Stammaktien: Häufigste Aktiengattung in Deutschland

Zuletzt aktualisiert am 05.05.2017

In Zeiten niedriger Zinsen für die klassische Geldanlage wird der Aktienhandel in Deutschland immer beliebter. Eine wichtige Rolle dabei spielen sogenannte „Stammaktien“. Damit erwerben Anleger nicht nur Firmenanteile, sondern erhalten zugleich noch ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Erfahren Sie hier alles Wichtige rund um Stammaktien sowie die Unterschiede zu anderen Aktiengattungen.

Inhaltsverzeichnis

    Stammaktien sind Aktien, mit deren Bezug ein Aktionär Firmenanteile und ein Stimmrecht erhält. Diese Aktien werden auch „Stämme“ genannt und heben sich durch das eingeschlossene Stimmrecht von Vorzugsaktien ab.

    Die gesetzliche Grundlage für den Handel mit Stammaktien sowie deren Ausgestaltung liefert in Deutschland das Aktiengesetz. In Paragraph 12 des Aktiengesetzes (AktG) wird Aktionären das Stimmrecht eingeräumt:

    12 Abs. 1 AktG

    (1) Jede Aktie gewährt das Stimmrecht. Vorzugsaktien können nach den Vorschriften dieses Gesetzes als Aktien ohne Stimmrecht ausgegeben werden.

    Der Kurs einer Stammaktie kann an der Börse eingesehen werden, an welcher die Aktien gehandelt werden. In manchen Fällen werden Stammaktien nicht als Original an die Aktionäre ausgegeben. Stattdessen erhalten die Inhaber ein Zertifikat, das den Aktienbesitz verbrieft.

    Dies gilt insbesondere dann, wenn international mit Aktien gehandelt wird. Diese Zertifikate werden wie Aktien behandelt, heißen jedoch zum Beispiel Global Depository Receipt (GDR). Auf Deutsch werden diese Zertifikate auch „Hinterlegungsschein“ genannt.

    Aktionärsrechte und -pflichten

    Wer Aktien an einem Unternehmen hält, hat verschiedene Rechte sowie Pflichten. Die Rechte und Pflichten sind im Aktiengesetz definiert.

    Aktionärs-Rechte

    Stimmrechte
    • In der Hauptversammlung haben Inhaber von Stammaktien ein Stimmrecht. Dieses Stimmrecht umfasst folgende Aspekte.
    • Der Aktionär stimmt über die Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern der Eigentümerseite ab.
    • Der Aktionär entscheidet mit, wie der Bilanzgewinn verwendet wird.
    • Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat.
    • Aktionäre haben das Recht, über die Bestellung von Abschlussprüfern mit zu entscheiden.
    • Aktionäre mit Stimmrecht können Satzungsänderungen beeinflussen.
    • Das Stimmrecht gilt auch für die Maßnahmen zur Kapitalbeschaffung und Kapitalherabsetzung.
    • Mit dem Stimmrecht kann für oder gegen die Auflösung der Aktiengesellschaft gestimmt werden.
    Recht auf anteilige Dividende
    • Wer Aktien gekauft hat, hat auch ein Anrecht auf eine anteilige Dividende.
    Recht auf Information  
    • Aktionäre müssen über alle relevanten Vorgänge im Unternehmen informiert werden.
    Bezugsrecht  
    • Als Altaktionär hat ein Aktieninhaber den Vorzug, wenn neue Aktien zur Kapitalbeschaffung ausgegeben werden. Er darf sein Portfolio dann mit frischen Aktien ausgleichen, um eine Verwässerung seiner Anteile zu verhindern.
    Anteiliger Liquidationserlös
    • Wird die Aktiengesellschaft liquidiert, also aufgelöst, haben Aktionäre ein Recht, finanziell im Verhältnis zu ihren Anteilen am Verkauf des Unternehmens beteiligt zu werden

    Aktionärs-Pflichten

    Pflicht zu bezahlen
    • Hat ein Aktionär Aktien geordert, muss er diese bezahlen. Diese Zahlung wird auch „Einlagenleistung“ genannt. Sie wird im Aktiengesetz festgelegt. Allerdings besteht keine sogenannte „Nachschusspflicht“, wenn das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage gerät.
    Dem Unternehmen nicht schaden
    • Aktionäre dürfen dem Unternehmen keinen Schaden zufügen, an welchem sie Stammaktien halten.

    Unterschied zu anderen Aktiengattungen

    Stammaktien unterscheiden sich von anderen Aktiengattungen vorwiegend dadurch, dass mit ihrem Erhalt auch Stimmrechte übergeben werden. Somit können zum Beispiel Großaktionäre, die viele Stammaktien eines Unternehmens halten, dort großen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung nehmen.

    So können Stammaktien ausgegeben werden

    1. Inhaberaktien: Bei Inhaberaktien darf derjenige seine Aktionärsrechte wahrnehmen, der die Aktie auch besitzt. Häufig können diese Aktionäre ungenannt bleiben.
    2. Namensaktien: In diesem Fall sind die mit der Aktie verknüpften Rechte an den Namen gebunden, der im Aktionärsregister eingetragen wurde. Bei diesen Aktien muss der Name nach dem Verkauf der Wertpapiere geändert werden.
    3. Stückaktien: Bei diesen Aktien wird über die Satzung der AG angegeben, welchen Wert sie in Bezug zum Grundkapital haben.
    4. Nennwertaktien: Diese Aktien verfügen über einen festen Nennwert am Grundkapital der Aktiengesellschaft.

    Dabei sind sowohl „junge“ als auch „alte“ Aktien möglich. Bei jungen Aktien handelt es sich zum Beispiel um Wertpapiere, die zur Erhöhung des Eigenkapitals ausgegeben werden.

    Unterschied zu Vorzugsaktien

    Grundsätzlich unterscheiden sich Vorzugsaktien (Link zu Ratgeber) und Stammaktien dadurch, dass Stammaktien ein Stimmrecht beinhalten und Vorzugsaktien nicht. Das Stimmrecht wird in der Regel durch eine niedrigere Dividendenausschüttung bei Stammaktien kompensiert.

    Stammaktien notieren in der Regel höher als Vorzugsaktien, weil die Aktionäre für ihr Stimmrecht im Gegenzug eine niedrigere Dividende erhalten. Inhaber von Vorzugsaktien erhalten die Dividendenzahlung bevorzugt. Dafür ist der Kurs der Vorzugsaktien niedriger.

    Bei einem Aktiensplit werden jedoch Vorzugsaktien in der Regel gleich wie Stammaktien behandelt. Auf diese Weise wird vermieden, dass die Vorzugsaktien einen höheren Anteil am Grundkapital darstellen.

    Zugleich gibt es aber auch Unternehmen, die Vorzugsaktien mit Stammaktien verschmelzen. Auf diese Weise kann zum Beispiel verhindert werden, dass Großaktionäre über ihre Anteile an Stammaktien zu großen Einfluss auf ein Unternehmen bekommen.

    Vorzugsaktien können in Stammaktien umgewandelt werden. Dieser Vorgang muss auf der Hauptversammlung genehmigt werden und die Vorzugsaktionäre müssen der Umwandlung zustimmen.

    Großaktionäre kaufen häufiger Stammaktien

    Stammaktien werden häufig von Großaktionären gekauft, weil diese durch das Stimmrecht und große Anteilseigner maßgeblich Einfluss auf die Unternehmensentwicklung nehmen können.

    Privatanleger verzichten meist auf das Stimmrecht und kaufen Vorzugsaktien. Mit diesen erhalten sie dann zum Ausgleich eine höhere Dividende und werden bei deren Auszahlung bevorzugt.

    Chancen und Risiken

    Chancen und Vorteile: 

    • Stimmrecht: Mit jeder Stammaktie erhalten die Inhaber des Wertpapiers ein Stimmrecht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Stammaktie als Namens- oder Inhaberaktie ausgegeben wurde.
    • Rendite: Durch eine positive Kursentwicklung können Anleger höhere Renditen als bei anderen Anlageformen erzielen.
    • Dividende: Auf Stammaktien wird in der Regel eine Dividende gezahlt. Sie fällt jedoch meist niedriger aus als bei Vorzugsaktien.
    • Flexibilität: Stammaktien können sehr schnell verkauft und gekauft werden. Somit können Anleger bei Kursverlusten oder Kurssteigerungen schnell reagieren.

    Risiken und Nachteile:

    • Dividendenrendite: Die Rendite hängt stark von der Unternehmensentwicklung ab. Somit ist der Gewinn ebenfalls vom Erfolg des aktienausgebenden Unternehmens abhängig.
    • Kursentwicklung: Wie bei allen Aktiengeschäften besteht auch bei Stammaktien ein Kursrisiko. Im schlimmsten Fall ist eine negative Rendite möglich. Wird die Aktiengesellschaft insolvent, kann ein Anleger einen Totalverlust erleiden. Allerdings muss er, sofern vorhanden, an den Liquidationserlösen beteiligt werden.

    Stammaktien kaufen

    Stammaktien können an den offiziellen Börsen sowie außerbörslich gekauft werden. Hierfür benötigen Sie in der Regel ein Depot bei einer Bank. Darüber werden die Aktienkäufe und -verkäufe abgewickelt.

    Die Einrichtung eines Depots kann heute meist online erfolgen. Für die Depotführung können beim jeweiligen Bankinstitut Gebühren erhoben werden. Für den Kauf von außerbörslich gehandelten Wertpapieren können Sie auch einen Online-Broker nutzen.

    Das ist beim Aktienkauf zu beachten

    1. Informieren Sie sich vor dem Aktienkauf über das Unternehmen sowie dessen Funktionsweise. Hier gilt: Je besser Sie das Unternehmen kennen, desto besser sind Entwicklungen abzusehen.
    2. Prüfen Sie die Wertentwicklung des Unternehmens an der Börse. Gab es starke Kursschwankungen? Weist der Kurs langfristig nach unten?
    3. Rufen Sie die Zahlen zur Dividendenrendite ab. Schüttet das Unternehmen hohe Dividenden aus oder gar keine?
    4. Achten Sie auf das Handelsvolumen. Dabei handelt es sich um den Wert und den Umfang der gehandelten Aktien. Grundsätzlich gilt: Je größer das Handelsvolumen, desto mehr Aktien können ge- und verkauft werden. Größere Handelsvolumina gelten als Hinweis auf weniger spekulative Aktien. Kleinere Handelsvolumina hingegen weisen meist auf hochspekulative Aktien hin. Darüber hinaus spielt das Handelsvolumen eine wichtige Rolle, um Kursbewegungen nachzuvollziehen.

    Handelsvolumen gemeinsam mit Kurs betrachten

    Wenn Sie feststellen, dass das Handelsvolumen einer Aktie an einem Tag enorm gestiegen ist, kann dies auf eine vermehrte Nachfrage bei Anlegern hinweisen. Ebenso ist es aber möglich, dass viele Anleger diese Aktie verkauft haben. Somit ist das Handelsvolumen gemeinsam mit dem Kurs zu betrachten.

    Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, wann der Zeitpunkt zum Kauf von Stammaktien günstig ist. Allerdings gibt es keinen definitiven Tipp zum optimalen Einstieg.

    Wichtig ist immer, das Börsengeschehen im Vorfeld zu beobachten. Doch letztlich lassen sich die Kursentwicklungen nie zu 100 Prozent voraussagen.

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