Bundeswertpapiere: Sicherheit statt Rendite

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

Bundeswertpapiere sind Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland herausgegeben werden. Sie werden auch Staatsanleihen genannt. Der Begriff „Bundeswertpapiere“ umfasst dabei verschiedene Anlageformen, die sich durch Laufzeit und Verzinsung unterscheiden.

Das Kapital, das der Staat aus den Wertpapieren schöpft, wird für den Bundeshaushalt sowie für Sondervermögen genutzt. Die Bundeswertpapiere gelten aufgrund ihrer stabilen Verzinsung und der hohen Sicherheit als beliebte Geldanlage für Privatanleger.

Das zeichnet Bundeswertpapiere aus

Wie andere Staatsanleihen haben auch Bundeswertpapiere charakteristische Eigenschaften, die sie von anderen Geldanlagen unterscheiden.

  • Hohe Kreditwürdigkeit
    Der Deutsche Staat gilt als sehr kreditwürdiger Partner bei der Geldanlage. Deutschland erhält deshalb von den wichtigsten Ratingagenturen regelmäßig Bestnote AAA. Allerdings führt diese Attraktivität der deutschen Staatsanleihen dazu, dass sehr viele Investoren Interesse daran haben. Das führt zusammen mit einer hohen Bonität zu einer niedrigeren Verzinsung.
  • Garantierte Verzinsung
    Bundeswertpapiere werden in der Regel zu einem festen Zinssatz verzinst. Anleger wissen dadurch sehr genau, wie viel Kapital sie nach der festen Laufzeit erhalten.
  • Liquide Geldanlage
    Im Gegensatz zu vielen anderen Anlageprodukten können Bundesanleihen jederzeit an der Börse verkauft werden.
  • Mündelsicherheit
    Bundeswertpapiere sind mündelsicher. Dies bedeutet, dass der Staat einen Zahlungsausfall nahezu ausschließen kann.

Staatsanleihen anderer Staaten

Die meisten Staaten dieser Welt geben Anleihen aus, um damit ihre Haushaltsdefizite zu decken. Die Bezeichnungen dieser staatlichen Wertpapiere sind dabei unterschiedlich. In den USA werden sogenannte „T-Notes“ ausgegeben, während in Großbritannien „Gilts“ zur Staatsfinanzierung gehandelt werden.

In Frankreich gibt der Staat sogenannte OAT (französische: obligations assimilables du Trésor) oder BTAN (bons du Trésor à intérêt annuel) aus. In Japan werden Staatsanleihen meist in Form von JGB (Japanese Government Bond) gehandelt.

Keine Bundesschatzbriefe mehr

Lange Zeit galten Bundesschatzbriefe als eine attraktiv verzinste Staatsanleihe. Das Besondere daran war eine steigende Verzinsung. Je länger Anleger dem Staat mit dem Bundesschatzbrief Geld zur Verfügung stellten, desto höher fiel die jährliche Verzinsung aus.

Zugleich war die Geldanlage wie alle Staatsanleihen mündelsicher. Die Bundesrepublik garantierte dadurch per Gesetz, dass ein Zahlungsausfall so gut wie ausgeschlossen ist. Allerdings werden die in den 1960er-Jahren eingeführten Bundesschatzbriefe seit Ende 2012 nicht mehr ausgegeben. Ein Grund dafür liegt in der immer geringeren Möglichkeit, hohe Zinsen für Kapital auszuzahlen. Hier können Sie mehr über Bundesschatzbriefe erfahren.

Der Bund als Emittent

Bei Bundewertpapieren fungiert der Bund als Emittent. Verwaltet wird die Emission der Papiere durch ein eigenes Staatsunternehmen, die Finanzagentur GmbH. Sie wird von der Deutschen Bundesbank bei der Organisation der Staatsanleihen unterstützt.

Die Ausgabe der Wertpapiere erfolgt für Privatanleger auf der Basis von zwei verschiedenen Verfahren:

  1. Daueremissionen: Hierbei handelt es sich um Staatsanleihen, die ohne zeitliche Begrenzung jederzeit erworben werden können. Diese Form der Emission galt bis 2012 für die meisten Bundeswertpapiere. Anleger hatten dadurch die Möglichkeit, permanent Anleihen ohne Größen- und Zeitbegrenzung zu kaufen.
  2. Einmalemissionen: Heute wird überwiegend das Verfahren der Einmalemission angewandt. Der Bund gibt einen bestimmten Zeitraum für den Erwerb der Bundeswertpapiere vor. Im Gegensatz zur Daueremission wird bei der Einmalemission auch das Gesamtvolumen der ausgegebenen Wertpapiere bestimmt.

Alle Bundeswertpapiere werden im Rahmen einer Auktion ausgegeben. Dieses Verfahren wird auch Tenderverfahren genannt. Eine solche Auktion ist nicht für private Anleger geöffnet, sondern nur für Banken, die sich dafür registriert haben.

Die Menge der Bundeswertpapiere, die durch eine Bank über die Auktion erworben wird, kann sie wiederum an weitere Investoren weiterverkaufen, so zum Beispiel auch an private Anleger.

Gut zu wissen:Deutsches Steueraufkommen als Sicherheit

Deutschland gilt als eines der Länder mit der weltweit besten Bonität. Somit sind Bundeswertpapiere für Anleger besonders attraktiv, weil sie eine hohe Sicherheit versprechen. Während bei Unternehmensanleihen die Unternehmensgüter oder -werte als Sicherheit dienen, werden für die Bundeswertpapiere die Steuereinnahmen als Sicherheit angerechnet.

Arten von Bundeswertpapieren

Die Finanzagentur des Bundes emittiert aktuell fünf verschiedene Bundeswertpapiere, die sich durch ihre Laufzeit sowie die Verzinsung unterscheiden. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine längere Laufzeit eine höhere Rendite verspricht. Allerdings wirken sich Zinsänderungen am Markt bei längerer Laufzeit stärker auf die Kurse und somit die Rendite der Anleihen aus.

Wertpapier Laufzeiten An der Börse handelbar Weitere Bezeichnung
Bundesanleihe
Mit dem Kapital dieser Anleihen kann der Bund langfristig planen
10 oder 30 Jahre Ja Bunds
Bundesobligationen
Sie dienen für die mittelfristige Liquiditätsversorgung der Bundesrepublik Deutschland
5 Jahre Ja Bobls
Bundesschatzanweisungen
Sie sind die börsennotierten Bundesanleihen mit der kürzesten Laufzeit
2 Jahre Ja Schätze
Unverzinsliche Schatzanweisung des Bundes
Diese Anleihen dienen zur kurzfristigen Finanzierung
6 oder 12 Monate Nein Bubills
Tagesanleihe des Bundes
Sie gelten als Alternative zum Tagesgeld von Banken. Die täglichen Einlagen sind auf 250.000 Euro beschränkt
Keine feste Nein Keine

Gut zu wissen:Keine Bundesschatzbriefe seit 2012

In der Tabelle werden die Bundesschatzbriefe nicht mehr aufgeführt. Sie werden seit Ende 2012 nicht mehr ausgegeben.

Bundesanleihen: Lange Laufzeit für die Altersvorsorge

Die Bundesanleihen haben die längsten Laufzeiten aller Bundeswertpapiere. Sie betragen entweder zehn oder 30 Jahre. Diese Staatsanleihen werden auch „Bunds“ genannt. Durch einen festen Nominalzins können Anleger ihre Zinserträge schon im Voraus genau berechnen.

Zinserträge werden bei Bundesanleihen jährlich ausgezahlt. Nach Ablauf der Laufzeit werden die Bundesanleihen zum Nennwert zurückgezahlt.

Geldanlage für jedermann

Bundesanleihen können von allen Anlegern erworben werden. Dabei haben sie die Möglichkeit, die Bundeswertpapiere bei der Finanzagentur zu beantragen und über die Bundesbank zu kaufen. Darüber hinaus ist es möglich, Bundesanleihen an der Börse zu erwerben.

Als Vermittler für den Kauf dienen Banken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken. Verwahrt werden Bundesanleihen in Depots der eben genannten Kreditinstitute sowie bei der Deutschen Finanzagentur.

Niedriges Risiko, moderate oder keine Rendite

Bundesanleihen galten lange Zeit als sehr sicherer Geldanlage mit einer attraktiven Verzinsung. Im Zuge der Schuldenkrise im Euroraum suchten Anleger verstärkt nach Möglichkeiten, um Kapital ohne große Verluste anzulegen.

Aus diesem Grund sank die Verzinsung von Bundesanleihen sukzessive, sodass im Jahr 2012 erstmal Bundesanleihen mit negativer Verzinsung ausgegeben wurden. Dies bedeutet, dass Anleger jährlich Geld an den Bund bezahlen müssen, wenn sie ihm Kapital leihen.

Durch die garantierte Auszahlung des Nennwerts der Anleihen am Ende der Laufzeit ist diese Möglichkeit für viele Anleger dennoch besser als Geld an der Börse zu verlieren.

Auch Bundesanleihen sind ein mündelsicheres Wertpapier. Der Staat garantiert dabei, dass ein Zahlungsausfall so gut wie unmöglich ist.

Vorteile und Nachteile von Bundesanleihen

Vorteile Nachteile
  • Eine der sichersten Geldanlagen der Welt
  • Kein Zins- oder Währungsrisiko
  • Kursrisiko entsteht nur beim Handel an der Börse
  • Kann an der Börse gehandelt und somit vor Ablauf der Laufzeit verkauft werden
  • Bei Kurssteigerungen an der Börse deutlich höherer Gewinn möglich
  • Jährliche Zinszahlung
  • Kein vorbestimmter Anlagebetrag
  • Niedrige oder negative Verzinsung
  • Sehr lange Laufzeit
  • Mögliche Kursrisiken bei frühzeitigem Verkauf an der Börse
  • Gebühren für das Wertpapierdepot bei Banken

Tipp:Schuldbuchkonto

Wer ein Schuldbuchkonto bei der Finanzagentur eröffnet, muss für die Verwahrung seiner Bundesanleihen keine Gebühren zahlen. Allerdings ist jeder Kunde selbst für Freistellungsaufträge sowie die Verwaltung der Wertpapiere verantwortlich.

Fragen und Antworten

Wer kann sich alles Bundeswertpapiere kaufen?

Bundeswertpapiere können von allen Verbrauchern erworben werden.

Wo lassen sich die Papiere kaufen? Wo ist es ratsamer den Kauf zu tätigen?

Anleger können Staatsanleihen des Bundes bei Banken wie zum Beispiel Sparkassen oder Genossenschaftsbanken kaufen. Allerdings ist die Führung eines Wertpapierdepots dort in der Regel mit Gebühren verbunden. Deshalb ist es empfehlenswert, die Bundeswertpapiere direkt über die Finanzagentur zu erwerben. Die Papiere werden dort kostenlos in das sogenannte „Bundesschuldbuch“ eingetragen, was vergleichbar mit einem Depot ist. Dieses Depot ist jedoch nur für Bundeswertpapiere gültig.

Wie gehe ich vor, wenn ich Bundeswertpapiere erwerben will?

Wenn Sie Bundeswertpapiere kaufen möchten, sollten Sie sich zunächst über mögliche Laufzeiten sowie Renditen informieren. Vergleichen Sie außerdem die Chancen und Risiken mit anderen Anlageformen, zum Beispiel Aktien. Anschließend sollten Sie sich überlegen, ob Sie höhere Renditen mit einem gleichzeitig höheren Risiko erzielen wollen.

Wie lange ist die Laufzeit der Bundeswertpapiere?

Die Laufzeiten von Bundeswertpapieren reichen von einem Tag bis zu 30 Jahren. Anleger haben somit verschiedene Möglichkeiten, um Geld kurzfristig oder langfristig zu investieren.

Was sind die Vorteile der Bundeswertpapiere?

Bundeswertpapiere gelten als eine sehr sichere Geldanlage, die aktuell garantiert, dass der Nennwert nach Ende der Laufzeit ausgezahlt wird.

Wie ist die Bonität von Deutschland?

Deutschlands Bonität wird von den internationalen Ratingagenturen mit der Topnote AAA (TripleA) bewertet. Diese hohe Bonität wirkt sich allerdings negativ auf die Verzinsung aus, die dadurch sinkt.

Rentieren sich Staatsanleihen?

Im Jahr 2012 wurden Bundeswertpapiere erstmals negativ verzinst. Dies bedeutet, dass der Anleger jährlich zahlen muss, wenn er dem Bund Geld leiht. Dafür ist garantiert, dass er den Nennwert seiner Anleihen am Ende ausgezahlt bekommt. Auf diese Weise können Staatsanleihen heute (Stand: August 2016) immer noch attraktiv sein, weil zumindest keine hohen Verluste gemacht werden können. Im Vergleich zu renditestarken Anlageformen wie Fonds sind Staatsanleihen im Nachteil.

Lesen Sie mehr dazu

Depot eröffnen: Wie der Sparer zum Anleger wird
Depot eröffnen: Wie der Sparer zum Anleger wird
Wenn Sie langfristigen Vermögensaufbau betreiben, kommen Sie um Wertpapiere nicht herum. In Aktien, Anleihen, ETFs oder Investmentfonds können Sie aber nicht von Ihrem Girokonto aus investieren – sondern...
Disagio: Wissenswertes über das Abgeld
Disagio: Wissenswertes über das Abgeld
Kleinanleger verbinden den Begriff Disagio häufig mit dem Aktienhandel. Genau hier spielt das Disagio allerdings keine Rolle – wohl aber sein Gegenstück, das Agio. Während das Agio als Aufgeld bei der...
Anleihen
Anleihen
Im Hinblick auf Sicherheit und Rendite ist es für Sie als Privatanleger sinnvoll, wenn Sie Ihr Sparvermögen auf verschiedene Anlageformen aufteilen. Anleihen eignen sich dabei für fast jeden Anlegertyp,...

Keine Spartipps und News mehr verpassen:

Jetzt anmelden und 100 € Amazon-Gutschein gewinnen!