Verschuldungsgrad: Wichtige für das Kreditrisiko

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Wenn Unternehmen, Gemeinden oder Privatpersonen Geld aufnehmen, versuchen Kreditgeber im Vorfeld, das Kreditausfallrisiko zu ermitteln. Der Verschuldungsgrad des Kreditnehmers kann in diesem Fall weiterhelfen. Grundsätzlich gilt, dass das Kreditrisiko mit zunehmendem Verschuldungsgrad steigt. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige rund um den Verschuldungsgrad.

Inhaltsverzeichnis

    Der Verschuldungsgrad ist eine Kennzahl aus der Betriebswirtschaft, er wird auch statischer Verschuldungsgrad genannt. Diese Kennzahl gibt das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital wieder. Dabei wird das Fremdkapital von Rückstellungen und Verbindlichkeiten gebildet. Häufig werden gleichbedeutend zum Begriff Verschuldungsgrad die englischen Bezeichnungen debt to equity, Gearing oder leverage ratio oder die deutsche Bezeichnung „Verschuldungskoeffizient“ verwendet.

    Allgemein gilt, dass ein höherer Verschuldungsgrad auch ein höheres Kreditrisiko für Kreditgeber bedeutet. Allerdings kann ein hoher Verschuldungsgrad auch zu einer hohen Eigenkapitalrendite führen, die wiederum im Interesse des Schuldners liegen kann. Die hohe Eigenkapitalrendite entsteht dadurch, dass ein hoher Verschuldungsgrad nur geringes Eigenkapital zur Folge hat. Um den sogenannten „Leverage-Effekt“ zu nutzen, muss jedoch der Zinssatz des Fremdkapitals niedriger sein als die Rentabilität des Eigenkapitals.

    Allerdings wird Unternehmen dennoch empfohlen, den Verschuldungsgrad so gering wie möglich zu halten. Denn mit höherer Verschuldung geht auch eine höhere Zins- und Tilgungslast einher, die wiederum die Gewinne reduziert.

    Anwendungsmöglichkeiten

    Der Verschuldungsgrad kann über die Bilanz eines Unternehmens ermittelt werden. Doch damit ist der Anwendungsbereich dieser Kennzahl noch nicht beschränkt. Für diese Situationen ist die Kennzahl wichtig:

    1. Kreditgeber: Sie können anhand des Verschuldungsgrads von Personen, Unternehmen oder Kommunen einschätzen, wie hoch das Ausfallrisiko für einen Kredit ist. Daran kann sich zum Beispiel die Höhe der Kreditzinsen orientieren. Ein hoher Verschuldungsgrad würde in diesem Fall ein höheres Risiko bedeuten, das mit einem Zinsaufschlag ausgeglichen wird.
    2. Aktionäre: Anleger haben die Möglichkeit, anhand des Verschuldungsgrads eines Unternehmens zu erfahren, wie gut die Verschuldung mit Eigenkapital abgedeckt wird. Letztlich bedeutet ein hoher Verschuldungsgrad, dass auch die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz zunimmt und somit Dividendenzahlungen ausfallen und Aktienkurse sinken können.
    3. Firmenübernahmen: Um den Unternehmenswert zu bestimmen, kann der Verschuldungsgrad herangezogen werden und Anhaltspunkte für den Gesamtwert liefern. Zudem wissen Investoren, wie stark das Unternehmen fremdfinanziert ist.
    4. Staaten: Für Staaten ist der Verschuldungsgrad eine wichtige Kennzahl, weil sie in der Regel gesetzlich verpflichtet sind, sich nur bis zu einer gewissen Höhe zu verschulden. Derartige Regelungen gibt es zum Beispiel innerhalb der Eurozone. So ist im Europäischen Wirtschaftsraum eine maximale Staatsschuldenquote von 60 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts möglich.

    Der optimale Verschuldungsgrad

    Ein optimaler Verschuldungsgrad kann bei Unternehmen nur annäherungsweise angegeben werden. Eine gängige Regel besagt, dass ein Verschuldungsgrad dann optimal ist, wenn die Kapitalkosten gegenüber Finanzierungsalternativen geringer sind. Grundsätzlich sollte der Verschuldungsgrad nicht höher als im Verhältnis 2:1 stehen.

    Die Schulden oder das Fremdkapital sollten maximal das Doppelte des Eigenkapitals ausmachen. In der Folge sollte die Fremdkapitalquote in der Bilanz nicht mehr als 67 Prozent der gesamten Bilanzsumme ausmachen. Anders ausgedrückt, ist der Verschuldungsgrad noch angemessen, wenn ein Unternehmen rund 33 Prozent Eigenkapital besitzt.

    Dynamischer Verschuldungsgrad

    Eine Variante des herkömmlichen Verschuldungsgrads ist der dynamische Verschuldungsgrad. Hierbei wird das Fremdkapital dem Cashflow, auch Überschuss genannt, gegenübergestellt. In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass mit den Überschüssen die Schulden und somit das Fremdkapital reduziert werden können. Wichtig ist dabei, dass die Überschüsse regelmäßig in gleicher Höhe vorhanden sind.

    Als vertretbarer dynamischer Verschuldungsgrad gilt, wenn die Tilgungsdauer mit Hilfe des Cashflows drei Jahre nicht überschreitet. Dies bedeutet in der Praxis, dass ein Unternehmen kontinuierlich so viel einnehmen muss, dass mit den Gewinnen die Schulden abgezahlt werden können. Davon sind bereits Investitionen oder neue Schulden abgezogen.

    Verschuldungsgrad prüfen

    Der Verschuldungsgrad wird von Banken vor der Kreditvergabe an Unternehmen über die Einsicht in deren Bilanzen ermittelt. Auch über eine Gewinn- und Verlustrechnung lässt sich der Verschuldungsgrad ermitteln. Wichtig ist diese Kennzahl, um die Eigenkapitalquote zu bestimmen, die wiederum für das Kreditrisiko entscheidend ist.

    Angemessenes Eigenkapital

    Grundsätzlich spielt der Verschuldungsgrad zur Ermittlung eines „angemessenen Eigenkapitals“ für Kreditgeber eine wichtige Rolle. Wie jedoch die Angemessenheit definiert wird, ist nicht festgelegt.

    Allgemein wird davon ausgegangen, dass ein Unternehmen eine angemessene Eigenkapitaldecke besitzt, wenn es 30 Prozent des Aktivvermögens ausmacht. Liegt dieses Vermögen zum Beispiel bei einer Million Euro, müsste das Eigenkapital mindestens 333.333 Euro betragen.

    Verschuldungsgrad und Fremdkapitalquote

    Die Fremdkapitalquote ist eine alternative betriebswirtschaftliche Kennzahl zum Verschuldungsgrad. Sie drückt in Prozent das Verhältnis aus Fremdkapital und Bilanzsumme eines Unternehmens aus. Sie ist das Gegenstück zur Eigenkapitalquote.

    Rating-Agenturen verwenden die Fremdkapitalquote, um die Bonität von Unternehmen einzustufen. So gilt allgemein, dass eine hohe Fremdkapitalquote auf eine hohe Abhängigkeit von Gläubigern hinweist.

    Verschuldung bei Staaten und Gemeinden

    Um den Verschuldungsgrad bei Unternehmen zu ermitteln, wird das Eigenkapital dem Fremdkapital gegenübergestellt. Bei Staaten ist es schwierig, von sogenanntem „Eigenkapital“ zu sprechen. Aus diesem Grund wird hier das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Faktor herangezogen. Zugleich wird der Verschuldungsgrad bei Staaten auch Staatsschuldenquote genannt.

    Diese Staatsschuldenquote setzt sich aus der Differenz von Staatsschulden und Bruttoinlandsprodukt zusammen. Gemäß den Kriterien des Maastricht-Vertrags darf diese Quote nicht höher als 60 Prozent ausfallen. Da das BIP für die jährliche Wirtschaftsleistung eines Staates steht, müsste ein Staat in diesem Fall mindestens drei Fünftel seiner Wirtschaftsleistung für den Schuldendienst bereitstellen.

    Allgemein wird bei Gemeinden oder Städten nicht direkt von einem Verschuldungsgrad gesprochen. Vielmehr wird von Kreditgebern im Vorfeld geprüft, inwiefern mögliche Schulden getragen werden können. Dabei spielt diese Tragfähigkeit die zentrale Rolle. Von einem tragfähigen Schuldendienst wird dabei ausgegangen, wenn die gesamten Einnahmen einer Kommune die aufgenommenen Schulden decken.

    Berechnung

    Die Berechnung des Verschuldungsgrads beruht auf der Differenz von Fremdkapital und Eigenkapital eines Unternehmens, multipliziert mit 100 Prozent.

    Das Eigenkapital umfasst zum Beispiel die finanziellen Mittel, die von den Eigentümern eingebracht wurden oder als Gewinn im Unternehmen belassen wurden. Grundsätzlich ist das Eigenkapital das gesamte Unternehmensvermögen abzüglich Schulden und Verbindlichkeiten. Fremdkapital hingegen bezeichnet das Kapital, das durch Dritte ins Unternehmen gebracht wurde, zum Beispiel durch Beteiligungen. Auch Schulden bei Kreditinstituten werden als Fremdkapital bezeichnet.

    Ein Beispiel

    Ein Hersteller für Schrauben hat ein Eigenkapital von 100.000 Euro. Da er seinen Maschinenpark erneuern musste, hat er Fremdkapital in Höhe von 200.000 Euro aufgenommen.

    Verschuldungsgrad = 200.000 Euro : 100.000 Euro * 100 % = 200 Prozent Der Verschuldungsgrad liegt damit bei 200 Prozent.

    Verschuldungsgrad reduzieren

    Für Aktiengesellschaften hat ein höherer Verschuldungsgrad den Vorteil, dass durch die Erhöhung des Fremdkapitals stärker kontrolliert wird, wie die Unternehmen investieren. Für Aktionäre kann dies ebenfalls von Vorteil sein. Zugleich ist das Management bei höherem Fremdkapitaleinsatz ebenfalls zu verantwortungsvollerem Handeln gezwungen.

    Kleinere Unternehmen tendieren in der Regel dazu, ihren Verschuldungsgrad niedrig zu halten. Auf diese Weise profitieren Sie bei der Kreditaufnahme von besseren Konditionen. Zugleich sind sie besser vor einer Insolvenz geschützt. Darüber hinaus können Investitionen in der Regel ohne Fremdkapitalgeber über das Eigenkapital getätigt werden. Auf diese Weise können Investitionen deutlich beschleunigt werden.

    Allerdings kann ein höherer Verschuldungsgrad in Ausnahmefällen sinnvoll sein. Dies ist dann der Fall, wenn Unternehmen neue Investitionen tätigen müssen, um einen Vorsprung vor Mitbewerbern zu erzielen. In diesem Fall muss die Investition jedoch mit zusätzlichen Gewinnen und einer höheren Rendite einhergehen, damit der höhere Verschuldungsgrad ungeachtet der Eigenkapitalquote seinen Sinn erfüllt.

    Eine Reduzierung des Verschuldungsgrads kann auf verschiedene Weise erzielt werden:

    • Schnelle Schuldentilgung bei Kreditinstituten oder anderen Gläubigern. Überschüsse werden hier so schnell wie möglich an die Schuldner überwiesen.
    • Erhöhen des Eigenkapitals durch Gewinnrücklagen. Dabei werden die erzielten Gewinne gezielt für die Eigenkapitalerhöhung genutzt.
    • Erhöhen des Eigenkapitals durch Factoring. In diesem Fall überträgt ein Unternehmen ausstehende Rechnungen an ein anderes Unternehmen, das diese Rechnungen sofort begleicht und sich selbst um das Einholen der offenen Rechnungen kümmert.

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