Finetrading: Handelsgeschäft mit Finanzierungscharakter zur Liquiditätssteigerung

Zuletzt aktualisiert am 24.10.2018

Händler oder Hersteller haben meist das Problem, dass sie bei der Aufstockung ihres Lagers vor einer saisonalen Abverkaufsspitze nicht die nötige Liquidität besitzen. Zugleich reicht die Bonität für einen Kredit bei der Bank nicht aus. In diesem Fall kommt der Finetrader ins Spiel. Er übernimmt den Einkauf für seinen Kunden, bezahlt den Lieferanten unter Abzug von Skonto und „verkauft“ dem Händler anschließend die Ware mit einem moderaten Zahlungsziel.

Inhaltsverzeichnis

    Finetrading wird zwar als Alternative zu einer Finanzierung genutzt, ist aber in der Praxis ein ganz einfaches Geschäft zwischen drei Parteien – zwischen Finetrader, Lieferant und Abnehmer.

    Finance and Trading

    Finetrading setzt sich aus den englischen Begriffen finance (Finanzierung) und trading (Handel) zusammen. Auf Deutsch wird der Begriff häufig auch als „Wareneinkaufsfinanzierung“ übersetzt. Da das Wort jedoch eher sperrig ist, wird Finetrading häufiger verwendet.

    Finetrading in der Praxis

    Ein Unternehmen (Abnehmer) benötigt Ware zur Herstellung oder zum Verkauf. Hierfür steht aber aktuell nicht das nötige Kapital zur Verfügung. Deshalb wendet sich das Unternehmen an einen Finetrader. Dieser prüft zunächst die Bonität des Auftraggebers und kauft nach erfolgreicher Prüfung für ihn bei einem Lieferanten ein. Der Lieferant erhält den fälligen Betrag und liefert die Ware an das Unternehmen.

    Der Auftraggeber wiederum vereinbart mit dem Finetrader einen separaten Vertrag, in welchem die Zahlung der Lieferung zu einem bestimmten Datum vereinbart wird. Üblich ist beim Finetrading ein Zahlungsziel von 120 Tagen für den Abnehmer. Im Gegensatz zu einer Warenfinanzierung läuft Finetrading nicht über Banken, sondern über Unternehmen, die auf diese Form des Handels spezialisiert sind.

    Einsatzmöglichkeiten

    • Ein Unternehmen benötigt saisonbedingt mehr Ware und deshalb auch sofort mehr Kapital.
    • Ein Unternehmen möchte von besseren Einkaufskonditionen durch eine schnelle Zahlung profitieren.
    • Beim Kauf von Waren mit schwankenden Preisen wie Öl kann Finetrading genutzt werden, um bei Tiefpreisen zu kaufen.
    • Eine Firma möchte seine Liquidität trotz Wareneinkauf schonen.
    • Im Gegensatz zur herkömmlichen Rechnung sollten lange Zahlungsziele beim Finetrading mögliche Kreditlinien ergänzen.

    Grundsätzlich wird Finetrading für Ausgaben genutzt, die das Umlaufvermögen betreffen. Hierzu zählen Rohstoffe, Betriebsstoffe, Hilfsstoffe oder unfertige Ware.

    Nicht für alle Unternehmen geeignet

    Finetrading ist nicht für alle Unternehmensgrößen geeignet, da die Anbieter für die Wareneinkaufsfinanzierung in der Regel erst ab einem Volumen von 100.000 Euro aufwärts eintreten. Grundsätzlich müssen Unternehmen außerdem über eine entsprechende Bonität sowie ein gewisses Umsatzvolumen verfügen, um Finetrading nutzen zu können. Welche Konditionen vorliegen, hängt vom jeweiligen Dienstleister ab.

    Unterschiede zwischen Finetrading und Alternativen

    Allgemein unterscheidet sich Finetrading von herkömmlichen Finanzierungslösungen dadurch, dass keine Bank involviert ist oder involviert sein muss. Eine Bank ist auch nicht nötig, da es sich um ein klassisches Dreiecksgeschäft mit drei Parteien handelt.

    • Abgrenzung zu Factoring: Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen an ein anderes Unternehmen. Damit unterscheidet sich Factoring deutlich vom Finetrading, denn beim Finetrading werden keine Forderungen verkauft. Vielmehr agiert der Finetrader als eine Art Zwischenhändler.
    • Abgrenzung zu Reverse-Factoring: Beim Reverse-Factoring handelt es sich zwar auch um einen Handel zwischen drei Parteien. Allerdings werden dabei nicht Rechnungen, sondern Güter verkauft.
    • Abgrenzung zum Leasing: Während beim Leasing die Sache immer Eigentum des Gläubigers bleibt, geht beim Finetrading die Ware nach dem Kauf in das Eigentum des Auftraggebers über. Zugleich handelt es sich beim Leasing weniger um eine Finanzierung als um eine Art Miete.

    Alle Methoden dienen dazu, die Liquidität im Unternehmen zu stärken. Finetrading eignet sich überwiegend, wenn Unternehmen Güter kaufen, die zum Umlaufvermögen zählen. Factoring oder Reverse-Factoring wiederum hilft Unternehmen dabei, sich gegen Zahlungsausfall abzusichern. Leasing kann hingegen verwendet werden, um das Betriebsvermögen nicht zu erhöhen und um Maschinen oder Fahrzeuge zu nutzen, ohne dabei das Eigenkapital zu verwenden. 

    Der Finetrading-Prozess

    Finetrading-Prozess erklärt

    Kosten

    Für den Lieferanten entstehen durch Finetrading keine zusätzlichen Kosten. Der Finetrader selbst verdient daran, dass er Kapital für den Kauf von Gütern „vorstreckt“ und diese Güter anschließend an den Abnehmer weiterverkauft. Der Abnehmer selbst muss für die Dienstleistung Gebühren bezahlen. Deren Höhe hängt von seiner eigenen Bonität sowie dem Volumen des Auftrags ab. In der Regel verdienen Finetrading-Unternehmen schon dadurch, dass sie das Skonto für die schnelle Überweisung der offenen Rechnungen ziehen. Bei sechsstelligen Beträgen machen sich wenige Prozente deutlich bemerkbar.

    Rechtliche Aspekte

    Beim Finetrading entsteht eine rechtliche Dreiecksbeziehung. Der Finetrader schließt dabei zwei Kaufverträge ab. Ein Vertrag entsteht zwischen Finetrader und Lieferant, der andere zwischen Finetrader und Käufer. Käufer und Lieferant wiederum stehen in einer Beziehung aus Forderung und Lieferung zueinander.

    Somit ist der Lieferant zur Lieferung nach Zahlung durch den Finetrader verpflichtet. Ebenso ist der Käufer zur Zahlung an den Finetrader nach der Lieferung verpflichtet. Somit haftet der Lieferant dafür, dass er pünktlich liefert und der Käufer dafür, dass er pünktlich an den Finetrader zahlt.

    Rechtliche Aspekte

    Vor- und Nachteile gegenüber Krediten

    Vorteile Nachteile
    • Banken werden überflüssig
    • Finanzierung auch ohne bankenübliche Sicherheiten möglich
    • Flexibler als Kreditvergabe, da pro Einkauf frei verhandelbar
    • Keine Bonitätsprüfung der Lieferanten nötig
    • Professionelle IT-Struktur notwendig
    • Hohe Abhängigkeit vom späteren Umsatz
    • Meist teurer als ein langfristiger Kredit
    • Erst ab einem bestimmten Volumen möglich
    • Nicht für Kleinunternehmen gedacht
    • Durch einen Kreditvergleich oft günstigere Konditionen möglich

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