Schiffsfonds: Investition in weltweiten Seehandel

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 02.12.2016

Schiffsfonds sind Bestandteil des Grauen Kapitalmarkts. Dabei handelt es sich um geschlossene Fonds, über welche Kapital für den Bau oder den Unterhalt von Handelsschiffen gesammelt wird.

Mit einem Schiffsfonds investieren Anleger überwiegend in die Anschaffung sowie den Betrieb von Handelsschiffen. Die Gewinne der Fonds werden entweder über den Verkauf der Schiffe an Reedereien oder die Einnahmen über die Pacht an Reedereien verdient. Der Erfolg der jeweiligen Fonds hängt somit davon ab, ob die Reedereien ihren vereinbarten Zahlungsverpflichtungen mittelfristig nachkommen können.

Spekulative Anlageform

Schiffsfonds werden am Grauen Kapitalmarkt gehandelt. Somit sind sie keinen oder nur sehr spärlichen staatlichen Regelungen unterworfen. Für Anleger bedeutet die Möglichkeit einer höheren Rendite zugleich auch ein sehr hohes Verlustrisiko. Das Investment in Schiffsfonds ist aufgrund der vielen Unbekannten wie Marktentwicklung oder Unternehmensentwicklung der Reedereien sehr unsicher. Deshalb kann bei Schiffsfonds von einer spekulativen Geldanlage gesprochen werden.

In Zeiten mit hoher Nachfrage nach Handelsschiffen können Schiffsfonds vor allem für Anleger mit großem Kapital neben einer hohen Rendite auch steuerliche Vorteile bringen, da die Gewinne pauschal über die Tonnagesteuer ermittelt werden können. Statt des tatsächlichen Gewinns wird dabei ein standardisiert berechneter Gewinn steuerlich angegeben. Mehr zur Tonnagesteuer lesen Sie weiter unten.

Für Kleinanleger sind Schiffsfonds in der Regel nicht geeignet.

Lange Laufzeiten

Bei Schiffsfonds handelt es sich üblicherweise um ein mittel- bis langfristiges Investment. Anleger müssen deshalb mit Laufzeiten zwischen zehn und 25 Jahren rechnen. Da es sich bei Schiffsfonds überwiegend um geschlossene Fonds handelt, sind Anleger meist gezwungen, ihre Anteile bis zum Ende der Laufzeit zu halten.

Vorzeitiger Ausstieg nur schwer möglich

Wie bei allen geschlossenen Fonds ist auch der vorzeitige Verkauf von Schiffsfonds nicht angedacht. Deshalb ist es für Anleger sehr schwer, ihre Anteile noch vor Ablauf der Laufzeit zu verkaufen. Eine Möglichkeit besteht im sogenannten „Zweitmarkt“ für geschlossene Fonds.

Allerdings sind Anbieter in diesem Segment rar gesät, weil das Risiko, Anteile an geschlossenen Fonds aufzukaufen, für sie sehr hoch ist. Bei den Anbietern auf dem Zweitmarkt können sowohl unabhängige Plattformen als auch initiatorenabhängige Plattformen unterschieden werden.

Wer einen geschlossenen Schiffsfonds verkaufen möchte, sollte sich zuvor genau über die steuerlichen Konsequenzen informieren. Häufig werden mögliche Verkäufe auch im Gesellschaftervertrag ausgeschlossen oder geregelt.

Sehr wahrscheinlich ist außerdem, dass der Verkäufer nicht von sämtlichen Verpflichtungen durch den Verkauf des Fonds befreit wird.

Gut zu wissen:Geschlossene Fonds

Im Gegensatz zu offenen Fonds, bei welchen Anlegern ihre Anteile jederzeit wieder verkaufen können, müssen Anleger bei geschlossen Fonds ihre Anteile bis zum Ende der Laufzeit halten.

Erst dann wird der Gewinn an die Anleger ausgeschüttet. Durch die Verpflichtung zum Halten der Anteile im geschlossenen Fonds gehen Anleger jedoch auch das hohe Risiko ein, dass am Ende ein Verlustgeschäft entsteht, bei dem sie sogar noch draufzahlen müssen.

Schiffsfonds vs. Schiffsbeteiligungen

Die Begriffe Schiffsfonds und Schiffsbeteiligung werden häufig synonym gebraucht. Während Anleger bei einem Schiffsfonds in einen Fonds investieren, über welchen der Kauf oder Betrieb eines Handelsschiffes finanziert wird, sind Schiffsbeteiligungen meist ein Direktinvestment, mit welchem der Anleger zugleich zum Mitreeder wird und Einfluss auf das Geschäft nehmen kann.

Bei reinen Schiffsbeteiligungen ist der Anleger außerdem für die Verwaltung der Einlagen zuständig. Schiffsfonds hingegen werden meist als eigene Unternehmen angelegt. Hierfür werden die Fondsmanager von den Anlegern mit zusätzlichen Gebühren bezahlt.

Achtung:Grauer Kapitalmarkt

Auf dem Grauen Kapitalmarkt finden Anleger Investments, die keiner staatlichen Aufsicht unterliegen. Der Vorteil für Anleger besteht darin, dass diese Fonds oder nicht-börsennotierte Aktien mehr Rendite versprechen als börsennotierte Wertpapiere oder andere Anlageformen, die unter staatlicher Regelung laufen.

Allerdings ist jedes Investment auf dem Grauen Kapitalmarkt mit einem deutlich höheren Risiko bis hin zum Totalverlust verbunden. Grundsätzlich empfiehlt sich eine Geldanlage auf dem Grauen Kapitalmarkt nur sehr erfahrenen Anlegern, die ein breit gefächertes Anlageportfolio nutzen.

Gewinnermittlung über die Tonnagesteuer

Bei der Tonnagesteuer handelt es sich nicht um eine Abgabe, die an einen Staat zu leisten ist, sondern um eine Art der Gewinnermittlung in der Handelsschifffahrt. Eine andere Bezeichnung für die Tonnagesteuer ist deshalb auch die Tonnagegewinnermittlung. Die Ermittlung der Tonnagesteuer ist im Einkommensteuergesetz (EStG) in Paragraph 5a geregelt.

So steht es im Gesetz:§5a Einkommensteuergesetz (EStG)

(1) Anstelle der Ermittlung des Gewinns nach § 4 Absatz 1 oder § 5 ist bei einem Gewerbebetrieb mit Geschäftsleitung im Inland der Gewinn, soweit er auf den Betrieb von Handelsschiffen im internationalen Verkehr entfällt, auf unwiderruflichen Antrag des Steuerpflichtigen nach der in seinem Betrieb geführten Tonnage zu ermitteln, wenn die Bereederung dieser Handelsschiffe im Inland durchgeführt wird.

Der im Wirtschaftsjahr erzielte Gewinn beträgt pro Tag des Betriebs für jedes im internationalen Verkehr betriebene Handelsschiff für jeweils volle 100 Nettotonnen (Nettoraumzahl)

0,92 Euro Bei einer Tonnage bis zu 1 000 Nettotonnen
0,69 Euro Für die 1 000 Nettotonnen übersteigende Tonnage bis zu 10 000 Nettotonnen
0,46 Euro Für die 10 000 Nettotonnen übersteigende Tonnage bis zu 25 000 Nettotonnen
0,23 Euro Für die 25 000 Nettotonnen übersteigende Tonnage

Auf der Basis der Tonnagesteuer können Anleger ermitteln, ob sich die Investition in einen Schiffsfonds oder eine Schiffsbeteiligung lohnen kann. Zugleich können sie damit seit 1999 über eine Pauschale Gewinne mit Schiffsfonds oder Schiffsbeteiligungen berechnen, die sie später bei der Steuer angeben müssen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Schiff im Inland oder weltweit eingesetzt wird. Außerdem ist unerheblich, wie viel Gewinn das Schiff tatsächlich erzielt hat. Auf diese Weise kann das Investment in Schiffsfonds mit Hilfe der Tonnagegewinnermittlung zu einer sehr geringen Steuerbelastung führen. Allerdings ist die Steuer auch zu zahlen, wenn das Schiff tatsächlich keine Gewinne einfährt.

Um die Tonnagesteuer zu ermitteln, werden die Nettotonnen eines Schiffs mit einem fixen Euro-Betrag multipliziert, der pro Tag als Gewinn angerechnet wird.

Beispiel: Ist ein Schiff, an welchem ein Anleger beteiligt ist, 100 Tage im Einsatz und hat eine Last von 10.000 Nettotonnen, werden pro Tag 69 Euro Gewinn ermittelt. Bei 100 Tagen ergibt sich somit ein Gewinn von 6.900 Euro.

Tonnagesteuer ist nur auf Antrag möglich

Wer die Tonnagesteuer in Anspruch nehmen möchte, muss diese noch im Jahr der Inbetriebnahme des Schiffes beantragen. Möglich ist die Berechnung der Tonnagesteuer außerdem nur dann, wenn der Gewinn durch Bilanzierung ermittelt wird.

Tipp:Wichtig für die Antragsteller

Entscheiden Sie sich für die Gewinnermittlung über die Tonnagesteuer, müssen Sie diese Methode zehn Jahre beibehalten. Erst nach Ablauf dieser Frist kann der Gewinn wieder über andere Methoden ermittelt werden.

Für Anleger in Schiffsfonds oder Schiffsbeteiligungen kann die Tonnagegewinnermittlung vorteilhaft sein, weil die im EStG angegebenen Werte in Bezug auf die Nettotonnen eines Schiffs sehr gering ausfallen. Zugleich sind mit der Tonnagesteuer auch Gewinne aus Schiffsverkäufen abgegolten.

Schiffsfonds Zweitmarkt: Auch nach Verkauf hat der Anleger Pflichten

Für Kapitalanleger ist es ohnehin schwer, Anteile an geschlossenen Fonds auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Doch selbst dann, wenn Schiffsfondsanteile erfolgreich verkauft werden konnten, müssen Anleger mit weiteren Forderungen rechnen.

  • Insolvenz der Reederei
    Bei einer Insolvenz der Reederei kann der Insolvenzverwalter mögliche Ausschüttungen zurückfordern. Darüber hinaus können Anleger als ehemalige Gesellschafter auch zum Nachschießen von Kapital aufgefordert werden.
  • Steuerrückforderungen
    Durch den Verkauf des Schiffsfonds können zusätzliche Steuernachforderungen entstehen.

Gut zu wissen:Reedereien in der Krise

Die große Finanzkrise der Jahre 2007/2008 hatte enorme Auswirkungen auf den Seehandel. Dies hatte zur Folge, dass das einst boomende Geschäft mit neuen Schiffen sowie Containern starke Verluste und stark sinkende Frachtraten hinnehmen musste.

Die Folge waren Überkapazitäten, die viele Anbieter in die Insolvenz trieben. In der Branche wird von weit mehr als 450 insolventen Schiffsfonds seit 2008 ausgegangen. Die hohe Zahl zeigt Anlegern deutlich, welche Risiken sie bei der Investition in einen Schiffsfonds eingehen.

Anlegerschutz bei geschlossenen Fonds auch für Schiffsfonds?

Geschlossene Fonds, offene Fonds sowie Hedgefonds benötigen seit 2013 eine Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). In diesem Jahr trat in Deutschland das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) in Kraft, mit welchem eine EU-Richtlinie realisiert wurde.

Die Genehmigung durch die BaFin wird dann nötig, wenn der Fonds mehr als 100 Millionen Euro Kapital verwaltet. Liegt das Gesamtvolumen darunter, muss der jeweilige Fonds bei der BaFin registriert werden.

Zum neuen Reglement für die Fondsanbieter gehört es seither, dass sie in mindestens drei Schiffe investieren oder die Hürde für den Einstieg in den Fonds auf 20.000 Euro erhöhen. Somit sollen vor allem unerfahrene Anleger vor hohen und risikoreichen Investitionen geschützt werden.

Ob diese Regelungen auch für Schiffsfonds gültig sind, wird seit 2013 immer wieder diskutiert. Das Gesetz gilt ausdrücklich nicht für operativ tätige Fonds. Und gerade an der Definition der „operativen Tätigkeit“ von Fonds scheitert letztlich eine grundsätzliche Regulierung.

Somit sind immer noch viele Schiffsfonds nicht von der Regulierung durch das KAGB betroffen.

Fragen und Antworten

Wie seriös ist die Investition in Schiffsfonds?

Wie seriös die Investition in einen Schiffsfonds ist, hängt von der Seriosität des Anbieters ab. Da es sich bei Schiffsfonds um Anlageprodukte des Grauen Kapitalmarkts handelt, gibt es kaum staatliche Aufsicht und Regulierungen. Der Anleger muss somit entweder den Zahlen der Anbieter oder dem Anlageberater vertrauen.

Gibt es ein Anrecht auf einen festen Ertrag?

Bei Schiffsfonds gibt es kein Anrecht auf eine feste Verzinsung oder einen festen Rückzahlungsbetrag. Der Anleger ist auf den Erfolg der Reedereien angewiesen, welche die Pacht für das Schiff oder den Kaufpreis am Ende der Laufzeit überweisen können.

Kann ein Totalverlust erlitten werden?

Wer in einen Schiffsfonds investiert, kann einen Totalverlust riskieren. Letztlich handelt es sich bei diesen Fonds um eine unternehmerische Investition mit allen Chancen, aber auch allen finanziellen Risiken.

Wie hoch kann die Rendite ausfallen?

Die Investition in Schiffsfonds kann Renditen von weit über zehn Prozent bieten. Abgesehen von einem hohen Verlustrisiko sind Renditen zwischen sechs und acht Prozent möglich.

Wie war die Entwicklung in den letzten Jahren?

Nach der großen Finanzkrise 2007/2008 sank die Nachfrage nach Handelsgütern weltweit drastisch. Dadurch hatten viele Reedereien Überkapazitäten, die zu hohen Verlusten und vielen Insolvenzen führten. Inzwischen hat sich der Markt ein wenig erholt, jedoch gibt es keine Garantie dafür, dass es so bleibt.

Was passiert im Falle einer Insolvenz?

Im Falle einer Insolvenz können Fonds Ausschüttungen von Anlegern zurückfordern. Allerdings können Anleger die Möglichkeit nutzen und Schadensersatz von Beratern fordern, wenn sie nur unzureichend über die Risiken der Fondsbeteiligung aufgeklärt wurden. Dennoch sollten sich Investoren immer darüber im Klaren sein, dass sie im Falle einer Insolvenz erst einmal mit hohen Verlusten rechnen müssen.

Was sind die großen Risiken von Schiffbeteiligungen?

Die großen Risiken bei Schiffsbeteiligungen bestehen darin, dass sich die Weltwirtschaft schlechter als prognostiziert entwickeln kann. Eine negative Entwicklung hat immer zur Folge, dass die Handelsschifffahrt darunter leidet. Ein weiteres Risiko besteht in der mangelnden Seriosität des Angebots. Deshalb sollten Anleger jedes Schiffsinvestment genau prüfen und sich bei den Zahlen von Finanzexperten beraten lassen. Das dritte große Risiko besteht im Anbieter sowie in der Reederei, welche die Schiffe später pachtet oder kauft. Geht eines der beiden Unternehmen insolvent, ist ein Totalverlust mit dem Schiffsfonds möglich.

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