Bedarf haben, dennoch aber auf Hilfe angewiesen sind, gibt es kostengünstigere Alternativen, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

    Lohnsteuerhilfevereine: Die günstigere Alternative

    Wer möglicherweise höhere Kosten für einen Steuerberater sparen möchte, kann sich an Lohnsteuerhilfevereine wenden. Die Vereine bieten ihre Hilfe jedoch in der Regel nur Angestellten, Rentnern, Beamten und Pensionären an. Freiberufler, Gewerbetreibende und andere Selbstständige dürfen die Dienstleistungen der Vereine nicht beanspruchen.

    Auch wer die Voraussetzung erfüllt, muss beachten, dass Lohnsteuerhilfevereine ebenfalls nicht beansprucht werden können, wenn Einkünfte aus Vermietung, Kapitalanlagen und sonstige zusätzliche Einkünfte neben dem Gehalt 13.000 Euro im Jahr überschreiten. Bei Ehepaaren gilt entsprechend eine Grenze von 26.000 Euro. Das Gehalt ist in seiner Höhe dagegen nicht begrenzt.

    Die Kosten für eine Steuererklärung vom Lohnsteuerhilfeverein setzen sich aus einer einmaligen Aufnahmegebühr und regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen zusammen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag hängt dabei vom Einkommen und möglichen zusätzlichen Einkünften ab, überschreitet eine Höhe von 300 Euro jedoch in der Regel nicht.

    Verbraucher können davon ausgehen, dass der Jahresbeitrag noch unterhalb der Minimalgebühr eines professionellen Steuerberaters für eine Steuererklärung liegt. Die Suche nach einem Lohnsteuerhilfeverein sollte nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. In Deutschland gibt es rund 800 Vereine mit geschätzten vier Millionen Mitgliedern.

    Über Lohnsteuerhilfevereine

    Die in den Lohnsteuerhilfevereinen tätigen Menschen sind ausgebildete Fachkräfte wie ehemalige Bilanzbuchhalter, Finanzbeamte oder auch Steuerfachangestellte. Die Vereine verlangen, dass ihre Mitarbeiter mindestens drei Jahre im Arbeitsfeld der Einkommenssteuer tätig waren. Das bedeutet, dass die Vereine in der Regel für alle grundlegenden Steuerfragen eine gute Anlaufstelle sind. Bei sehr speziellen Anfragen können besonders kleinere Organisationen jedoch an ihre Grenzen stoßen. Dies sollte bei der Auswahl eines Lohnsteuerhilfevereins bedacht werden.

    Computerprogramme: Bei einfachen Fällen

    Noch günstiger als eine Steuererklärung vom Lohnsteuerhilfeverein ist eine zumindest teilweise selbst angefertigte Erklärung. Eine praktische Unterstützung hierfür stellt Steuer-Software für den PC dar. Die Programme führen durch die Bereiche der Steuererklärung und weisen auf Steuersparmöglichkeiten und wichtige Angaben hin. Anerkannte Programme sind zudem in der Lage, die fertige Steuererklärung elektronisch über das Elster-System an das Finanzamt zu übermitteln.

    Folgende Steuer-Programme gelten als anerkannte Anwendungen:

    Die Programme kosten zwischen 15 und 40 Euro und sind im Vergleich zu den Kosten für Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein sehr günstig. Ein weiterer Vorteil der Steuer-Computerprogramme liegt darin, dass eine einmal angefertigte Steuererklärung im folgenden Jahr nur noch angepasst werden muss. Wer sich also einmal in das System eingearbeitet hat, wird in den kommenden Jahren deutlich weniger Zeit aufwenden müssen.

    Haftung

    Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine haften für die Angaben in den von ihnen ausgefertigten Steuererklärungen. Wer die Erklärung selbst - mit oder ohne Computerunterstützung - macht, haftet selbst.

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