Das Treuhandkonto: Verwaltung von fremdem Vermögen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016

Bei einem Treuhandkonto handelt es sich um eine ganz spezielle Art von Konto: Im Gegensatz zum herkömmlichen Girokonto ist hier der Inhaber nicht der Eigentümer des Vermögens; das auf dem Konto befindliche Geld gehört also nicht ihm. Das bedeutet, dass der Inhaber das Konto auf fremde Rechnung unterhält. Nach außen hin wird das Bankkonto auf den Namen des Inhabers geführt.

Der Inhaber dieses Bankkontos ist stets der Treuhänder – üblicherweise gehört dieser bestimmten Berufsgruppen, beispielsweise Notaren, Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern, an. Der Treuhänder verwaltet also das Vermögen des Treugebers. Er hat dabei die Verfügungsberechtigung für das Konto. Auch hat er als Einziger Zugriff darauf; er muss dabei allerdings die Allgemeinen Geschäftsbedingungen beachten. Bei Missachtung drohen ihm andernfalls juristische Konsequenzen.

Um das Treuhandkonto eröffnen zu können, müssen zuvor zwei Verträge abgeschlossen werden: der Treuhandvertrag und der Kontovertrag. Der Kontovertrag wird zwischen der Bank und dem Treuhänder geschlossen und er sorgt dafür, dass das Konto eröffnet werden kann.

Treuhandvertrag

Viel wichtiger ist der Treuhandvertrag – dieser wird zwischen dem Treuhänder und dem Treugeber geschlossen. Mit diesem Vertrag wird festgelegt, dass der Treugeber einen Teil seines Vermögens auf eine andere Person übertragen kann, ohne seine Rechte daran zu verlieren.

Zusätzlich werden die Pflichten des Treuhänders festgelegt, um das Vermögen des Treugebers umfangreich zu schützen. Mithilfe des Treuhandvertrags kann der Treugeber zudem entlastet werden: Er überträgt die Verwaltung seines Vermögens dem Treuhänder und muss sich selbst dieser Aufgabe nicht mehr widmen.

Wichtig ist dabei, dass der Vertrag folgende Punkte enthält:

  •   Nennung des Treugebers
  •   Nennung des Treuhänders
  •   Beschreibung des Vermögens
  •   Die Art der Verwaltung des Vermögens
  •   Befristung & Kündigung des Vertrags
  •   Rechte des Treugebers
  •   Vergütung des Treuhänders
  •   Pflichten des Treuhänders

Gefahren und Risiken

Trotz der positiven Eigenschaften des Treuhandkontos muss stets bedacht werden, dass diese Kontoform auch Risiken birgt – denn nicht immer ist diese Art von Bankverbindungen sicher:

  1. Vertrauen gegenüber Treuhänder
    Zwar wird durch den Treuhandvertrag festgelegt, wie der Treuhänder mit dem Vermögen verfahren darf. Doch nicht immer hält sich dieser auch daran; so kann es schnell zu Unregelmäßigkeiten und Unstimmigkeiten auf dem Konto führen. Besonders für Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) ist es deshalb sinnvoll, einen Verwaltungsbeirat einzuführen, der die Arbeit des Verwalters überwacht. 
  1. Finanzielle Schwierigkeiten des Treuhänders
    Gerät der Treuhänder in Insolvenz, kann es durchaus geschehen, dass das Treuhandkonto als sein Eigentum angesehen wird. Das darauf befindliche Geld kann also in die Insolvenzmasse des Verwalters fließen. Treugeber sollten deshalb unbedingt darauf bestehen, dass der Treuhänder das Vermögen sauber getrennt von seinem privaten Vermögen anlegt.
  1. Tod des Treuhänders
    Ähnliches kann geschehen, wenn der Treuhänder stirbt: Das Vermögen des Treugebers kann in diesem Fall in den Nachlass des Verwalters fallen, da es als seines betrachtet wird. Erfahren die Treugeber davon zu spät, ist es oftmals schwer, das Vermögen wiederherzustellen.

Ein weiterer Nachteil: Bei einem Wechsel des Verwalters muss das Konto äußerst umständlich umgeschrieben werden. Wer also plant, solch ein Konto zu eröffnen, sollte vorab gründlich die Vor- sowie Nachteile gegenüberstellen und abwägen.

Zweck von Treuhandkonten

Sinn und Zweck eines Treuhandkontos ist es, dass der Treugeber seinen Einfluss und seine Recht über das Vermögen nicht vollständig verliert, die Verwaltung aber dennoch in fremde Hände geben kann. Diese Art von Konto ist in verschiedenen Fällen erforderlich:

Immobilien- und Baufinanzierung
Mithilfe dieser Kontoform können Darlehen zum Kauf eines Grundstücks meist vorzeitig ausgezahlt werden. Dadurch kann der Kauf deutlich schneller abgewickelt werden. Der Verkäufer erhält so die Sicherheit, dass ihm die vereinbarte Kaufsumme gezahlt wird. Der Treugeber wiederum erhält die Sicherheit über sein Vermögen und die Gewissheit, dass dieses entsprechend verwendet wird.

Payment-Service (bspw. PayPal, giropay, AmazonPayments)
Damit der Zahlungsverkehr korrekt vonstatten gehen kann, nutzen zahlreiche Online-Verkaufsplattformen Treuhandkonten. Dadurch kann gewährleistet werden, dass die Gelder der Kunden sicher sind. Auf den Plattformen wird ein Konto für Kunden eröffnet, auf welches Sie Guthaben einzahlen können. Mithilfe dieses Guthabens ist es anschließend möglich, in diversen Online-Shops einzukaufen. Bei dem Konto handelt es sich um ein Treuhandkonto: Es wird von der jeweiligen Plattform verwaltet, das Guthaben jedoch ist Eigentum des Kunden.

Erbschaften von Minderjährigen
Beim Erstellen eines Testaments kann auch ein Minderjähriger als Erbe eingesetzt werden. Viele Testamente sehen jedoch vor, dass die Nachkommen erst über das Vermögen verfügen können, wenn sie volljährig sind. Deshalb wird das Vermögen auf ein Treuhandkonto eingezahlt – der Treuhänder verwaltet dabei das Geld, bis der Erbe die Volljährigkeit erreicht hat.

Eine gestaffelte Auszahlung der Erbschaft
Bei Erbschaften ist es außerdem möglich, das Vermögen gestaffelt auszuzahlen. Auch hierfür wird die besondere Kontoform verwendet: Der Treuhänder zahlt dem Treugeber dabei regelmäßig einen vereinbarten Anteil, bis das gesamte Vermögen ausgezahlt ist.

Rücklagen der Wohnungseigentümer
Vor allem Wohnungseigentümergemeinschaften haben in der Regel Rücklagen, die auf einem gesonderten Konto verwaltet werden – so können sie vom privaten Vermögen des Verwalters getrennt werden. Für Hauseigentümer ist es außerdem möglich, auf einem Treuhandkonto die Mietkaution zu hinterlegen, die von Mietern gezahlt wurden.

Bei Insolvenzverfahren
Häufig wird bei Insolvenzverfahren ein solches Konto eingerichtet, von welchem der Insolvenzverwalter das Geld des Schuldners aus verwaltet. Alle Zahlungen, die nun an den Schuldner getätigt werden, müssen auf dieses Konto überwiesen werden. So kann gewährleistet werden, dass das gezahlt Geld nicht zum Ausgleich des verschuldeten Kontos verwendet wird, sondern für den vereinbarten Zweck.

Buchhaltung
Kümmern sich Steuerberater beispielsweise um die Lohnbuchhaltung eines Unternehmens, lohnt sich das Treuhandkonto. So benötigt der Steuerberater keine Vollmacht über das Konto des Unternehmens, kann die Lohnzahlungen aber dennoch abwickeln. Dies gilt auch für Gehaltszahlungen an ausländische Niederlassungen, wenn diese keinen Einblick in die restlichen Gehälter erhalten sollen.

Rechte & Sicherheiten von Treugeber und Treunehmer

Dem Treunehmer werden durch den Treuhandvertrag alle Rechte übertragen, die üblicherweise ein Kontoinhaber besitzt. Das bedeutet, er besitzt die Verfügungsmacht und hat Zugriff auf das Vermögen.

Aber: Mithilfe des Vertrags wird dieses Recht insofern eingeschränkt, als dass der Treunehmer das Vermögen nicht für seine eigenen Zwecke verwenden, sondern nur im Namen des Treugebers handeln darf. Dies gilt wiederum als Sicherheit für den Treugeber, da dieser nicht seinen gesamten Einfluss auf sein Vermögen aufgeben muss.

Der Treugeber ist dabei zusätzlich abgesichert: Sollte der Treuhänder gegen die Pflichten verstoßen, die ihm aufgelegt wurden, kann dem Treugeber dadurch ein Schaden entstehen. In diesem Fall ist der Treuhänder zu Schadensersatz verpflichtet. Um die Rechte und Sicherheiten für beide Parteien festzulegen, sollte bei Gestaltung des Vertrages auf wichtige Aspekte geachtet werden:

  1. Die Rechte des Treugebers werden dauerhaft gesichert.
    Im Vertrag muss schriftlich festgehalten werden, dass der Treugeber im Innenverhältnis über die Verwendung seines Vermögens problemlos bestimmen kann.
  1. Es entsteht keine Vermögensvermischung.
    Es muss schriftlich festgelegt werden, dass der Treunehmer das Vermögen des Treugebers nicht mit seinem eigenen Vermögen vermischen darf – hier ist unbedingt eine eindeutige Abgrenzung nötig.
  1. Der Treugeber sollte sein Eigentum jederzeit zurückerhalten können.
    Der Treugeber sollte dabei weder an Fristen noch an umständliche Umschreibungen gebunden sein.
  1. Das Treugut sollte genau definiert sein.
    Dies gilt sowohl für den Treunehmer als auch für den Treugeber als Sicherheit. Ist genau definiert, was dem Treuhänder als Treugut übergeben wird, kann es bei Beendigung des Treuhandverhältnisses nicht zu Streitigkeiten kommen.

Verschiedene Arten

Beim Treuhandkonto sind verschiedene Formen voneinander zu unterscheiden: offene und verdeckte Treuhandkonten.

Verdeckte Treuhandkonten

Bei dieser Form wird kein Hinweis darauf vermerkt, ob ein Treuhandverhältnis besteht und wie sich dieses gestaltet. Es ist also nicht öffentlich sichtbar, dass ein solches Verhältnis besteht. Das Konto wird auf den Namen des Treunehmers eröffnet, der daraufhin alle Verfügungsrechte besitzt. Der Treugeber wiederum besitzt keine Verfügungsrechte. Daraus ergibt sich ein Nachteil: Sollte der Treuhänder nicht wie vereinbart mit dem Vermögen umgehen, haftet das Bankinstitut nicht. Bei der Bezeichnung des Kontos lautet dies nur auf den Namen des Treuhänders, beispielsweise „Hannes Schneider“.

Achtung:Treuhand- als Eigenkonto

Ein verdecktes Treuhandkonto wird genauso von der Bank gehandhabt wie ein herkömmliches Bankkonto, da es als Eigenkonto des Treuhänders gilt. Aus diesem Grund muss der Treuhänder hierbei das Vermögen auf dem Konto auch als sein eigenes Vermögen angeben – andernfalls handelt er wahrheitswidrig.

Offene Treuhandkonten

Neben den verdeckten gibt es ebenfalls die offenen Treuhandkonten. Bei diesen wird das Treuhandverhältnis offen dargelegt. Dies ist auch in der Bezeichnung des Kontos erkennbar: Das Konto lautet auf den Namen des Treunehmers und enthält zudem einen entsprechenden Zusatz, so beispielsweise „Hannes Schneider, Insolvenzverwaltung Maria Schulz“. Dadurch ist für die Bank klar erkennbar, wie sich das Treuhandverhältnis gestaltet.

Bei dieser Form wird zusätzlich zwischen dem offenen Anderkonto und sonstigen offenen Konten unterschieden. Letztere Treuhandkonten dürfen von allen privaten sowie gesetzlichen Treuhändern, die keine Erlaubnis haben, ein Anderkonto eröffnen zu können. Zu diesen Personengruppen gehören unter anderem:

  • Nachlassverwalter
  • Testamentsvollstrecker
  • Vermieter
  • Insolvenzverwalter
  • Verwalter von WEGs
  • Zwangsverwalter

Zusätzlich zur Kennzeichnung müssen bei diesen Konten in der Regel auch Namen und Anschrift des Treugebers angegeben werden.

Offene Anderkonto

Das Anderkonto ist eine spezielle Form des offenen Treuhandkontos. Dieses darf nur von folgenden Berufsgruppen eröffnet werden:

  • Notaren
  • Wirtschaftsprüfern
  • Steuerberatern
  • Rechtsanwälten

Hierbei wird das Konto durch den Treuhänder eröffnet, allerdings können sowohl der Kontoinhaber als auch der Bevollmächtigte über das Vermögen verfügen. Das Konto wird üblicherweise im geschäftlichen Bereich eingesetzt.

Im Gegensatz zu den anderen Treuhandkonten hat das Anderkonto einen entscheidenden Vorteil: Bei Insolvenz des Treuhänders fällt das Vermögen nicht in seine Insolvenzmasse, sondern ist geschützt. Darüber hinaus gelten für diese Kontoform besondere Geschäftsbedingungen. Eine weitere Besonderheit gegenüber den herkömmlichen Treuhandkonten ist, dass das eingegangene Geld sofort an den Endempfänger weitergeleitet wird.

Gut zu wissen:Die Hebegebühr

Für ein Anderkonto ist stets eine Hebegebühr fällig. Hierbei handelt es sich um eine Gebühr, die Notare und Rechtsanwälte erhalten, wenn Sie Geld von einem Anderkonto weiterleiten.

Eine Form des Anderkontos bildet das Notaranderkonto, welches häufig für Immobilienkäufe verwendet wird. Der Notar ist hierbei der Treuhänder: Erst, wenn der Immobilienkäufer als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen wurde, leitet er den Geldbetrag an den Verkäufer weiter. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass die große Geldsumme sicher übertragen wird. Außerdem kann der Notar so gewährleisten, dass der Käufer sein Eigentum erhält.

Dieses Konto bietet außerdem die Möglichkeit, noch verbleibende Grundschulden zu löschen. Der Notar erkundigt sich hierfür bei den Gläubigern, wie viel der Verkäufer ihnen noch schuldet. Zusätzlich fordert er Unterlagen, die ihm erlauben, die Grundpfandrechte zu löschen.

Die Grundschuld wird anschließend aus dem Kaufpreis abgelöst – der Verkäufer erhält also nur den Restbetrag. Sind diese Zahlungen bei den Gläubigern eingegangen, kann der Notar die Löschung der Grundschuld beantragen.

Wichtige Regelungen

Ist geplant, ein solches Konto zu eröffnen, sollten sich die Interessenten zuvor unbedingt mit den Regelungen auseinandersetzen.

Kosten und Steuern

Die Kosten für ein Treuhandkonto sind abhängig von der Kontoform: Bei Notaranderkonten wird beispielsweise die Hebegebühr fällig, die sich nach den Hebesätzen sowie nach dem Kaufpreis richtet. Einige Banken und Sparkassen bieten für normale Treuhandkonten wiederum eine kostenfreie Kontoführung an – hier sollten sich die Treuhänder ebenso wie die Treugeber beim jeweiligen Geldinstitut informieren.

Die Steuern müssen allerdings in jedem Fall vom Treugeber entrichtet werden, denn das Vermögen auf dem Konto wird seinen Einkünften zugerechnet. Diese Regelung wurde in §39 der Abgabenordnung (AO) festgelegt. Die Kirchensteuer wird allerdings nur dann fällig, wenn es sich beim Treugeber um eine natürliche Person handelt.

Achtung:Haftungshinweis

Der Treuhänder haftet stets dafür, dass die Steuern auf das Treugut fristgemäß sowie ordnungsgemäß gezahlt werden.

Kontoüberziehungen & Pfändung

Eine Überziehung des Kontos ist von vornherein ausgeschlossen. Auch darf die Bank das Konto nicht pfänden oder Geld zurückbehalten. Denn hierfür andere Geschäftsbedingungen gelten als für ein herkömmliches Girokonto, da der Treugeber nicht als Kontoinhaber aufgeführt wird.

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