Lohnquote: Anteil der Arbeitnehmer am gesamten Einkommen eines Landes

Zuletzt aktualisiert am 20.12.2017

Ob es in einem Land hinsichtlich der Löhne und Bezahlung gerecht zugeht, ist eine wichtige Frage, die über den gesellschaftlichen Frieden entscheiden kann. Um zu ermitteln, ob das Einkommen innerhalb eines Staates wirklich gerecht verteilt ist, kann die Lohnquote genutzt werden. Denn mit Hilfe der Lohnquote wird angegeben, wie groß der Anteil der Einkommen der Arbeitnehmer am gesamten Einkommen der ganzen Bevölkerung ist

Inhaltsverzeichnis

    Mit Hilfe der Lohnquote wird angegeben, wie groß der Anteil der Einkommen der Arbeitnehmer am gesamten Einkommen der ganzen Bevölkerung ist. In Deutschland wird die Lohnquote von der Bundesbank auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts ermittelt.

    Ermittlung und Einsatzbereiche

    In der Lohnquote (LQ) finden alle Einkommen aus einer Anstellung in einem Land Berücksichtigung. Sie werden durch das gesamte Volkseinkommen dividiert.

    Für die Berechnung werden weder die Einkünfte Selbständiger noch die Gewinne aus Kapitaleinkünften, Vermietungen oder anderen Quellen einbezogen. In diesem Fall wird auch von „gesamtwirtschaftlicher Lohnquote“ gesprochen.

    In der Praxis wird diese Kennzahl jedoch nur in begrenztem Maße genutzt, da sie keinen direkten Einblick in die strukturelle Einkommensverteilung geben kann. Denn die gesamtwirtschaftliche Lohnquote wird stark von Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur beeinflusst.

    Gibt es in einem Jahr zum Beispiel deutlich mehr Selbständige, kann die Lohnquote auf den ersten Blick eine gerechte Einkommensverteilung zeigen, obwohl tatsächlich viele Selbständige deutlich weniger verdienen als ein Großteil der Angestellten.

    Zugleich berücksichtigt die gesamtwirtschaftliche Lohnquote nicht, dass es auch Mischformen gibt. So können Verbraucher zum Beispiel Einkünfte aus einer Anstellung haben und gleichzeitig Einkünfte aus Kapitalerträgen – zum Beispiel einem Depot – oder einer Vermietung. Diese Tatsache bildet die einfache Lohnquote nicht ab. Somit ist diese Form nur begrenzt aussagekräftig. Publiziert wird die gesamtwirtschaftliche Lohnquote einmal im Monat von der Deutschen Bundesbank.

    Weitere Formen

    Die Lohnquote kann als Bruttolohn- oder Nettolohnquote bestimmt werden. Wird die Bruttolohnquote angegeben, handelt es sich um Einkommen vor Steuern und Sozialabgaben. Bei der Nettolohnquote werden Löhne nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben für die Berechnung angesetzt.

    Zugleich kann sich die Lohnquote nicht nur auf das Volkseinkommen, sondern auch auf das Bruttosozialprodukt beziehen. Über die bereinigte Lohnquote kann die funktionale Einkommensverteilung auf Lohn, Profit oder Zins bezogen werden. Gleichfalls ist eine Differenzierung der Verteilung der Faktoren wie Kapital, Boden oder Arbeit möglich.

    Bereinigte Lohnquote

    Im Gegensatz zur gesamtwirtschaftlichen Lohnquote wird bei der bereinigten Lohnquote (bLQ) auf Veränderungen in der Struktur der Erwerbstätigen geachtet. Um diese Bereinigung zu erzielen, erfolgt eine Standardisierung der Angestellten auf ein Basisjahr. Das Basisjahr kann frei gewählt werden. Es sollte das Jahr sein, in welchem die Struktur der Erwerbstätigen möglichst gleichbleiben soll. 

    Auch bei der bereinigten Lohnquote wird das Arbeitnehmereinkommen durch das Volkseinkommen im Berichtsjahr geteilt. Während das Arbeitnehmereinkommen noch mit dem Verhältnis aus der Anzahl der Arbeitnehmer im Basisjahr zur Anzahl der Arbeitsnehmer im Berichtsjahr multipliziert wird, wird das Volkseinkommen im Berichtsjahr mit dem Verhältnis aus Anzahl der Erwerbstätigen im Basisjahr zur Anzahl der Erwerbstätigen im Berichtsjahr multipliziert.

    Durch die Bereinigung wird zwar erreicht, dass die Selbständigen mit in die Lohnquote einfließen. Allerdings sorgt der Bezug zu einem Basisjahr dafür, dass das Verhältnis von Lohn und Gewinn zum Volkseinkommen nicht in einem aktuellen Jahr, sondern immer nur rückwirkend bestimmt werden kann. Zugleich kann damit primär die Veränderung bei der Verteilung von Lohn- oder Gewinneinkommen und nicht von Einkommen allgemein und Volkseinkommen dargestellt werden.

    Verwendung der Lohnquote

    Die Lohnquote wird vom Staat ermittelt, um die sogenannte „funktionelle Einkommensverteilung“ zu ermitteln. Damit ist es zum Beispiel möglich zu prüfen, in welchem Maße Löhne, Einkünfte durch Gewinne oder Renten eine Rolle innerhalb der Gesellschaft spielen und welchen Anteil an allen erzielten Einkünften diese Einkünfte haben.

    Auf Basis dieser Daten können Regierungen Maßnahmen ableiten, um die Einkommensverteilung zu steuern. Möglich sind zum Beispiel Steuervergünstigungen für Geringverdiener oder Steuererhöhungen auf Kapitalerträge. Denkbar sind ebenfalls unterstützende Gelder wie höheres Kindergeld oder eine höhere Unterstützung für Langzeitarbeitslose.

    In diesem Sinne kann die Lohnquote auch direkten Einfluss auf ihr Leben haben, wenn zum Beispiel der Staat auf eine ungleiche Verteilung von Einkommen reagiert. Am deutlichsten werden die staatlichen Eingriffe meist in der Steuerpolitik sowie in der Erhöhung oder Senkung von Transferleistungen und Sozialleistungen.

    Formel und Berechnung

    Je nach verwendeter Lohnquote ist die Berechnung anders.

    Gesamtwirtschaftliche Lohnquote

    Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote wird über eine Division aus Arbeitnehmerentgelt und Volkseinkommen berechnet. Die Arbeitnehmerentgelte umfassen dabei alle Einkünfte aus sozialversicherungspflichtiger Arbeit ohne Gewinne und Einkünfte von Selbständigen. Die Formel zu dieser Berechnung lautet:

    LQ = L ÷ Y = Arbeitnehmerentgelt ÷ Volkseinkommen

    Häufig wird die Lohnquote als Verhältniszahl angegeben. Multipliziert um den Faktor 100 ergibt sich daraus eine Prozentzahl.

    Bereinigte Lohnquote

    Die Berechnung der bereinigten Lohnquote (bLQ) ist etwas komplexer. Denn hier werden zusätzlich die Verhältnisse aus Arbeitnehmerzahlen und Angestelltenzahlen in Bezug auf ein Basisjahr sowie ein Berichtsjahr einbezogen.

    Bedeutung, Grenzen und Entwicklung der Lohnquote

    Die Lohnquote kann Aufschluss über eine mögliche Einkommensverteilung innerhalb eines Staates, einer Staatengemeinschaft oder einer Region geben. Je höher die Zahl ist, desto gleichwertiger sind demnach die Einkommen in einem Land im Verhältnis zum Gesamteinkommen verteilt.

    Allerdings muss eine niedrige Lohnquote nicht zwangsläufig eine ungerechte Einkommensverteilung bedeuten. Denn gerade bei der gesamtwirtschaftlichen Lohnquote spielen Gewinne aus anderen Einkommen oder Vermögen keine Rolle. So kann ein Arbeitnehmer zum Beispiel nur ein geringes Einkommen haben, aber eine Immobilie besitzen.

    Demnach sagt die Lohnquote zwar einerseits etwas über die Verteilung von Einkommen aus, doch nicht über die Verteilung von Reichtum.

    Entwicklung in Deutschland

    In Deutschland ist die Lohnquote ursprünglich nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich gestiegen. Diese Daten wiesen darauf hin, dass die Zahl der Beschäftigten hierzulande sich immer weiter erhöht hat.

    Mit der Wiedervereinigung erhielt die Lohnquote jedoch einen Dämpfer, um danach erneut anzusteigen. Im Zuge der Finanzkrise haben viele Menschen Verluste erlitten und die Arbeitslosigkeit war in Deutschland so hoch wie noch nie. Diese Tatsache hat sich auch bei der Lohnquote bemerkbar gemacht, die unter 65 Prozent gefallen war, nachdem sie um die Jahrtausendwende deutlich über 70 Prozent gelegen hatte.

    Seit 2011 ist wieder ein Anstieg zu spüren, jedoch pendelt sich die Lohnquote aktuell bei etwa 66 Prozent ein. Wenn sich die Konjunktur entsprechend der aktuellen Zahlen weiterentwickelt und die Beschäftigungszahlen weiter steigen, ist in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Lohnquote zu rechnen.

    Allerdings sind in den letzten Jahren die Gehälter von Anstellungen nicht in gleichem Maße gewachsen wie die Zahl der Jobs. So kommt es zum Phänomen, dass die Lohnquote auch in diesem Fall die Einkommensverteilung nicht exakt wiedergibt.

    Unterscheidung Gewinnquote und Lohnquote

    Die Lohnquote berücksichtigt in ihrer einfachen Form die sogenannte „Gewinnquote“ nicht. Dabei werden Gewinne aus unternehmerischer und selbständiger Tätigkeit erfasst. Auf diese Weise werden die gesamten „Arbeitseinkommen“ zu niedrig und die Gewinneinkommen in der Berechnung zu hoch. Um diesem Problem zu begegnen, wird die Arbeitseinkommensquote häufig herangezogen. Allerdings muss hier bei Selbständigen zwischen Arbeitseinkommen und Gewinn aus selbständiger Tätigkeit differenziert werden. Diese Unterscheidung ist oftmals nicht eindeutig und kann wiederum zu wenig aussagekräftigen Daten führen.

    Alle 2 Wochen Spartipps und News:

    Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!