Hohe Renditen und hohe Zinsen: So klappt's

Zuletzt aktualisiert am 20.09.2017

Die derzeit niedrigen Zinsen sind vor allem für Häuslebauer und Kreditnehmer vorteilhaft. Für Sparer bedeutet die Niedrigzinsphase aber oft eine Rendite, die noch nicht einmal die Teuerungsrate der Inflation deckt. Wir zeigen Ihnen, wo dennoch hohe Renditen und hohe Zinsen winken können – und welche Risiken damit einhergehen.

Inhaltsverzeichnis

    Schauen Sie bei der Auswahl der passenden Geldanlage nicht nur auf die Rendite. Unser Überblick zeigt Ihnen einige verfügbare Produkte, aufsteigend nach dem Anlagerisiko.

    Passende Geldanlagen für hohe Zinsen

    Der Finanzmarkt bietet Anlegern ein breites Sortiment mit Produkten für die Geldanlage. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Risiko und Rendite deutlich voneinander.

    Tagesgeld

    • Vorteile: Niedrigeres Ausfallrisiko, hohe Liquidität.
    • Nachteile: Eher niedrige Zinsen.

    Beim Tagesgeld gehen Sie ein sehr niedriges Ausfallrisiko ein. Doch dafür erhalten Sie in der Regel nur Zinsen unter einem Prozent. Viele Banken verzinsen das Tagesgeld lediglich mit 0,25 bis 0,5 Prozent. Somit eignet sich das Tagesgeld üblicherweise nur, um die Rendite aus Kapitalanlagen kurzfristig verzinst zu „parken“.

    Wer mehr Zinsen erhalten möchte, kann Tagesgeld von ausländischen Banken mit Filialen in Deutschland und der EU nutzen. Diese Banken können durch andere Währungen als den Euro nochmals aktiver auf dem Kapitalmarkt agieren und deshalb höhere Zinserträge anbieten. Aber auch dort liegt der maximale Zinsertrag meist bei 1,5 Prozent. Wichtig ist, beim Tagesgeld im Ausland darauf zu achten, dass die Geldanlage durch die europäische Einlagensicherung gedeckelt ist.

    Ein großer Vorteil beim Tagesgeld besteht neben dem geringen Risiko in der hohen Liquidität. Sie können online sofort über das Geld verfügen und es für andere Produkte nutzen.

    Festgeld

    • Vorteile: Niedrigeres Ausfallrisiko, durchschnittliche Zinsen.
    • Nachteile: Geringe Liquidität.

    Festgeld funktioniert ähnlich wie Tagesgeld, bringt jedoch durch die festgeschriebene Anlagedauer mehr Zinsen. Hier sind bis zu 2,5 Prozent Zinsen möglich. Das geringe Anlagerisiko verbunden mit höheren Zinsen „bezahlen“ Sie dafür mit einer geringeren Liquidität.

    Ohne Zinsverluste können Sie das Festgeld nicht abziehen, einige Anbieter bieten aber eine vorzeitige Rückzahlung mit Abschlägen an.

    Immobilien Crowdfunding

    • Vorteile: Höhere Zinsen.
    • Nachteile: Ausfallrisiko (oft Nachrangdarlehen), geringe Liquidität.

    Der Immobilienmarkt boomt, seit die EZB die Niedrigzinsphase eingeläutet hat und aufrechterhält. Dadurch wird Immobilien Crowdfunding für Anleger zu einer interessanten Alternative zu herkömmlichen Geldanlage-Produkten.

    Allerdings sind die häufig ausgelobten hohen Renditen auch mit einem hohen Risiko verbunden. Denn ob die Immobilie langfristig tatsächlich die hohen Erträge abwirft, ist nicht zu 100 Prozent kalkulierbar. So spielen die Entwicklung des Standorts, der Mikroinfrastruktur, der Mieterschaft sowie die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Immobilienprojekten. Haben Sie zum Beispiel auf eine Immobilie gesetzt, die später einen hohen Leerstand aufweist, erleben Sie hohe Verluste.

    Zudem ist es schwer, das Geld aus Immobilienfonds wieder abzuziehen, wodurch Ihre Liquidität innerhalb dieser Zeit eingeschränkt ist. Einige Plattformen bieten aber die Möglichkeit, eigene Anteile an andere Anleger innerhalb der Plattform zu verkaufen.

    Aktien

    • Vorteile: Höhere Zinsen möglich, hohe Liquidität.
    • Nachteile: Höheres Anlagerisiko.

    Aktien bieten heute die beste Möglichkeit, um hohe Renditen einzufahren. Aber Achtung: Zugleich steigt auch hier das Risiko mit höherer Rendite.

    Deshalb setzen Kapitalanleger häufig auf sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Dabei handelt es sich um Aktienfonds, die einen Index an der Börse nachzeichnen. Entwickelt sich ein Aktienindex sehr positiv, lassen sich auch mit ETFs vergleichbar schnell hohe Renditen erzielen. Zugleich ist das Risiko bei einer Bindung an einen Index deutlich niedriger als bei der Konzentration auf einzelne Wertpapiere.

    Der Vorteil von Indexfonds besteht außerdem darin, dass die Liquidität hoch bleibt und Sie Ihre Anteile jederzeit verkaufen können. Allerdings sind bei Aktiengeschäften immer auch die Gebühren im Blick zu behalten, welche die Rendite reduzieren.

    Hohe Rendite = hohes Risiko?

    Wer eine hohe Rendite bei seiner Geldanlage anstrebt, muss automatisch mit einem höheren Risiko rechnen. Ob die Rendite tatsächlich erzielt wird, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, die Sie als Privatanleger nicht voraussehen können. Letztlich gibt es keine Geldanlagen mit hohen Renditen und keinem oder wenig Risiko.

    Vor- und Nachteile von Geldanlagen mit höheren Renditen

    Vorteile Nachteile
    • Höhere Kapitalerträge
    • Meist schnelleres Vermögenswachstum
    • Mit geringem Kapital hohe Rendite möglich
    • Hohes Verlustrisiko, häufig auch Risiko von Totalverlust
    • Erhöhter Stress für Anleger
    • Häufig unkalkulierbare Risiken

     

    Gebühren: Oft unterschätzter Kostenfaktor

    Gerade bei Fonds oder Aktien unterschlagen Anleger vielfach die Kosten für die Fonds- oder Depotverwaltung. So sind zwar etliche Online-Depots kostenlos; werden jedoch viele Transaktionen getätigt, entfallen Gebühren darauf. Vor der Eröffnung eines Depots sollten Sie deshalb die Kosten genau vergleichen.

    Beispielrechnung

    Sie haben einen vermeintlich sehr performanten Aktienfonds entdeckt, der eine Rendite von acht Prozent verspricht. Allerdings verlangt der aktiv gemanagte Fonds eine Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent pro Jahr und erhebt darüber hinaus eine Performance Fee für erfolgreiche Gewinne. Zusätzlich müssen Sie für das Führen des Depots bei einer Depotbank Gebühren bezahlen. Kommt dann noch der Ausgabeaufschlag hinzu, werden aus ursprünglich erwarteten acht Prozent Rendite „nur“ noch 4,5 Prozent.

    Häufige Fehler bei der Geldanlage

    • Inflation nicht berücksichtigt
      Durch die Inflation wird die gesamte Geldmenge regelmäßig zu einem gewissen Prozentsatz weniger wert. In diesem Maße sinkt auch der Wert Ihrer Rendite.
    • Zu geringe Streuung
      Unerfahrene Anleger setzen häufig auf eine erfolgsversprechende Geldanlage. Gerät der gewählte Fonds oder die Aktie jedoch in Schieflage, ist das gesamte Anlageziel in Gefahr. Besser ist eine risiko- und anlagezielabhängige Verteilung mehrerer Produkte auf verschiedene Anlageklassen.
    • Nur Rendite im Blick
      Wer nur auf die Rendite blickt, ist naiv. Denn letztlich muss auch das erforderliche Risiko berücksichtigt werden, das für das angestrebte Anlageziel eingegangen werden muss.
    • Mangelnde Flexibilität
      Die Zeiten, in welchen eine Geldanlage dauerhaft eine attraktive Rendite abgeworfen hat, sind vorbei. Deshalb sollten Sie als Anleger nicht den Fehler machen und starr auf einmal gewählten Anlageprodukten beharren.

    Warum niedrige Renditen nicht unbedingt negativ sein müssen

    Auf der Suche nach einer lukrativen Geldanlage schauen viele Anleger zunächst auf die Rendite. Schnell werden dann Anlagemöglichkeiten verworfen, weil die Rendite auf den ersten Blick nicht attraktiv genug für das eigene Portfolio ist.

    Doch tatsächlich muss eine niedrige Rendite nicht zwangsläufig schlecht sein, wenn sie konstant abgeschöpft werden kann.

    So mag eine Rendite von zehn Prozent bei risikoreichen Geldanlagen erst einmal interessant klingen. Doch kann der Fonds oder das Wertpapier diese Rendite dauerhaft garantieren?

    Wer bei der Wahl seiner Geldanlage sicherheitsorientiert und langfristig denkt, sollte niedrigere Renditen eher in Kauf nehmen, wenn deren konstante Höhe über einen längeren Zeitraum wahrscheinlicher ist. So können Sie zum Beispiel wie bei einem Sparbuch vom Zinseszins-Effekt profitieren.

    Beispielrechnung

    Sie legen 10.000 Euro in einen Aktienfonds an, der mit einer Rendite von sechs Prozent lockt. Das wären immerhin 600 Euro Gewinn im ersten Jahr. Davon müssen Sie jedoch noch Depotgebühren und Verwaltungsgebühren für den Fonds abziehen. Vielleicht sind im zweiten Jahr aufgrund einer negativen Entwicklung nur noch zwei Prozent möglich, im dritten drei und im vierten wird die Rendite ganz zurückgefahren? Durchschnittlich hätte der Fonds in vier Jahren dann eine Rendite von 2,75 Prozent abgeworfen. Mit einem attraktiven Festgeldkonto hätten Sie in der gleichen Zeit garantierte 2,5 Prozent Zinsen erhalten, mit einem sehr geringen Risiko. Zugleich müssten Sie für das Festgeld keine Gebühren bezahlen, wodurch sich die Rendite ausgleicht.

    Rendite nicht die ausschlaggebende Kennzahl

    Grundsätzlich gilt für Geldanlagen, dass Sie sich mit steigendem Risiko auch besser in der Finanzwelt auskennen sollten. So können Sie größere Anlagefehler vermeiden. Wer zum Beispiel auf eine gut verzinste Festgeldanlage setzt, kann sichergehen, dass während der Laufzeit keine Schwankungen bei der Verzinsung auftreten.

    Enthält Ihr Anlageportfolio jedoch viele Aktien, sind zwar die Renditechancen hoch, doch die Verlustchance steigt gleichermaßen mit. Anfänger sind schon bei leichten Verlusten häufig geneigt, gleich zu verkaufen, doch kann sich gerade am Aktienmarkt ein langer Atem auszahlen.

    Wer Fehler vermeiden möchte, sollte behutsam vorgehen und sich ausführlich informieren. Hierzu zählt das Sammeln von Informationen über die Fonds und Unternehmen sowie deren Entwicklung. Gleiches gilt für Finanzprodukte, die Ihnen von Beratern oder Banken angeboten werden. Nutzen Sie Beratungsmöglichkeiten durch Banken und informieren Sie sich mit seriösen Quellen im Internet. Je mehr Sie über Anlageprodukte, deren Gefahren und Chancen wissen, desto geringer ist die Chance, dass Sie grobe Fehler machen und viel Geld verlieren.

    Alle 2 Wochen Spartipps und News:

    Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!