Gemeinsames Wohnen im Mehrgenerationenhaus

Zuletzt aktualisiert am 16.03.2017

Ein Mehrgenerationenhaus ist ein Gebäude, in welchem gemäß der Bezeichnung mehrere Generationen miteinander unter einem Dach leben. Es handelt sich hierbei um eine Art Wohn- oder Hausgemeinschaft auf freiwilliger Basis.

Inhaltsverzeichnis

    Der generationenübergreifende Ansatz soll es möglich machen, dass zum Beispiel jüngere Menschen älteren Menschen helfen. Zugleich können aber jüngere Menschen von der Erfahrung der älteren Mitbewohner profitieren. Alle Bewohner eines Mehrgenerationenhauses helfen somit einander, unabhängig von ihrem Alter und ihrer Herkunft. Im Mehrgenerationenhaus müssen nicht immer nur Familienangehörige miteinander leben.

    Mehrgenerationenhaus als Haus der Begegnung

    Neben der herkömmlichen Definition von Mehrgenerationenhäusern gibt es noch einen weiteren Ansatz. Bei dieser auch staatlich unterstützten Form des Mehrgenerationenhauses handelt es sich vielmehr um eine Begegnungsstätte beziehungsweise ein Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Generationen, unabhängig von sozialem Status oder Herkunft. Diese Treffpunkte werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. Am Ende dieses Artikels finden Sie mehr über das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus.

    So funktioniert ein Mehrgenerationenhaus als Wohngemeinschaft

    Wenn mehrere Generationen miteinander unter einem Dach leben, werden hierfür in der Regel große Wohnungen oder großzügig gestaltete Häuser genutzt. Jeder Bewohner beziehungsweise jede Familie und jedes Paar hat eigene Räumlichkeiten für die persönliche Nutzung. Andere Räume wie Küchen, Wohnzimmer, Hobbyräume oder Ateliers werden gemeinsam nach vereinbarten Regeln genutzt.

    In Deutschland gibt es bereits viele Bauprojekte, die von Grund auf als Mehrgenerationshaus geplant wurden. In der Planungsphase finden Interessenten zusammen und errichten gemeinsam ein Haus, das ihren Wünschen nach einem erfüllenden generationenübergreifenden Zusammenleben entspricht. Derartige Häuser können von öffentlichen oder privaten Bauträgern realisiert werden.

    Projekte im Internet finden

    Im Internet gibt es viele verschiedene Anlaufstellen, um offene Projekte für Mehrgenerationenhäuser zum gemeinschaftlichen Wohnen zu finden. Auf der Website des Vereins FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V. finden sich zum Beispiel aktuelle, geplante Wohnprojekte, die noch Mitbewohner suchen.

    Viele Lebensformen in einem Haus möglich

    In einem Mehrgenerationenhaus können Menschen unterschiedlichen Alters zusammenleben, ohne dass sie verwandt sind. Darüber hinaus können sich auch Wohngemeinschaften generationenübergreifend organisieren, die einer bestimmten Religionsgemeinschaft angehören oder eine bestimmte Lebensphilosophie teilen. Ebenso ist es möglich, ein Mehrgenerationenhaus innerhalb der Familie zu konzipieren oder eine solche Hausgemeinschaft nur für Frauen zu verwirklichen. Vorrangiges Ziel des Zusammenlebens ist es, dass jede Generation von der anderen profitieren kann.

    Wer sich für das Leben in einem Mehrgenerationenhaus entscheidet, kann sich öffentlichen Projekten anschließen oder selbst eine solche Hausgemeinschaft ins Leben rufen. Da der Begriff „Mehrgenerationenhaus“ nicht geschützt ist, gibt es keine speziellen Vorschriften zur Vorgehensweise, wie ein solches Haus geführt oder geplant wird.

    Alternative Wohnprojekte für das gemeinsame Zusammenleben

    Mehrgenerationenhäuser sind nur eine Spielart der alternativen Wohnprojekte. Ökologisch engagierte Bürger schließen sich zum Beispiel häufig zu sogenannten „Ökosiedlungen“ zusammen, innerhalb derer sich die Bewohner zu einem besonders ökologischen Lebensstil verpflichten.

    In ländlichen Regionen gibt es Landkommunen. Hierfür werden meist alte Bauernhöfe für ein gemeinsames Leben unterschiedlicher Familien umfunktioniert. In Israel wird zum Beispiel mit dem Kibbuz seit vielen Jahren ein gemeinschaftliches Leben realisiert. Ähnliche Projekte gibt es auch hierzulande.

    Verbreitung von Mehrgenerationenhäusern in Deutschland

    Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Menschen in einem Mehrgenerationenhaus leben und wie viele dieser Häuser es tatsächlich gibt. Doch grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass jede größere Gemeinde über derartige Häuser verfügt. Durch eine zunehmend modernere Lebensweise ist das generationenverbindende Wohnen nicht mehr aktuell. Doch gerade in ländlicheren Gegenden leben häufig die Großeltern, die Eltern und die Kinder unter einem Dach, und das schon seit vielen Generationen.

    Bei unseren Nachbarn in der Schweiz ist das Leben im Mehrgenerationenhaus noch verbreiteter. Dort gibt es bereits das Netzwerk „Intergeneration“, in welchem sich Interessenten ausführlich über die Möglichkeit von Mehrgenerationenhäusern informieren und sich Projekten anschließen können.

    Welche Vorteile bringt ein Mehrgenerationenhaus?

    Wenn mehrere Generationen unter einem Dach zusammenleben, kann jeder Mitbewohner davon profitieren. Mögliche Vorteile sind:

    • Jüngere Bewohner können älteren Menschen beim Einkaufen oder im Haushalt helfen.
    • Ältere Mitbewohner können Eltern bei der Kinderbetreuung unterstützten.
    • Selten ist jemand allein.
    • Die meisten Mehrgenerationenhäuser sind gut ausgestattet.
    • Es gibt verschiedene mögliche Ansprechpartner bei Problemen.

    Konfliktpotentiale beim Zusammenleben

    Wenn mehrere Menschen unter einem Dach zusammenleben, steigt damit auch die Gefahr von Konflikten. In einem Generationenhaus können Streitigkeiten zum Beispiel dadurch entstehen, dass Mitbewohner über zu wenig Privatsphäre klagen, weil sie zu wenige Rückzugsmöglichkeiten haben. Darüber hinaus können auch unerfüllte Erwartungen zu Auseinandersetzungen der Bewohner untereinander führen. Letztlich sind auch finanzielle Aspekte häufig ein Auslöser für Unstimmigkeiten.

    Der große Vorteil des Mehrgenerationenhauses kann letztlich auch zum großen Nachteil werden. Denn je größer der Altersunterschied zwischen einzelnen Menschen ist, desto größer können auch die unterschiedlichen Ansichten, Meinungen oder Vorstellungen sein. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle Bewohner vor dem Einziehen und in regelmäßigen Abständen während des Zusammenlebens immer wieder auf zentrale Regeln und Absprachen einigen.

    Das sollten Sie mitbringen, wenn Sie in einem Mehrgenerationenhaus leben wollen

    Wer mit mehreren Menschen aus unterschiedlichen Generationen zusammenlebt, sollte ein Interesse an Konfliktlösungen haben und konstruktiver Kritik offen gegenüberstehen. Darüber hinaus ist in der Gemeinschaft auch immer ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft gefragt. Nur so kann der Grundgedanke der gegenseitigen Unterstützung und der heterogenen Lebens- und Hausgemeinschaft funktionieren.

    Wenn Sie vor der Überlegung stehen, in ein Mehrgenerationenhaus zu ziehen, sollten Sie sich an Ihre Zeit zuhause erinnern: Welche Konflikte gab es dort mit Ihren Eltern, welche mit Ihren Großeltern? Wenn Sie bereit sind, ähnliche schöne und kritische Momente mit anderen zu erleben, steigt auch die Chance, dass Sie für das Zusammenleben im Mehrgenerationenhaus geeignet sind.

    Fördermöglichkeiten nutzen

    Wenn Sie ein Mehrgenerationenhaus bauen und etwa über eine Baufinanzierung finanzieren möchten, können Sie in besonderem Maße von Fördermöglichkeiten profitieren. So unterstützt die KfW den Bau von barrierefreiem Wohnraum. Ebenso fördern Kirchen häufig die Realisierung von familiengerechten Wohnhäusern. Es lohnt sich auch, in Gemeinden nach Fördermöglichkeiten beim Bebauen von bestimmten Landflächen zu fragen.

    Steuern sparen mit dem Mehrgenerationenhaus

    Wer ein Mehrgenerationenhaus nutzt und plant, kann von Steuereinsparungen profitieren. Zum Tragen kommt hier das sogenannten „Vermietungsmodell“. Dabei kaufen die Eltern die Immobilie und vermieten einen Teil des Objekts an die Großeltern. Als Vermieter haben die Eltern dann die Möglichkeit, verschiedene Kosten steuerlich geltend zu machen, die in Verbindung zu Kauf und Instandhaltung der Immobilie stehen.

    Die Posten werden im Rahmen der Einkommensteuererklärung als „Werbekosten“ abgesetzt. Hierzu zählen:

    • Kreditzinsen für die Finanzierung des vermieteten Wohnraums für die Großeltern
    • Betriebskosten für die vermietete Wohneinheit
    • Renovierungskosten sowie Kosten für Reparaturen in der Mietwohnung
    • Steuerberaterhonorar

    Daneben können bis zu 2,5 Prozent der Anschaffungskosten für den an die Großeltern „vermieteten“ Teil der Immobilie steuerlich abgeschrieben werden.

    Wird das Vermietungsmodell genutzt, müssen die Eltern auch die Mieteinnahmen versteuern. Allerdings ist es möglich, dass die Werbungskosten höher sind als die tatsächlichen Einnahmen durch die Miete, sodass die Verluste direkt vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden können. Auf diese Weise besteht eine erneute Möglichkeit, um Steuern zu sparen.

    Empfohlene Miethöhe beachten

    Damit das Finanzamt das Vermietungsmodell auch akzeptiert, darf die Miete nicht so niedrig angesetzt werden, dass von einem bewusst verursachten Verlust auszugehen ist. Empfohlen wird, knapp 70 Prozent der ortsüblichen Miete zu verlangen. Eine weitere Voraussetzung für das Mietmodell ist ein ordentlicher Mietvertrag, der zwischen Eltern und Großeltern abgeschlossen wird. Ebenso sollte die Miete überwiesen werden, damit der Eingang für das Finanzamt nachvollziehbar bleibt.

    Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus (als Tagestreffpunkt)

    Das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus läuft mittlerweile in der zweiten Version. Es wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiiert. Das Programm hat zum Ziel, dass zentrale und für alle offene Orte geschaffen werden, an welchen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen begegnen können. Die öffentlichen Räume sollen Platz für gemeinsame Aktivitäten bieten und das gesellschaftliche Miteinander fördern.

    Fast jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt mit eigenem Mehrgenerationenhaus

    Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhaus II wurde 2012 gestartet. Mittlerweile gibt es mehr als 450 Mehrgenerationenhäuser in ganz Deutschland, die an diesem Programm teilnehmen. Die Basis des Programms bilden vier große Themenbereiche:

    1. Alter und Pflege
    2. Integration und Bildung
    3. Angebot und Vermittlung von haushaltsnahen Dienstleistungen
    4. Freiwilliges Engagement

    In den Mehrgenerationenhäusern erhalten zum Beispiel ältere Menschen Hilfe bei der Verrichtung täglicher Arbeiten durch jüngere Menschen, die sich dort freiwillig engagieren. Ebenso gibt es in vielen Häusern spezielle Angebote für Migranten oder auch Jugendliche. Ziel ist dabei zum einen, dass die Besucher der Häuser sich selbst engagieren und dadurch ihr Selbstbewusstsein gestärkt wird. Zum anderen soll das Miteinander den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Zusammenleben der Generationen verbessern.

    Die Angebote der Generationenhäuser werden jeweils an die regionalen Besonderheiten der Kommune oder des Stadtteils angepasst, in der die Häuser unterhalten werden.

    Was gibt es für finanzielle Förderungen im Rahmen des Bundesprogramms?

    Zwischen 2012 und 2014 wurden alle bestehenden 450 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland jährlich mit je 40.000 Euro bezuschusst. Das Bundesfamilienministerium übernahm dabei 30.000 Euro und die jeweilige Kommune 10.000 Euro. Im Haushalt 2015 stellte der Staat nochmals 16 Millionen Euro für die Förderung der Mehrgenerationenhäuser bereit.

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