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Berufsunfähigkeit: Absicherung für jedermann gefordert

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.07.2016

Jeder vierte Berufstätige kann nicht bis zum Erreichen der Rente arbeiten, doch viele sind nicht gegen Berufsunfähigkeit abgesichert. Verbraucherschutzorganisationen bemängeln hohe Hürden bei der Absicherung der Arbeitskraft und fordern einfacheren Zugang zur Berufsunfähigkeitsversicherung – auch für Berufstätige mit riskanten Jobs oder bestimmten Vorerkrankungen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) und der Bund der Versicherten (BdV) fordern eine allgemein zugängliche Absicherung für Berufstätige gegen den Verlust ihrer Arbeitskraft. Diese soll die bisher gängige Praxis bei der privaten Vorsorge durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ablösen. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die beiden Organisationen eine „qualifizierte Arbeitskraftabsicherung für jedermann“.

Absicherung der Arbeitskraft gilt als elementar

Hintergrund dieser Forderung ist, dass Daten der Deutschen Rentenversicherung zufolge jeder vierte Bundesbürger aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls vorzeitig aus dem Berufsleben aussteigen muss. Und jeder dritte von Berufsunfähigkeit Betroffene ist laut Deutscher Rentenversicherung massiv von Armut bedroht. Daher gilt eine Absicherung der Arbeitskraft als elementare Versicherung. Während eine Berufsunfähigkeitsversicherung in vielen Berufen vergleichsweise günstig zu haben ist, müssen Personen mit riskanten Berufen, beispielsweise Dachdecker oder Gerüstbauer, hohe Aufschläge zahlen und verzichten daher auf die Absicherung ihrer Arbeitskraft. „Das bestehende Modell der privaten Vorsorge hat sich für viele Berufstätige als untauglich erwiesen und muss dringend reformiert werden“, erklärte Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Jeder potenziell Betroffene sollte ein Anrecht auf eine ausreichende Rente bei Verlust seiner Arbeitskraft haben.“

Einfacherer Zugang auch für Berufstätige in Risikoberufen

Daher fordern beide Verbraucherorganisationen in ihrem Positionspapier, Berufstätigen den Zugang zur privaten Absicherung ihrer Arbeitskraft zu erleichtern. Dazu sollen beispielsweise die Berufsgruppen weiter gefasst werden, um einen besseren Risikoausgleich zu schaffen. Außerdem sollen Versicherer Berufstätige mit bestimmten Vorerkrankungen, zum Beispiel Diabetes oder psychische Erkrankungen, nicht mehr von vornherein vom Versicherungsschutz ausschließen dürfen. Zudem sollen die Gesundheitsfragen, die beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice beantwortet werden müssen, vereinfacht werden. Die Verbraucherorganisationen schlagen auch vor, den Mindestschutz deutlich zu erhöhen, eine Rente von bis zu 1.500 Euro sei denkbar.

BdV und VZ NRW fordern mehr Transparenz

Die zweite Forderung von BdV und VZ NRW betrifft das Verhältnis von Versicherern und Versicherten. Sie kritisieren ein „massives Ungleichgewicht zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer“ zum Nachteil der Versicherten. Um dies zu bekämpfen, fordern die Verbraucherorganisationen „flächendeckende, unabhängige und professionelle Beratungsangebote“ bereits bei der Antragsstellung, aber auch bei der Einforderung von Leistungen. Das Positionspapier schließt mit der Forderung nach „Transparenz in Form von Offenlegung der gesamten Datengrundlage“. VZ NRW und BdV bemängeln, dass keine öffentlich zugängliche ausreichende Datengrundlage zur Kalkulation der Absicherung der Arbeitskraft vorläge. Auch für die Antragsannahme und Leistungsprüfung würden entsprechende Daten fehlen. Daher müssten die Daten der Versicherer mit denen der gesetzlichen Rentenversicherung zusammengeführt und öffentlich gemacht werden. Zudem sollen BU-Versicherer Prozess-, Schadens- und Ablehnungsquoten ebenfalls veröffentlichen.

Politik soll bessere Absicherung ermöglichen

In der Pflicht, allen Berufstätigen eine qualifizierte Absicherung zu ermöglichen, sehen BdV und VZ NRW neben den Versicherern selbst auch die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin und die Politik. Inwieweit die Forderungen umsetzbar sind, bleibt abzuwarten. So dürfte beispielsweise die Offenlegung der Kalkulationsgrundlage einen schwerwiegenden Eingriff in die Geschäftsgeheimnisse der Unternehmen darstellen.

Quellen: Bund der Versicherten (Positionspapier), Bund der Versicherten, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

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