Treuhandkredit: Kredit über Treuhänder erhalten

Zuletzt aktualisiert am 30.05.2017

Ein Treuhandkredit ist ein Kredit, der über eine dritte Partei abgewickelt wird. Der Treuhänder ist dabei in der Regel eine Bank, die für den korrekten Ablauf des Kreditgeschäfts sorgt. Da diese Kredite nicht von Banken vergeben werden, sondern in deren Geschäft lediglich „durchlaufen“, werden Treuhandkredite auch Durchlaufende Kredite genannt. Für die Funktion als Treuhänder erhalten Banken ein entsprechendes Entgelt.

Inhaltsverzeichnis

    In Deutschland bieten die meisten Banken Treuhandkredite an. Hierzu zählen vor allem Sparkassen oder Volksbanken-Raiffeisenbanken. Sie haben ohnehin einen gesellschaftlichen Auftrag und erweitern durch die Übernahme von Treuhandkrediten ihr Portfolio für die gesamtgesellschaftliche Förderung.

    Die Gelder für die Kredite erhalten Banken vom Staat oder von staatlichen Banken wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Möglich sind auch Versicherungen als Geldgeber für Treuhandkredite.

    Für die Funktion als Treuhänder werden die Banken von den Treugebern bezahlt. Dadurch verdienen Banken zwar nicht so viel wie bei der Vergabe eigener Kredite, dennoch wird durch die Gebühren der eigene Verwaltungsaufwand entlohnt.

    Kombination mit anderen Krediten

    Viele Banken bieten Treuhandkredite gemeinsam mit anderen Krediten an, um dadurch ihren Kundenstamm zu erweitern. Zugleich besteht die Möglichkeit, dass zum Beispiel künftige Immobilienbesitzer einen Treuhandkredit mit einem Immobiliendarlehen kombinieren. Auf diese Weise verdient die Bank zusätzlich an der konventionellen Kreditbereitstellung und hat durch das Angebot eines Treuhandkredits einen neuen Kunden gewonnen.

    Rechtliche Grundlage bei Treuhandkrediten

    In Paragraph 6 der Verordnung über die Rechnungslegung der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute wird genau geregelt, wie Banken Treuhandkredite in ihren Büchern ausweisen dürfen. Demnach müssen Treuhandkredite in der Bilanz aufgeführt werden.

    Verwaltung von Treuhandkrediten

    Bei der Auszahlung von Treuhandkrediten gibt es verschiedene Vorgehensweisen der Treuhänder. Während bei manchen Krediten sofort die komplette Kreditsumme ausgezahlt wird, gibt es andere Kredite, bei welchen nur Teilbeträge ausgezahlt werden.

    Ein typisches Beispiel für teilweise ausgezahlte Treuhandkredite sind Studienkredite, die treuhänderisch vergeben werden. Möglich ist ebenfalls die anteilig ausgezahlte Kreditsumme bei Existenzgründerdarlehen.

    Rollen und Funktionen beim Treuhandkredit

    Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kreditgeschäft besteht der Treuhandkredit aus drei Akteuren:

    1. Treugeber: Der Treugeber ist meist der Staat, eine staatliche Bank oder eine Versicherung, die das Kapital für den Kredit bereitstellen.
    2. Treuhänder: Der Treuhänder ist für die ordnungsgemäße Abwicklung und sachgemäße Verwendung des Treuhandkredits zuständig. Er zieht die fälligen Zinsen und Raten ein, die er an den Treugeber weiterleitet. Für die Verwaltung des Kredits erhält der Treuhänder eine Gebühr vom Treugeber.
    3. Kreditnehmer: Kreditnehmer können Privatkunden wie Unternehmen sein, die das Geld wie bei einem herkömmlichen Kredit beantragen und erhalten. Die Tilgung erfolgt über die Bank.

    Häufige Treuhandkredite der KfW in Deutschland

    In Deutschland werden Treuhandkredite häufig über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergeben. Diese staatliche Bank bietet sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen verschiedene Möglichkeiten für Darlehen an.

    • Existenzgründer: Für Existenzgründer gibt es über die KfW bestimmte Darlehen, die speziell zur Wirtschaftsförderung dienen sollen. Das Besondere an der Kreditvergabe besteht darin, dass dabei der Businessplan ein höheres Gewicht hat als die Bonität der Antragsteller. Entsprechende Kredite für Gründer können über die Banken wie Sparkasse oder Volksbanken beantragt werden.
    • Eigenheimbesitzer: Wer ein Haus besitzt, kann einen KfW-Kredit für die energetische Sanierung oder die Anschaffung von Geräten zur alternativen Energiegewinnung nutzen. So fördert die KfW zum Beispiel den Einbau einer Wärmepumpe.

    Fördermöglichkeit über das BafA

    Fördermöglichkeiten zum alternativen Heizen gibt es übrigens auch über das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BafA).

    • Studenten: Über die KfW können Studenten einen Studienkredit beantragen. Auf diese Weise trägt ein Treuhandkredit zur sozialen Förderung bei. Auszubildende können außerdem ein BAföG-Bankdarlehen beantragen.

    Neben der Unterstützung von Privatpersonen bietet die KfW außerdem Treuhandkredite für Unternehmen sowie für Kommunen und Sozialträger an.

    Im Jahr 2012 hat die KfW Treuhandkredite mit einem Gesamtvolumen von 437 Milliarden Euro vergeben.

    Vorteile des Treuhandkredits

    Ein Treuhandkredit ist für Kreditnehmer in der Regel mit vielen Vorteilen verbunden:

    • Kreditnehmer profitiert von Konditionen: Die Konditionen von Treuhandkrediten sind meist deutlich besser als von vergleichbaren Darlehen in der freien Wirtschaft. Diese Vorteile werden schließlich bewusst geschaffen, da sich der Staat mit der Kreditvergabe über Treuhänder gewisse Ziele setzt.

    Auch Banken können von der Vergabe von Treuhandkrediten profitieren:

    • Bank muss kein Kreditrisiko tragen: Das Risiko von Kreditausfällen trägt nicht der Treuhänder, sondern immer der Treugeber. Dies bringt die Banken in eine sehr komfortable Position. Sie müssen die Kredite lediglich verwalten.
    • Bank muss keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen: Da der Treugeber das Kapital bereitstellt, belastet die Kreditvergabe nicht die eigenen Mittel der Bank.

    Letztlich profitiert auch der Treugeber von einem durchlaufenden Kredit:

    • Treugeber benötigt keinen eigenen Verwaltungsapparat: Wenn der Staat Gelder für Treuhandkredite bereitstellt, muss er dafür keine eigenen Verwaltungsressourcen nutzen. Für die Verwaltung ist allein der Treuhänder zuständig. Hierfür fallen zwar Gebühren an. Sie liegen jedoch weit unter den Kosten der eigenen Kreditverwaltung.

    Treuhandkredit: Haftungsrisiko

    Eine Besonderheit des Treuhandkredits besteht darin, dass der Treuhänder kein Haftungsrisiko für den Kredit trägt. Als Treuhänder ist eine Bank lediglich dafür verantwortlich, dass der Kredit ordnungsgemäß verwaltet und organisiert wird. Die Haftung für den Kredit trägt der Treugeber.

    Allerdings gibt es in der Praxis Regelungen, nach welchen auch der Treuhänder teilweise am Kreditrisiko beteiligt ist. Auf diese Weise wird vom Treugeber sichergestellt, dass der Treuhänder die Kreditnehmer sorgfältig auswählt.

    Tilgungsausfall bei Treuhandkrediten

    Da es sich bei Treuhandkrediten in der Regel um die staatlich geförderte Kreditvergabe handelt, gibt es bei Problemen mit der Rückzahlung häufig kulantere Lösungen. So können zum Beispiel bei der KfW Anträge auf Stundung der Rückzahlung für Studienkredite gestellt werden. Wichtig ist dabei, dass nach Ablauf der Stundung die aufgelaufenen Raten auf einmal fällig werden.

    Treuhandkredite zur Gesellschaftsförderung

    Bei der Vergabe von Treuhandkrediten handelt es sich in der Regel hauptsächlich um öffentliche Gelder, die vom Treuhänder weitergegeben werden. Aus diesem Grund nutzen Staaten Treuhandkredite, um die gesellschaftliche Entwicklung zu fördern. Ziel von Treuhandfinanzierungen sind zum Beispiel die gezielte regionale Wirtschaftsförderung oder die Unterstützung für Investitionen in die soziale Infrastruktur.

    Die Motive des Staates können zum Beispiel folgende sein:

    • Familienförderung: Durch die Bereitstellung von günstigen Treuhandkrediten kann der Staat Familien fördern.
    • Wohnungsbauförderung: Treuhandkredite werden häufig für den sozialen Wohnungsbau genutzt. Auf diese Weise entsteht Wohnraum, der von sozial benachteiligten Familien bezogen werden kann. Möglich ist ebenfalls, diese Kredite für die Errichtung von sozialen Einrichtungen wie Kindergärten oder Seniorenheimen zu nutzen.
    • Förderung von Umweltschutzmaßnahmen: Mit durchlaufenden Krediten fördert der Staat die Umsetzung von energiesparenden Maßnahmen. So können Immobilienbesitzer zum Beispiel vergünstigte Kredite für die Wärmedämmung oder die energetische Sanierung von Gebäuden erhalten.
    • Denkmalschutz: Für Baumaßnahmen, die dem Erhalt kulturell wichtiger Gebäude dienen, können staatlich geförderte Treuhandkredite bereitgestellt werden.
    • Unternehmerförderung: Über treuhänderische Darlehen hat der Staat die Möglichkeit, Unternehmensgründer oder den Mittelstand gezielt zu fördern. Die Kredite erleichtern Investitionen in neue Maschinen oder Produkte und helfen bei der Gründung von Firmen.

    Diese Voraussetzungen müssen Treuhänder erfüllen

    Damit staatliche Gelder für die Finanzierung bereitgestellt werden können, müssen die Treuhänder versichern, die Kredite gemäß ihrem Zweck zu verwalten. Damit eingeschlossen ist die Verpflichtung, Zinsen oder Tilgungsraten wieder dem Treugeber zuzuführen, der in diesem Fall der Staat, ein Bundesland oder eine andere Körperschaft ist.

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