D&O Versicherung: Sinnvoll oder nicht?

Zuletzt aktualisiert am 31.03.2017

Geschäftsführer, Aufsichtsräte oder Vorstände tragen in Unternehmen eine große Verantwortung. Diese Verantwortung kann im Ernstfall Haftung mit dem Privatvermögen für Schäden verschiedenster Art und somit hohe Kosten bedeuten. Um sich davor zu wappnen, empfiehlt sich eine D&O Versicherung. Dieser Ratgeber sagt Ihnen, worauf es dabei ankommt und ob dieser Versicherungsschutz für Führungskräfte sinnvoll ist.

Inhaltsverzeichnis

    Eine D&O Versicherung ist eine Form der Berufshaftpflichtversicherung und wird dem Bereich Vermögensschadenhaftpflichtversicherung zugeordnet. Das Kürzel „D&O“ steht für „Directors and Officers“. Dabei handelt es sich um Vorstände oder Aufsichtsräte.

    Somit ist eine D&O Versicherung eine Haftpflichtversicherung für Manager und Führungskräfte. In Deutschland wird die D&O Versicherung deshalb auch „Managerversicherung“ genannt. Abgedeckt werden damit sämtliche Tätigkeitsfelder im Management. Die Deckung wird in der Regel sowohl für Schäden aus dem operativen Geschäft als auch strategische Entscheidungen übernommen.

    So wird die D&O Versicherung noch genannt

    Je nach Versicherer, Leistungsumfang, versicherter Personengruppe und Produkt wird die D&O Versicherung auch mit folgenden Begriffen bezeichnet:

    • Managerhaftpflicht-Versicherung
    • Berufshaftpflicht-Versicherung für Manager
    • Geschäftsführer-Haftpflicht-Versicherung
    • Vorstands-Haftpflicht-Versicherung
    • Organhaftpflicht-Versicherung
    • Unternehmensleiter-Haftpflicht-Versicherung

    Versicherbare Personengruppen

    • Ehemalige, gegenwärtige und künftige Mitglieder des Vorstandes
    • Ehemalige, gegenwärtige und künftige Mitglieder der Geschäftsführung
    • Ehemalige, gegenwärtige und künftige Mitglieder des Aufsichtsrates
    • Ehemalige, gegenwärtige und künftige Mitglieder des Verwaltungsrats und Vertretung
    • Leitende Angestellte
    • Compliance Officer
    • Generalbevollmächtigte
    • Zollbeauftragte

    Je nach Versicherungsumfang können über die D&O Versicherung auch Ehepartner, Betreuer, Pfleger, Erben oder eingetragene Lebenspartner abgesichert werden.

    Auch wenn die D&O Versicherung Managerversicherung genannt wird, ist ein entsprechender Haftpflichtschutz ebenfalls für leitende Angestellte oder Bevollmächtige sinnvoll. Grundsätzlich ist eine D&O Versicherung nicht nur für große Unternehmen, sondern für Firmen jeglicher Größe geeignet, um sich gegen hohe Forderungen im Schadensfall abzusichern.

    Darüber hinaus profitieren Manager von Vereinen, Stiftungen oder Organisationen von einer entsprechenden Deckung über eine D&O Versicherung.

    So funktioniert die Versicherung

    Eine D&O Versicherung funktioniert wie eine herkömmliche Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. In diesem Fall schließt ein Unternehmen den Versicherungsvertrag für das Management oder einzelne Mitarbeiter aus der Führungsetage ab. Oder Manager nutzen eigene Versicherungspolicen.

    Je nach Umfang und Deckungssumme der Police erhält der jeweilige Versicherer eine Prämie. Im Schadensfall übernimmt das Versicherungsunternehmen dann die Regulierung bis zur Höhe der Deckungssumme im Rahmen der gewährten Versicherungsleistungen.

    Entwicklung der D&O Versicherung in Deutschland

    Die Ursprünge der D&O Versicherung in Deutschland reichen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Damals wollte der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein eine solche Haftpflicht einführen, setzte seine Pläne allerdings nicht um.

    In den USA hingegen erfuhr die D&O Versicherung schon in den 1930er-Jahren eine große Nachfrage. Da die Schadensersatzansprüche in den Vereinigten Staaten in der Regel deutlich höher ausfallen als in Europa, hat sich die D&O Versicherung dort schnellt etabliert.

    In den 1980er-Jahren verbreitete sich diese besondere Form der Berufshaftpflichtversicherung in Europa und wird inzwischen auch in Deutschland von Unternehmen jeglicher Größe genutzt.

    Welche Schäden werden abgedeckt?

    Eine D&O Versicherung deckt in der Regel Schäden ab, aus welchen Innen- oder Außenansprüche entstehen.

    Die Innenhaftung umfasst Forderungen, die vom Unternehmen oder einer Aktiengesellschaft selbst an das Management oder Führungskräfte gestellt werden.

    Die Außenhaftung betrifft Forderungen von Geschäftspartnern, anderen Unternehmen, Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern oder Behörden.

    Die Deckung greift bei Verletzung der Sorgfaltspflicht der versicherten Personen. Voraussetzung dafür ist, dass die Schäden nicht wissentlich, grob fahrlässig oder mit Vorsatz entstanden sind. Denn dann übernimmt die D&O Versicherung die Schadensregulierung nicht.

    • Rückwärtsdeckung: Möglich ist dafür eine Übernahme von Schäden, die bereits vor der Versicherungslaufzeit entstanden sind. In diesem Fall wird vertraglich eine sogenannte „Rückwärtsdeckung“ vereinbart. Damit eine solche Deckung gültig werden kann, darf der Schaden den Versicherungsnehmern sowie den versicherten Personen zum Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses nicht bekannt gewesen sein.
    • Nachmeldefristen: Viele D&O Versicherungen enthalten sogenannte „Nachmeldefristen“. Demnach sind auch Schadensersatzansprüche gedeckt, die nach Ablauf des Versicherungsvertrags erhoben werden. Die Schadensursache muss jedoch innerhalb der Versicherungszeiten gelegen haben.

    Einschränkungen bei der Deckung

    Jede D&O Versicherung hat Grenzen bezüglich ihrer Leistung.

    Im Folgenden finden Sie einige Beispiel für Leistungsgrenzen:

    • Kein Kaskoschutz: Die D&O Versicherung ist eine klassische Haftpflichtversicherung. Demnach geht es primär um die Abwehr oder Einschränkung von Schadensersatzforderungen im Rahmen einer Organhaftung. Somit müssen die Ansprüche begründet sein, damit die Versicherung überhaupt leistet. Die Partei, die Forderungen gegen den Schadensverursacher stellt, muss ein mögliches Fehlverhalten nachweisen. Im Gegenzug erfolgt bei Feststellung eines Schadens eine „Beweislastumkehr“, sodass der Versicherte belegen muss, dass seine Entscheidung richtig war, obwohl dadurch ein Schaden verursacht wurde.
    • begrenzter Schutz bei „Eigenschäden“: Wenn Unternehmen im Rahmen der Innenhaftung Ansprüche gegen eigene Mitarbeiter stellen, ist die Haftung der Versicherung meist eingeschränkt.
    • Kompromiss statt Schadenregulierung: In vielen Streitfällen wird ein Kompromiss gefunden, bevor es zur eigentlichen Regulierung des Schadens durch die Versicherung kommt.
    • Mögliche Leistungsausschlüsse: D&O Versicherung können bestimmte Klauseln enthalten, welche die Deckung eingrenzen. So greifen die Policen nicht bei Vorsatz. Ebenso können Policen einen Dienstleistungsausschluss enthalten. Dies bedeutet, dass die Versicherung bei Schäden im operativen Geschäft nicht greift.
    • Keine Haftungsbefreiung bei mangelnder Kenntnis: Eine D&O Police greift in der Regel nicht, wenn ein Schaden durch mangelnde Kenntnis oder Eignung einer Führungskraft entstanden ist. Diese beiden Aspekte führen nicht dazu, dass die betreffende Person von der Haftung befreit ist.

    Schadenbeispiele

    Fehlentscheidungen im Management können in Unternehmen schnell Schäden in Millionenhöhe verursachen. Hier finden Sie mögliche Schadenbeispiele, bei welchen eine D&O Versicherung greift:

    1. In einem Unternehmen wurde eine EDV-Anlage mit Firmennetzwerk installiert. Doch es stellt sich heraus, dass die Anlage viel zu klein dimensioniert ist und der Betrieb deshalb teilweise stillgelegt werden muss. Die Folge: hohe Kosten für den Betriebsausfall und nachträgliche Nachrüstung der EDV.
    2. Das Management hat aufgrund fehlerhafter Terminkontrolle versäumt, fällige Forderungen von Kunden oder Mandanten einzuziehen. Da die Forderungen inzwischen verjährt sind, macht das Unternehmen starke Verluste.
    3. Mehrere Mitarbeiter haben eine Kündigung erhalten. Doch deren Rechtsanwälte haben schwere Formfehler entdeckt, weshalb das Unternehmen nun hohe Abfindungen bezahlen muss.

    Wann ist eine D&O Versicherung sinnvoll?

    Eine D&O Versicherung ist sowohl für Unternehmen als auch für Manager oder Geschäftsführer sinnvoll, um im Falle von Fehlentscheidungen abgesichert zu sein.

    Vorteile für Manager

    • Schutz des eigenen Vermögens im Schadens- und Haftungsfall
    • Haftung wird auch für Kollegen der Geschäftsleitung übernommen
    • Haftungsfreistellung für Geschäftsführer einer GmbH
    • Möglichkeit, einfacher Entscheidungen treffen zu können

    Vorteile für Unternehmen

    • Schutz der Unternehmensreputation
    • Schutz der Bilanzen
    • im Schadenfall wird die Unternehmensfortführung gesichert

    Nachteile

    Mögliche Nachteile der D&O Versicherung können in der mangelnden Deckungssumme oder den Leistungsausschlüssen der jeweiligen Policen bestehen.

    Deshalb ist es wichtig, dass Versicherte vor Abschluss der Police alle Konditionen genau an den individuellen Bedarf anpassen, um Versicherungslücken zu vermeiden.

    Gesetzlicher Selbstbehalt bei Managern von Aktiengesellschaften

    Wenn Vorstände von AGs eine D&O Versicherung abschließen, sind sie gesetzlich zu einem Selbstbehalt verpflichtet. Der Selbstbehalt beträgt mindestens zehn Prozent der Schadenssumme. Das Maximum liegt beim 1,5-fachen des jährlichen Festgehalts.

    Um auch dieses Risiko auszuschließen, können Manager zusätzlich eine sogenannte „Selbstbehalts-Versicherung“ abschließen.

    Selbstbehalt

    Die Regel für den Selbstbehalt gilt jedoch nicht bei Geschäftsführern von GmbHs oder leitenden Angestellten.

    Unterschied zur Betriebs-, Berufs- und Diensthaftpflicht

    Für Unternehmen und Arbeitnehmer gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich mit einer Haftpflichtversicherung vor hohen Forderungen aus verursachten Schäden zu schützen. Jedoch gibt es hinsichtlich der Deckung sowie der Leistungen einige Unterschiede:

    • Berufshaftpflichtversicherung: Diese Absicherung umfasst Schäden, die im Rahmen einer Berufsausübung geschehen. Damit sind allgemein Berufstätige abgesichert. Der Versichertenkreis ist nicht auf Organe oder Führungskräfte beschränkt. Zugleich greift diese Versicherung auch bei Personen- oder Sachschäden.
    • Diensthaftpflichtversicherung: Diese Form der Berufshaftpflichtversicherung ist für Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst gedacht. Sie deckt Vermögens-, Sach- und Personenschäden ab.
    • Betriebshaftpflichtversicherung: Mit dieser Haftpflichtversicherung werden Vermögensschäden sowie Sach- und Personenschäden abgedeckt, die durch Mitarbeiter eines Unternehmens verursacht werden.

    Die D&O Versicherung kann somit eine Betriebshaftpflichtversicherung ergänzen, da dort in der Regel nur die Schäden der Mitarbeiter versichert sind und nicht die der Geschäftsführung. Zugleich ist die D&O Versicherung überwiegend auf Vermögenssachschäden fokussiert.

    Kosten

    Die Preise einer D&O Versicherung lassen sich nicht pauschal angeben. So gibt es schon Policen für eine Person ab 300 Euro pro Jahr für eine Versicherungssumme von 100.000 Euro. Doch können bei größeren Unternehmen ebenso mehrere tausend Euro pro Jahr für einen ausgewogenen Versicherungsschutz fällig werden.

    Die Höhe der Kosten hängt von der Höhe der Versicherungssumme sowie von der Zahl der Mandate ab, also von der Zahl der versicherten Personen. Darüber hinaus bestimmt auch der Leistungsumfang, wie teuer eine D&O Versicherung tatsächlich wird.

    Wenn Sie wissen wollen, was eine D&O Versicherung für Sie persönlich kostet, sollten Sie sich individuelle und unverbindliche Angebote der jeweiligen Versicherer einholen.

    Wie finde ich die richtige D&O Versicherung?

    Grundsätzlich ist die D&O Versicherung die beste für Sie, die Sie im Schadensfall umfassend abdeckt. Die passenden Policen können Sie bei verschiedenen Versicherungsunternehmen abschließen.

    So gibt es entsprechende Policen bei bekannten Versicherern wie der Allianz, der AXA, der Zurich Gruppe oder den R+V Versicherungen. Darüber hinaus gibt es weitere Anbieter, die sich auf D&O Versicherung spezialisiert haben.

    Beachten Sie vor dem Versicherungsabschluss genau, welche Versicherungssumme gewählt wird und welche Leistungen die Police enthält. Da es sich um einen wichtigen Schutz für Sie oder für Ihr Unternehmen handelt, ist es in vielen Fällen empfehlenswert, einen Versicherungsmakler zu Rate zu ziehen.

    Vertragskündigung

    In der Regel beträgt die Laufzeit einer Managementversicherung ein Jahr. Wird der Vertrag nicht vorher gekündigt, verlängert es sich üblicherweise stillschweigend um ein weiteres Jahr.

    Die Kündigungsfrist bei D&O Versicherung beträgt meistens zwischen einem und drei Monaten. Die Kündigung muss wie bei allen Haftpflichtversicherungen fristgerecht und in schriftlicher Form erfolgen. Eine außerordentliche Kündigung ist möglich, wenn ein Leistungsfall eingetreten ist.

    Die D&O Versicherung endet automatisch ohne Kündigung, wenn das versicherte Unternehmen insolvent ist, liquidiert wird oder mit einem anderen Unternehmen fusioniert. Gleiches gilt bei einer Übernahme.

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