Britische Lebensversicherungen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Wer sich für eine kapitalbildende Altersvorsorge interessiert, entscheidet sich immer häufiger für die sogenannte „Britische Lebensversicherung“. Das Produkt verspricht im Vergleich zur klassischen Lebensversicherung nämlich deutlich höhere Renditen. Darüber hinaus bietet die englische Lebensversicherung noch weitere Vorteile, weshalb sie deutlich auf dem Vormarsch ist.

Der Aufbau der britischen Lebensversicherung gleicht dem der hiesigen kapitalbildenden Lebensversicherung: So nutzen beide Produkte einen Sparplan. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass bei einer britischen Lebensversicherung 50 bis 80 Prozent der Beiträge direkt in Aktien investiert werden. Für deutsche Versicherungsunternehmen gibt es bei der Geldanlage in Wertpapiere eine Beschränkung von 35 Prozent.

Trotz hoher Renditen bieten englische Lebensversicherungen ausreichende Sicherheiten. Auch ohne Garantiezins wie bei deutschen Kapitallebensversicherungen garantieren britische Anbieter, dass der Wert der Anteile des Anlegers nie fällt. Zugleich sprechen die Unternehmen jedes Jahr Gewinngarantien aus, an die sie rechtlich gebunden sind. Zusätzliche Absicherung bieten die strengen Auflagen der britischen Bankaufsichtsbehörde FSA.

Wenn Sie eine britische Lebensversicherung abschließen wollen, ist das problemlos möglich. Die meisten Versicherer unterhalten Niederlassungen in Deutschland oder anderen EU-Staaten. Darüber hinaus können Sie die Versicherung auch direkt bei einem Anbieter in Großbritannien abschließen. In der Regel haben Sie dabei ebenso die Wahl, ob Sie Ihr Geld in Euro oder Pfund anlegen wollen.

Britische vs. deutsche Lebensversicherungen

Die britische unterscheidet sich von der deutschen kapitalbildenden Lebensversicherung deutlich durch die Kapitalanlage der jeweiligen Versicherer. In Deutschland und Europa sieht das Gesetz einen maximalen Aktienanteil von 35 Prozent bei Geldanlagen von Versicherern vor. Dieser Prozentsatz gilt bei britischen Lebensversicherungen nicht, sofern das Unternehmen sich bei seinen gesamten Kapitalanlagen an die Grenze von 35 Prozent hält. So können britische Lebensversicherer bis zu 80 Prozent des Kapitals ihrer Kunden oder Mitglieder in Aktien investieren, um damit eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.

Weitere Unterschiede

Deutsche Kreditinstitute, die Kapitallebensversicherungen anbieten, müssen während der gesamten Laufzeit Rückkaufswerte der Versicherungen garantieren. Britische Lebensversicherungen garantieren die Kapitalleistung nur nach dem Ablauf der Laufzeit. Auf diese Weise sind britische Anbieter flexibler, was die Geldanlagestrategien angeht. Denn Sie sind erst nach einer gewissen Zeit zur vollen Auszahlung verpflichtet und können in der Zwischenzeit auch Verluste eingehen, die sie durch neue Anlagestrategien wieder ausgleichen.

Eine sichere Anlageform?

Insgesamt verfügen britische Versicherungsunternehmen über eine größere Flexibilität bei der Geldanlage. Zum einen können Sie den Aktienanteil der Einlagen bei kapitalbildenden Lebensversicherungen auf bis zu 80 Prozent erhöhen, zum anderen garantieren die Versicherer die Leistung erst zum Ablauf der jeweiligen Police. Somit haben die Versicherungsunternehmen aus Großbritannien die Möglichkeit, in sehr volatile Produkte wie Aktien zu investieren. Diese Tatsache macht sich bemerkbar in höheren Renditen, die britische Lebensversicherungen bieten können.

Britische Lebensversicherer garantieren, dass der Wert der Anteile, die der Versicherungsnehmer hält, nicht fallen kann. Darüber hinaus geben die Versicherer jedes Jahr eine Renditegarantie für das folgende Jahr aus, an die sie gebunden sind. Wer folglich sein Geld in der britischen Lebensversicherung anlegt, kann zumindest für das jeweils folgende Jahr mit einer festen Renditehöhe rechnen. Der Bonus beträgt in der Regel zwischen zwei und vier Prozent. Bei einer Anlage von 10.000 Euro ist somit ein jährlicher Renditebonus zwischen 200 und 400 Euro möglich.

Üblicherweise verwenden britische Versicherer Überschüsse für Rücklagen, um geringe Aktienerträge auszugleichen. Somit sinkt die Gefahr, dass in einem Jahr keine Rendite angekündigt wird und die Kapitalerträge der Mitglieder oder Kunden bleiben auf einem konstanten Niveau. Dieses Verfahren wir auch „Smoothing“ oder auf Deutsch Glättung genannt.

Tipp:Vermeidung eines Währungsrisikos

Wer seine britische Lebensversicherung in Euro führt, vermeidet ein Währungsrisiko.

Mit oder ohne Garantie

Britische Lebensversicherer geben ihren Mitgliedern oder Kunden jedes Jahr eine Garantie auf Renditehöhe im Folgejahr. An dieses Garantieversprechen sind die Versicherer gebunden. Versicherungsnehmer sollten deshalb immer darauf achten, dass diese Garantie in der Police enthalten ist. Durch die jährliche Renditezusage haben Versicherungsnehmer die Chance auf einen konstanten Kapitalertrag.

Wird eine englische Lebensversicherung ohne Garantie abgeschlossen, sind zwar höhere Renditen möglich, weil die Versicherer mehr in volatile Aktiengeschäfte investieren, doch steigt damit auch die Chance, dass ein Anleger am Ende des Jahres leer ausgeht.

Mehr Risiko, deutlich höhere Rendite

In England entscheiden sich viele Versicherungsnehmer für Lebensversicherungen ohne Garantie, um sich hohe Renditechancen auszurechnen. Auch hierzulande geht der Trend in diese Richtung. Denn die Garantieversprechen der englischen Versicherer bewegen sich meist auf einem niedrigeren Niveau. Wer ohnehin Geld mit einem gewissen Risiko investiert, riskiert gerne ein noch höheres Risiko, wenn dadurch eine überdurchschnittlich hohe Rendite möglich ist.

Mitglied anstatt nur Anleger

Viele britische Lebensversicherungen sind als Vereine oder Gesellschaften angelegt. Wer eine solche abschließt, wird in diesem Fall Mitglied der Gesellschaft oder des Vereins. Versicherungsnehmer profitieren dabei komplett von der Gewinnausschüttung, ohne dass die Rendite mit anderen Kreditinstituten oder Vermittlern geteilt werden muss. Diese besondere Struktur vieler britischer Lebensversicherungen sorgt damit nochmals für eine höhere Rendite als bei vielen deutschen Lebensversicherern.

Große Flexibilität für Versicherte

Englische Lebensversicherungen bieten sowohl bei Laufzeit als auch bei Kapitalauszahlung eine große Flexibilität. So können Versicherte die Laufzeiten in der Regel individuell festlegen. Zugleich besteht das sogenannte „Kapitalwahlrecht“. Dabei haben Versicherungsnehmer die Wahl, ob sie die Versicherungssumme am Ende der Laufzeit in einem Betrag oder als monatliche Rente ausgezahlt bekommen wollen. Versicherte haben zudem die Möglichkeit, schon fünf Jahre vor Ablauf der Laufzeit Auszahlungen zu beantragen.

Gesetzliche Auflagen britischer Lebensversicherungen

Britische Lebensversicherungen müssen verschiedene gesetzliche Auflagen erfüllen. Zum einen werden die Produkte von der britischen Versicherungsaufsicht FSA kontrolliert. Zum anderen werden die Versicherer dazu verpflichtet, sich am britischen Sicherungsfonds FSCS (Financial Services Compensation Scheme) zu beteiligen. Auf diese Weise werden 90 Prozent der Vertragswerte abgedeckt. Der Schutz gilt für alle Anleger bei diesen Versicherungen, unabhängig davon, ob sie einen Wohnsitz in Großbritannien haben oder nicht.

EU-Auflagen für Policen

Die Policen der englischen Lebensversicherung müssen EU-Auflagen genügen. Hierzu gehört, dass Versicherungsnehmer vor Vertragsabschluss genau über die Kostenstruktur des Produkts und die damit verbundenen Risiken aufgeklärt werden. Diese Kostentransparenz wurde bereits 2005 durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes von allen Versicherungsunternehmen gefordert, die in Deutschland aktiv sind. Für Konsumenten bringt das mehr Kontrolle über mögliche Kosten und mehr Überblick über mögliche Risiken bei der Geldanlage in englische Kapitallebensversicherungen.

Problematik: Insolvenzschutz und frühzeitiger Ausstieg

Trotz aller Absicherung durch unterschiedliche Fonds sind deutsche Versicherungsnehmer im Falle einer Insolvenz des Anbieters nur geschützt, wenn der Vertrag in Großbritannien abgeschlossen wurde. Wurde die Police in Deutschland abgeschlossen, besteht auch bei gegründeten Auffanggesellschaften keine Chance auf Erhalt der Einlagen, da diese Gesellschaften nicht für Policen der britischen Versicherer aufkommen.

Einen möglichen Schutz gibt es, wenn die britischen Lebensversicherungen über deutsche Niederlassungen abgeschlossen werden. In diesem Fall ist es möglich, das Kapital über vorausgehende Bürgschaftserklärungen der Versicherer wiederzuerlangen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich für einen britischen Versicherer zu entscheiden, der seine Policen gemäß der abgesicherten Konditionen durch die britischen Fonds anbietet.

Achtung:Vorzeitige Kündigung mit Einbußen verbunden

Das System der britischen Lebensversicherung basiert darauf, dass der Kunde am Ende der Laufzeit seine Einlagen inklusive Boni und Wertsteigerungen erhält. Eine vorzeitige Kündigung ist dabei nicht vorgesehen. Kündigen deutsche Versicherungsnehmer dennoch, entfällt der Anspruch auf die Kapitalsteigerung.

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