Dispositions­kredit

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Wenn der Begriff Kredit fällt, denken die meisten Menschen an große Anschaffungen, wie ein Auto oder ein Haus, und an monatliche Raten, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte zu zahlen sind. Es gibt aber eine andere Form des Kredits, die weitaus verbreiteter ist: Der Dispositionskredit, kurz Dispokredit oder auch nur Dispo genannt. Dieser auf Girokonten gewährte Überziehungskredit steht Millionen von Kontoinhabern in Deutschland zur Verfügung und wird tausendfach genutzt. FinanceScout24 zeigt Ihnen, in welchen Situationen ein Dispokredit sinnvoll ist und worauf Sie dabei achten müssen.

Der Dispositionskredit ist ein von der Bank für ein Konto eingeräumter Überziehungskredit. Er unterscheidet sich daher grundlegend vom ebenfalls verbreiteten Ratenkredit. So wird er beispielsweise nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgezahlt, sondern steht Ihnen als Bankkunden, wie der Name schon sagt, zur Disposition – er kann also jederzeit bei Bedarf abgerufen werden. Sie müssen zudem nicht die gesamte Ihnen eingeräumte Kreditsumme in Anspruch nehmen, außerdem gibt es keine festen Rückzahlungsmodalitäten, sodass es Ihnen überlassen bleibt, durch entsprechende Einzahlungen den Dispo auszugleichen.

Die Zinsen fallen beim Dispokredit vergleichsweise hoch aus. Der Grund hierfür ist recht einfach: Da Sie als Kunde den Kredit jederzeit in Anspruch nehmen können, ist die Bank unter Umständen gezwungen, kurzfristig am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen – und das natürlich zu höheren Zinsen als bei langfristigen Geldgeschäften. Diese erhöhten Kosten reicht die Bank in Form von höheren Soll-Zinsen an Sie weiter. Dafür werden die Dispozinsen taggenau berechnet, Sie zahlen also auch wirklich nur für den Zeitraum Zinsen, in dem Sie den Kredit in Anspruch genommen haben.

Übrigens: Man spricht in der Regel nur bei Privatkonten von einem Dispokredit, der eine Form des sogenannten Kontokorrentkredits ist. Bei Geschäftskonten werden beispielsweise Betriebsmittel- oder Saisonkredite gewährt, die allerdings sehr ähnlich wie der Dispositionskredit funktionieren.

VorteileNachteile
Hohe Flexibilität Allgemein hohe Zinssätze
Tilgung jederzeit und ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich Nur für kurzfristige Finanzengpässe geeignet (Kündigung durch Bank möglich)
Zinsen fallen nur für den Zeitraum an, in dem der Kredit auch tatsächlich in Anspruch genommen wurde Beschränkter Kreditrahmen, daher nicht für größere Anschaffungen geeignet
In der Regel keinerlei Sicherheiten erforderlich  

So richten Sie den Dispo ein

Gehen auf Ihrem Konto regelmäßig Zahlungen ein, müssen Sie Ihren Dispokredit häufig nicht einmal selbst einrichten. Die Bank wird Ihnen eine sogenannte „einseitige Willenserklärung“ zukommen lassen – meist per Post oder als zusätzlicher Ausdruck bei den Kontoauszügen – in der sie Ihnen einen gewissen Disporahmen einräumt. In der Regel liegt der Rahmen beim Doppelten oder Dreifachen des monatlich eingehenden Nettogehalts. Mit der Willenserklärung macht Ihnen die Bank rechtlich gesehen ein Kreditangebot, das Sie mit der ersten Inanspruchnahme des Dispos annehmen.

Sollte Ihnen die Bank von sich aus kein Angebot machen oder wollen Sie Ihren Dispo erhöhen, müssen Sie persönlich bei Ihrem Kreditinstitut vorstellig werden und die entsprechenden Modalitäten direkt aushandeln. Die Bank wird einer Erhöhung des Disporahmens allerdings nur zustimmen, wenn sie es aufgrund regelmäßiger Geldeingänge auf dem Girokonto mit Dispo als gesichert ansieht, dass Sie den Kredit innerhalb eines angemessenen Zeitraums – in der Regel einige Monate – zurückzahlen können. Wenn Sie eine Überziehung des Kontos vermeiden wollen, können Sie einen einmal gewährten Kreditrahmen auch wieder zurücksetzen lassen – Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass das Konto ausgeglichen ist.

Zinshöhe beim Dispositionskredit

Wie bereits erwähnt, liegen die Zinsen beim Dispokredit im Vergleich zu anderen Kreditformen sehr hoch. Trotz der derzeitigen Niedrigzinsphase lag der durchschnittliche Zinssatz beim Dispo Ende 2014 bei zehn Prozent – und damit fast fünf Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Zinssatz für Ratenkredite. Einige Banken verlangten sogar mehr als 13 Prozent Zinsen, besonders günstige Kreditinstitute räumten ihren Kunden den Dispo dagegen schon zu unter sieben Prozent Zinsen ein. Wie Sie sehen, ist die Spanne bei den Zinsen sehr hoch. Woran dies unter anderem liegt, erläutern wir Ihnen in unserem Artikel zu Dispozinsen.

Tipp:Sonderkündigungsrecht bei Zinserhöhungen

Grundsätzlich ist die Bank berechtigt, den Zinssatz eines laufenden Dispositionskredits anzupassen. Erhöht sie allerdings die Zinsen, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Sie können den Dispokredit innerhalb von sechs Wochen kündigen. Die Zinserhöhung tritt dann für Sie nicht in Kraft, sollten Sie den Disporahmen aber ganz oder in Teilen in Anspruch genommen haben, müssen Sie den Kredit mit der Kündigung ebenfalls vollständig zurückführen.

Dispositionskredit und geduldete Kontoüberziehungen

Generell können Sie den Dispokredit nur bis zu der Summe in Anspruch nehmen, die Ihnen die Bank eingeräumt hat. Sollten Sie den Kreditrahmen bereits fast ausgereizt haben, wird die Bank einer Abbuchung, die das Konto über den Kreditrahmen hinaus belastet, aber nicht unbedingt widersprechen. Wird auf diese Weise der Dispo überzogen, spricht man von einer geduldeten Kontoüberziehung.

Eine solche Kontoüberziehung unterscheidet sich durch zwei wesentliche Merkmale von einem Dispokredit: Zum einen ergibt sich durch die Duldung der Bank keinerlei Anspruch auf einen Dispositionskreditrahmen, zum anderen verlangen viele Banken für eine solche Überziehung deutlich höhere Zinsen als für einen Dispokredit. Oft liegen die Zinssätze hier drei bis fünf Prozentpunkte über dem Zinsniveau bei Dispositionskrediten. Ist für Sie absehbar, dass Sie Ihr Konto über den Dispokreditrahmen hinaus belasten müssen, sollten Sie unbedingt frühzeitig Ihre Bank darüber informieren. So bleibt Ihnen genug Zeit, sich nach Alternativen umzusehen, falls die Bank der Überziehung nicht zustimmen sollte.

Dispositionskredit und Alternativen

Grundsätzlich ist der Dispokredit wegen der hohen Zinsen nur sinnvoll, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Haben Sie also noch verfügbare Geldreserven, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto, sollten Sie zunächst auf diese zurückgreifen, bevor Sie Ihren Dispokredit in Anspruch nehmen.

Benötigen Sie über einen längeren Zeitraum eine größere Geldsumme, ist ein Ratenkredit die deutlich günstigere und damit empfehlenswertere Variante. Als echte Alternative zum Dispokredit kommen Rahmenkredite infrage. Hier können Sie, ähnlich wie beim Dispositionskredit, Kapital bis zu einer gewissen Summe abrufen, für das dann entsprechend Zinsen fällig werden. Anders als beim Dispokredit wird hier allerdings in der Regel eine geringe monatliche Rückzahlung festgelegt – meist ein oder zwei Prozent der Kreditsumme – ansonsten gestaltet sich die Rückzahlung allerdings ebenso flexibel wie beim Dispo. Der Zinssatz bei Rahmenkrediten ist variabel und orientiert sich an der Entwicklung der kurzfristigen Kapitalmarktzinsen, liegt insgesamt aber unterhalb des Zinsniveaus von Dispokrediten.

Tipp:Dispokredit durch andere Kredite ablösen

Zeichnet es sich ab, dass Sie den Dispositionskredit auch in mehreren Monaten nicht zurückzahlen können werden, sollten Sie über eine Umschuldung nachdenken. Mit einem Ratenkredit in entsprechender Höhe kommen zwar in der Regel über mehrere Jahre regelmäßige Zahlungen auf Sie zu, angesichts der hohen Zinsen beim Dispokredit ist das oft aber dennoch die günstigere Variante. Zudem verschaffen Sie sich durch den Ausgleich des Girokontos wieder Liquiditätsspielraum.

Kündigung des Dispokredits durch die Bank

Die Bank kann Ihnen grundsätzlich unter Einhaltung einer angemessenen Frist den Dispokredit kündigen – meist gelten 30 Tage als ausreichend. Zum Ablauf dieser Frist müssen Sie den Kredit dann vollständig zurückzahlen. Unter bestimmten Umständen ist die Bank auch zu einer fristlosen Kündigung berechtigt. Ein Beispiel für eine solche Situation wäre etwa eine wesentliche Verschlechterung der Vermögensverhältnisse beim Kreditnehmer, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit oder Privatinsolvenz.

Folgen einer Kontopfändung

Kommt es zu einer Kontopfändung, kann grundsätzlich auch der Dispokredit für die Pfändung herangezogen werden, allerdings nur die bis zur vereinbarten Dispokreditgrenze freien Geldmittel. Zudem muss der Bankkunde diese freien Geldmittel abrufen, damit die Pfändung greifen kann. Nicht in Anspruch genommene Beträge können auch nicht gepfändet werden.

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