Berufshaftpflichtversicherung: Absicherung bei Fehlberatung

Zuletzt aktualisiert am 23.03.2017

Wenn ein Rechtsanwalt falsch berät oder ein Steuerberater Fehler bei der Steuererklärung macht, können die dadurch entstehenden Vermögensschäden sehr hoch ausfallen. Für diese und andere Berufe ist es deshalb sinnvoll, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Sie schützt Freiberufler oder Selbständige vor hohen Schadensersatzansprüchen durch Dritte. In diesem Ratgeber erhalten Sie alle wichtigen Informationen rund um diese Haftpflichtpolice.

Inhaltsverzeichnis

    Was ist eine Berufshaftpflichtversicherung?

    Eine Berufshaftpflichtversicherung funktioniert wie eine private Haftpflichtversicherung. Sie deckt Sach-, Personen- oder Vermögensschäden ab. Im Gegensatz zur privaten Haftpflichtversicherung greift die Berufshaftpflicht bei Schäden, die im Zusammenhang mit Ihrer Berufsausübung entstehen. Sie ist ein Teil der Gewerbeversicherung.

    • Sachschäden: Wenn zum Beispiel ein selbständiger Handwerker ein Badezimmer renoviert und dabei die vorhandene Badewanne beschädigt, greift in diesem Fall die Berufshaftpflichtversicherung.
    • Personenschäden: Wenn Sie als Selbständiger ein Büro haben, ein Kunde rutscht auf dem Flur zu Ihrem Büro aus und verletzt sich, dann kann der Schaden von Ihrer Berufshaftpflichtversicherung übernommen werden. Gleiches gilt für eine selbständige Kosmetikerin, die durch die Faltenbehandlung für eine Schädigung der Haut ihres Kunden gesorgt hat. Abgesichert ist ebenfalls ein Arzt, dem bei einer ambulanten OP ein Behandlungsfehler unterlaufen ist.
    • Vermögensschäden: Die Berufshaftpflichtversicherung übernimmt in der Regel „echte“ und „unechte“ Vermögensschäden. Ein echter Vermögensschaden liegt vor, wenn ein Anwalt seinen Mandanten in einer Vermögensfrage falsch berät und der Klient dadurch viel Geld verliert. Bei einem unechten Vermögensschaden muss eine Sach- oder Personenschaden vorausgehen. So kann ein unechter Vermögensschaden entstehen, wenn ein Patient aufgrund eines Behandlungsfehlers seiner Arbeit zeitweise nicht mehr nachgehen kann. Ein echter Vermögensschaden kann aber auch vom Kunden einer Werbeagentur geltend gemacht werden, wenn er zum Beispiel durch eine fehlerhaft geplante Werbekampagne oder irreführende Werbeslogans Geld verloren hat.

    Neben der Schadensregulierung übernimmt die Berufshaftpflichtversicherung auch die Schadensabwehr. So prüft die Haftpflichtversicherung, ob die Schadensersatzforderungen Dritter gerechtfertigt sind und wehrt diese Ansprüche im Zweifel ab.

    Diese Berufe benötigen eine Berufshaftpflichtversicherung

    Für bestimmte Berufsgruppen ist die Berufshaftpflichtversicherung gesetzlich verpflichtet. Dabei handelt es sich um Berufe, deren zentrale Aufgabe die Beratung ist. In diesen Fällen besteht die Berufshaftpflichtversicherung fast immer aus einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, denn durch eine Falschberatung werden Klienten vorrangig in ihrem Vermögen geschädigt.

    Die Haftpflichtversicherung kann sowohl durch das Gesetz als auch durch die jeweiligen Berufs- oder Ständeordnungen vorgeschrieben werden.

    Anwälte Sie müssen nach Paragraph 51 a der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) ebenso wie Partnergesellschaften über eine gültige Berufshaftpflichtversicherung verfügen, um überhaupt als Anwalt zugelassen zu werden. Dabei muss die Deckungssumme mindestens bei 250.000 Euro pro Versicherungsfall liegen. Wird ein Versicherungsvertrag gekündigt oder geändert, müssen die jeweiligen Versicherer die Änderungen sofort an die zuständige Rechtsanwaltskammer melden.
    Steuerberater Steuerberater haben eine hohe Verantwortung, wenn sie die Steuerangelegenheiten mit einer Vollmacht ihrer Mandanten regeln. Sie sind laut Paragraph 25 des Steuerberatergesetzes (StBerG) dazu verpflichtet.
    Notare Für Notare besteht nach Paragraph 19a der Bundesnotarordnung (BnotO) eine Versicherungspflicht.
    Ärzte Die Bundesärzteordnung (BÄO)  sieht vor, dass Ärzte eine Haftpflichtversicherung haben müssen, um eine Approbation zu erhalten.
    Hebammen Laut Hebammengesetz müssen Hebammen eine ausreichende Haftpflichtversicherung nachweisen, um als Hebamme arbeiten zu dürfen.
    Architekten Um in eine Kammer aufgenommen zu werden oder eine Zulassung zu erhalten, müssen Architekten in der Regel mit einer Berufshaftpflichtversicherung ausgestattet sein.
    Apotheker Die Berufsordnungen der Bundesländer für Apotheker schreiben Apothekern vor, dass sie über einen ausreichenden Versicherungsschutz verfügen müssen, um die Zulassung zu erhalten.
    Versicherungsmakler Um eine Zulassung durch die IHK zu erhalten, müssen Versicherungsmakler sowie Versicherungsvermittler eine Haftpflichtversicherung nachweisen.
    Wirtschaftsprüfer Nach Paragraph 54 der Wirtschaftsprüferordnung (WPO) sind Wirtschaftsprüfer verpflichtet, sich mit einer Haftpflichtversicherung zu schützen.

    Bezeichnung berufsgruppenabhängig

    Je nach Berufsgruppe kann die Berufshaftpflichtversicherung unterschiedliche Namen bei den Versicherern tragen. So wird häufig auch von Apothekerhaftpflicht, Anwaltshaftpflicht, IT-Haftpflicht oder Hebammenhaftpflicht gesprochen.

    Im Grunde handelt es sich immer um das gleiche Produkt, das in manchen Fällen noch spezifischer an die Gegebenheiten und Erfordernisse des jeweiligen Berufs angepasst wird. So liegt zum Beispiel der Fokus bei Berufshaftpflichtversicherungen für Anwälte eher auf der Vermögensschadenhaftpflicht als bei Ärzten. Entsprechend sind auch die Deckungssummen unterschiedlich.

    Berufshaftpflicht allgemein sinnvoll

    Allgemein empfiehlt sich eine Berufshaftpflichtversicherung für Selbständige oder Freiberufler. Denn per Gesetz haften sie mit ihrem eigenen Vermögen für Schäden, die sie Dritten zufügen.

    Somit sollten Handwerker ebenso wie IT-Mitarbeiter über eine eigene Berufshaftpflichtversicherung verfügen, wenn sie selbständig oder freiberuflich arbeiten. Beim Versicherungsschutz spielt es keine Rolle, ob der Versicherungsnehmer in Teil- oder Vollzeit arbeitet.

    Betriebshaftpflicht und Berufshaftpflicht

    Der Begriff „Berufshaftpflichtversicherung“ wird häufig synonym mit dem Begriff „Betriebshaftpflichtversicherung“ verwendet. Im Grunde handelt es sich bei beiden Versicherungen um eine ähnliche Absicherung.

    Während bei der Berufshaftpflichtversicherung jeweils immer nur eine Einzelperson abgesichert ist, umfasst der Schutz der Betriebshaftpflichtversicherung das gesamte Unternehmen, einschließlich der Mitarbeiter. Wer für seine Firma bereits eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, benötigt in der Regel keine separate Berufshaftpflichtversicherung mehr.

    In ihrer „klassischen“ Ausprägung ist die Berufshaftpflichtversicherung vorwiegend eine Vermögensschadenversicherung. Im Gegensatz dazu enthält die Betriebshaftpflichtversicherung fast immer eine Absicherung bei Sach-, Personen- und Vermögensschäden.

    Beispiel: Wenn Sie als IT-Einzelunternehmer eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, kann es sein, dass damit nur Vermögensschäden abgedeckt sind. Verletzt sich einer Ihrer Kunden in Ihrem Büro, weil er zum Beispiel über ein Kabel stolpert, besteht dann kein Versicherungsschutz über Ihre Berufshaftpflichtversicherung. Achten Sie deshalb vor dem Abschluss der Police genau auf den Versicherungsumfang und schließen Sie eventuell eine weitere Versicherung ab oder erweitern Sie den Schutz. 

    Alternativen zur Berufshaftpflichtversicherung

    Wer nicht selbständig und angestellt ist, benötigt meist keine zusätzliche Berufshaftpflichtversicherung, weil er über den Arbeitgeber abgesichert ist. Wer dennoch einen zusätzlichen Versicherungsschutz nutzen möchte, kann sich über einen Zusatzbaustein der privaten Haftpflichtversicherung absichern.

    Eine wirkliche Alternative zur Berufshaftpflichtversicherung gibt es für die Berufe nicht, bei welchen die Police Voraussetzung zur Zulassung ist. Bei Selbständigen oder Handwerkern gibt es ebenfalls keine Alternative.

    Leistungen und Kosten

    Mit der Berufshaftpflichtversicherung ist immer nur der Versicherungsnehmer allein abgesichert. Der Versicherer übernimmt je nach Versicherungsumfang im Schadensfall die Regelung der Ansprüche aus Personen-, Sach- oder Vermögensschäden.

    Darüber hinaus wehrt die Versicherung unberechtigte Schadensersatzansprüche ab. Eine Erweiterung des Versicherungsschutzes kann Selbständige zum Beispiel auch dann absichern, wenn Dritten durch die Beauftragung eines Subunternehmers ein Schaden entsteht.

    Eine einheitliche Regelung zu den Leistungen der Versicherung gibt es nicht. Sie können je nach Berufsgruppe, Anbieter, Umsatzgröße oder räumlicher Geltung variieren.

    Der Versicherungsschutz gilt nur in den im Vertrag festgelegten Grenzen. Somit kann der Versicherungsschutz zum Beispiel nur auf die Ausübung der Tätigkeit innerhalb Deutschlands begrenzt oder für alle beruflichen Tätigkeiten weltweit gültig sein.

    Hinweispflicht auf Haftpflichtversicherung

    Dienstleistungserbringer müssen ihre Klienten immer auf eine vorhandene Haftpflichtversicherung hinweisen. Diese Pflicht reicht so weit, dass auch auf Homepages im Impressum auf einen bestehenden Versicherungsschutz sowie dessen räumliche Geltung verwiesen werden sollte.

    Leistung an die geschädigten Dritten

    Die Berufshaftpflichtversicherung betreibt die Schadensregulierung, indem Sie geschädigten Dritten Schadensersatz leistet. So muss zunächst der entstandene Schaden festgestellt werden, um die Schadenssumme zu beziffern.

    Die Ermittlung der Schadenssummen kann bei Vermögensschäden sehr aufwändig werden, wenn zum Beispiel entgangene Gewinne von Dritten oder Verluste genau beziffert werden müssen. Ebenfalls ist die Prüfung meist umfangreicher, wenn es sich bei Beratungsfehlern zum Beispiel um komplexe Anlageprodukte oder steuerrechtliche Besonderheiten handelte.

    Erfüllungsanspruch in der Regel ausgenommen

    Wenn Dienstleister für einen Auftraggeber arbeiten, beruht die Arbeit auf einem Auftrag. Wird dieser Auftrag nicht erfüllt, wurde der Erfüllungsanspruch des Auftraggebers nicht befriedigt. In diesem Fall kann die Haftpflichtversicherung nicht in Anspruch genommen werden.

    Der Auftragnehmer haftet selbst dafür, dass er einen Auftrag nicht vertragsgemäß erfüllen konnte. Es gibt jedoch einige Policen, die auch den Erfüllungsanspruch gegen einen Prämienaufschlag mitversichern.

    Kosten der Berufshaftpflichtversicherung

    Die Kosten für eine Berufshaftpflichtversicherung lassen sich nicht pauschal beziffern, da sie vom Berufstyp sowie von weiteren Aspekten wie der Versicherungssumme oder dem Umsatz des Dienstleisters abhängen. Versicherungsschutz ist je nach Police schon für weniger als zehn Euro monatlich möglich, kann sich aber auch auf über 100 Euro pro Monat erhöhen.

    Wer sich darüber hinaus als Angestellter für den Beruf haftpflichtversichert, kann meist von günstigen Kombiangeboten mit der privaten Haftpflichtversicherung profitieren. Selbständige müssen dagegen eine eigene Police abschließen.

    Kosten für die Berufshaftpflicht steuerlich absetzen

    Wer die Berufshaftpflichtversicherung absetzen möchte, kann sie entweder privat oder geschäftlich geltend machen. Wird sie als private Versicherung abgesetzt, muss sie als Vorsorgeaufwand angegeben werden. Soll sie geschäftlich abgesetzt werden, wird sie zu den Werbungskosten gezählt.

    Für welche Variante sich Steuerzahler entscheiden, hängt davon ab, ob sie zum Beispiel die Höchstgrenze beim Vorsorgeaufwand bereits durch andere Versicherungen erreicht haben. Empfehlenswert ist es deshalb eher, die Berufshaftpflicht geschäftlich als Werbekosten geltend zu machen.

    Als Werbungskosten teilweise absetzbar!

    Pauschal lassen sich auch privat genutzte Versicherungen zu 50 Prozent als Werbungskosten absetzen.

    Angebote für Berufshaftpflichtversicherungen finden

    Wer auf der Suche nach einer passenden Berufshaftpflichtversicherung ist, kann sich zum Beispiel professionell durch einen Versicherungsmakler beraten lassen. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein Maklervertrag, der in der Regel die Vollmacht für alle weiteren Versicherungen einschließt.

    Wenn Sie selbständig oder freiberuflich arbeiten und dabei hohe Umsätze erzielen sowie komplexe Produkte verkaufen, sollten Sie genau auf die Spezifikationen der einzelnen Policen und mögliche Leistungsausschlüsse achten.

    Grundsätzlich können Sie Angebote für Berufshaftpflichtversicherungen auch im Internet vergleichen. Unser Vergleichsrechner bieten Ihnen eine transparente Übersicht über die Angebote der Versicherer. Je mehr Sie Ihre Eingaben präzisieren, desto genauer können die Angebote ausfallen.

    Vor- und Nachteile

    Vorteile Nachteile
    • Kosten können steuerlich voll als Sonderausgaben abgesetzt werden
    • Absicherung bei Schadensersatzansprüchen Dritter, die durch die eigene Arbeit entstanden sind
    • Abwehr von unberechtigten Ansprüchen Dritter
    • Breites Angebot an Versicherungsprodukten
    • Für Angestellte oder Beamte als Zusatzbaustein der privaten Haftpflichtversicherung erhältlich
    • Durch die Versicherung entstehen zusätzliche Kosten
    • Für manche Berufsgruppen verpflichtend

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