Riester-Rente: Kündigen und Ratgeber

Zuletzt aktualisiert am 26.06.2017

Für ein gutes Auskommen im Alter können sich die deutschen Arbeitnehmer nicht mehr ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlassen. Eine sehr bekannte Möglichkeit zur privaten Altersvorsorge ist die staatlich geförderte Riester-Rente. Doch was ist Riester-Rente eigentlich genau und lohnt sich Riester? Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Inhaltsverzeichnis

    Die gesetzliche Rente dient zur finanziellen Absicherung im Alter, wird aber nach aktuellen Prognosen bei vielen derzeitigen Arbeitnehmern später lediglich die Grundbedürfnisse abdecken – wenn überhaupt. Um Bürger zu belohnen, die freiwillig auch privat vorsorgen, entwickelte der damalige Bundesarbeitsminister Walter Riester die nach ihm benannte Riester-Rente, welche 2002 eingeführt wurde.

    Hierbei werden die Spareinlagen des Arbeitnehmers von Seiten des Staates um die sogenannten Riester-Zulagen ergänzt. Diese bestehen aus der Grundzulage pro Person sowie einer etwaigen Kinderzulage. Eine Riester-Förderung kann bei Personen und Familien mit hohen Abgaben aber auch die Form eines Steuervorteils annehmen: Bei Ihnen wird statt Zulagen bei der Steuererklärung ein steuermindernder Sonderausgabenabzug vorgenommen, sofern dies für sie sinnvoller ist.

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    Voraussetzungen für die Riester-Förderung

    Um die Riester-Rente-Förderung in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie sich für ein Finanzprodukt entscheiden, welches gemäß der geltenden Richtlinien zertifiziert ist. Weiterhin müssen Sie selbst bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

    Zu den Berechtigten gehören:

    • Rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer
    • Rentenversicherungspflichtige Selbstständige
    • Geringfügig Beschäftigte
    • Bezieher von Arbeitslosengeld
    • ALG-II-Empfänger
    • Wehr- und Zivildienstleistende
    • Bezieher von Krankengeld
    • Vollständig erwerbsgeminderte und dienstunfähige Personen
    • Kindererziehende, die Kindererziehungszeiten beantragt haben
    • Nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen
    • Ehemals pflichtversicherte Bezieher von Vorruhestandsgeld
    • Beamte, Richter, Soldaten sowie ihnen gleichgestellte Personen

    Die Riester-Rente für Beamte ist dabei weitgehend identisch mit jener für andere Berechtigte, auch sie können beispielsweise die Riester-Rente als Steuervorteil nutzen und die Sparbeiträge in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen. Als nicht rentenversicherungspflichtige Beamte müssen sie jedoch über ihre Besoldungsstelle statt der Sozialversicherungsnummer eine Zulagennummer bei der zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) beantragen.

    Auch ohne Dienstbezüge beurlaubte Beamte haben Anspruch auf Riester-Förderung. Eine Einschränkung gibt es allerdings bei der Riester-Rente für Beamte: Sie kann nicht in Form einer betrieblichen Altersvorsorge über den Arbeitgeber abgeschlossen werden, sondern setzt immer einen privaten Vertrag voraus.

    Riester-Rente: Mindestbeitrag und Fördergelder

    Die jährliche Grundzulage beträgt 154 Euro, hinzu kommt gegebenenfalls eine Kinderzulage. Bei Riester beträgt diese 185 Euro im Jahr für alle bis 2007 geborenen Kinder und 300 Euro für alle später geborenen. Zulagenberechtigt sind alle Kinder, für die im betreffenden Jahr mindestens einen Monat lang Anspruch auf Kindergeld bestanden hat. Die Kinderzulage bei Riester wird dem Kindergeldempfänger ausgezahlt, bei Ehepaaren der Mutter, auf Antrag aber auch dem Vater.

    Um die volle Grund- und Kinderzulage zu erhalten, müssen Sie bei der Riester-Rente einen Mindestbeitrag selbst einzahlen. Dieser entspricht 4 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, allerdings reduziert um die ungekürzte Zulage des laufenden Jahres. Allerdings ist der Mindestbeitrag wenigstens so hoch wie der Sockelbetrag, welcher seit 2008 bei 60 Euro liegt. Wer mit seinen Einzahlungen in die Riester-Rente unter dem Mindestbeitrag bleibt, bekommt anteilig gekürzte Zulagen. Der Maximalbetrag, für den ein Steuervorteil geltend gemacht werden kann, sind 2100 Euro. Insgesamt kann mit den Riester-Zulagen so eine Förderquote von 80 Prozent erreicht werden.

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    Riestern ist nicht gleich riestern

    Eine ganz einheitliche Antwort gibt es jedoch nicht auf die Frage, was ist Riester-Rente: Denn wenn Sie mit Riester sparen und Ihr Auskommen im Alter sichern möchten, haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Produkten. Diese sind auf unterschiedliche Lebenssituationen und Ansprüche zugeschnitten und bringen jeweils ihre eigenen Vorteile und Nachteile mit sich. Auch die Riester-Rente-Rendite ist abhängig von der Form des Riesterns.

    1. Rentenversicherung
      Die klassische Rentenversicherung gibt es auch mit Riester-Förderung. Ihr Vorteil ist ihre Berechenbarkeit: Wenn Sie zwischen Mitte 30 und 50 sind und bereits jetzt ihre Mindestrente kennen möchten, ist die Rentenversicherung das geeignete Riester-Produkt für Sie. Allerdings verspricht sie nicht die höchste Rendite und zudem gibt es relativ viele schlechte Angebote mit hohen Kosten – hier sollten Sie unbedingt vorab vergleichen und sich auch mit Hilfe von einem Riester-Rente-Test informieren.
    2. Riester-Banksparplan
      Der Riester-Banksparplan eignet sich für sicherbedachte Anleger und setzt einer verhältnismäßig niedrigen Rendite seinen niedrigen Kosten entgegen. Ein Vorteil des Riester-Banksparplans ist zudem, dass er das Riester-Sparen für alle Altersgruppen ermöglicht, da sich auch ein später Einstieg noch lohnt. Mit diesem Produkt ist es auch tendenziell am einfachsten, vorzeitig die Riester-Rente zu kündigen, da über die Rückzahlung der Förderung hinaus kaum finanzielle Nachteile entstehen.
    3. Fondssparen
      Auch Fonds können Sie wählen, um mit Riester zu sparen. Diese Variante eignet sich für Sie, wenn Sie eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Denn während sie eine vergleichsweise hohe Rendite verspricht, ist hier auch die Gefahr am größten, dass Sie bei der Auszahlung nicht viel mehr als Ihre Spareinlage plus Riester-Förderung übrig ist. Weiterhin müssen Sie hier zwischen Riester-Fondssparplänen und Fondspolicen unterscheiden. Für Letztere sollten Sie selbst etwas Wissen über den Kapitalmarkt mitbringen, da Sie die genutzten Fonds zumindest anteilig frei wählen können. Damit haben Sie aktiv Einfluss auf die Höhe Ihrer Riester-Rente-Rendite. Der Riester-Fondssparplan hat dagegen den Vorteil, dass Ihr Geld auch noch zur Zeit der Auszahlung in Aktien angelegt ist.
    4. Wohn-Riester-Darlehen
      Das Riester-Bausparen bietet sich für Sie an, wenn Sie mit Wohneigentum fürs Alter vorsorgen möchten. Mit der staatlichen Förderung hat das Wohn-Riester-Darlehen gleich zwei Vorteile gegenüber anderen Möglichkeiten der Baufinanzierung. So profitieren Sie von Zulagen und Steuervorteilen einerseits und von sehr günstigen Darlehenszinsen andererseits. Falls Sie sich nicht vollkommen sicher sind, dass Sie später ein Haus bauen oder kaufen möchten, sollten Sie beim Riester-Bausparen darauf achten, dass im Zweifelsfall auch die reinen Spar-Konditionen gut sind. Allerdings gibt es beim Wohn-Riester einen Nachteil: Sie büßen ein gewisses Maß an Flexibilität ein.

    Vorteile und Nachteile

    Lohnt sich Riester? Manche Sparwillige zweifeln daran, dass die Riester-Rente sinnvoll ist.

    Vor allem die lang anhaltende Niedrigzinsphase stellt eine enorme Belastung für die Riesterrente dar. Führende Ökonomen sehen diese sogar als gescheitert. Der Ruf nach Alternativen wird lauter und im Gespräch steht zum Beispiel der sogenannte "Schäuble Bond" - eine Förderung der privaten Vorsorge. 

    Zur Skepsis trägt besonders die Riester-Rente-Rendite bei, die im Verhältnis zu manchen Alternativen, etwa die Investition in hochspekulative Aktien oder eine britische Lebensversicherung, vergleichsweise gering ausfällt. Dem steht allerdings ein relativ großes Maß an Sicherheit gegenüber. Ein Überblick über die Vorteile und Nachteile der Riester-Rente:

    Vorteile

    • Staatliche Förderung durch Zulagen und Sonderausgabenabzug
    • Verschiedene Finanzprodukte für unterschiedliche
    • Spätere Versteuerung sichert Steuervorteil
    • Unterstützt besonders Geringverdiener und Familien
    • Keine Anrechnung auf Arbeitslosen- und Sozialhilfe
    • Pfändungssicher in der Ansparphase
    • Hundertprozentige Kapitalgarantie
    • Anbieterwechsel möglich
    • Hoher Transparenzanspruch
    • Zertifizierung sichert Mindeststandard

    Nachteile

    • Auszahlung erst ab 60 Jahren
    • Nur bis 30 Prozent Kapitalauszahlung möglich
    • Begrenzung des geförderten Jahresbeitrags
    • Nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften benachteiligt
    • Begrenzte Vererbbarkeit
    • Rückzahlung der Förderungen und Nachversteuerung bei Kündigung

    Lohnt sich Riester? Zur Beantwortung dieser Frage kann diese Gegenüberstellung der Vorteile und Nachteile beitragen – darüber hinaus müssen Sie aber noch mehr bedenken. Zunächst kommt es auf die individuelle Gewichtung der Vorteile und Nachteile an. Sie haben mehrere Kinder oder fürchten sich vor einer Pfändung im Fall einer längeren Arbeitslosigkeit? Dann ist für Sie die Riester-Rente sinnvoll. Sie möchten sich gleich zu Beginn des Ruhestands etwas Größeres von Ihrer Altersvorsorge leisten? In dem Fall sollten Sie besser nicht mit Riester sparen.

    Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, dass Sie das richtige Produkt wählen. Nach der grundlegenden Entscheidung, ob Ihnen ein Riester-Banksparplan, eine klassische Rentenversicherung, ein Riester-Fondssparplan oder doch eher das Riester-Bausparen entspricht, gilt es, einen guten Anbieter mit geringen Kosten und einer hohen Riester-Rendite zu finden. Bei der Auswahl können Ihnen ein Riester-Rechner und ein Riester-Rente-Test helfen.

    Genau hinschauen: Riester-Rente im Test

    Das Siegel „Riester“ allein bürgt trotz Zertifizierungsvorgang noch nicht für Qualität. Wie die konkrete Umsetzung durch Versicherungen und Banken aussieht, verrät Ihnen ein Riester-Rente-Test, wie ihn beispielsweise die Stiftung Warentest regelmäßig und sehr ausführlich durchführt. Ebenso, wie sich die Produkte unterscheiden, muss auch eine Riester-Rente-Test unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe anlegen:

    Rentenversicherung

    • Anlageerfolg
    • Kosten und Rentenzusage
    • Transparenz
    • Flexibilität

    Riester-Banksparplan

    • Zinsen und Bonus
    • Anbindung an Umlaufrendite
    • Verwaltungskosten für Produktwechsel etc.

    Fondssparplan und -policen

    • Gesamtkostenquote
    • Risikoklasse
    • Anlagebausteine
    • Qualität der Fonds
    • Wählbarkeit der Fonds
    • Kostenlose Switches und Shifts

    Wohn-Riester-Darlehen

    • Mindestbausparsumme
    • Gebühren
    • Guthabenzins
    • Regelsparbetrag
    • Tilgungsbeitrag
    • Konditionen für Zwischenkredit
    • Mehrzuteilung möglich?
    • Nachteil bei Darlehensverzicht?

    Selten sinnvoll: Riester-Rente kündigen

    Falls Sie vorzeitig aussteigen möchten, können Sie Ihre Riester-Rente kündigen. Dies ist jedoch nur selten sinnvoll. So gilt dieser Schritt als „schädliche Verwendung“ und verpflichtet Sie, alle Fördermittel, das heißt Zulagen und Steuervergünstigen, zurückzuzahlen. Doch es gibt Alternativen: Falls Sie aufgrund eines vorübergehenden Engpasses Ihre Riester-Rente kündigen möchten, ist es möglich, stattdessen den Vertrag ruhen zu lassen. Haben Sie den Entschluss gefasst, den Vertrag gar nicht mehr fortzuführen, können Sie ihn verkaufen – ähnlich wie Sie eine nicht geförderte Lebensversicherung verkaufen können.

    Anbieterwechsel beim Riestern – lohnt sich das?

    Der Wechsel kann sich unter Umständen lohnen, allerdings sollten Sie einige Punkte beachten, um nicht durch zusätzlich anfallende Kosten Einbußen hinnehmen zu müssen. Grundsätzlich kommt es darauf an, ob Sie in der Ansparphase oder mit Beginn der Auszahlphase den Anbieter wechseln wollen.

    Anbieterwechsel in der Ansparphase

    Ein Wechsel ist grundsätzlich immer möglich, lohnt sich in der Ansparphase aber oft nicht. Die Kapitalübertragung ist auf Seiten des alten Anbieters oft mit Kosten für die Bearbeitung verbunden, die meist zwischen 50 und 150 Euro liegen. Zusätzlich können beim neuen Anbieter auch noch Vertriebs- und Abschlusskosten entstehen. Natürlich sollten Sie außerdem genau prüfen, ob die Konditionen bei dem anderen Anbieter tatsächlich deutlich besser sind. Die Zinsen fallen zum Beispiel bei neuen Verträge mittlerweile meist niedriger aus.

    Bedenken Sie außerdem, dass Sie bei einer Kündigung die Beitragsgarantie Ihres Anbieters verlieren, also nicht mehr garantiert ist, dass Sie Ihre eingezahlten Beiträge und die Zulagen erhalten. Sie bekommen also nur den aktuellen Wert Ihres Vertrags ausbezahlt, mit dem Sie auf dem neuen Vertrag weiter riestern können.

    Riestern mit Beitragsfreistellung

    Eine häufig günstigere Möglichkeit ist es, den alten Riestervertrag beitragsfrei zu stellen und bei einem anderen Anbieter einen neuen abzuschließen. So sparen Sie sich die Bearbeitungsgebühr bei Ihrem ersten Anbieter. Der erste Vertrag ist dann sozusagen stillgelegt und liefert Ihnen im Ruhestand immerhin noch eine kleine Rente. Sie riestern stattdessen auf der neuen Police und profitieren von deren besseren Konditionen.

    Anbieterwechsel zu Beginn der Auszahlphase

    Wenn die Auszahlphase beginnt, haben Sie bei der Riester-Rente ein gesetzliches Wechselrecht,. Sie können dann Ihren bestehenden Vertrag kündigen und sich einen neuen Versicherer mit besseren Konditionen aussuchen, zu dem das Kapital übertragen wird. In der Theorie klingt diese Möglichkeit einfach, allerdings kommt es in der Praxis oft zu Komplikationen. Versicherer weigern sich nicht selten, Riester-Kunden, die bei einem anderen Anbieter gespart haben, aufzunehmen und ihnen die Rente auszubezahlen. Ein Anbieterwechsel zu diesem Zeitpunkt scheitert außerdem oft an den geltenden Altersgrenzen oder den Mindestlaufzeiten der Versicherer.

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