Staatsanleihen – eine besondere Geldanlage

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Bei Staatsanleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen von Staaten oder staatlichen Institutionen, die mit unterschiedlichen Laufzeiten ausgegeben werden. Mit Staatsanleihen können sich Staaten Fremdkapital beschaffen, um den eigenen Haushalt oder das eigene Sondervermögen zu finanzieren.

Der Anleger als Gläubiger

Während Aktionäre durch den Kauf von Unternehmensanteilen Miteigentümer des Unternehmens werden, erfüllen Käufer von Staatsanleihen eine andere Rolle. Sie sind Gläubiger von Staaten, welchen sie Geld leihen.

Im Gegenzug verpflichten sich Staaten oder staatliche Institutionen, den Gläubigern nach Ablauf der Laufzeit den Nennwert der Anleihe auszuzahlen und regelmäßig Zinsen auszuschütten.

Typen von Staatsanleihen

In Deutschland werden verschiedene Formen von Staatsanleihen ausgegeben. Deren Emission wird von der Deutschen Finanzagentur verwaltet und koordiniert.

  • Bundesanleihen: Diese Anleihen verfügen mit zehn oder 30 Jahren die längste Laufzeit. Diese Anleihen dienen der langfristigen Finanzierung des Haushaltes.
  • Bundesobligationen: Diese Anleiheform wird mit einer Laufzeit von fünf Jahren ausgegeben. Bundesobligationen werden vom Staat für die mittelfristige Finanzierung von Projekten eingesetzt.
  • Bundesschatzanweisungen: Mit einer Laufzeit von zwei Jahren sind sie prädestiniert für kurzfristige Finanzierungen von Staaten oder staatlichen Institutionen und Kommunen.

In den USA gibt es mit T-Bills, T-Notes und T-Bonds ebenfalls drei verschiedene Formen der Staatsanleihe. In der Schweiz heißen die Staatsanleihen „Eidgenossen“. In Großbritannien lautet die Bezeichnung „Gilts“.

Gut zu wissen:Schatzbriefe 2012 abgeschafft

Lange Zeit waren Bundesschatzbriefe beliebte deutsche Staatsanleihen. Im Dezember 2012 wurde die Ausgabe dieser Anleihen beendet. Sie verfügten über eine sechs- oder siebenjährige Laufzeit.

Die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB)

Seit der großen Schuldenkrise in Europa kauft die EZB verstärkt Staatsanleihen krisengeschüttelter Staaten auf. Auf diese Weise sind die Staaten bei einer Zahlungsverpflichtung nach Ablauf der Laufzeit abgesichert.

Die EZB verhindert damit außerdem, dass finanzschwache Länder in Liquiditätsengpässe geraten, weil niemand die Staatsanleihen kaufen möchte. Denn der Nachteil von finanzschwächeren Staaten besteht darin, dass sie zwar hohe Zinsen versprechen, aber aufgrund ihrer schlechten Bonität niemand mit einer sicheren Auszahlung zum Laufzeitende rechnet.

Das Geld, das die EZB in den Ankauf von Anleihen investiert, stammt aus frischem Geld, welches sie in Umlauf bringt.

Die Rolle der Ratingagenturen

Verantwortlich für die Beurteilung der Bonität sind sogenannte „Ratingagenturen“. Sie ermitteln in komplizierten Verfahren, wie kreditwürdig ein Land ist. In der Europäischen Union benötigen Ratingagenturen eine entsprechende Genehmigung, um aktiv zu werden. Weltweit gibt es verschiedene Ratingagenturen, die immer wieder im Gespräch sind. Zu den bekanntesten zählen:

  • Fitch Ratings
  • Japan Credit Rating Agency Ltd.
  • Scope Ratings
  • Moodys
  • Creditreform
  • GBB Rating

Immer wieder gibt es jedoch Kritik an der Arbeit einzelner Ratingagenturen. Ihnen wird in manchen Fällen Parteilichkeit vorgeworfen. Durch ihre Arbeit haben sie in der Regel sehr viel Macht. So hat es bedeutende Konsequenzen, wenn die Bonität eines Staates von AAA auf BBB rutscht.

Abstufung der Ratings

Die Bonität von Staaten lässt sich mit Buchstaben von A bis C einstufen. AAA (triple A) ist die Bestnote. Nur wenige Staaten verfügen über eine solche Bonität. Das schlechteste Rating ist ein CCC-. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Staatsanleihen mit sehr hohem Ausfallrisiko.

Marktzins und Rendite bei Staatsanleihen

Die Rendite einer Staatsanleihe wird durch die Restlaufzeit, den Kurs der Anleihe sowie den Nennbetrag bestimmt. Daneben spielen übergeordnete Faktoren wie Bonität, allgemeiner Marktzins sowie die Volatilität des Aktienmarktes eine Rolle.

Der Einfluss von Marktzins auf die Anleihe

Mit einem Anleihenkauf besteht das Risiko, dass der Marktzins sich deutlich verändert. Der Zins hat Einfluss auf den Kurs der Anleihe, die an der Börse gehandelt wird. Wie der Marktzins ausfällt, hängt von der Politik des jeweiligen Landes oder der Notenbank, zum Beispiel der EZB, ab.

Fallen die Zinsen, steigen die Kurse für die Anleihe, steigt der Marktzins, sinkt das Niveau der Anleihe. Möchte ein Anleger seine Anleihe vor der Fälligkeit verkaufen, macht er bei höheren Marktzinsen Verluste. Verkauft er bei niedrigem Marktzins, kann er Gewinne realisieren. In der Regel reagieren Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit stärker auf Kursentwicklungen als Anleihen mit langer Laufzeit. Letztgenannte werden dafür stärker von der Inflation beeinflusst.

Wer seine Anleihe innerhalb der Laufzeit weiterverkaufen will, sollte auf eine variable Verzinsung oder Anleihen ohne Verzinsung mit niedrigem Kurs (Zero Bonds) setzen. Über diese Anleihen kann die Rendite über Kursgewinne erzielt werden.

Gut zu wissen:Rendite, Marktzins und Kurs einer Anleihe

Beispiel: Ein Anleger investiert 5.000 Euro in Anleihen zu einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kurs von 100 Prozent. Der Zinskupon beträgt fünf Prozent, der Marktzins zum Kaufzeitpunkt ebenfalls fünf Prozent.

Liegt die Restlaufzeit bei zwei Jahren und der Marktzins steigt auf sieben Prozent, liegt der Kurs nur noch bei 96 Prozent. Der Anleger würde bei einem Verkauf 200 Euro Verlust machen und nur noch 4.800 Euro für seine Anleihen erhalten.

Fällt der Marktzins auf drei Prozent und liegt die Restlaufzeit bei einem Jahr, steigt der Kurs auf 102 Prozent und der Anleger macht 100 Euro Gewinn bei einer Auszahlung von 5.100 Euro für den Verkauf der Anleihen.

Minusrenditen von Staatsanleihen

Im Juli 2016 sind deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals mit einer Minusrendite ausgegeben worden. 2015 gab die Schweiz erstmals negativ verzinste Staatsanleihen aus. Spanien setzte ebenfalls einen Negativzins auf kurzfristige Anleihen an.

Der Kauf von Staatsanleihen

Private Anleger können Staatsanleihen in Deutschland bei Banken und Sparkassen kaufen. Sie erhalten dort Zugang zu deutschen Staatsanleihen wie Bundesanleihen, Bundesobligationen oder Bundesschatzanweisungen, die sich jeweils durch die Höhe der Verzinsung und die Laufzeiten unterscheiden.

Welche Anleihen können gekauft werden?

Grundsätzlich können deutsche Privatanleger ähnlich wie Aktien Staatsanleihen von allen Ländern erwerben, die solche Schuldverschreibungen anbieten. Allerdings müssen Anleger dabei die Währungsumrechnung berücksichtigen.

Sie stellt ein zusätzliches Risiko dar, wenn es sich um Staatsanleihen von Ländern handelt, die nicht zum Euro-Raum gehören. Darüber hinaus sollten Anleger die Bonität des jeweiligen Landes genau prüfen.

Die meisten Privatanleger erwerben aus praktischen Gründen und zur Absicherung nur Staatsanleihen von Ländern mit sehr hoher Bonität. Allerdings fällt die Rendite in diesem Fall meist geringer aus.

Eine weitere Absicherungsmöglichkeit ist es, in Fonds zu investieren. Sie gelten in einem Anlageportfolio als sichere Anlage, die eventuelle Wertschwankungen von Aktienfonds ausgleichen können.

Die Bewertung von Staatsanleihen

Staatsanleihen können anhand verschiedener Methoden bewertet werden.

  • Die gängige Methode ist die sogenannte „Barwertmethode“.Dabei schaut der Anleger, welchen Betrag er bei der angegebenen Verzinsung seiner Anleihe zum Ende der Laufzeit erhalten kann. Dieser Vorgang wird „Aufzinsen“ genannt. Beim sogenannten „Abzinsen“ wird der zukünftige Wert der Anleihen angenommen. Von diesem werden die aktuellen Marktzinsen abgezogen.
  • Eine weitere Möglichkeit, Staatsanleihen zu bewerten, liegt in der Berechnung der Effektivverzinsung. Dabei werden die Nominalverzinsung (Kuponzins) sowie ein möglicher Zinsgewinn durch den Erwerbspreis berücksichtigt.

Transaktionskosten können Rendite schmälern

Wer Staatsanleihen kauft, muss mit Transaktionsgebühren für den Kauf oder Verkauf rechnen. In der Regel liegen diese bei fünf bis zehn Euro, wenn er 1.000 Euro über eine Bank in Anleihen investiert.

Ist die Verzinsung der Anleihen besonders niedrig, können die Transaktionskosten die Rendite deutlich verringern. Empfehlenswert ist es daher, Staatsanleihen am besten bis zum Ende der Laufzeit zu halten, um nicht zusätzliche Kosten zu verursachen.

Schuldbuchkonto der Finanzagentur

Staatsanleihen können bei der Deutschen Finanzagentur ohne den Umweg über eine Bank erworben werden. Für die Verwaltung der Anleihen steht dem Anleger das kostenlose „Schuldbuchkonto“ zur Verfügung.

Alle darüber abgewickelten Transaktionen sind kostenlos. Dafür entfällt eine Beratung, wie sie beim Depot einer Bank möglich ist.

Fallende Kurse von Staatsanleihen in Europa

Als die EZB im Jahr 2015 ankündigte, viele Staatsanleihen europäischer Staaten zur Stabilisierung der Wirtschaft aufzukaufen, sind die Kurse für Anleihen in Europa gestiegen.

Durch die hohe Nachfrage wurden mehr Anleihen gekauft, was die Kurse weiter begünstigte. Allerdings gab es kurze Zeit später ein Phänomen, das die Kurse stark fallen ließ. Selbst in Kreisen der Ökonomen und Anleihenprofis war man sich unsicher über die genauen Gründe für die Kursverluste.

Insgesamt führten die Kursverluste jedoch zur Kritik am Anleihenkauf der EZB. Die Kritiker sind der Auffassung, dass derartige Käufe zwar kurzfristig zu Verbesserungen führen, langfristig aber keine Wirkung haben.

Lohnt sich der Kauf von Staatsanleihen?

Der Kauf von Staatsanleihen gilt in der Regel als sehr sichere Geldanlage, wenn der ausgebende Staat über eine hohe Bonität verfügt. Allerdings bedeutet eine hohe Bonität in der Regel eine geringere Rendite, da niedrigere Zinsen gezahlt werden.

Vorteile von Staatsanleihen

  • Sichere Form der Geldanlage
  • Schon ab kleinen Beträgen nutzbar
  • Für alle Menschen offen
  • Können einfach gekauft werden

Nachteile von Staatsanleihen

  • Langfristige Bindung für höhere Renditen nötig
  • Unflexible Geldanlage
  • Nur mäßige Verzinsung

Alternativen zur Staatsanleihe

Wer sein Geld nicht in Staatsanleihen investieren möchte, aber nach einer langfristigen Geldanlage mit moderater Verzinsung sucht, kann auch Festgeld-Angebote von Banken nutzen. Dort sind Renditen von bis zu 2 Prozent bei flexibel wählbaren Laufzeiten möglich.

Wer eine höhere Rendite erzielen möchte, kann sein Geld in Aktien oder in Fonds anlegen. Allerdings steigt bei dieser Anlageform auch das Anlagerisiko.

Was bringen Staatsanleihen mit negativer Verzinsung?

Im Jahr 2012 erhob die Bundesregierung erstmals Negativzinsen auf Bundesanleihen. Für Anleger bedeutet dies, dass sie jährlich bezahlen müssen, um dem deutschen Staat Geld zu leihen. Im Gegenzug ist die Bonität Deutschlands so hoch, dass das Ausfallrisiko deutscher Staatsanleihen gegen Null geht. Deshalb ist die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen weiterhin sehr hoch.

In der Regel handelt es sich bei Investoren von negativ verzinsten Staatsanleihen um institutionelle Anleger, die in Anleihen investieren müssen sowie um Anleger, die trotz negativer Verzinsung auf Kursgewinne der Anleihen an den Börsen spekulieren.

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