Steuererklärung 2015: Tipps und Tricks

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

Im letzten Jahr sind einige Neuregelungen in Kraft getreten, die Sie bei Ihrer nächsten Steuererklärung beachten sollten. Diese Änderungen sowie nützliche Steuerspartipps finden Sie hier.

Die wichtigsten Änderungen für das Steuerjahr 2015

Diese Änderungen sollten in der Steuererklärung beachtet werden:

  • Altersvorsorge: Die bisher geltende Förderhöchstgrenze bei der Basisversorgung wird von 20.000 Euro auf 22.172 Euro erhöht. So können Ehepartner und gesetzliche Lebenspartner theoretisch das Doppelte als Sonderausgaben absetzen – davon erkennt das Finanzamt 80 Prozent der Beiträge an. Alleinstehende können ca. 17.700 Euro und Ehepaare bis zu ca. 35.400 Euro absetzen.
  • Erwerb einer gebrauchten Lebensversicherung: Wird Ihnen im Falle einer Scheidung oder eines Nachlasses eine Lebensversicherung übertragen, entsteht für Sie keine Steuerpflicht. Dies ist aber nicht der Fall, wenn Sie die Versicherung einer anderen Person abkaufen – hier wird die Abgeltungssteuer auf den vollen Gewinn fällig.
  • Erhöhung des Unterhaltshöchstbetrags: Da sich der Unterhalthöchstbetrag nach dem Grundfreibetrag richtet, können Sie Unterhalt bis zu einer Höhe dieses Betrags als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.
  • Höhere Freigrenzen für Aufmerksamkeit und Arbeitsessen: Ab dem 1. Januar 2015 wird die Freigrenze für vom Arbeitgeber erhaltene Aufmerksamkeiten von 40 Euro auf 60 Euro erhöht. Dasselbe gilt für Arbeitsessen, also kostenlose Mahlzeiten anlässlich oder während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes.

Diese Änderungen wirken direkt ohne Steuererklärung:

  • Erhöhung des Grundfreibetrages: Der Grundfreibetrag wird rückwirkend zum 1. Januar 2015 bzw. zum 1. Januar 2016 in zwei Schritten angehoben. Dieser Freibetrag, mit dem das steuerliche Existenzminimum bei der Einkommenssteuer freigestellt wird, wird von 8.354 Euro auf 8.472 Euro bzw. in 2016 auf 8.652 Euro erhöht.
  • Erhöhung des Kinderfreibetrags: Beim Kinderfreibetrag wurde rückwirkend im Jahr 2015 eine Erhöhung von 7.008 Euro auf 7.152 Euro und ab 2016 auf 7.248 Euro festgelegt. Bei Familien, die nur ein geringes Einkommen haben und bei denen sich diese Erhöhung nicht auswirkt, wurde parallel zur Erhöhung des Kinderfreibetrages eine Erhöhung des Kindergeldes vorgenommen.
  • Erhöhung des Entlastungsfreibetrags für Alleinerziehende: Ab 2015 erfolgt eine Anhebung des Entlastungsbetrages für Alleinerziehende von 1.308 Euro auf 1.908 Euro. Alleinstehende Steuerzahler können diesen Grundentlastungsbetrag in Anspruch nehmen, wenn mindestens ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind im Haushalt lebt. Der Grundentlastungsbetrag erhöht sich bei jedem weiteren Kind um zusätzliche 240 Euro.
  • Automatischer Kirchensteuerabzug für Kapitalerträge: Ab dem 1. Januar 2015 erfolgt der Kirchensteuerabzug für Kapitalerträge automatisch. Ihr Kreditinstitut fragt dafür jährlich zum 31. August Ihre Kirchensteuerpflicht beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Sind Sie nicht kirchensteuerpflichtig, wird ein Nullwert übermittelt.

Nützliche Tipps zur Steuererklärung

Eine Steuererklärung lohnt sich in vielen Fällen

Die meisten, aber nicht jeder Arbeitnehmer ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Dennoch kann es sich lohnen diese zu machen. Dies trifft vor allem in folgenden Fällen zu:

  • Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro: Übersteigen Ihre beruflichen Ausgaben, wie Fahrten zur Arbeit, den Pauschbetrag von 1.000 Euro, lohnt sich die Steuererklärung. Dies trifft schon ab einem Arbeitsweg von 15 km zu.
  • Arbeitslosigkeit oder Auszeit wegen Kindererziehung: Ebenfalls sinnvoll ist eine Steuererklärung, wenn Sie nicht im gesamten Jahr sozialversicherungspflichtig angestellt waren. Hier wird nur ein Teil des Werbungskostenpauschbetrags berücksichtigt. Haben Sie sich während der Arbeitslosigkeit oder der Auszeit wegen Kindererziehung auf den Widereinstig ins Berufsleben vorbereitet, können Sie für dieses Jahr dennoch eine Einkommenssteuererklärung abgeben.
  • Wechsel der Lohnsteuerklasse: Hat sich während des Kalenderjahres Ihre Lohnsteuerklasse verändert, etwa durch eine Heirat, sollten Sie ebenfalls über die Abgabe einer Steuererklärung nachdenken.
  • Doppelverdiener: Sind Sie als Doppelverdiener-Ehepaar in der Steuerklasse IV (ohne Faktor), obwohl Sie unterschiedlich hohes Einkommen haben, kann dies zu einer Steuererstattung führen.
  • Unterschiedlich hohe Gehälter: Hatten Sie während des Kalenderjahres ein schwankendes Einkommen, kann dies ebenfalls dafür sorgen, dass Ihnen Einkommenssteuer erstattet wird.

Sie haben vier Jahre Zeit, die freiwillige Einkommenssteuer einzureichen. Die Mühe kann sich lohnen, denn im Schnitt erhalten Steuerzahler knapp 870 Euro zurück.

Fahrten zur Arbeit geltend machen

Ab dem ersten Kilometer können Sie Fahrten zur Arbeitsstätte geltend machen, unabhängig davon, ob Sie mit dem eigenen Auto, einer Fahrgemeinschaft, öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit gelangen. Die Pendlerpauschale beträgt dabei 0,30 Euro für jeden vollen Entfernungskilometer. Mitfahrer dürfen allerdings nur maximal 4.500 Euro absetzen. Nur mit dem eigenen Auto können die Kosten unbegrenzt geltend gemacht werden.

In folgenden Fällen gelten außerdem Sonderregelungen:

  • Doppelte Haushaltsführung: Aufwendungen für den Weg vom Beschäftigungsort zum Ort des eigenen Haushaltes und wieder zurück (Familienheimfahrten) können jeweils für eine Fahrt in der Woche mit 0,30 Euro pro Kilometer steuerlich geltend gemacht werden.
  • Unfallkosten: Unfallkosten, die auf dem Weg von der Wohnung zur Arbeitsstätte oder im Rahmen einer Familienheimfahrt entstehen, sind neben der Pendlerpauschale als Werbungskosten abziehbar.
  • Behinderte Menschen: Sind Sie behindert, können Sie über die Pendlerpauschale hinaus Ihre tatsächlichen Kosten für den Weg zwischen Wohnung und Arbeit ansetzen. Auch Unfallkosten können neben dem pauschalen Kilometersatz berücksichtigt werden.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Wenn Sie als Privatperson bei einem Dienstleister Tätigkeiten in Auftrag geben, die andernfalls Mitglieder Ihres Haushaltes übernehmen würden, können diese als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden. Dies können zum Beispiel folgende Tätigkeiten sein:

  • Reinigung der Wohnung, der Fenster und Teppiche
  • Winterdienst auf Ihrem Grundstück
  • Hausmeisterleistungen
  • Gartenarbeiten
  • Pflegedienstleistungen
  • Kinderbetreuung zu Hause
  • Versorgung und Betreuung von Haustieren

Hierbei ist wichtig, dass die Tätigkeit legal und nicht schwarz ausgeführt wird und Sie eine Rechnung erhalten. Der Betrag darf nicht bar bezahlt werden – nur eine Überweisung wird vom Finanzamt als Steuerabzug anerkannt.

Bis zu 20.000 Euro können im Jahr an Arbeits-, Fahrt- oder Maschinenkosten für haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden. Davon werden 20 Prozent, also 4.000 Euro, vom Finanzamt anerkannt. Handwerkerleistungen, die in Ihrem Haushalt ausgeführt werden, werden ebenfalls mit 20 Prozent, höchstens aber 1.200 Euro, anerkannt.

Bildungskosten von der Steuer absetzen

Kosten im Rahmen der Erstausbildung

Wenn Sie während Ihrer Erstausbildung oder Ihres Erststudiums ein zu versteuerndes Einkommen vorweisen, lassen sich die Kosten Ihrer Ausbildung als Sonderausgaben geltend machen – höchstens jedoch 6.000 Euro. Hier können Sie Aufwendungen für Lernmittel sowie die Fahrtkosten zur Uni geltend machen.

Seit einem BFH-Urteil vom 13. Januar 2015 können Sie Ihr bis zu vier Jahre zurückliegendes Studium oder Ihre Erstausbildung steuerlich geltend machen. Damit wurde die Feststellung von Verlustvorträgen erleichtert und vor allem Berufsanfänger können nun davon profitieren, die bisher noch keine Steuererklärung abgegeben haben.

Kosten im Rahmen einer weiterführenden Ausbildung

Als Arbeitnehmer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung können Sie alle Kosten für Ihre berufliche Weiterbildung als Werbungskosten absetzen, sofern diese Nutzen für die Sicherung der eigenen Erwerbsfähigkeit hat. Diese Aufwendungen können allerdings unbegrenzt abgesetzt werden. Dazu zählen beispielweise Fortbildungen, Umschulungen, Zweit- und Folgestudien, Sprachkurse etc. Auch die Fahrtkosten können im Rahmen der Pendlerpauschale geltend gemacht werden, ebenso Aufwendungen für Lernmittel.

Krankheitskosten absetzen

Um Krankheitskosten steuerlich absetzen zu können, müssen Sie eine sogenannte zumutbare Eigenbelastung überschreiten. Diese ergibt sich aus Ihren gesamten Einnahmen: Als zumutbare Eigenleistungen gelten Ausgaben zwischen einem und sieben Prozent Ihrer Gesamteinnahmen (Gehalt, Miet- und Zinseinnahmen). Ihr Familienstand sowie die Anzahl Ihrer Kinder haben Einfluss auf diese Grenze.

Als Krankheitskosten gelten Kosten, die dem Zweck der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen. Kosten für vorbeugende und der Gesundheit allgemein dienende Maßnahmen gelten nicht als außergewöhnliche Belastungen. Unter anderem können geltend gemacht werden:

  • Arztkosten
  • Rezeptgebühren
  • Hilfsmittel (Brillen, Zahnersatz, Hörgeräte, Rollstühle und andere Hilfsmittel im engeren Sinne – Hilfsmittel im weiteren Sinne müssen in ihrer medizinischen Notwendigkeit ärztlich durch ein Attest bestätigt werden)
  • Fahrtkosten zu einer Behandlung
  • Alternative Heilmethoden

Freibeträge beantragen

Durch Freibeträge können Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen senken, sodass Ihr Arbeitgeber weniger Lohnsteuer einbehalten muss. Um dieses Lohnsteuerermäßigungsverfahren zu nutzen, müssen Sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen. Diese Ausgaben werden sofort berücksichtig und nicht erst bei der Abgabe Ihrer Steuererklärung im Folgejahr.

Eintragen lassen können Sie sich Freibeträge für:

  • Werbungskosten: Aufwendungen für den Weg zwischen Wohnung und Arbeit, Reisekosten, Arbeitsmittel, berufliche Fortbildungen, Beiträge zu Berufsverbänden
  • Sonderausgaben: Unterhaltsleistungen an dauernd getrennt lebende oder geschiedene Ehe- und Lebenspartner, Kinderbetreuung, Kosten bis zu 6.000 Euro für die Berufsausbildung (Erststudium, Erstausbildung), Kirchensteuer (außer auf Abgeltungssteuer)
  • Außergewöhnliche Belastungen: Unterhaltsaufwendungen an gesetzlich unterhaltberechtigte Personen, Behindertenpauschbetrag, Freibetrag für den Sonderbedarf bei Berufsausbildung eines volljährigen Kindes, Hinterbliebenenpauschbetrag
  • Außerdem: haushaltsnahe Dienstleistungen, negative Einkünfte aus Kapitalvermögen, negative Summe von Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit, Vermietung und Verpachtung sowie der sonstigen Einkünfte

Um den Freibetrag vom Finanzamt eintragen zu lassen, müssen die Aufwendungen einen Betrag von 600 Euro überschreiten. Dies wird ermittelt, indem die Behörde bei den Werbungskosten den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro abzieht.

Gut zu wissen:Antragstellung

Bis Ende November des laufenden Jahres kann dieser Antrag gestellt werden, ab dem nächsten Monat profitieren Sie dann bereits von den geringeren Abzügen. Für 2016 können Sie den Antrag zwischen dem 1. Oktober 2015 und dem 30. November 2016 einreichen. Sie stellen diesen per Papierformular bei Ihrem zuständigen Finanzamt. Das Formular muss unterschrieben per Post oder persönlich übermittelt werden. Bei einem Erstantrag werden Nachweise wie Ausbildungsnachweise des Kindes verlangt.

Arbeitsmittel steuerlich geltend machen

Als letzten der hier angegebenen Steuertipps empfehlen wir Ihnen, Arbeitsmittel als Werbungskosten von der Steuer abzusetzen. Grundsätzlich gilt, dass Sie jeden Gegenstand als absetzbares Arbeitsmittel geltend machen können, wenn dieser überwiegend für berufliche Zwecke verwendet wird. Neben einem Arbeitszimmer zählen zu diesen Mitteln beispielsweise:

  • Berufsbekleidung
  • Aktentasche/-koffer
  • Computer, Laptop und ähnliches
  • Software
  • Werkzeug
  • Fachliteratur
  • Diktiergerät

Sie können hierbei nicht nur die Anschaffungskosten absetzen, sondern auch Reparatur-, Wartungs- oder Reinigungskosten. In der Regel erkennen Finanzämter ohne einen Nachweis einen pauschalen Betrag von 110 Euro für die Anschaffung, Reparatur und Wartung von Arbeitsmitteln an. Haben Sie keine Nachweise für höhere Ausgaben, können Sie diesen Betrag immer angeben.

Andernfalls können Sie den gesamten Betrag steuerlich geltend machen, wenn die Aufwendung für das Arbeitsmittel einen Nettobetrag von 410 Euro nicht übersteigt. Hier ist eine Abschreibung über mehrere Jahre nicht nötig. Übersteigen die Anschaffungskosten den Betrag von 410 Euro, werden die Aufwendungen nur in Form einer dreijährigen Abschreibung vom Finanzamt berücksichtigt. Im Jahr der Anschaffung wird die Abschreibung pro Monat berechnet. Es ist in jedem Fall ratsam, Quittungen und Rechnung über den Kauf als Nachweis aufzubewahren.

Achtung:Private Nutzung

In der Regel ist eine private Nutzung von bis zu 10 Prozent erlaubt. Sie können aber auch einen anteiligen Kostenabzug durchsetzen und die Kosten entsprechend der privaten und beruflichen Nutzung aufteilen. Finanzämter geben hier meist eine Schätzung von 50 Prozent vor. Dies kann sowohl auf Geräte wie PC und Notebook als auch auf Reisekosten, das häusliche Arbeitszimmer oder die Haushaltshilfe zutreffen.

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