Partiarisches Darlehen: Was ist das?

Zuletzt aktualisiert am 29.11.2017

Bei einem partiarische Darlehen handelt es sich um eine Form des Mezzaninekapitals. Juristische oder natürliche Personen leihen hier bei Unternehmen Geld. Im Gegenzug erhalten sie keine Zinsen, sondern eine Gewinn- oder Umsatzbeteiligung. Deshalb wird diese Darlehensform auch Beteiligungsdarlehen genannt.

Inhaltsverzeichnis

    Um in neue Maschinen, Mitarbeiter oder Produkte zu investieren, benötigen Unternehmen Kapital. Dabei stehen ihnen verschiedene Möglichkeiten offen. Eine in Deutschland noch relativ selten genutzte Variante ist das partiarische Darlehen. Im Gegensatz zu anderen Darlehensformen erhalten die Gläubiger beim partiarischen Darlehen keine Zinsen. Vielmehr hängt die Verzinsung von der Höhe des Gewinns oder des Umsatzes ab.

    Unterschiede zu anderen Darlehensformen

    • Darlehensgeber besitzen kein Mitspracherecht: Damit unterscheidet sich dieses Darlehen zum Beispiel von Aktien oder einer klassischen Beteiligungsfinanzierung.
    • Die Gläubiger sind nicht am Verlust beteiligt: Hier besteht ebenfalls ein Unterschied zur stillen Gesellschaft. Dort treten die Gesellschafter zwar nicht direkt in Erscheinung, sie tragen jedoch die Verluste wie alle Gesellschafter mit.
    • Die Darlehensgeber tragen kein unternehmerisches Risiko: Bei einem partiarischen Darlehen erhalten die Gläubiger lediglich Einnahmen aus den Gewinnen oder Umsätzen.
    • Gläubiger verfolgen keinen gemeinsamen Zweck mit dem Unternehmen: Die Darlehensgeber sind lediglich an ihrer Gewinnbeteiligung interessiert. Darüber hinaus bezwecken sie zum Beispiel nicht, mehr Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen zu erhalten wie bei einem Aktienkauf.
    • Die Verzinsung hängt vom Umsatz oder Gewinn ab: Im Unterschied zu einem herkömmlichen Darlehen, bei dem die Verzinsung von der Darlehenssumme und von der Bonität abhängt, bilden bei diesem Darlehen allein die Umsatz- oder Gewinnzahlen die Basis für die Zinszahlungen.

    Partiarisch

    Partiarisch ist ein Adjektiv, das vor allem im Wirtschaftsbereich genutzt wird. Es bedeutet so viel wie „anteilsmäßig am Gewinn beteiligt“ oder „mit Gewinnbeteiligung“. Ein partiarisches Darlehen können auch als „Darlehen mit Gewinnbeteiligung“ bezeichnet werden.

    Anwendungsbereiche des partiarischen Darlehens

    Da partiarische Darlehen in der Regel nicht über Banken vereinbart werden, sind sie besonders für Unternehmen geeignet, deren Bonität für einen Bankkredit nicht ausreicht. Darüber hinaus haben Unternehmer die Möglichkeit, eine bessere Verzinsung zu erhalten als bei einem herkömmlichen Darlehen. Gerade für mittelständische Unternehmen, die nicht über Anleihen, Pfandbriefe oder Aktien an frisches Kapital kommen können, ist ein Beteiligungsdarlehen interessant.

    Allerdings darf diese einfache Form der Kapitalbeschaffung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die jeweilige Personen- oder Kapitalgesellschaft einen bestimmten Gewinn vorweisen muss. Nur so können die Kapitalgeber einigermaßen sichergehen, dass ihr Darlehen überhaupt verzinst zurückgezahlt werden kann. Je höher der Gewinn oder Umsatz eines Unternehmens ausfällt, desto attraktiver wird das Darlehen für die Darlehensgeber. Denn die Verzinsung steigt mit der Höhe des Umsatzes oder Gewinns.

    So entscheiden Unternehmen, ob sich das partiarische Darlehen lohnt

    Unternehmen müssen im Vorfeld prüfen, welche Formen der Fremdfinanzierung in Frage kommen. Dann werden die Bedingungen der jeweiligen Finanzierungsform miteinander verglichen.

    Ein partiarisches Darlehen kann sich lohnen, wenn in Aussicht steht, dass das Unternehmen mit einer Erweiterung oder einem neuen Produkt auch tatsächlich Gewinn oder Umsatz erwirtschaftet. Da die partiarischen Darlehen meist als endfällige Darlehen angelegt sind, muss das geliehene Kapital zum Ablauf der Laufzeit auch zurückgezahlt werden.

    Informationen für Anleger

    Das partiarische Darlehen kann für Anleger sehr interessant sein, weil sie dort häufig mit einer höheren Verzinsung als bei anderen Geldanlagen rechnen können. Allerdings müssen die öffentlich gemachten Darlehen auch entsprechende Voraussetzungen erfüllen, damit Anleger eine gewisse Sicherheit erwarten dürfen.

    Anbieter, die partiarische Darlehen im Portfolio haben, müssen bei der BaFin einen Prospekt über das jeweilige Anlageprodukt hinterlegen. Denn seit 2015 gelten partiarische Darlehen als Vermögensanlagen. Für sie gilt deshalb auch das Kleinanlegerschutzgesetz.

    An wen können sich Unternehmen für ein partiarisches Darlehen wenden?

    Unternehmer haben die Möglichkeit, sich an den Risikokapitalgeber oder Private Equity Fonds zu wenden. Diese beiden Ansprechpartner können weitere Kapitalgeber anwerben und die Abwicklung des Darlehens in die Wege leiten.

    Vor- und Nachteile für Kreditnehmer und Kreditgeber

    Vorteile für Kreditgeber Vorteile für Kreditnehmer
    • Meist höhere Verzinsung als bei herkömmlichen Geldanlagen
    • Keine Verlustbeteiligung
    • Fremdkapital auch mit schlechter Bonität
    • Finanzierung ohne Banken möglich
    • Genehmigung durch BaFin nicht zwingend nötig
    • Rückzahlung oder Teilrückzahlung in der Regel jederzeit möglich
    • Gewinnbeteiligung kann als Betriebsausgabe steuerlich geltend gemacht werden
    Nachteile für Kreditgeber Nachteile für Kreditnehmer
    • Keine Einsichts- und Kontrollrechte
    • Bei Verlusten keine Zinseinnahmen
    • Höheres Risiko als bei herkömmlichen Geldanlagen
    • Bei Insolvenz werden Kreditgeber nachrangig behandelt
    • Einnahmen fallen unter die Kapitalertragssteuer
    • Zinskosten steigen mit dem Umsatz
    • Höhere Kreditkosten bei steigenden Gewinnen

    Beliebtheit des partiarischen Darlehens in Deutschland

    Das partiarische Darlehen wird in Deutschland sehr häufig genutzt, wenn es um das sogenannte Crowdinvesting geht. Dabei stellen verschiedene Geldgeber einem Unternehmen einen Geldbetrag zur Verfügung. Im Gegenzug erhalten sie Beteiligungen am Umsatz. Gerade dann, wenn ein Startup zum Beispiel mehr als 100.000 Euro an Kapital benötigt, kann das partiarische Darlehen von Vorteil sein, weil dafür keine Prospektpflicht besteht wie zum Beispiel bei einem öffentlichen Angebot von Genussrechten oder stillem Kapital.

    Da das partiarische Darlehen jedoch ohne Banken durchgeführt werden kann, gibt es keine genauen Zahlen oder Statistiken dazu.

    Wie kommt ein partiarisches Darlehen zustande?

    Damit ein partiarisches Darlehen zustande kommt, wird zunächst wie bei einem herkömmlichen Darlehen ein Vertrag zwischen Darlehensnehmer und Darlehensgeber vereinbart. Auch für dieses Darlehen gilt §488 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) als Grundlage.

    Theoretisch sieht das Gesetz keine schriftliche Form des Darlehensvertrags vor. Schließen zwei Privatpersonen ein solches Darlehen untereinander ab, wird häufig auf einen Vertrag verpflichtet. Doch tatsächlich sollten mindestens die Eckpunkte des Darlehens zur Sicherheit schriftlich fixiert und von beiden Vertragspartnern unterzeichnet werden.

    Wichtige Bestandteile des Vertrags sind die Höhe des Darlehensbetrags, die Höhe der Verzinsung, die Art der Rückzahlung sowie der Tag der Zuteilung. Wie bei einem Bankdarlehen können auch im Vertrag eines partiarischen Darlehens Sicherheiten hinterlegt werden.

    Nach dem Vertragsabschluss

    Nach dem Vertragsabschluss erhält der Darlehensnehmer sein Kapital vom Darlehensgeber. Darüber kann er frei verfügen und ist dem Darlehensgeber keine Rechenschaft schuldig. Im Gegenzug für den Kapitalerhalt werden dem Darlehensgeber gemäß dem Vertrag Zinsen abhängig von Gewinn oder Umsatz pro Quartal, halbjährlich oder jährlich ausgezahlt. Die Zinsen werden fix vereinbart. Häufig wird eine Mindestverzinsung angenommen, für den Fall, dass das Unternehmen keinen Gewinn machen sollte.

    Die meisten partiarischen Darlehen sind dabei als endfällige Darlehen angelegt. In diesem Fall muss der Darlehensnehmer dem Darlehensgeber zum Ende der Laufzeit den kompletten Darlehensbetrag zurückzahlen, sofern keine Tilgung vereinbart wurde. Grundsätzlich können partiarische Darlehen jedoch auch unbefristet vereinbart werden. Für den Darlehensgeber ist ein unbefristetes Darlehen bei einem florierenden Unternehmen mit hohen Umsätzen interessant, da er konstant mit hohen Zinserträgen rechnen kann.

    Ist das Unternehmen zahlungsunfähig, erhält der Darlehensgeber keine Gewinnbeteiligung. Allerdings ist er dafür auch nicht an den Verlusten beteiligt.

    Das partiarische Darlehen in der Bilanz

    In der Bilanz werden partiarische Darlehen wie Verbindlichkeiten behandelt. Sie werden zum Beispiel unter den „Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten“ aufgeführt oder als „sonstige Verbindlichkeiten“ angegeben.

    Zugleich wird das Beteiligungsdarlehen bei Aktiengesellschaften als „Teilgewinnabführung“ berücksichtigt. In der Gewinn- und Verlustrechnung erfolgt die Buchung als „Aufwand“.

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