Mezzanine-Kapital: Wichtige Finanzierungsquelle für den Mittelstand

Zuletzt aktualisiert am 20.10.2017

Nach den Finanzkrisen 2001 und 2008 haben sich die Regularien für die Kreditvergabe an Unternehmen im Zuge von Basel II und Basel III verschärft. Die Regelungen betreffen vor allem die Eigenkapitalquote. Diese Entwicklung hat zur zunehmenden Beliebtheit von Mezzanine-Kapital geführt, das von Unternehmen zur Finanzierung genutzt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

    Der Begriff „mezzanine“ stammt ursprünglich aus der Architektur. Im Italienischen wird damit ein „Zwischengeschoss“ bezeichnet. In der Finanzwelt nimmt das Mezzanine-Kapital ebenfalls eine Zwischenstellung ein, denn es stellt eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital dar. Unternehmen können bei einer Mezzanine-Finanzierung einerseits, ähnlich wie bei Eigenkapital, Genussrechte vereinbaren oder stille Beteiligungen mit den Darlehensgebern festlegen. Andererseits kann ein partiarisches oder nachrangiges Darlehen vereinbart werden. In diesem Fall wird das Mezzanine-Kapital zum Fremdkapital und so als Verbindlichkeit bilanziert.

    Für eine Mezzanine-Finanzierung sind Unternehmen nicht zwingend auf die Mitwirkung von Banken angewiesen. Aus diesem Grund wird diese Form der Kapitalbeschaffung von vielen Firmen genutzt, hierzu gehören auch zahlreiche Großunternehmen wie zum Beispiel Lidl.

    Die Mezzanine-Finanzierung wird auch hybride Finanzierung, Hybridkapital oder Mezzaninkapital genannt. Auf Englisch lauten die Fachbegriffe „mezzanine capital“ oder „mezzanine financing“.

    Wie kommt ein Unternehmen an Mezzanine-Kapital?

    Um Mezzanine-Kapital zu erhalten, können sich Unternehmen an verschiedene Geldgeber wenden.

    • Private Equity-Gesellschaften: Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Investoren, die in Unternehmen investieren. Diese Gesellschaften können häufig unabhängig von Banken agieren.
    • Mezzanine-Fonds: An einem Fonds können sich verschiedene Kapitalgeber beteiligen. Dafür müssen sie für die Fondsverwaltung Gebühren bezahlen. Gleiches gilt in der Regel für die Darlehensnehmer.
    • Private Investoren: Private Investoren können sich auf unterschiedliche Weise zusammenfinden, um Mezzanine-Kapital bereitzustellen.
    • Unternehmensbeteiligungsgesellschaften: Dabei handelt es sich um eigens gegründete Gesellschaften, die einzelne Beteiligungen an Unternehmen in Form von Anteilen oder Genussscheinen übernehmen.
    • Versicherungen: Diese Institutionen sind häufig Kapitalgeber bei großen Investitionen.
    • Banken: Banken treten in diesem Fall als Vermittler auf. In der Regel sind sie keine Kapitalgeber, da die Kreditlinien des Unternehmens mit Kapitalbedarf meist aufgebraucht sind.

    Damit ein Unternehmen Mezzanine-Kapital anfordern kann, muss es die Darlehensgeber von den möglichen Vorteilen einer solchen Finanzierung überzeugen. Zugleich muss ein Unternehmen solide sein, da Mezzanine-Kapitalgeber keinen Einfluss auf die Unternehmensleitung haben werden und vom Erfolg des Unternehmens abhängig sind. Häufig wird zum Beispiel eine Mezzanine-Finanzierung genutzt, um die Eigenkapitalquote zu steigern, damit eine hohe Kreditaufnahme möglich wird. Dieser Großkredit sorgt wiederum für nötige Investitionen in Produkte oder Infrastruktur, die letztlich den Gewinn erhöhen soll. Für die Kreditgeber der Mezzanine-Finanzierung kann sich dadurch eine sehr attraktive Rendite ergeben, wenn sie zum Beispiel am Gewinn über ein partiarisches Darlehen beteiligt werden.

    Eigenschaften von Mezzanine-Kapital

    • Eigenkapital oder Fremdkapital: Das Kapital kann je nach Art der Finanzierung entweder als Fremdkapital oder Eigenkapital genutzt werden.
    • Meist mit einem Rangrücktritt verbunden: Die Mezzanine-Kapitalgeber werden im Falle einer Insolvenz in der Regel erst nach den anderen Gläubigern befriedigt.
    • Rückzahlungsverpflichtung: Mezzanine-Kapital muss in der Regel wie ein herkömmlicher Kredit innerhalb einer bestimmten Zeit zurückgezahlt werden. Häufig wird die Rückzahlung wie ein endfälliges Darlehen behandelt. Allerdings ist auch eine unbefristete Rückzahlung möglich.
    • Höhere Renditen für Kapitalgeber: Durch das höhere Risiko erhalten Kapitalgeber im Rahmen einer Mezzanine-Finanzierung in der Regel auch eine deutlich höhere Rendite.
    • Geringere Mitspracherechte von Investoren: Üblicherweise haben Kapitalgeber bei Mezzanine-Finanzierungen keine oder nur sehr geringe Mitbestimmungsrechte.
    • Steuervorteile: Unternehmen können die Vergütungen für die Bereitstellung des Mezzanine-Kapitals steuerlich geltend machen.
    • Verzicht auf Sicherheiten: In der Regel werden bei der Bereitstellung von Mezzanine-Kapital keine Sicherheiten verlangt.

    Mezzanine-Kapital in der Praxis

    Üblicherweise liegt das Mindestvolumen bei einer Mezzanine-Finanzierung zwischen einer halben Million und zwei Millionen Euro. Manche Geldgeber stellen auch schon geringere Summen zur Verfügung.

    Das Mindestvolumen orientiert sich in der Regel an der möglichen Rendite für die Geldgeber. Da sie in der Regel ein höheres Risiko als bei anderen Anlageformen eingehen und meist keine Sicherheiten hinterlegt werden, muss der Darlehensnehmer außerdem genau geprüft werden. Diese Prüfung ist zeit- und kostenaufwändig. Damit sich auch diese Investition lohnt, muss die Finanzierungssumme entsprechend hoch sein.

    Funktionsweise von Mezzanine-Kapital

    Mezzanine-Finanzierungen haben in der Regel zwei verschiedene Funktionen:

    • Als Eigenkapital stärken sie die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens für größere Bankkredite.
    • Als Fremdkapital dienen sie der direkten Finanzierung von Investitionen in das eigene Unternehmen und sorgen so für Wachstum.

    Unterschied zwischen Mezzanine-Kapital oder -Finanzierung zu einer Finanzierung durch echte Gesellschafter

    Wenn Kapitalgeber ein Unternehmen mit Mezzanine-Kapital finanzieren, erhalten Sie im Gegenzug dafür eine höhere Rendite. Im Vergleich zu einer echten Beteiligung als Gesellschafter haben die Kapitalgeber in der Regel jedoch keine Mitbestimmungsrechte. Dafür entfällt auch die Verantwortung für Verluste. Als „echte“ Gesellschafter müssten die Financiers nämlich auch für Unternehmensverluste mithaften.

    Vor- und Nachteile

    Vorteile Nachteile
    • Flexibilität: Mezzanine-Kapital kann flexibel gestaltet werden. Somit können die Vertragspartner frei festlegen, welche Vereinbarungen bzgl. Laufzeiten, Kündigungsmodalitäten, der Verzinsung sowie Regelungen zu Gewinn und Verlust getroffen werden. Außerdem können die Rückzahlungsvereinbarungen individuell festgelegt werden. So ist zum Beispiel auch eine unbestimmte Rückzahlungsdauer möglich, wenn ein partiarisches Darlehen genutzt wird.
    • Kontrolle: Beim Erhalt von Mezzanine-Kapital geben Kapitalnehmer keine Stimmrechte ab.
    • Weniger Abhängigkeit: Da Mezzanine-Kapital auch ohne Banken vergeben werden kann, reduzieren Unternehmen ihre Abhängigkeit von Kreditinstituten.
    • Bessere Eigenkapitalquote: Mit dem Erhalt von Mezzanine-Kapital kann das Eigenkapital gestärkt werden. Dadurch sinken die Kosten bei der Aufnahme neuer Kredite.
    • Hohe Kosten: In der Regel müssen Kreditnehmer bei einer Mezzanine-Finanzierung höhere Kosten bezahlen, da die Kreditkosten sowohl Darlehenszinsen als auch Anteile oder gewinnbasierte Zinsen beinhalten.
    • Gewinnreduzierung: Von Unternehmensgewinnen oder einer Wertsteigerung des Unternehmens profitieren die Inhaber bei Mezzanine-Finanzierungen meist nicht in vollem Umfang, da sie einen Teil davon an Kreditgeber abführen müssen.

     

    Wann ist Mezzanine-Kapital sinnvoll und wo wird es häufig eingesetzt?

    Mezzanine-Kapital ist zum einen sinnvoll bei noch jungen Unternehmen, die einen hohen Investitionsbedarf haben. Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn ein Unternehmen ein Produkt herstellen möchte, jedoch für den Kauf von Fabrikanlagen Kapital benötigt. Da das Unternehmen weder über ausreichendes Eigenkapital noch über eine ausreichende Bonität verfügt, fällt ein Bankkredit meist aus. In diesem Fall kann das Mezzanine-Kapital entweder zur Eigenkapitalerhöhung oder zur Verbesserung der Bonität genutzt werden oder es dient der direkten Finanzierung von Investitionen.

    Großunternehmen nutzen Mezzanine-Kapital häufig, um dadurch die Eigenkapitalquote zu verbessern, was schließlich zu günstigeren Kreditkonditionen bei Banken führt. Je höhere der Kreditbedarf, desto stärker wirken sich minimale Änderungen an der Verzinsung aus. Die Mezzanine-Finanzierung wird zum Beispiel auch bei großen Bauunternehmen genutzt. Deren Eigenkapital ist meist über einen längeren Zeitraum an mehrere Projekte gebunden. Dadurch steht dem Unternehmen nur ein geringes Eigenkapital zur Verfügung. Damit ist nach Basel II keine Kreditaufnahme mehr möglich. Zu diesem Zweck werden Mezzanine-Kapitalgeber gesucht, die das Eigenkapital aufstocken und eine weitere Kreditgewährung ermöglichen.

    Mögliche Formen

    • Genussrechte: Dabei handelt es sich um Anteile an Gewinn oder Umsatz. Sie werden in der Regel vertraglich fest vereinbart.
    • Genussscheine aus Wertpapierverbriefung: In diesem Fall erhält der Kapitalgeber Anteile in Form von handelbaren Wertpapieren, allerdings ohne Stimmrechte.
    • Stille Beteiligungen: Bei einer solchen Finanzierungsform erhalten Gesellschafter durch Kapitalbeisteuerung eine Gewinnbeteiligung, meist aber keine Mitbestimmungsrechte. Auch an den Verlusten werden sie meist nicht beteiligt.
    • Wandelanleihen: Diese Unternehmensanteile können in Aktien getauscht werden.

    Wie funktioniert die Refinanzierung?

    Viele Gesellschaften nutzen die Bereitstellung von Mezzanine-Kapital zur Refinanzierung eigener Verbindlichkeiten. So nehmen sie selbst Fremdkapital für die Kapitalvergabe auf. In manchen Fällen können Verbriefungen oder Optionen direkt an die Investoren weitergereicht werden.

    Beispiel

    Ein Private Equity Fonds bietet einem Unternehmen Mezzanine-Kapital in Höhe von fünf Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren an. Dafür erhält der Fonds eine Gewinnbeteiligung von zehn Prozent sowie drei Prozent Zinsen pro Jahr. In den folgenden fünf Jahren macht das Unternehmen jeweils eine Million Euro Gewinn. Somit erhält der Fonds neben den Zinseinnahmen zusätzlich 500.000 Euro für die gesamte Laufzeit. Das Kapital zur Bereitstellung hat der Fonds selbst aufgenommen und bezahlt für die fünf Millionen Euro insgesamt 300.000 Euro an Zinsen. Somit hat der Fonds mindestens 200.000 Euro plus den Zinseinnahmen an Gewinn gemacht.

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